Die Liberalkatholische Kirche ist eine in ihrer Theologie stark von der Theosophie beeinflusste kleine Glaubensgemeinschaft, die sich als „Kirche“ bezeichnet und eine katholische Symbolstruktur verwendet.
Verbreitung Die Liberalkatholische Kirche hat weltweit mehrere tausend Mitglieder, die meisten in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich, in Australien und im französischsprachigen Afrika.
Sie hat derzeit eine Eremitage in Deutschland (Lebach)Liberal-Katholische Kirche in Deutschland sowie eine Gemeinde in Österreich (Wien).
Der Religionswissenschaftler Georg Schmid gibt für Deutschland 200 Mitglieder an.Georg Schmid: Kirchen, Sekten, Religionen. 2003.
Geschichte Die rein theosophisch-esoterische Kirche wurde im Jahre 1916 von den beiden Theosophen James Ingall Wedgwood und Charles Webster Leadbeater in England gegründet. Das Konzept einer okkult-esoterischen Vereinigung mit Kirchenstruktur stammte von Éliphas Lévi, der aber bereits vor der Gründung der Theosophie im Jahre 1875 starb, dennoch auf die moderne Esoterik und den Okkultismus einen großen Einfluss hatte. Das Motiv für die Kirchengründung sei das Bestreben gewesen, trotz der Haltung der Theosophischen Gesellschaft Adyar gegenüber den Kirchen, Kirchenanhänger zu gewinnen.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 380 und 382.Rudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1991, S. 72. Wedgwood, der 1900 bis 1904 Teil der Anglikanischen Kirche war und dort Geistlicher werden wollte, wurde am 22. Juli 1913 durch Arnold Harris Mathew in der Alt-Katholischen Kirche in England ordiniert und bereitete mit jenem zusammen die Grundlage für die heutige LCC.
Auf einer Synode am 6. September 1918 in London einigten sich die anwesenden Priester und Bischöfe, darunter Wedgwood als Vorsitzender Bischof, auf einen neuen Namen für ihre reorganisierte Alt-Katholische Kirche und nannten diese schließlich The Liberal Catholic Church („Liberalkatholische Kirche“). In den folgenden Jahren reiste Wedgwood häufig, konsekrierte zahlreiche Priester als auch Bischöfe und eröffnete Zentren für die wachsende Kirche.
+ Vorsitzende Bischöfe der Liberalkatholischen KircheLiberalkatholische Apostolische Nachfolge: https://liberal-katholische-kirche.de/grundsaetze/apostolische-nachfolge/The Liberal Catholic, Magazine: Zeitraum Name 6. September 1918 – 2. April 1923 James Ingall Wedgwood 2. April 1923 – 1. März 1934 Charles Webster Leadbeater 26. Juli 1934 – 26. Januar 1956 Frank Waters Pigott 10. Mai 1956 – 1. November 1964 Adriaan Gerard Vreede 9. November 1964 – 8. Juni 1973 Hugh Baronnet Sykes 8. Juni 1973 – 9. September 1984 Sten Herman Philip von Krusenstierna 9. September 1984 – 16. April 1992 Eric Scollick Taylor 16. April 1992 – 15. April 1999 Johannes Cornelius van Alphen konservativer Zweigreformierter Zweig Zeitraum Name Zeitraum Name 18. April 2000 – 25. Dezember 2005 Ian Richard Hooker 9. Juni 2003 – 14. Juni 2005 Tom Degenaars seit 25. Dezember 2005 Graham Sidney James Wale 25. Juni 2005 – 2011 Maurice Henri Joseph Ghislain Warnon 2011 – Juli 2016 James Zinzowseit Juli 2016Michael Warnon
In Deutschland nannte sich die Liberalkatholische Kirche von 1933 bis zum Verbot im Nationalsozialismus 1937 „Freie katholische Kirche“.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 380 und S. 382–383.
Seit 1945 gibt es zwei Zweige, die Liberal Catholic Church International (LCCI), die hauptsächlich in den USA vertreten ist und die Liberal Catholic Church (LCC), hauptsächlich ansässig in Europa. (englisch)
Die Altkatholische Kirche von Großbritannien – Erzbischof Mathew Arnold Harris Mathew wurde 1853 geboren und im Jahre 1877 in der Römischen Kirche zum Priester geweiht. Einige Jahre später zog er sich von der priesterlichen Arbeit zurück, da er unzufrieden mit der Römischen Kirche als Organisation war. Mit der Alt-Katholischen Kirche kam er durch einen früheren römisch-katholischen Priester in Kontakt, der überzeugt war, dass bei Gründung einer Alt-Katholischen Kirche in England Konvertiten aus der römisch-katholischen Geistlichkeit von allen Seiten zuströmen würden. Aufgrund dieses Hinweises schrieb Mathew darüber an den Erzbischof von Utrecht bezüglich der Gründung einer solchen Mission. Zu diesem Zwecke wurde er selbst in Utrecht am 28. April 1908 von dem dortigen Erzbischof zum Bischof geweiht. In und um London begann er Gottesdienste abzuhalten und Priester zu weihen. Die erwartete hohe Zahl von Konvertiten aus dem römischen Klerus blieb jedoch aus. Ein herausstechendes Merkmal der Arbeit in der Mission von Erzbischof Mathew war die völlige Freiheit von Dogmen des Römischen Katholizismus und der Anglikanischen Staatskirche, was bei einigen Menschen mit spirituellen Bedürfnissen, aber Ablehnung der herkömmlichen Lehren dieser Kirchen, Anklang fand.
Nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem bischöflichen Stuhl von Utrecht wurde Bischof Mathew im Jahre 1911 von seiner Gemeinschaft zum Erzbischof gewählt und nahm deshalb diesen Titel an. Als James Ingall Wedgwood 1913 mit Erzbischof Mathew in Kontakt kam, war er über den – gemessen am Mitgliederzuwachs – geringen Erfolg der Missionstätigkeit überrascht. Streitigkeiten mit Utrecht führten schließlich zu einem Abbruch der Beziehungen. Ebenso kam es zu Unstimmigkeiten bis zu Anfeindungen mit der anglikanischen Gemeinde und dem Erzbischof von Canterbury, da er sich erbot deren Weihen zu regulieren. Weiterhin kam es zu Konflikten mit den Theosophen in seiner Bewegung und sogar mit seinem eigenen Auxiliar-Bischof Willoughby.
Zufolge einer Andeutung Bischof Mathews im Jahre 1914, dass er sich zurückziehen wolle, wurde eine Wahl für einen Auxiliar-Bischof abgehalten. Der zum Auxiliar-Bischof gewählte Priester wurde F. S. Willoughby, ehemaliger anglikanischer Priester und zeitgenössischer Vikar in Stock-ton-on-Tees. Er hatte das St. Chad’s Hostel (Studenten-Wohnheim) gegründet, das der Ursprung eines der Colleges der Universität von Durham wurde. Im Jahre 1914 wurde er von Erzbischof Mathew zum Bischof geweiht. Bald danach gab es Streitigkeiten zwischen Erzbischof Mathew und Bischof Willoughby, und beide Männer entschlossen sich, sich wieder der römischen Kirche zu unterwerfen. Vorangegangen war ein Aufruf Mathews in einem Pastoralbrief (6. August 1915) an die Priester und Laien der Altkatholischen Kirche in Großbritannien, dass eine Mitgliedschaft in dieser und gleichzeitig in der Theosophischen Gesellschaft sich ausschließen, woraufhin der Großteil der Priester ihm öffentlich widersprach. Die dissidenten Priester wählten daraufhin zwei von ihnen im Jahre 1915, Robert King und Rupert Gauntlett, zu Bischöfen, die von Mathews Co-adjutor Willoughby geweiht wurden. Erzbischof Mathew hatte Ende 1915 seine Unterwerfung unter Rom angeboten und versucht, seine Bewegung aufzulösen. Jedoch wurde er nicht wieder in die Römische Kirche aufgenommen und starb 1919.
Übergang zur Liberalkatholischen Kirche – Bischof Wedgwood James Ingall Wedgwood, ein früherer Schüler des Organisten des Münsters von York, Tertius Noble, war zu einer Autorität auf dem Gebiet des Orgelbaues geworden und hatte ein Lexikon über Orgelregister herausgebracht, welches heute noch rezipiert wird. Er studierte Theologie in der Absicht, die anglikanischen Weihen zu erhalten, zeigte aber tieferes Interesse an der theosophischen Bewegung und Gesellschaft und wurde infolgedessen aus der Kirche von York, in der er sich seiner Ausbildung unterzog, ausgeschlossen. Am 22. Juli 1913 wurde er von Erzbischof Mathew, wie in der Folgezeit auch einige andere Theosophen, zum Priester der Alt-Katholischen Kirche in England geweiht. Als Kanonikus Wedgwood von einem Besuch aus Australien zurückkehrte, wurde er am 13. Februar 1916 von Bischof Willoughby zum Bischof geweiht, wobei die Bischöfe King und Gauntlett assistierten. Er wurde kurz darauf zum Vorsitzenden Bischof der Alt-Katholischen Kirche in England ernannt.
Bischof Wedgwood war in seiner Missionstätigkeit erfolgreicher als Erzbischof Mathew und die Bewegung gewann tatsächlich eine beträchtliche Anzahl von Anhängern. Während der nächsten Jahre bereiste er die Welt und verbreitete das Konzept der neuen Kirche. Des Weiteren formulierte er die Liturgie aus, wie sie von der LCC heute noch in der Benutzung ist.
Am 1. und 2. Dezember 1917 wurde eine wichtige Klerus-Synode der Alt-Katholischen Kirche in London abgehalten. Es wurde jetzt erwogen, dass angesichts der tiefen Kluft, die zwischen der Kirche von London und der Mutterkirche in Utrecht bestand, der Kirche, der Bischof Wedgwood vorstand, einen anderen Namen zu geben. Nach vielen Diskussionen wurde daher beschlossen, sie „Liberale Christliche Kirche“ zu nennen. Bei dieser Zusammenkunft wurde vereinbart, dass der Klerus purpurfarbene statt schwarzer Soutanen tragen solle, und dass die Geistlichen keine klerikalen Gewänder zu tragen brauchen, wenn sie nicht an Gottesdiensten teilnehmen; ferner, dass der Titel Reverend nur von Geistlichen im Rang eines Diakons oder darüber geführt werden solle. In einer folgenden Synode im September 1918 wurde der Name der Kirche schließlich in „Liberal Catholic Church“ geändert. Das sollte ebenfalls verdeutlichen, dass die Kirche sich selbst als katholisch betrachtet, jedoch unabhängig von dem Zwang von Dogmen des herkömmlichen Christentums und bereit eventuelle neue Erkenntnisse der Gegenwart aufzugreifen.
Bischof Wedgwood weihte in Australien den Theosophen Charles Webster Leadbeater sub conditione zum Priester und erteilte ihm die Bischofsweihe. Leadbeater war bis 1883 Priester der Anglikanischen Kirche gewesen. Zusammen revidierten sie die Messe und stellten eine Liturgie zusammen. Dies geschah auf der Grundlage der römischen Liturgie, wenngleich jene in ihren Augen modernisiert wurde. So wurde z. B. das Schlussevangelium weggelassen. Das Messbuch wurde in die Landessprache übersetzt (dabei zuerst ins Englische).
Während Bischof Wedgwood in Sydney war, weihte er J. A. Mazel, der die Kirche nach Indonesien ausbreitete. Auf seiner Rückreise weihte er Priester für die Arbeit in den USA. Bei späteren Reisen übertrug er das Bischofsamt auf eine Anzahl von Priestern, die in der Lage sein sollten, die Kirche in ihren Ländern auszubreiten. Der erste Priester, der unter Verwendung der neuen Liturgie geweiht wurde, war Irving Cooper, designierter Bischof aus den Vereinigten Staaten.
Weitere Entwicklung Nach Platt (1982) waren die frühen Jahre von enormer Bedeutung, da in ihnen grundsätzliche offizielle Dokumente zu Liturgie, Doktrin und Verfassung geschrieben wurden und Leadbeater und Wedgwood zahlreiche Schriften verfassten, welche zunehmend normativen Charakter erhielten. Daneben wurde das episkopale Gemeinschaftswesen bestimmt, sowie die theosophische Ausrichtung der Kirche herausgearbeitet, woraus auch ein ambivalentes Verhältnis zur Theosophischen Gesellschaft entstand.Warren C. Platt: THE LIBERAL CATHOLIC CHURCH: AN ANALYSIS OF A HYBRID SECT. ProQuest Dissertations Publishing, New York 1982. S. 29–31.
Viele der Tätigkeiten der LCC in London waren bis dahin in einer Privatkapelle am Red Lion Square und auch am Upper Woburn Place getan worden, bei zeitweisem Gebrauch verschiedener größerer Säle für besondere Zeremonien. 1925 wurde ein Kirchengebäude in der Caledonian Road gekauft, um als Pfarrkirche zu dienen. Sie wurde am 4. Juli 1926 als Pfarrkirche von St. Mary geweiht. 1927 wurde in 30 Gordon Street ein ständiges Büro für die Kirche erworben. Auch in Sydney in Australien wurde ein Kirchengebäude gekauft, von dem aus später regelmäßige Radiosendungen der Kirche ausgestrahlt wurden. Im Jahre 1922 legte Bischof Wedgwood sein Amt als Vorsitzender Bischof und Bischof für Großbritannien und Irland aus privaten Gründen nieder.