Troyes ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Nordosten Frankreichs und Verwaltungssitz des Départements Aube in der Region Grand Est. Die ungefähr 150 km ostsüdöstlich von Paris an der Seine gelegene Stadt ist der historische Hauptort der Champagne.

Geographie mini|alt=Ausschnitt aus einem Stadtplan, der das Stadtzentrum zeigt und deren sektkorkenförmigen Umriss farblich hervorhebt|Der „Bouchon“, die Altstadt in Form eines Sektkorkens Troyes befindet sich im südlichen Teil der Champagne und wie der Rest dieser Landschaft im Pariser Becken. Die Stadt wird von der Seine durchflossen. In Troyes bzw. in unmittelbarer Nähe der Stadt münden die Seinezuflüsse Hozain (von links) und Barse (von rechts als Canal de Baires). Im Osten grenzt die Agglomeration von Troyes an den Regionalen Naturpark Forêt d’Orient.

Der historische Stadtkern, definiert durch die frühere Stadtbefestigung, wird wegen seiner aus der Luft bzw. auf Landkarten erscheinenden charakteristischen Form, die dem Umriss eines Sektkorkens ähnelt, als Bouchon („Korken“) bezeichnet. Die Bezeichnung ist erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts belegt. Die Stadtbegrenzung in dieser Form besteht indessen seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert. Sie ist maßgeblich bestimmt durch ein Kanalsystem, dessen Ursprünge ins 12. Jahrhundert reichen und das schließlich die Stadt umschloss. Die Achse des „Sektkorkens“ verläuft von Südwesten nach Nordosten, wobei der „untere“ Teil des Korkens vom „oberen“ durch den Canal des Trévois, einen umgeleiteten Arm der Seine, getrennt ist.

Geschichte Antike Troyes war der Hauptort des Keltenstammes der Tricassen (Tricassii oder Tricasses) und wurde von den Römern Augustobona Tricassium oder Augustomana Tricassiorum genannt (bei Ptolemaeus). Im 4. Jahrhundert wurde die Stadt Bischofssitz (siehe: Bistum Troyes). Westlich von Troyes fand 451 die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern zwischen Attila und Aëtius statt.

Mittelalter Im Frühmittelalter waren die Bischöfe von Troyes die Stadtherren. 889 wurde die Stadt von den Normannen zerstört. Im 10. Jahrhundert entwickelte sich Troyes zum Zentrum der Grafschaft Troyes, die im Besitz des Grafenhauses Vermandois war, einer Linie der Karolinger. Die Grafen von Troyes lösten die Bischöfe als Stadtherren ab. Anfang des 12. Jahrhunderts nahmen sie den Titel Graf von Champagne an.

mini|Altstadt mini|Altstadt mini|Altstadt mini|Altstadt mini|hochkant|Außenansicht der Kathedrale mini|hochkant|Innenraum der Kathedrale Saint-Pierre et Saint-Paul

In der Stadt wirkte unter anderem Raschi (1040–1105), einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Hochmittelalters. Seine berühmten Kommentare zur hebräischen Bibel und zum Talmud, die er in Troyes niederschrieb, werden noch heute in den meisten jüdischen Bibeln und im Talmud abgedruckt. Weiterhin wirkte der mittelalterliche Dichter Chrétien de Troyes (etwa 1140–1190) in der Stadt – zu der Zeit, als Troyes Residenz der Grafen von Champagne war. Unter anderen geht auf Chrétien de Troyes die Parzival-Erzählung um die Suche nach dem heiligen Gral zurück.

1107 wurde in Troyes ein Konzil abgehalten, auf dem die Gregorianischen Edikte bezüglich der Investitur erneuert wurden. 1129 fand hier ein weiteres Konzil von Troyes statt.

Ab dem 12. Jahrhundert wurden in Troyes zwei der sechs Jahrmärkte oder Messen abgehalten, für die die Champagne berühmt wurde. Hier wurden Waren von den Niederlanden (Tuch) bis Italien (Seide, orientalische Waren) gehandelt. Unter den Grafen der Champagne, die Troyes zu ihrer Hauptstadt gemacht hatten, organisierte sich auch einer der ersten europäischen Geldmärkte.

Während des Hundertjährigen Kriegs (1337–1453) schwand die Bedeutung der Stadt. Troyes lag auf dem von den Engländern besetzten Gebiet. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde hier am 21. Mai 1420 der Vertrag von Troyes unterzeichnet. Mit diesem Vertrag verbündeten sich der König von Frankreich Karl VI. (auf Betreiben seiner Gemahlin Isabeau), der König von England Heinrich V. und der Herzog von Burgund Philipp III., um den Kronprinzen und späteren König Karl VII. von Frankreich von der Thronfolge auszuschließen. Heinrich V. erhielt mit der Hand Katharinas, der Tochter Karls VI., die Anwartschaft auf den französischen Thron nach des Schwiegervaters Tod und bis dahin die Regentschaft in Frankreich. 1429 waren die Engländer vertrieben und Jeanne d’Arc konnte den Dauphin zur Krönung nach Reims führen.

Im späten Mittelalter und der frühen Renaissance stieg Troyes zu einem der bedeutendsten Zentren der Bildhauerkunst auf, in dem unter anderem der Meister von Chaource und Jacques Bachot wirkten.

Von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert Am 24. Mai 1524 kam es zu einem verheerenden Brand, der einen großen Teil der Stadt in Schutt und Asche legte.

Eine weitere Schwächung der Stadt erfolgte durch die Verlagerung des Handels vom Landweg auf den Seeweg. Troyes wandelte sich im 16. und 17. Jahrhundert von einem Handelszentrum zu einem Zentrum der Textilindustrie. Gleichzeitig wurde die Stadt eine der Hochburgen der Hugenotten und daher durch die Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 schwer getroffen.

Das Edikt von Troyes, erlassen von Ludwig XIII., legte 1630 fest, dass die Städte Clairmont und Montferrand zu einer Stadt namens Clermont-Ferrand zusammenzuschließen seien. Es wurde 101 Jahre später durch Ludwig XV. bestätigt.

Beim Winterfeldzug von 1814, in der Endphase der Napoleonischen Kriege, war Troyes einer der Stützpunkte der Österreicher (Böhmische Armee). Am 23. Februar 1814 beschoss die französische Artillerie Troyes, mehrere Stadtteile brannten nieder. Tags darauf nahmen die Franzosen Troyes ein. Nachdem die Franzosen am 27. Februar die Schlacht bei Bar-sur-Aube verloren hatten, rückten am 4. März 1814 die Alliierten wieder in Troyes ein.Maximilian Thielen: Der Feldzug der verbündeten Heere Europa's 1814 in Frankreich unter dem Oberbefehle des k.k. Feldmarschalls Fürsten Carl zu Schwarzenberg. K.k. Hofdruckerei, Wien 1856, S. 172–174.

Troyes im Zweiten Weltkrieg Im Zuge des Westfeldzuges drangen am 15. Juni 1940 die Truppen der deutschen Wehrmacht in Troyes ein. Ohne dass die französische Armee groß Widerstand geleistet hätte, befand sich die Stadt am 16. Juni in deutscher Hand. Bereits an den Tagen zuvor war ein Großteil der Bevölkerung aus der Stadt geflohen; von ihren etwa 80.000 Einwohnern blieben nur 4.000 zurück, größtenteils alte Menschen, schwangere Frauen, Behinderte und vergessene Kinder. Der Präfekt hatte sich abgesetzt, ein Stadtteil ging in Flammen auf, nur notdürftig kümmerten sich der Bürgermeister und ein paar Freiwillige um die Zurückgebliebenen.Jean-Michel van Houtte: Juin 1940 : L'État abandonne la cité

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) lag Troyes in der von den Deutschen besetzten Nordzone. Was das für das Leben der Menschen in der Stadt bedeutete, ist aus den zur Verfügung stehenden Quellen nur schwer zu ergründen. Am besten dokumentiert sind zwei Themenkomplexe: das Internierungslager in Troyes sowie Résistance und Libération.

Internierungslager Troyes Bevor im Dezember 1940 das Internierungslager in Troyes eröffnet wurde, bestand dort bereits seit Oktober 1940 der Frontstalag 124. Er verteilte sich auf mehrere Standorte und diente vermutlich der Internierung der schwarzen und nordafrikanischen Kriegsgefangenen der französischen Armee, die die Deutschen nicht in Deutschland haben wollten. Die Schließung des Frontstalags erfolgte Anfang 1941.Moosburg Online: Liste der Kriegsgefangenenlager: Frontstalag 124 (10.1940-4.1941). Nach anderen Quellen erfolgte die Schließung bereits im Februar 1941.

Das Internierungslager in Troyes wird zumeist als Camp Jules-Ferry bezeichnet, bestand aber tatsächlich „aus zwei öffentlichen Grundschulen, der Jules-Ferry-Schule (ehemals für Jungen) und der Diderot-Schule (ehemals für Mädchen), die auf Befehl der deutschen Besatzungsmacht für diesen Zweck beschlagnahmt“ worden waren.Eliezer Schilt and Abby Holekamp: Troyes Zu den Hintergründen der Einrichtung dieses Lagers heißt es bei Peschanski:

Am 18. Dezember 1940 trafen 127 Deportierte aus dem Département Pas-de-Calais in Troyes ein, einen Tag später folgte ein zweiter Konvoi mit etwa 350 Personen sowie am 24. Februar 1941 noch einmal 129. Weitere Zugänge vermeldet die Fondation pour la Mémoire de la Déportation (FMD) für März und Mai 1941: März 1941: 168 Internierte, darunter 44 Juden; 10. Mai 1941: 350 Internierte, darunter 20 Juden.FMD: Camp d'internement : Ecole Jules Ferry Nach Schilt/Holekamp befanden sich unter den ersten beiden Gruppen viele Frauen, Kinder und ältere Menschen. Soweit sie Briten waren, anscheinend die größte Gruppe unter den Internierten, genossen sie gewisse Sonderrechte: Sie konnten sich frei in der Stadt bewegen und in Unterkünfte außerhalb des Lagers ziehen.

Peschanski geht von einem im Juli 1941 ungeklärten Status des Lagers aus und hält es eher für ein Centre d'Hébergement (Beherbergungszentrum) als für ein Internierungslager für Zivilisten – vergleichbar etwa dem schon erwähnten La Lande-des-Monts. Nach ihm befanden sich am 11. Juli 1941 211 Personen im Lager, darunter 124 Briten. Anders als Schilt/Holekamp schreibt er, dass alle Internierten die Möglichkeit gehabt hätten, außerhalb des Lagers zu wohnen, was jedoch aufgrund der Mittellosigkeit vieler Lagerbewohner nur für wenige in Frage gekommen sei. Den Briten sei zudem die Freilassung in Aussicht gestellt worden, wenn sie nicht in die verbotene Zone zurückzukehren gedachten. In der Folge hätte sich einige Frauen und die Ältesten in das Internierungslager Vittel überstellen lassen, und in Troyes seien im Dezember 1941 nur noch einige Dutzend Briten übrig geblieben.Denis Peschanski: Les camps français d’internement, S. 351–352 Die Diderot-Schule war schon im April 1941 als Lagerstandort zu Gunsten der Jules-Ferry-Schule aufgegeben worden.

Das Lager unterstand dem Bürgermeister von Troyes, der auch das Personal ernannte. Die Bedingungen seien schlecht gewesen (fehlende Waschgelegenheiten, kein regelmäßiges Warmwasser, schwierige Heizbedingungen), die Beschränkungen für die Häftlinge aber nicht besonders streng. Es gab keinen Zaun, und tagsüber war nur ein Polizeibeamter anwesend, nachts lediglich zwei. Letzteres könnte der Grund dafür gewesen sein, dass in den ersten drei Monaten 19 Lagerinsassen direkt aus dem Lager und vier aus dem Krankenhaus geflohen waren und weitere 23, die sich außerhalb des Lagers in Troyes aufgehalten hatten, als verschwunden galten.

In den Archives Nationales de France lagern zwei Berichte über die Situation im CampEHRI-Portal: Camp de Troyes (école Jules Ferry): der Bericht eines Delegierten des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, anlässlich seines Besuchs im Lager am 11. Dezember 1941 sowie der Bericht von Robert Lebègue, Beauftragter der zur Vichy-Administration gehörenden Generalinspektion der LagerZur Geschichte und Funktion der Generalinspektion der Lager siehe: France Archives: Archives de l'Inspection générale des camps d'internement, anlässlich seines Besuchs am 21. Oktober 1942. Gestützt auf diesen Bericht von Lebègue gehen Schilt/Holekamp davon aus, dass in dieser ersten Phase des Lagers dieses von 776 Personen durchlaufen wurde und die höchste Belegungszahl bei 343 gelegen habe. Sie berufen sich außerdem auf Peschanski, nach dem sich im Dezember 1941 nur noch 10 Personen im Lager Troyes befunden hätten, und legen nahe, dass damit die erste Phase des Internierungslagers in Troyes beendet war.