Hans Brockhage (* 27. Februar 1925 in Schwarzenberg/Erzgeb.; † 18. Februar 2009 ebenda) war ein deutscher Formgestalter und Bildhauer.
Leben und Werk mini|hochkant|Grab auf dem Zentralfriedhof Schwarzenberg (2023) Brockhage war der Sohn des Schwarzenberger Bankkassierers Rudolf Brockhage. Er wurde nach seinem Notabitur 1942 zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg herangezogen. 1944 wurde er schwer verwundet. 1945 begann er eine Lehre zum Holzbildhauer und Drechsler. Er studierte 1947 bis 1952 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) bei Mart Stam und Theodor Artur Winde. Unter Stams Betreuung entstand 1950 der Schaukelwagen, ein Kindermöbel und Spielgerät, das 1957 eine Auszeichnung von „spiel gut“ in Ulm erhielt.
1949 wurde seine erste Tochter Anna Franziska geboren. Er war 1950/1951 an der HfBK Student im Seminar von Marianne Brandt. Beide verband lebenslang eine freundschaftliche und fachliche Beziehung. In seinem Geburtsort Schwarzenberg baute sich Brockhage 1955 eine eigene Werkstatt auf. Von da an war er freischaffend tätig. Er erhielt den in der DDR renommierten Titel Anerkannter Kunsthandwerker. Er bekam eine große Zahl von Aufträgen zur künstlerischen Ausstattung repräsentativen Objekte. Mehrere dieser Werke gingen nach der deutschen Wiedervereinigung verloren. So wurde 2009 seine monumentale Holzgestaltung Strandburg, die er für das Berliner Palast-Hotel geschaffen hatte, abgerissen und ihre Überreste auf dem Hof seines Schwarzenberger Ateliers abgekippt.Peter Michel: Ankunft in der Freiheit. Essays gegen den Werteverlust der Zeit, Berlin 2011, S. 179.
Nach einem längeren Aufenthalt in Kuba im Jahr 1965 entstand bis 1968 unter Mitarbeit des Architekten und Formgestalters Robert Lenz (Mitarbeiter im Atelier bei Le Corbusier) sein Wohnhaus in Schwarzenberg. 1967 bis 1977 war Brockhage Dozent an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein in Halle.
1968 begann Brockhage mit bauplastischen Arbeiten in Holz und Beton. 1971 hatte er seine erste Ausstellung im Grassi-Museum Leipzig mit der Textilkünstlerin Thea Reichardt. 1973 wurde er 1. Vorsitzender der Verkaufsgenossenschaft bildender Künstler in Karl-Marx-Stadt und war er Mitbegründer der Galerie Oben. 1976 erarbeitete Brockhage mit Volker Beier, Clauss Dietel, Helmut Humann und Carl-Heinz Westenburger im Auftrag des FDGB-Bezirksvorstands Karl-Marx-Stadt die Konzeption für die künstlerische Gestaltung des Erholungsheims des FDGB „Am Fichtelberg“ in Oberwiesenthal, des heutigen Ahorn-Hotels am Fichtelberg.Zum Beispiel. Das Erholungsheim des FDGB „Am Fichtelberg“ im Kurort Oberwiesenthal – von der Idee zur Ausführung. In: Bildende Kunst, Berlin, 3/1977, S. 111–113 1977 wurde er zum Professor an die Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg berufen.
Zwischen 1978 und 1989 ging er mehrfach auf Studienreisen nach Frankreich, bei denen er die Architektur von Le Corbusier am Dominikaner-Kloster Sainte-Marie de la Tourette in Eveux-sur-Arbresle/Lyon sowie der Wallfahrtskirche von Ronchamp studierte.
Ab 1979 waren für ihn als künstlerische Mitarbeiter unter anderem Jörg Beier, Andreas Schmidt, Hartmut Rademann und sein Sohn Peter Paul Brockhage tätig. 1985 begann Brockhage mit freifigürlichen Arbeiten und Montagen in Eichenholz, Beton und Bronze.
In den Jahren 1989–1991 arbeitete er an den Skulpturen für eine mehrjährige Ausstellung im Barockgarten Kloster Kamp. Seine Werke sind im In- und Ausland in Museen und öffentlichen Sammlungen, als Kunst am Bau und in Privatbesitz vertreten. Kurz vor seinem Tod übernahm Brockhage im Januar 2009 die Schirmherrschaft für den 3. Schwarzenberger Kunstpreis art-figura.Der Schwarzenberger Kunstpreis, auf schwarzenberg.de, abgerufen am 19. August 2019 Ab 2000 verfasste Brockhage auch mehrere Bücher.
Ehrungen (Auswahl) 1957: spiel gut der Stadt Ulm, für das Spielgerät Schaukelwagen 1958, 1963 und 1968: Kunstpreis bzw. Kulturpreis des Rates des Bezirks Karl-Marx-Stadt 1958 und 1976: Kunstpreis der DDR 1960: XII. Triennale di Milano 1960: Goldmedaille der Leipziger Messe 1976: Kunstpreis des FDGB (im Kollektiv mit Volker Beier, Clauss Dietel, Hellmut Humann und Carl-Heinz Westenburger) 1983: Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur („für seine beispielhaften Leistungen auf dem Gebiet der künstlerischen Holzgestaltung“)ND vom 8. Oktober 1983, S. 4. 1985: Vaterländischer Verdienstorden in Bronze
Fotografische Darstellung Brockhages Christine Stephan-Brosch: Porträt Hans Brockhage (1973/1976)
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Brockhages (unvollständig)
In Deutschland
Berlin: Kunstsammlung des Deutschen Bundestags Chemnitz: Neue Sächsische Galerie
Dessau: Bauhaus Museum Dresden: Kunstgewerbemuseum Dresden: Museum für Sächsische Volkskunst Dresden: Sächsischer Kunstfonds Leipzig: Grassimuseum Weil am Rhein: Vitra Design Museum
Im Ausland
Budapest: Ludwig-Museum, Museum of Contemporary Art,
London: Victoria und Albert Museum,
New York: The Museum of Modern Art Paris: Centre Pompidou
Werkbeispiele mini|Aufbäumung von Hans Brockhage im Kaisergarten in Oberhausen
Freie Arbeiten 1985: Ereignis, Eichenholz 1986: Jüngling zu Nain, Eichenholz 1986: Aufbäumung, Eichenholz, Höhe 5 m 1989: Poem des Tanzes, Eichenholz, Höhe 2,20 m 1989/1990: Er aber zog seine Straße fröhlich, Eichenholz, Höhe 2,85 m 1990: Mahnmal für das jüdische Mädchen Betty Reis, Eichenholz 1995: Vertikaler Einfall II, Eichenholz 2000: offering/Opferung, Eichenholz/Bronze 2001: Poem des Tanzes, Bronzeabgruß vom Holz 2002: Pforte, Eichenholz 2003: Zwischen, Eichenholz
Standorte freier Arbeiten Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin Marianne-Brandt-Haus, Heinrich-Beck-Str.22, Chemnitz Neue Synagoge, Chemnitz Betty-Reis-Gesamtschule, Wassenbergen Schloss Oberhausen, Oberhausen (Ruhr) (Abriss 2019) Ludwig-Museum, Museum of Contemporary Art Budapest (Ungarn)
Architekturbezogene Arbeiten Aufbruch I, Holzplastik, Oberwiesenthal, Eingangshalle des FDGB-Hotels "Am Fichtelberg" (heute AHORN-Hotel Am Fichtelberg)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 3/1977, nach S. 120
1967: Holzstrukturwand von längsgespaltenem Fichtenholz; 2,50 × 7,50 m; Oberwiesenthal, Vorraum im 1. Obergeschoss des Fichtelberghauses.Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 3, Karl-Marx-Stadt, Gera, Erfurt, Suhl. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972,
S. 54 1967: Erzgebirgische Holzstöße. Raumteiler, montierte Scheiben aus Fichtenholz; 1,80 × 5,00 m; Oberwiesenthal, Selbstbedienungsgaststätte im Erdgeschoss des Fichtelberghauses.
1971: Sichtbeton (Form vom Holz), Karl-Marx-Stadt (Stadthalle Chemnitz)Brockhage 2004, S. 76f. 1977: Erinnerung an Jalta, Holz, Raumteiler; auf der VIII. Kunstausstellung der DDRRaumteiler "Erinnerung an Jalta" - arthistoricum.net - Katalog 1979: Plastik Strandburg im Hotel, Palasthotel Berlin (Abriss 2000) 1982–1983: Altarwand (Betonstruktur) und Bauplastik (Kruzifix) in Mooreicheholz, Bonhoeffer-Gemeindezentrum Karl-Marx-Stadt 1984: Holzstele im Mehrzweckraum der Mensa der Ingenieurhochschule Mittweida 1988: „Schwemmholz“, Ferienheim Baabe 1989: Gestaltung der Gaststätte Almas in Irkutsk (Russland) 1989: „Balkenwerk“ Ferienheim Schöneck/Vogtland 1995: Wandgestaltung, Mensa der Bergakademie Freiberg, mit Clauss Dietel 2001: Bauplastische Arbeit, Hotel „Mercure Kongress“ Chemnitz
Arbeiten als Formgestalter 1950: Hand- und Marionettenpuppen (Diplom-Arbeit)
Buchpublikationen mit Reinhold Lindner: Marianne Brandt. „Hab ich je an Kunst gedacht“. Chemnitzer Verlag, 2001, ISBN 3-928678-63-9. Umgang mit Holz. Ursprung und Markierung. Eigenverlag, Schwarzenberg 2004, ISBN 3-00-014404-8. Schnitzkunst aus dem Glatzer Bergland, Adler- und Altvatergebirge. Eigenverlag, Schwarzenberg 2005, ISBN 3-00-017472-9. Signatur 2008. Eigenverlag, Schwarzenberg 2008, ISBN 978-3-937190-15-0. Paradies ist Sehnsucht. Mironde-Verlag, 2008, ISBN 978-3-937654-36-2.
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen 1973: Galerie Zecheta, Warschau; Galerie Oben, Karl-Marx-Stadt 1976: Art-Museum, Tampere/Finnland (mit Thea Reichardt) 1980: Galerie am Domhof, Zwickau (mit Michael Morgner) 1985: Galerie unter den Linden, Berlin (mit Gregor Kozik); Neuer deutscher Kunstverein, Berlin/West (mit Morgner, Ranft, Kozik, Teubner); Galerie Hohenluftchausee, Hamburg 1985: Holzsymposium Bermsgrün, mit Marielies Riebesel, Manfred Schindler, Gerhard Gampfer, Gunter Beier, Jörg Beier, Gerd Kaden 1986: „Durchblick II“, Ludwig-Institut für Kunst der DDR, Schloß Oberhausen; Ludwig Institut, Aachen 1989: centre d’culturelle, Belfort (Frankreich) (mit Gregor Kozik) 1989: Galerie Beethovenstraße, Düsseldorf (mit Michael Morgner) 1989/1990: Barockgarten Kloster Kamp-Lintfort, Kamp-Lintfort
Postum 2015/2016: Berlin, Deutscher Bundestag / Marie-Elisabeth-Lüders-Haus 2015/2016: Chemnitz, Neue Sächsische Galerie (Retrospektive)Uwe Rechtenbach: Werkschau erinnert auch an Jalta-Bar, In: Freie Presse, 8. Dezember 2015, S. 12. 2024: Chemnitz, Neue Sächsische Galerie: ("Die gespaltene Generation") 2025: Berlin, Galerie Gesellschaft, Auguststraße 83 („Gegebenes Fragment“; Skulpturen und Druckgrafik; anlässlich des 100. Geburtstags)
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
1967 bis 1988: VI. Deutsche Kunstausstellung bis X. Kunstausstellung der DDR 1969: Leipzig, Messehaus am Markt („Kunst und Sport“) 1974 und 1978: Erfurt (I. und II. Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder) 1974, 1979 und 1985: Karl-Marx-Stadt, Bezirkskunstausstellungen 1980: Rostock, Kunsthalle Rostock („Der Klasse verbunden - Kunstpreisträger des FDGB stellen aus“) 1984/1985 Karl-Marx-Stadt, Städtisches Museum am Theaterplatz („Retrospektive 1945 – 1984. Bildende Kunst im Bezirk Karl-Marx-Stadt“)
Literatur
Walter Funkat: Kunsthandwerk in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1970 Heinz Hirdina: Gestalten für die Serie. Design in der DDR. 1949 – 1985. Verlag der Kunst, Dresden, 1988, S. 371 Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. Band 14, 1996, S. 299/300
Brockhage, Hans. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 112/113
Weblinks
Literatur von und über Hans Brockhage im Fachkatalog Zeitgenössische Kunst Werkverzeichnis Hans Brockhage Website des Künstlers Hans Brockhage https://www.bildindex.de/ete?action=queryupdate&desc=%22brockhage%2C%20hans%22%20&index=obj-all Bildindex Wirtschaftswundermuseum: Der Schaukelwagen von Hans Brockhage. Abgerufen am 9. Februar 2022.
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Künstler (Zwickau) Kategorie:Hochschullehrer (Zwickau) Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger des Kunstpreises der DDR Kategorie:Hochschullehrer (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) Kategorie:Person (Schwarzenberg/Erzgeb.) Kategorie:Künstler (DDR) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Mann