Emsdetten (; plattdeutsch Detten) ist eine Stadt in Westfalen und liegt an der Ems im nördlichen Teil des Münsterlandes. Der Name der Stadt wird auf der zweiten Silbe betont.
Geografie Lage Emsdetten liegt im Norden des Münsterlandes im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Das Stadtgebiet befindet sich in der Westfälischen Tieflandsbucht, insbesondere im Münsterländer Kiessandzug, und wird von der Ems von Südosten nach Nordwesten durchflossen. Die Höhenlage reicht von etwa 40 bis 70 m ü. NHN.
Die Stadt befindet sich etwa 25 km nordwestlich von Münster, 20 km südöstlich von Rheine und 50 km südwestlich von Osnabrück. Der Flughafen Münster/Osnabrück liegt ca. 20 km östlich.
Nachbargemeinden Emsdetten grenzt an Rheine, Hörstel, Saerbeck, Greven, Nordwalde, Steinfurt und Neuenkirchen.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht aus dem Ortskern Emsdetten, den Ortsteilen Hembergen und Sinningen sowie den Bauernschaften Austum, Hollingen, Ahlintel, Westum, Isendorf, Veltrup, Dorfbauernschaft und Berge.§ 2 (1) der Hauptsatzung vom 2. März 2006 in der Fassung vom 29. September 2023. Es sind offensichtlich keine Bauernschaften, sondern Bauerschaften gemeint; in der Satzung steht aber tatsächlich „Bauernschaften“.
Oberflächengewässer und Moore Das Gemeindegebiet von Emsdetten gehört hydrologisch zum Flusssystem der Ems.
Es wird östlich des Hauptorts von der Ems durchquert, die historisch bis zum südlichen Nachbarort Greven schiffbar war. Durch das Stadtgebiet selbst fließt der Emsdettener Mühlenbach, der am nördlichen Stadtrand in die Ems mündet.
Entlang der Uferbereiche der Ems verläuft das Naturschutzgebiet Emsaue (ST 102), das zusammen mit seinen Flächen in den Nachbarorten Saerbeck und Greven rund 14 Quadratkilometer umfasst und das größte Naturschutzgebiet des Landkreises bildet. Westlich des Kernortes ist das rund 300 Hektar große Naturschutzgebiet Emsdettener Venn (ST 047) ausgewiesen, ein ehemaliges Hochmoor nahe dem Verlauf des Max-Clemens-Kanals.
Geschichte Ortsgeschichte Die ersten Bewohner siedelten sich hier etwa um das Jahr 1200 vor Christus in einer Emsniederung an. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort unter dem Namen „Thetten“ im Jahr 1178. Mit seinen umliegenden sieben Bauerschaften zählte „Detten“ an der Ems um das Jahr 1498 rund 650 Einwohner. Lange Zeit lebten die Emsdettener von der Landwirtschaft, der Handweberei (Leinen aus eigenem Flachsanbau) und der Wannenmacherei. Wannen sind flache Weidenkörbe, mit denen das ausgedroschene Getreide von Staub und Spreu getrennt wurde. 1645 wurde die Gildenordnung der Wannenmacher erneut bestätigt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 152.
Durch die Mechanisierung der Textilproduktion – die Verarbeitung von Baumwolle ab 1830 und die von Jute nach 1880 – entwickelte sich Emsdetten vom Wannenmacherdorf zur Textilstadt und zum wichtigsten Standort der westfälischen Jute-Industrie.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 151 und 153. Mit dem Bau einer Flachsmaschinenspinnerei 1856 entstand der erste Fabrikbau; im Jahr 1861 wurden die ersten mechanischen Webstühle aufgestellt. 1880 hatte Emsdetten 1.767 Einwohner. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts begann der Strukturwandel in der Stadt, von der krisengefährdeten Textilindustrie weg hin zu innovativen neuen Industriezweigen.
In der Weimarer Republik war im ganz überwiegend katholischen Emsdetten das Zentrum stabil die stärkste politische Kraft, noch bei der Reichstagswahl 1933 erhielt es hier 69,8 Prozent der Stimmen. Die NSDAP spielte bis zur Machtergreifung Adolf Hitlers keine wesentliche Rolle und etablierte sich auch danach nur langsam. Nach 1945 konnte der politische Katholizismus an seine Vorkriegserfolge anknüpfen. Bei der ersten Kommunalwahl 1946 erhielt die CDU 19 von 21 Mandaten.
Emsdetten erhielt am 18. September 1938 das Stadtrecht (17.000 Einwohner).
Im Jahr 1972 erfolgte gegen starke Proteste aus der Bevölkerung die Stadtkernsanierung.
Am 20. November 2006 kam es zum Amoklauf von Emsdetten. Ein 18-jähriger ehemaliger Schüler verletzte, bevor er sich selbst erschoss, in der Geschwister-Scholl-Schule fünf Menschen durch Schüsse, 32 erlitten eine Rauchvergiftung durch gezündete Rauchbomben.
Eingemeindungen Im Zuge des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen wurde Hembergen am 1. Juli 1969 eingemeindet. Am 1. Januar 1975 kamen Gebietsteile von Saerbeck mit damals 1114 Einwohnern, die auf 3,50 km² lebten, hinzu.
Politik Stadtrat
Die Sitzverteilung im Rat nach der Kommunalwahl am 14. September 2025 zeigt das Diagramm.
Bürgermeister Oliver Kellner von Bündnis 90/Die Grünen wurde für die am 1. November 2020 beginnende Amtszeit gewählt. Zuvor amtierte Georg Moenikes (CDU) für vier Amtszeiten.
2020–dato Oliver Kellner (Bündnis 90/Die Grünen) 1999–2020 Georg Moenikes (CDU) 1984–1999 Anneliese Meyer zu Altenschildesche (CDU) 1972–1984 Albert Heitjans (CDU) 1957–1972 Albert Haverkamp (CDU)
1952–1956 Franz Lechte
1934–1945 Josef Hülsmann (NSDAP)
Städtepartnerschaften Emsdetten pflegt zu zwei europäischen Städten offizielle Partnerschaften. Westlich ausgerichtet ist dies Hengelo in den Niederlanden; in Polen liegt die Stadt Chojnice. Schon lange vor der offiziell besiegelten Partnerschaft mit Hengelo (1991) fanden regelmäßige Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten hauptsächlich im Jugendbereich statt. Ihren lebendigsten Ausdruck findet die Partnerschaft mittlerweile auf sportlicher und kultureller Ebene. Im Jahre 1996 wurde die Partnerschaftsurkunde zwischen Chojnice und Emsdetten unterzeichnet. Hier pflegen besonders die Förderschulen und die Schützenvereinigungen regen Kontakt untereinander. Ausgesuchte kulturelle Ereignisse werden häufig durch Besuche aus Chojnice bereichert (z. B. Emsdettener September).
Wappen Blasonierung: „In grünem Schilde ein silberner Wellenschrägbalken, begleitet oben von einem silbernen Wannenmachereisen, unten von einem silbernen Weberschiffchen.“
In dem im Jahr 1937 geschaffenen Stadtwappen soll der Wellenbalken die Lage des Ortes an dem Emsfluss, von dem er auch den Namen führt, andeuten. Als Beizeichen wurden zwei Symbole gewählt, die das in der Gemeinde bodenständige Handwerk versinnbildlichen sollen: das Weberschiffchen für die Textilindustrie und das Wannenmachereisen für das vor allem im 17. und 18. Jahrhundert hier in großer Blüte gewesene Handwerk der Wannenmacher, dessen Erzeugnisse über das ganze westfälische Land vertrieben wurden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Überregionale Bedeutung hat die Galerie Münsterland, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zeitgenössische Kunst in der Provinz auszustellen. Dreimal im Jahr zeigt der Emsdettener Kunstverein e. V., der im Jahr 2003 sein 20-jähriges Jubiläum feierte, Ausstellungen in der Galerie Münsterland von bekannten Künstlern wie Christo und Jeanne-Claude, Peter Nagel, Fred Thieler oder Fritz Köthe.
In der städtischen EMS-Halle finden Kulturveranstaltungen statt.
Emskult e. V. ist eine Kulturinitiative im Ort, die 1987 gegründet wurde. Sie führt jedes Jahr im Herbst die Emsdettener Theatertage durch, seit dem Jahr 1999 veranstaltet sie unter dem Titel „Emskult goes jazz“ im Frühjahr die Emsdettener Jazztage.
Seit 2005 veranstaltet die Initiative „DettenRockt e. V.“ Konzerte und Festivals mit jungen Bands, unter anderem ein jährliches Open-Air-Konzert gegen Rassismus und Diskriminierung.
Als Zusammenschluss von Musikern veranstaltet die „Rockinitiative Emsdetten e. V.“ regelmäßig Konzerte und unterstützt Nachwuchsbands.
Im Wannenmacher-Museum ist die Geschichte eines alten, fast vergessenen Handwerks zu sehen, das jahrhundertelang das wirtschaftliche Leben des Ortes bestimmte.
Das 1993 wiedereröffnete August-Holländer-Museum zeigt die Geschichte Emsdettens vom Beginn der Industrialisierung bis zur Stadtwerdung 1938.
In Emsdetten wie auch vielen Nachbarorten findet man Skulpturen und Werke des in Emsdetten lebenden Künstlerehepaares Daubenspeck wie z. B. den Sagenbrunnen und den Wannenschieber.
Der 2007 verstorbene Emsdettener Künstler Walter Jasper gestaltete den monumentalen Morgentau-Brunnen auf dem Brink.
Vereine Emsdetten hat mehrere ausländische Zentren, rund 40 Sportvereine, 16 Schützenvereine, 15 Tierzucht- und Tierschutzvereine, Spielmannszüge, Musikvereine, Chöre sowie über 60 sonstige Vereine und Institutionen (vom Amateur-Filmclub über den Emsdettener Kunstverein bis hin zum Video Club).
In Emsdetten wird eine Vielzahl von Breitensportarten angeboten. Der größte Sportverein ist der TV Emsdetten. Erfolgreichster Vertreter des Vereins ist die 1. Handball-Herrenmannschaft, die ab 1985 (mit einem Jahr Unterbrechung) in der 2. Bundesliga spielte und zu Beginn der Saison 2013/2014 in die 1. Handball-Bundesliga aufgestiegen war, aus der sie jedoch am Saisonende 2013/2014 wieder abstieg. Die Heimspiele des TV Emsdetten finden in der Emshalle statt. Darüber hinaus gibt es den Canu Club Emsdetten e. V. und Reitvereine.
Der Schachverein SK Turm Emsdetten spielte neun Jahre lang in der Schachbundesliga.
Daneben existieren jeweils drei Fußballvereine (SpVg Emsdetten 05, SV Borussia Emsdetten, Fortuna Emsdetten) und Tennisvereine (Tennisverein Emsdetten, Tennisclub Emsdetten, Tennisinteressengemeinschaft Emsdetten). Die SpVg Emsdetten 05 spielte 17 Jahre lang in der höchsten westfälischen Amateurliga und nahm einmal am DFB-Pokal teil. Lokalrivale Borussia spielte insgesamt 21 Jahre lang in der Verbandsliga Westfalen bzw. Westfalenliga, der zweithöchsten westfälischen Amateurliga.
Regelmäßige Veranstaltungen Austumer Open Air DettenRockt-Festival gegen Rassismus und Diskriminierung (von der Jugend selbstorganisiertes, kostenloses Festival) Emsdetten à la carte Emsdettener Acht (Start in die Fahrradsaison) Emsdettener Frühjahrsmarkt (Leistungsschau in der Innenstadt) Emsdettener Lichterfest Emsdettener September Emsdettener Straßenkarneval Emsdettener Teekotten-Lauf Emsdettener Theatertage Emsdettener Sternschnuppenmarkt Emsdettener Weinfest Gift & Gülle (alternative Karnevalssitzung) Herbst-Kirmes Jazz-Tage Lange Nacht Mai-Kirmes Sportissimo (größte Sportshow im Münsterland; wurde 2020 zum letzten Mal durchgeführt) Stadtschützenfest (immer am 2. Wochenende im Juli)
Stadtfeste Der Emsdettener September am letzten Wochenende des Monats ist das größte Stadtfest Emsdettens. Es dauert drei Tage und wird vom Verkehrsverein veranstaltet.
Der Sternschnuppenmarkt am zweiten Adventswochenende auf und um den Kirchplatz St. Pankratius ist ein traditioneller Weihnachtsmarkt.
Religion mini|St. Pankratius
Emsdetten ist überwiegend katholisch geprägt. Zur katholischen Pfarrei St. Pankratius gehören sieben Kirchen: St. Pankratius (Pfarrkirche) Herz-Jesu St. Joseph St. Marien Heilig-Geist St. Konrad in Ahlintel St. Servatius in Hembergen
Mit Sitzung vom 11. Juni 2024 hat der Kirchenvorstand beschlossen, dass die vier Kirchen St. Marien, St. Joseph, Heilig Geist und Herz Jesu aufgrund erschwerter finanzieller Rahmenbedingungen bis spätestens zum 30. Juni 2027 entwidmet werden sollen. Zurzeit ist das Bistum Münster auf der Suche nach geeigneten Investoren für die Nachnutzung der Gebäude. Diese sollen die „christlichen Grundwerte der Gemeinde respektieren und in ihren Konzepten berücksichtigen“.
Außerdem gibt es zwei evangelische Kirchen (Martin-Luther-Kirche, Gustav-Adolf-Kirche) und eine Moschee.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsstruktur alternativtext=Drei Personen stehen mit etwas Abstand nebeneinander, die Mittlere Person hält ein Schild in die Höhe: European Energy Award – Stadt Emsdetten|mini|Ehrung der Stadt Emsdetten mit dem European Energy Award in Gold