mini|Hauptsitz des Konzerns in Pullach bei München mini|hochkant|Der alte Tower in Hannover mit Sixt-Werbung mini|Filiale am Breitscheidplatz Berlin (Europacenter)

Die Sixt SE mit Sitz in Pullach im Isartal ist ein internationaler börsennotierter, familiengeführter Konzern, der in Autovermietung, Carsharing und Fahrdienstvermittlung tätig ist. Das Unternehmen wurde bekannt durch provokante Werbung. Es gilt seit langem als betriebsratsfeindlich.

Geschichte Im Jahr 1912 gründete Martin Sixt mit einem Fuhrpark von drei Automobilen die Martin Sixt Autofahrten. Es war nach eigenen Angaben die erste Autovermietung Bayerns. Zielgruppe der Luxusfahrzeug-Vermietung mit einem Deutz Landaulet de Luxe und zwei Daimler-Fahrzeugen waren vermögende ausländische Kunden. Im Februar 1919 kaufte Martin Sixt ein Gebäude in der Seitzstraße 11 in München, das auch heute noch eine Sixt-Filiale beherbergt. Während des Ersten Weltkrieges wurde die aus sieben Fahrzeugen bestehende Flotte konfisziert und inklusive der Fahrer dem Deutschen Heer unterstellt. Martin Sixt baute das Unternehmen nach Kriegsende wieder auf und übertrug es 1927 an seinen Neffen Hans Sixt. Aufgrund der Schwierigkeit, Ersatzteile für ausländische Fahrzeuge zu beschaffen, setzte Sixt ab 1929 nur noch Mercedes-Fahrzeuge ein. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Fahrzeugflotte von der Wehrmacht erneut requiriert.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 eröffnete das Unternehmen in München ein Taxigeschäft mit den ersten Funktaxis Europas. 1951 wurde die Autovermietung Auto Sixt gegründet. Im April 1966 eröffneten die ersten Filialen am Flughafen Frankfurt Main und München-Riem. Ab 1967 bot Sixt als erstes deutsches Unternehmen Leasing-Fahrzeuge an. 1969 übernahm Erich Sixt die Führung des Unternehmens mit 200 Fahrzeugen. Im selben Jahr nahm er auch Lkws in das Angebot mit auf. 1976 trat Regine Sixt ins Unternehmen ein und schloss Verträge mit allen großen Fluggesellschaften und Hotelketten ab. Im folgenden Jahr gründete das Unternehmen an allen großen deutschen Flughäfen Filialen. Ab 1977 war Sixt zudem Lizenznehmer der amerikanischen Autovermietung Budget. 1982 firmierte Auto Sixt in Sixt Autovermietung GmbH um. 1986 wurde das Unternehmen unter dem Namen Sixt AG in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt und an der Börse gehandelt. 1988 wurde als Tochterunternehmen die Sixt Leasing gegründet. 1989 eröffnete das Unternehmen in der Schweiz erstmals eine Tochtergesellschaft außerhalb Deutschlands. Der Umsatz stieg von 19 Millionen D-Mark im Jahr 1981 auf 149 Millionen D-Mark im Jahr 1988.

Internationale Expansion seit 1990 Ab 1991 begann die Expansion mit Franchisenehmern verstärkt international. 1993 lagerte das Unternehmen das operative Geschäft von der AG in ein weiteres Tochterunternehmen, die Sixt GmbH & Co Autovermietung KG, aus. Die Sixt AG fungierte danach als Holding des Konzerns. 1993 übernahm Sixt den Konkurrenten Autoverleih Buchbinder, führte die Marke eine Zeit lang integriert weiter und stellte sie schließlich ein. Sixt sicherte sich die Namensrechte an Buchbinder nicht. Buchbinder wurde danach neu gegründet und etablierte sich erneut am Markt.Buchbinder: Sixt vergisst sich die Namensrechte an Buchbinder zu sichern 1993 Seit 2017 gehört Buchbinder zu Europcar. In den 1990er Jahren stieg Sixt zum größten deutschen Autovermieter auf. 1997 öffnete es 150 Filialen in Frankreich und weitere Filialen an Flughäfen in Großbritannien. 1998 folgten unter anderem mit Tunesien, Marokko und Neuseeland erstmals außereuropäische Länder. Mit rund 1500 Mitarbeitern und über 1000 Filialen in Europa erzielte das Unternehmen 1998 einen Umsatz von rund 4,6 Milliarden D-Mark. Aufgrund der internationalen Expansion und einem folgenden Rechtsstreit beendeten Sixt und Budget ihre Kooperation im Jahr 1999. Ebenfalls im Jahr 1999 schlossen Sixt und der amerikanische Anbieter Dollar Rent A Car eine Kooperation. 2000 fokussierte Sixt alle seine Internet-Aktivitäten in dem neugegründeten Tochterunternehmen e-Sixt, das unter anderem eine Internet-Plattform zum Mieten, Kaufen und Leasen von Fahrzeugen anbot.

In den Jahren 2001 bis 2003 expandierte Sixt in den Nahen Osten sowie in verschiedene Länder Afrikas. Das Unternehmen gründete 2003 unter der Marke Sixti einen Low-Budget-Service, der später in DriveNow aufging. Im selben Jahr musste sich die Aktiengesellschaft eines Angriffs des Hedge-Fonds-Managers Florian Homm erwehren, der auf einen sinkenden Aktienkurs spekulierte. Der Angriff endete für Homm mit einer Geldstrafe wegen Kursmanipulation.„Florian Homm – Ein Enfant terrible wird zahm“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Juli 2006 Ebenfalls 2006 versuchte Sixt, den Konkurrenten Europcar zu übernehmen, dessen Eigentümer Volkswagen ihn zum Kauf anbot. Neben kartellrechtlichen Bedenken (Sixt hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 23 Prozent Marktanteil, Europcar 22 Prozent) gab es auch Widerstand seitens des Europcar-Betriebsrats, der einen Personalabbau nach der Fusion befürchtete.„Sixt bei Europcar in der Endrunde“, Manager Magazin vom 1. Dezember 2006, abgerufen am 12. Dezember 2013. Volkswagen entschied sich schließlich für das Angebot des französischen Finanzinvestors Eurazeo.„VW verkauft Autovermieter Europcar nach Frankreich“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. März 2006, abgerufen am 12. Dezember 2013

Ab 2007 gründete Sixt über seine Tochtergesellschaft sixt e-ventures verschiedene Online-Plattformen und -dienste. Dazu zählten unter anderem die Auto-Community Carmondo, die Aktien-Community Stockflock (später MyStocks), das Blitzer-Warnsystem Radalert, der Weineinlagerungsservice Winebase sowie Autohaus24. Die Dienste Stockflock, Radalert und Winebase wurden später eingestellt. Im Jahr 2009 kaufte Auto Bild 19,9 Prozent der Anteile an Autohaus24 und Carmondo. Im Zuge dieser Kooperation wurde Autohaus24.de um redaktionelle Inhalte von Auto Bild erweitert und Carmondo in Autobild.de integriert. Im selben Jahr übernahm Alexander Sixt die Leitung der Konzernentwicklung des Unternehmens.

Entwicklung seit 2010 2010 bot Sixt erstmals Elektroautos an. 2011 eröffnete das Unternehmen in Florida seine erste Filiale in den USA. Am 9. Juni 2011 gründeten Sixt und BMW den Carsharing-Anbieter DriveNow als Joint Venture. 2012 zog Auto Bild die bereits 2009 vereinbarte Option seine Anteile an Autohaus24 auf 50 Prozent zu erhöhen. Anfang 2013 gründete das Unternehmen den Chauffeur-Dienst myDriver. Im August 2013 wurde die Sixt AG in die Rechtsform einer Europäischen Gesellschaft (Societas Europaea) umgewandelt und heißt seitdem Sixt SE. Im Rahmen der Umwandlung wurde im Jahr 2013 ein europäischer Betriebsrat („Sixt Europa-Mitarbeiterforum“) gegründet. Im Mai 2015 brachte die Sixt SE ihre Tochtergesellschaft Sixt Leasing an die Frankfurter Wertpapierbörse. Nach dem Börsengang lag der Eigentumsanteil der Sixt SE bei 41,9 %, der Streubesitzanteil bei 58,1 %.„Nachgehakt bei Erich Sixt“. In: €uro am Sonntag vom 23. Mai 2015 (Ausgabe 21/15), S. 15 2020 verkaufte Sixt ihren verbliebenen Anteil von knapp 42 % an die „Hyundai Capital Bank Europe“.

Im Jahr 2016 wurden die Dienste myDriver und DriveNow auch außerhalb Deutschlands aktiv. Im Mai 2016 übernahm Sixt alle Anteile an Autohaus24.de von Auto Bild. Anfang 2018 veräußerte Sixt seinen 50-Prozent-Anteil an DriveNow für 209 Millionen Euro an BMW. Im September 2018 kündigte das Unternehmen an, rund 100 Millionen Euro in den Ausbau seiner Mobilitätsservices zu investieren. Im Februar 2019 startete das Unternehmen unter der Marke SIXT share einen neuen Carsharing-Dienst, der neben bestimmten Geschäftsgebieten deutschlandweit die Sixt-Filialen als Abgabestationen nutzt. Gleichzeitig führte Sixt eine neue App ein, die die Angebote Autovermietung, Carsharing sowie Fahrdienste in einer Applikation verband.

Im September 2021 kündigten Mobileye und Sixt an, ab dem Jahr 2022 einen Taxidienst mit selbstfahrenden Fahrzeugen anbieten zu wollen. Gestartet würde der Probelauf im Großraum München. Der Dienst sei unter anderem über die App von Sixt buchbar. Ende 2021 expandierte das Unternehmen über eine Partnerschaft mit dem australischen Automobilclub National Roads & Motorists’ Association nach Australien. 160 Stationen und insgesamt 16.000 Fahrzeuge fahren somit unter der Marke Sixt im Franchiseverfahren. Im Frühjahr 2022 folgten mit Vancouver und Toronto erste Stationen in Kanada.

Die Sixt-Aktie stieg im März 2022 vom Börsenindex SDAX in den MDAX auf. Im Oktober 2022 wurde angekündigt, dass Sixt und der chinesische Autobauer BYD eine langfristige Partnerschaft vereinbart haben. Sixt will bis 2028 mehr als 100.000 Autos von BYD kaufen.

Im September 2023 erwarb Sixt im Rahmen einer Finanzierungsrunde einen einstelligen Prozentanteil am deutschen Chauffeurdienst Blacklane. Anfang 2024 kündigte Sixt an, in den darauf folgenden drei Jahren insgesamt bis zu 250.000 Fahrzeuge von Stellantis für den Ausbau seiner Vermietflotte in Europa und Nordamerika zu erwerben. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen erstmals einen Umsatz von über 4 Milliarden Euro.

Expansion in den USA Seine erste Filiale in den USA eröffnete Sixt im Jahr 2011 in Florida. Bereits im Jahr 2018 war die USA mit 55 Stationen der zweitwichtigste Markt für Sixt. In seiner Expansion setzte das Unternehmen verstärkt auf Stationen an bedeutenden Flughäfen, wo es im selben Jahr bereits rund zwei Dutzend Filialen betrieb. Bis zum Jahr 2023 wuchs der Jahresumsatz von Sixt in den USA auf über 1 Milliarde Euro, eine Verdopplung gegenüber dem Jahr 2019. Damit überholte die USA Deutschland als den bis dato größte Absatzmarkt des Unternehmens. Das Wachstum begleitete Sixt ab Ende 2022 auch mit einer Werbekampagne unter dem Slogan „Rent THE car“ in den USA (u. a. in TV und auf dem Times Square). Im Oktober 2023 kamen Partnerschaften mit den beiden NBA-Teams Chicago Bulls und Los Angeles Lakers hinzu. Ende 2024 eröffnete Sixt am John Wayne Airport seine 50. Station an einem US-Flughafen.

Unternehmen Das Unternehmen ist mit mehr als 9000 Mitarbeitern in rund 100 Ländern präsent. Inklusive der Fahrzeuge der Franchisenehmer und weiterer Kooperationspartner hatte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 durchschnittlich 365.900 Fahrzeuge im Bestand.

Geschäftsfelder Der Sixt-Konzern umfasst die Autovermietung, Carsharing, Fahrdienstleistungen sowie ein Auto-Abo.

SIXT rent In Deutschland unterhält das Unternehmen rund 500 Verleihstationen. Weltweit sind es mehr als 2000 Autovermietungs-Filialen. Außerhalb Europas und den USA ist Sixt durch Franchise- und Kooperationspartner vertreten. Das Angebot gliedert sich dabei in die Vermietung von Wagen und Lkws sowie die dazugehörigen Service-Angebote oder Möglichkeiten zur Einwegmiete.

SIXT share mini|Ein Auto von SIXT Share in München, 2019 Beim Carsharing-Angebot von Sixt können Kunden in den Städten Berlin, Hamburg und München, in den Niederlanden sowie an ausgewählten Stationen in verschiedenen Städten Autos minuten- oder tageweise mieten. Seit Juni 2023 können Kunden über die Sixt App auch Autos des Kooperationspartners Miles buchen.

In den Geschäftsgebieten können Kunden das an der Straße geparkte Auto per App öffnen und nutzen. Neben dem erneuten Abstellen des Autos im Geschäftsgebiet nach Nutzung, kann das Auto auch an einer der Sixt-Stationen außerhalb des jeweiligen Geschäftsgebietes im Anmietland abgegeben werden. Auch eine Anmietung von E-Scootern über das Partnerunternehmen Tier ist in vielen Städten möglich.

SIXT ride Gemeinsam mit Partnern bietet Sixt über seine App Kunden in 550 Städten (Stand 2022) die Möglichkeit Taxis, Limousinen mit Chauffeur oder andere Fahrdienste zu nutzen. Dazu kooperiert das Unternehmen in Deutschland mit dem Taxigewerbe. In den USA zählt etwa der Vermittlungsdienst Lyft oder Blacklane, in Lateinamerika, Portugal und Spanien Cabify zu den Partnern.

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