Straßenentwässerung hat die Aufgabe, Wasser von der Straße fernzuhalten bzw. schnell abzuführen, da der Baukörper der Straße und die Verkehrssicherheit durch Wasser gefährdet werden können. Die Planung der Entwässerungseinrichtungen an Straßen erfolgte bis 2021 in Deutschland auf der Grundlage der Richtlinien für die Anlage von Straßen – Entwässerung, RAS-Ew (Ew für Entwässerung). Inzwischen gelten die im selben Jahr von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen veröffentlichten Richtlinien für die Entwässerung von Straßen, REwS 21.
Arten von Wasser Das bei der Straßenentwässerung gesammelte Wasser wird natürlichen oder künstlichen Gewässern, den Vorflutern, zugeführt. Das bei Regen und Schnee anfallende Wasser nennt man Oberflächenwasser.
Im Boden vorhandenes Wasser, zum Beispiel Sickerwasser oder Grundwasser, kann an die Oberfläche gelangen (z. B. durch steigenden Grundwasserpegel beim Hochwasser eines nahen Gewässers) und wird dann ebenfalls per Straßenentwässerung abgeleitet.
Dieses Wasser kann bei Straßen mit Bordsteinen kaum und bei Straßen ohne Bordsteine teilweise im Boden versickern. Es kann den Straßenverkehr gefährden, zum Beispiel wenn es Aquaplaning verursacht oder zu Glatteis gefriert. Das Wasser kann auch in den Straßenoberbau eindringen. Wenn es dort gefriert, entsteht Frostaufbruch.
Straßenabwasser ist typischerweise mit anorganischen Stoffen belastet, darunter Abrieb von Reifen (Hauptquelle anthropogener Mikroplastikemissionen) und von Bremsbelägen. Die Stoffe können gelöst oder partikulär gebunden vorliegen.siehe auch www.lanuv.nrw.de: Untersuchungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich Abwasser zum Themenschwerpunkt Niederschlagswasserbeseitigung (pdf, 2017)
Oberflächenentwässerung außerhalb bebauter Gebiete
In der offenen Ortslage (außerhalb bebauter Gebiete) sollte das Oberflächenwasser im Regelfall breitflächig abfließen und versickern können, dazu können verschiedene Techniken der Regenwasserversickerung angewendet werden. Sollte eine Versickerung nicht möglich, bzw. erlaubt sein, so ist der Abfluss gesammelt weiter- bzw. abzuleiten. Zur Ableitung wird der Abfluss zunächst in der Entwässerungsmulde oder im Entwässerungsgraben aufgefangen. Über Ablaufschächte wird es dann in Rohrleitungen geleitet und zum Vorfluter geführt.
Die Nutzung offener, oberirdischer Anlagen ist bei der Entwässerung von Verkehrsflächen der geschlossenen, unterirdischen Entwässerung vorzuziehen, da oberirdische Systeme zugänglicher und somit einfacher zu überwachen und zu unterhalten sind.
Zur qualitativen (Vor-)Behandlung vor der Versickerung oder Einleitung eignen sich etwa Retentionsbodenfilter oder technische Filter (z. B. Polstofffilter).
Entwässerungsmulde
Eine Entwässerungsmulde ist eine begrünte Entwässerungseinrichtung zum Sammeln, Versickern bzw. Fortleiten von Oberflächenwasser. Sie ist im Gegensatz zum Graben oder Versickerungsbecken flach ausgebildet.
Es gibt drei verschiedene Mulden:
Versickerungsmulden Mulden mit sehr geringen Gefällen; Mulden mit großen Längsgefällen.
Versickerungsmulden
Bei Versickerungsmulden handelt es sich um begrünte Vertiefungen im Boden, welche einen Rückhalt und eine Speicherung des Niederschlagsabflusses der angeschlossenen befestigten Flächen zulassen. Die Versickerung (Ableitung in den Untergrund) geschieht über die Sohl- sowie die Seitenflächen der Anlage. Sie werden außerhalb als auch innerhalb geschlossener Ortschaften eingesetzt.
Maße: Breite: 1–2,5 m Tiefe: 20–50 cm (in der Regel 1/5 der Breite)
Die Sohle ist möglichst horizontal auszubilden. Ist die zu entwässernde Fläche mit einem Längsgefälle angelegt, müssen Muldenschwellen ausgebildet werden, um eine Speicherung des zu versickernden Niederschlagswassers zu gewährleisten. Durch die Speicherkapazität der Mulde kann die Zeit der Versickerung über die Dauer des Regenereignisses hinaus verlängert und die zur Verfügung stehende Fläche effektiver genutzt werden. Um die Einstauzeit gering zu halten, ist die Tiefe der Mulde zu begrenzen. Hier hat sich eine Tiefe von 30 cm bewährt.
Wenn Versickerungsmulden zwischen unterschiedlichen Verkehrsflächen angeordnet werden, können sie als Sicherheitstrennstreifen dienen, z. B. zwischen Fahrbahn und Gehweg.
Mulden mit sehr geringem Gefälle
Das Gefälle ist kleiner als 1 %. Sie erhalten in der Regel eine glatt ausgebildete Sohlbefestigung, etwa aus Betonfertigteilen auf einer 10 cm dicken Sandbettung.
Mulden mit großen Längsgefällen
Das Gefälle liegt über 4 %. Mulden mit großem Längsgefälle werden mit einer unebenen Sohle ausgebildet, um die Fließgeschwindigkeit und die Schleppkraft zu verringern.
Die Art der Befestigung ist abhängig vom Längsgefälle.
bei 3–5 % Längsgefälle: Mulde mit rauer Sohlbefestigung: Grobschotter auf 10 cm Kiessand oder Splitt
bei 4–10 % Längsgefälle: Mulde mit rauer Sohlbefestigung: Natursteinbruch, Pflaster oder Betonrasensteinen in 10 cm Kiessand oder Splitt
über 10 % Längsgefälle: Raubettmulde: 18–36 cm Steinsatz auf 15 cm Kiessand, ggf. mit zusätzlicher Sicherung Böschungskaskaden.
Entwässerungsgraben
Der Entwässerungsgraben (auch Straßengraben) wird hauptsächlich zur Entwässerung land- und forstwirtschaftlicher Wege oder als Sammler zum Fortleiten von Wasser zum Vorfluter angelegt. Neben Verkehrsflächen wird er selten angelegt, da er aufgrund seiner Tiefe eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt.
Man unterscheidet vier verschiedene Arten von Gräben: Graben ohne Sohlgefälle Graben mit sehr geringen Gefällen Graben mit großen Längsgefällen Abfanggraben
Graben mit sehr geringen und großen Gefällen unterscheiden sich von den dementsprechenden Mulden nur durch die Form ihres Querschnittes. Die Art der Befestigung ist bei beiden gleich.
Eine besondere Form des Entwässerungsgrabens ist der Abfanggraben (selten auch Abfangegraben genannt). Er wird an Hängen oberhalb von Straßenböschungen angelegt und fängt Wasser ab, das der Standsicherheit des Hanges oder der Böschung schaden könnte.
Oberflächenentwässerung innerhalb bebauter Gebiete
Die REwS gilt für Maßnahmen an Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften, kann aber in Verbindung mit den DWA-Regelwerken auch sinngemäß für Straßen in geschlossenen Ortschaften verwendet werden. Auch hier soll das Niederschlagswasser nach Möglichkeit versickert werden. Siehe: Schwammstadt
Die versiegelten Flächen bebauter Gebiete behindern die dezentrale Regenwasserversickerung. Zur Anlage von Versickerungsmulden steht oft nicht genügend Platz zur Verfügung. Rigolen und Mulden-Rigolen-Elemente (M-R-E) lassen sich leichter im Straßenraum unterbringen.
Neben der Entwässerungsfunktion erhöhen begrünte und bepflanzte Versickerungsanlagen die Aufenthaltsqualität des Straßenraums und können das Stadtklima durch Verdunstungskälte und Verschattung verbessern. Pflanzungen haben raumgliedernde und raumbildende Eigenschaften, die zur Orientierung im Straßenraum beitragen. Dies gilt insbesondere für Baumpflanzungen, die auch zur optischen Markierung von Straßenräumen, Einengungen oder Mittelinseln dienen und eine verkehrsberuhigende Funktion durch die visuelle Begrenzung des Straßenraums übernehmen können.
Entwässerungsfreundliche Verkehrsinseln, Ausbuchtungen und Haltestellen
Oberirdische Versickerungsanlagen können in fahrbahnverengenden oder die Fahr- oder Parkstreifen unterbrechenden Ausbuchtungen und Inseln angeordnet werden, die oft eine geschwindigkeitsreduzierende Funktion haben, indem sie die Verkehrsfläche des motorisierten Verkehrs visuell einengen. Wenn die Versickerungsanlage mit Querungsstellen des Fußverkehrs kombiniert wird, entspricht die Funktion den in der RASt 06 beschriebenen vorgezogenen Seitenräumen.
An Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), insbesondere an Haltestellenkaps können Versickerungsanlagen im Verziehungsbereich zur an die Haltestelle grenzende Verkehrsfläche, z. B. Parkstreifen, eingerichtet werden. Versickerungsanlagen an Haltestellen können auch als Abgrenzung zwischen Wartebereich und dem durchgehenden Gehweg ausgebildet werden.
Verkehrsraumteilende Versickerungsanlagen
Versickerungsanlagen können auch verschiedene Verkehrsflächen voneinander abgrenzen, etwa indem Tiefbeetmulden oder andere Versickerungsanlagen mit vertikalen Seitenwänden genutzt werden, um geschützte Radfahrstreifen vom motorisierten Verkehr zu trennen. Versickerungsflächen werden oft durch nicht überfahrbare Bordanlagen begrenzt. Der Abfluss kann dann über Absenkungen bzw. Einlässe in sie eingeleitet werden. Wird auf eine nicht überfahrbare Abgrenzung verzichtet sollte die Versickerungsfläche z. B. durch Poller abgegrenzt werden.
Entwässernde Mittelstreifen Mittelstreifen, welche an breiten Straßen die Verkehrsrichtungen trennen, bzw. als Querungshilfe für Fußgänger dienen, können ebenfalls als effektives Mittel der Regenwasserbehandlung ausgebildet werden. Die oft unrealisierte Fläche des Mittelstreifens kann bei ausreichender Breite zur Regenwasserbehandlung/ -versickerung beitragen, indem der Abfluss der Verkehrsfläche zur Mitte der Straße geleitet wird. Hier wird der Abfluss beider Fahrstreifen in den Mittelstreifen über punktuelle Einläufe eingeleitet und über eine Mulde versickert. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass bei vorhandenen Straßenräumen der Mittelstreifen häufig einen Hochpunkt im Querschnitt darstellt. Eine Nutzung von Mittelstreifen im Bestand ist oft nicht ohne bauliche Maßnahmen möglich. Je nach Breite des Streifens können hier verschiedene Versickerungstechniken eingesetzt werden. Im Bereich von Querungsstellen und Kreuzungen, bzw. Einmündungen sollte die Bepflanzung niedrig gehalten werden.
Kann das Oberflächenwasser wegen Platzmangels bzw. aufgrund anderer örtlicher Gegebenheiten nicht versickert werden, wird es am Fahrbahnrand in Entwässerungsrinnen aufgefangen und in Straßenabläufen eingeleitet, die an den Entwässerungskanal angeschlossen sind und den Abfluss zum Vorfluter ableiten.
Mulden-Rigolen-Element (M-R-E) Das Mulden-Rigolen-Element (M-R-E) kombiniert die Techniken der Mulden- und Rigolenversickerung. Hier werden Versickerungsmulde und Rigole vertikal übereinander angeordnet. Ziel ist es eine große Speicherkapazität mit einem geringen Flächenverbrauch und der Reinigungsleistung der belebten Oberbodenzone zu kombinieren. Das Mulden-Rigolen-Element bietet dabei zwei separate Speicher für das Regenwasser.
Im Regenereignis wird das abfließende Niederschlagswasser in die Mulde eingeleitet und dort zwischengespeichert und durch die belebte Oberbodenzone versickert. Aufgrund der vertikalen Anordnung der beiden Elemente erreicht das Wasser anschließend den Speicherraum der Rigole. Während sich die Rigole mit dem Niederschlagswasser füllt, entleert sich die Mulde und regeneriert ihr Speichervolumen für möglicherweise nachfolgende Regenereignisse. Aus der Rigole versickert das Niederschlagswasser in den Untergrund.
Um Verschmutzungen der Rigole vorzubeugen, sollten keine Abflüsse direkt in die Rigole eingeleitet werden. Im Falle, dass der Regen das Bemessungsereignis der Versickerungsmulde überschreitet und diese somit überstauen würde, können Überläufe zwischen der Mulde und der Rigole hergestellt werden. Die geringe Überlaufmenge, welche nicht durch die Bodenpassage gereinigt wird, ist dabei in der Regel unbedenklich, hinsichtlich der Verschmutzung der Rigole. Langen Einstauzeiten in der Mulde wird durch diese Technik ebenfalls vorgebeugt, da das Füllmaterial zwischen Mulde und Rigole in der Bauphase den Ansprüchen an die Versickerleistung angepasst werden kann.