mini|hochkant|Hohes Marken ist eine Schlüsselfertigkeit im Aussie Rules und gleichzeitig zuschauerwirksam. mini|hochkant|Präzise Feld- und Torschüsse mit dem ellipsoidförmigen Ball sind die wichtigsten Fertigkeiten in Aussie Rules Football.

Australian Football, auch als Australian Rules Football, Aussie Rules oder einfach Football oder Footy bezeichnet, ist eine Football-Variante, die mit einem ellipsoidförmigen Ball auf einem großen, elliptischen Spielfeld mit vier (Tor-)Pfosten an jedem Ende gespielt wird. Das Ziel des Spiels ist es, durch Schüsse zwischen die Pfosten zu punkten.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Ball zu spielen, darunter sind die wichtigsten der Schuss/Kick () und der Handpass (hand pass). Beim Handpass hält eine Hand den Ball, während die andere Faust den Ball schlägt. Werfen ist nicht erlaubt. Der ballführende Spieler muss den Ball alle 15 m prellen. Australian Football ist eine Vollkontakt-Sportart. Der Ballbesitz ist zu jeder Zeit vakant bzw. umstritten, außer wenn ein Freistoß gegeben wurde. Spieler im Ballbesitz werden bestraft, wenn sie von einem Gegenspieler gefasst (getacklet) werden und die Zeit hatten, den Ball zu spielen. Fängt ein Spieler einen Ball von einem Kick länger als 15 m (dies wird Mark genannt), bekommt er auch einen Freistoß als Belohnung.

Kämpfe (contests) um den Ballbesitz inklusive Marks (high/aerial marks, austr.: speckie), Tackles und die schnelle Bewegung beider Teams und des Balls sind die das Spiel bestimmenden Attribute, die Australian Football zu einem Zuschauer-Sport machen. Damit gehört der Sport zu den beliebtesten in Australien.

Der dominierende Dachverband und der angesehenste Wettbewerb ist die Australian Football League (AFL), die jährlich mit dem AFL Grand Final einen Höhepunkt findet, der weltweit bestbesuchten Vereinsmeisterschaftsveranstaltung.

Spielregeln

Feld und Ball mini|Das Spielfeld ist 135–185 m lang und 110–155 m breit. Das zentrale Anstoß-Quadrat (centre square) ist 50 m × 50 m groß. Die gebogene 50-m-Linie ist 50 m vom Tor entfernt. Die Torpfosten stehen 6,40 m auseinander. mini|Der Ball ist ca. 28 cm lang und 17,5 cm breit. Sowohl der Ball als auch das Spielfeld haben eine elliptische Form. Für Spiele bei Tag ist der Spielball rot und bei Nacht hellgelb.

Teams und Positionen Pro Mannschaft sind 18 Spieler auf dem Feld erlaubt. Bis zu vier weitere Auswechselspieler sitzen auf der Reservebank, die im fliegenden Wechsel auf den Platz kommen können. Es gibt weder eine Abseitsregel noch in den Regeln festgeschriebene Positionen, insbesondere keinen Torwart.

Spieldauer und Schiedsrichter Ein Spiel besteht aus vier Vierteln. Die Länge der Viertel variiert von Liga zu Liga zwischen 15 und 25 min. In der AFL werden 20 Nettominuten pro Viertel gespielt. Das bedeutet, dass die Uhr stoppt, wenn der Ball im Aus ist bzw. bis das Spiel nach einem Tor wieder angestoßen wird. Dies hat zur Folge, dass die durchschnittliche Zeit pro Viertel zwischen 27 und 31 Minuten liegt. Die genaue verbleibende Zeit ist am Spielende weder den Spielern noch den Zuschauern bekannt. Sie wissen lediglich, dass sie x Minuten in der Nachspielzeit sind, und können vermuten, wann die Schlusssirene durch den Zeitnehmer ausgelöst wird. Spiele werden durch Schiedsrichter geleitet. Die Schiedsrichter (aufgrund des großen Feldes und schnellen Spiels auf Profiebene 3 Hauptschiedsrichter, 2 Torschiedsrichter und 4 Linienrichter) sorgen zudem für schnelles und flüssiges Spiel, indem sie z. B. für die schnelle Ausführung von Freistößen sorgen.

Spielstart mit Ball-Up und Spielfortsetzung nach Tor und Behind Zu Beginn des Spiels dürfen sich die Spieler bereits über das gesamte Feld verteilen, allerdings dürfen sich nur vier Spieler eines Teams innerhalb des 50 × 50 m großen Anstoßquadrats (centre square) befinden. Nach der Start-Sirene beginnt das Spiel ähnlich wie Basketball. Beim Anstoß prellt der Schiedsrichter den Spielball so auf den Boden, dass er einige Meter hochfliegt. Die Spieler im Anstoßquadrat, üblicherweise die größten Spieler der Teams, versuchen dann den Ball aus der Luft zu einem Mitspieler zu lenken. Diese Spielsituation wird auch als Ruck bezeichnet, weswegen die Spieler auch Ruckmen heißen. Zu jedem Viertel und nach jedem Tor wird das Spiel mit einem zentralen Anstoß begonnen.

Nachdem ein Behind erzielt wurde, muss die verteidigende Mannschaft den Ball aus dem Torraum (goal square) herauskicken, wobei es dem Spieler im Goal Square auch erlaubt ist, sich selbst anzuspielen.

Weitere Regeln, die sich auf Position und Zahl von Spielern beziehen, gibt es bei den Standardsituationen (Mark und Freistoß) und beim Einschuss (kick in), nachdem ein Punkt (Behind) erzielt wurde, vornehmlich der Mindestabstand vom ausführenden Spieler.

Spiel Pässe Der Ball kann per Fuß (Schuss), Faust (Handpass) oder Schlag mit der offenen Hand (Tap) in jede Richtung gespielt werden. Er darf aber unter keinen Umständen geworfen werden. Werfen ist in den Regeln sehr weit ausgelegt. Im Wesentlichen ist damit aber jede Art von Ballberührung mit der offenen Hand gemeint, die den Ball nicht schlägt, sondern führt. Man darf den Gegner auf den Boden werfen (tacklen) wenn er versucht zu passen.

Fouls Es ist einem Spieler erlaubt mit dem Ball zu laufen, solange der Ball alle 15 m den Boden berührt oder geprellt (bouncing) wird. Gegenspieler können den ballführenden Spieler stoßen (bump) oder fassen (tackle). Der Spieler mit Ball muss den Ball sauber, d. h. regelkonform, abspielen, sonst riskiert er, wegen Ballhaltens (holding the ball) bestraft zu werden. Getacklet werden darf nur zwischen Schulter und Knie und auch nur der Spieler, der im Ballbesitz ist. Wenn der Gegenspieler den Spieler beim Tacklen von hinten stößt, wird der tacklende Spieler wegen Stoß in den Rücken (push in the back) bestraft. Wird der ballführende Spieler unterhalb des Knies getacklet, so nennt man das Beinstellen (trip) oder niedriger Tackle (low tackle). Ist das Tackle oberhalb bzw. auf der Schulter, nennt man dies hohes Tackle (high tackle). In beiden Fällen bekommt der getacklete Spieler einen Freistoß.

Marken und Freistöße Gelangt ein Spieler durch Fangen eines Balles, der mindestens 15 Meter weit geschossen wurde, in Ballbesitz, nennt man dies „Marken“ und der Spieler bekommt einen Freistoß. Beim Freistoß darf der Ball zunächst in der Hand gehalten werden. Beim Schießen gibt es mehrere Varianten, abhängig davon, wie der Ball in der Hand gehalten und wie er getroffen wird. Der verbreitetste Schuss, der heute wegen seiner hervorragenden Genauigkeit angewandt wird, ist der drop punt. Dabei wird der Ball mit der Hand in Richtung Fuß geführt, bis dieser beinahe den Boden berührt. Durch den Kick rotiert der Ball rückwärts über seine Enden bzw. Spitzen, während er durch die Luft fliegt. Andere häufiger gebrauchte Schüsse sind der torpedo punt, wobei der Ball in einem Winkel schräg zum Fuß gekickt wird, so dass der Ball um seine Längsachse rotiert, was zu größeren Distanzen führt, und der checkside punt, bei dem der Ball ähnlich wie beim drop punt geschossen wird, allerdings so, dass er einen Bogen zum Ziel fliegt. Schussvarianten, die aus dem heutigen Spiel verschwunden sind, sind der drop kick (ähnlich dem drop punt, nur dass der Ball den Boden berührt, kurz bevor er geschossen wird) und der place kick (bei dem der Ball auf dem Boden platziert wird, wenn aufs Tor geschossen wird; vergleichbar mit dem place kick bei Rugby Union).

Seitenaus Falls der Ball die Seitenlinie (boundary line) überquert, gibt es zwei Möglichkeiten. Sollte er vorher den Boden berührt oder die Hand verlassen haben, und nicht absichtlich ins Aus befördert worden sein, so wird er von einem Schiedsrichter so weit wie möglich ins Spielfeld geworfen (boundary throw-in). Sollte er jedoch ins Aus getreten worden sein, ohne dass ein anderer Spieler ihn berührte, oder er auf dem Boden aufkam, oder absichtlich der Ball ins Aus gespielt worden sein, bekommt die gegnerische Mannschaft einen Freistoß an der Stelle, an der der Ball die Linie überquerte.

Ballbesitz Abgesehen von Freistößen oder wenn der Schiedsrichter den Ball hat, um einen Einwurf oder Schiedsrichterball (ball up) zu machen, ist der Ball immer umstritten bzw. vakant und Spieler beider Seiten können in Ballbesitz kommen.

Punkte mini|Punkten in Aussie Rules mini|Australian Rules Football Torpfosten – die zwei größeren, mittleren Pfosten sind die Torpfosten und die zwei kleinen äußeren sind die Behind-Pfosten. An jedem Ende des Spielfeldes befinden sich vier vertikale Stangen. Die beiden mittleren sind die Tor-Pfosten (goal posts) und die kleineren zu jeder Seite die Neben-Pfosten (behind posts) (auch Punkt-Pfosten (point posts) genannt).

Ein Tor wird erzielt, wenn der Ball vom angreifenden Team in irgendeiner Höhe (d. h. auch höher als die Torpfosten) zwischen den Torpfosten hindurch geschossen wird. Dabei darf er auch den Boden berühren, jedoch weder Mit- noch Gegenspieler.

Ein Behind wird erzielt, wenn der Ball die Linie zwischen Tor- und Neben-Pfosten überquert, wenn der Ball einen Torpfosten berührt oder der Ball von irgendeinem Körperteil außer dem Fuß berührt wurde, bevor er die Torlinie überquert hat. Schießt ein Spieler in sein eigenes Tor (ob absichtlich oder nicht), so zählt dies ebenfalls nur ein Behind (rushed behind).

Ein Tor zählt sechs Punkte, ein Behind einen. Der Tor-Schiedsrichter signalisiert ein Tor mit beiden auf Ellbogenhöhe ausgestreckten Händen, ein Behind nur mit einer Hand, um danach das Signal mit dem anderen Torschiedsrichter abzustimmen, indem er Flaggen über seinem Kopf schwenkt (bei einem Tor mit zwei Flaggen und bei einem Behind nur mit einer).

Das Team, das am Ende des Spieles die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Ein Punktestand von zehn Toren und zehn Behinds entspricht einer Gesamtpunktzahl von 70. Ein Punktestand von neun Toren und 18 Behinds 72 Punkten. Der letzte Punktestand würde das Spiel gewinnen, obwohl das Team ein Tor weniger geschossen hat.

Das Spielergebnis wird notiert als: Team A 9.18 (72) besiegt Team B 10.10 (70)

Strafen In der höchsten Liga, der AFL, gibt es während des Spiels nur Freistöße und nichts, was mit gelben oder roten Karten vergleichbar ist. Allerdings geben die Schiedsrichter im Match Report besonders schwere Verstöße an, wodurch Spieler dann durch die Liga teilweise sehr lang oder sogar lebenslang gesperrt werden. Dieses System funktioniert erstaunlich gut.

In niedrigeren Ligen gibt es fast durchgehend Zeitstrafen als zusätzliches Sanktionsmittel für den/die Schiedsrichter, da einerseits die Spieler häufig nicht so diszipliniert sind wie die Profis, andererseits sie die nachträglich möglichen Sperren (bei den Profis mit Gehaltsausfall verbunden) nicht so hart treffen.

Geschichte Entwicklung des Spiels 1858 in Melbourne begann Thomas Wills sich Australian Rules Football auszudenken bzw. zu entwickeln. Am 10. Juli 1858 wurde ein Brief von Wills im Bell’s Life in Victoria & Sporting Chronicle veröffentlicht, in dem er für einen Fußballverein warb, mit dem er Cricket-Spieler fit durch den Winter bringen wollte. Wills und andere spielten am 31. Juli 1858 im Richmond Park (später bekannt als Yarra Park neben dem Melbourne Cricket Ground – MCG) ein experimentelles Spiel, das wahrscheinlich das erste überhaupt war. Nur wenige Details sind von dieser Partie überliefert.