Niederschopfheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Hohberg im Ortenaukreis in Baden-Württemberg.
Geographie Niederschopfheim liegt in der Vorgebirgszone der Oberrheinischen Tiefebene, rund 10 Kilometer südlich von Offenburg. Zu dem Ort gehört auch das Gehöft Hexenmühle (Deckersche Mühle). Die Gemarkung hat eine Größe von 12,87 km². Es ist damit die flächenmäßig größte Gemarkung der Gemeinde Hohberg.
Nachbargemeinden Die Grenze der Gemarkung verläuft im Norden gegen die Gemarkungen Schutterwald und Hofweier, im Nordosten gegen Zunsweier, im Osten gegen Berghaupten, im Südosten gegen Diersburg, im Süden gegen Oberschopfheim, im Südwesten gegen Schutterzell, im Westen gegen Ichenheim und im Nordwesten gegen Dundenheim.
Geschichte Niederschopfheim ist eines der ältesten Dörfer in der Ortenau. Die älteste historische Stätte von Niederschopfheim ist der Burghügel „Zixenberg“. Funde belegen, dass sich an der Stelle Römer aufhielten. Bereits um 50 n. Christus bauten hier die Römer ein Rasthaus, das an der römischen Trajan-Straße lag. 1987 wurde ein römisches Trümmerfeld im Gewann „Steinackerfeld“ in Niederschopfheim entdeckt (Römersiedlung).
Erstmals wird 777 n. Chr. der Name Scofhaim in einer testamentarischen Schenkungsurkunde des Abtes Fulrad erwähnt. Aus der ursprünglich locker gestreuten Siedlung entstanden später die benachbarten Orte Ober- und Niederschopfheim. In Urkunden von 1289 werden der Name „Niderenschopfheim“ und 1359 Niderschopfheim erwähnt. Vom 11. bis 13. Jahrhundert gab es das Rittergeschlecht derer von Schopfheim. Ihre Burg stand auf dem Zixenberg. Überreste sind nicht vorhanden.
Im 12. und 13. Jahrhundert erlangten die Bischöfe von Straßburg die Ortsherrschaft, die sie verschiedenen Rittergeschlechtern zu Lehen vergaben. Von 1479 bis 1538 waren es die Ritter von Bach. Georg von Bach († 1538), mit dem das Geschlecht ausstarb und dessen steinernes Grabmal von der Hand Christophs von Urach außen an der Heilig-Kreuz-Kirche in Offenburg steht, hielt Niederschopfheim in der Reformationszeit beim römisch-katholischen Bekenntnis. Es folgten andere Adelsfamilien, die gleichen wie in Hofweier; doch waren diese in Hofweier Grundeigentümer, in Niederschopfheim Straßburger Lehnsträger. Die letzten waren die Herren von Frankenstein. 1534 wurde die Burg vollständig zerstört.
Am 22. August 1754 wurde der Grundstein für die St. Brigitta-Kirche gelegt, am 21. Dezember 1756 wurde sie erstmals benutzt. Erst 1793 wurde sie geweiht. 1908 bis 1909 wurde das Innere, 1925 bis 1926 das Äußere der Kirche restauriert.
Am 1. Januar 1973 schloss man sich mit den Gemeinden Hofweier und Diersburg zusammen, um die Gemeinde Hohberg zu gründen.
2010 errichtete man auf der denkmalgeschützten Bergkuppe des Zixenberges einen Nachbau der Burgruine.
Demographie Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. +JahrEinwohnerzahl18141.10318341.33018641.27019131.47119391.60919612.18719702.48720243.192
Wappen Ein Schopf als Zeichen der Gemeinde findet sich schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts im Siegel. Während des 19. Jahrhunderts in Gebrauch genommene Stempel zeigen den Schopf in einem von einer Laubkrone überhöhten Schild. Wie um die Jahrhundertwende üblich, verzichtete man auf die Krone. Das Wappen hat die Gemeinde seit 1901 geführt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
mini|St. BrigittaBurg Niederschopfheim Römersiedlung St. Brigitta-Kirche Heimatmuseum in einer ehemaligen Zigarrenfabrik
Religionen Niederschopfheim ist katholisch geprägt. Die einst eigenständigen Pfarrgemeinden Diersburg (St. Karl Borromäus), Hofweier (St. Gallus) und Niederschopfheim (St. Brigitta) sind seit 2015 mit den Nachbargemeinden Neuried und Schutterwald zu einer Seelsorgeeinheit zusammengefasst. Niederschopfheim gehört seit der Dekanatsreform am 1. Januar 2008 zum Dekanat Offenburg-Kinzigtal.
Vereine
Musikverein „Harmonie“ Niederschopfheim Bereits für das Jahr 1873 ist in Niederschopfheim eine Blaskapelle belegt. Die offizielle Gründung des Musikvereins erfolgte jedoch erst am 6. Juni 1909.
Zwischen 1930 und 1939 veranstaltet der Verein die „Hohberger Heimatspiele“, bei denen am südlichen Hang des Zixenberges Heimatspiele und Operetten aufgeführt wurden. Untermalt wurden diese Aufführungen von einer ca. 30 Mann starken Blaskapelle. Am 25. Mai 1941 beschloss die damalige Vorstandschaft, die Vereinstätigkeit bis zum Ende des Krieges ruhen zu lassen.
Die Wiederbelebung erfolgte am 25. August 1946. Die Kapelle war zu dieser Zeit ca. 40 Mann stark. Am 16. Dezember 1951 konnte die vereinseigene „Kulturhalle“, die in Eigenleistung errichtet worden war, feierlich als „Harmoniehalle“ eingeweiht werden. Ende der 1970er Jahre wollte man zunächst das 70-jährige Vereinsjubiläum begehen. Erst die hierzu durchgeführte Recherche brauchte das eigentliche Gründungsdatum und die Vorgänger zutage, so dass 1981 „100 Jahre Blasmusik in Niederschopfheim“ gefeiert wurde. 1982 wurde dem Verein durch den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens die Pro-Musica-Plakette verliehen. 1998 wurde das Jubiläum „125 Jahre Blasmusik“ begangen.
2001 wurde beschlossen, mit der Gemeinde Hohberg in Verhandlungen über die Übergabe der Harmoniehalle zu treten. Grund des Entschlusses war die zunehmende Belastung des Vereins durch die Instandhaltung des vereinseigenen Gebäudes. Am 1. Januar 2003 wurde die Harmoniehalle an die Gemeinde übergeben.
2009 feierte der Verein dann „sein“ 100-jähriges Bestehen.Internetpräsenz des MV Niederschopfheim
Turnverein 1921 Niederschopfheim e. V. Der Turnverein Niederschopfheim ist mit ca. 1.000 Mitgliedern der größte Verein in Hohberg. Neben dem „klassischen Geräteturnen“ bietet der Verein auch weitere Sportarten wie Rope Skipping oder Volleyball an; zeitweise existierte eine Gruppe Einradfahren. Die meisten Mitglieder sind in den Freizeitsport-Gruppen aktiv.
1921 wurde der Verein im Gasthaus „Zum Bergschlössle“ (Spielbergstraße 15) gegründet. Der TuS 1920 Hofweier übernahm die Patenschaft. Zwischen 1921 und 1934 pendelte das Vereinsleben zwischen Stilllegung bzw. Wiederbelebung der Aktivitäten. 1934 erfolgte das Vereinsverbot durch die Nationalsozialisten (Gleichschaltungsgesetz).
1950 fand die Wiederaufnahme der Aktivitäten statt. Wurde zunächst in der Verwiegstelle im Rathaus geturnt, konnte zwischen 1952 und 1954 durch den Umbau einer Scheune bei der Kirche (heute Parkplatz der Anwohner Hauptstraße 42) zur Turnhalle ein erstes festes Domizil errichtet werden. 1952 wurde das Mädchen- und Frauenturnen im Verein eingeführt. Im gleichen Jahr richtete der Verein die Badischen Juniorenmeisterschaften in der Harmoniehalle aus.
1971 konnte der Verein sein 50-jähriges Bestehen mit einem 4-tägigen Zeltfest feiern. 1977 wurde im Verein das erste Mal das Deutsche Sportabzeichen verliehen, das bis heute im Verein abgelegt werden kann. 1974 erfolgte mit dem Bau der Hohberghalle der Umzug in eine neue moderne Trainingsstätte. Erst 1979 erfolgte die Erstellen einer Satzung sowie der Eintrag ins Vereinsregister.
1980 gründete sich die Wandergruppe als autarke Abteilung mit eigener Vorstandschaft unter dem Dach des TVN. Im gleichen Jahr wurde das Vereinsheim „Obere Schule“ (Hauptstraße 52) bezogen, 1990 erfolgte der Umzug in das Vereinsheim „Alte Zigarrenfabrik“ an der B3 (Bahnhofstraße 7, heute Hohberger Heimatmuseum).
1996 feierte der Verein 75 Jahre TVN. Das Festjahr wurde mit mehreren öffentlichen Veranstaltungen über das Jahr verteilt begangen. 1998 wurde die damalige Prellball-Jugendmannschaft auf den Deutschen Turnfest im München Süddeutscher Meister. 1999 überschritt der Verein die 1.100-Mitglieder-Marke, bevor er 2001 seinen bisherigen höchster Mitgliederstand erreichte. Auch 2001 gründete sich die Rhönradgruppe, was den Verein im Badischen Turnerbund zu einem der ganz wenigen Vereinen macht, die diese Sportart anbieten.
2003 führte die Gemeinde Hallengebühren für die Nutzung der Hohberghalle ein, zeitgleich erfolgte zwischen 2003 und 2004 eine Hallenrenovierung, was Auswirkungen auf den Trainingsbetrieb hatte. 2011 wurde die neue Fahne des TVN beim Dorffest geweiht. Seit 2015 ist der TVN als „Gymwelt“-Verein zertifiziert. 2020 musste das Vereinsheim erneut umziehen; es befindet sich nun im alten Feuerwehrhaus.Internetpräsenz des TV Niederschopfheim
Sportverein Niederschopfheim e. V. Am 15. Mai 1926 fand die Gründungsversammlung des Vereins im Gasthaus „Zum Bergschlößle“ statt. Laut Mitgliederverzeichnis waren 40 Personen anwesend. Zum 1. Vorstand wurde Fortbildungs-Hauptlehrer Bernhard Müller gewählt, der dieses Amt bis zum Jahre 1935 ausübte. Die der Gründungsversammlung vorgelegte 1. Satzung datiert vom gleichen Tage. Das erste Spielfeld lag auf der Gemarkung „Gänsweid“ FlstNr. 60 – 63. Das erste Freundschaftsspiel des Vereins gegen den benachbarten VfR Elgersweier im August 1926 wurde mit 0:19 Toren verloren. Im Jahre 1928 wurde durch Spenden und Eigenarbeit eine Schutz- und Umkleidehütte am Sportplatz erstellt. Mit Ausbruch des Krieges im Jahr 1939 erlischt auch die Vereinstätigkeit bei den Fußballern des SVN.
Nachdem im Februar 1946 die französischen Besatzungsmächte die Wiedergründung von Altsportvereinen generell gestatteten, fand am 29./30. Juni 1946 die Neugründung des Sportvereins Niederschopfheim statt. Am 8. September 1946 fand bereits das erste Fußballturnier in Niederschopfheim statt. Das erste Verbandsspiel wurde am 3. November 1946 mit 4:3 gegen Grafenhausen auf heimischem Gelände siegreich beendet. 1951 feierte der Verein sein 25-jähriges Jubiläum.
Die Linienführung der 1961 neu zu bauenden Autobahn Karlsruhe–Basel neben dem bisherigen Sportplatz auf der Gänsweide brachte zwangsläufig die Verlegung des Geländes und damit den Bau einer neuen Sportanlage mit sich. Am 13. August 1961 konnte die heute noch bestehende Platzanlage an der „Alten Landstraße“ eingeweiht werden. Am 14. Dezember 1962 erfolgte der Eintrag in das Vereinsregister.
1970 feierte die erste Mannschaft des SV Niederschopfheim die dritte Meisterschaft innerhalb von 10 Jahren. Der A-Klassenmeister steigt in die II. Amateurliga auf. Am 8. August 1970 wurde die Mannschaft auch Bezirkspokalsieger. In diesen Zeitraum fällt auch die Gründung einer „Alte-Herren“-Mannschaft.
1975 veranstaltete der SVN sein 1. Hallenfußballturnier in der HohberghalIe. Das Turnier fand bei den teilnehmenden Mannschaften großen Anklang. Im Endspiel schlug der OFV den SVN mit 4:0 Toren. Das „Hohberger Hallen-Master“ ist seither ein fester Termin im Sportkalender der Ortenau.
In der Zeit vom 23. bis 26. Juli 1976 beging der SV Niederschopfheim sein 50-jähriges Vereinsjubiläum. Am Ende des Jahres 1976 hat der Verein die Mitgliederzahl von 500 überschritten. 1978 wurde mit den Fußballern von Dammartin bei Paris eine Freundschaft begründet. 1979 erfolgte die Gründung der Tennisabteilung.
1991 wurde die F 1-Jugend des SV Niederschopfheim Südbadischer Fußballmeister. Zuvor hat diese Mannschaft auch die Südbadische Meisterschaft in der Halle und die Badische Meisterschaft in der Halle gewonnen.
1994 trennte sich die Tennisabteilung vom Verein. Ab dem 1. Januar 1995 gab es mit dem TC Niederschopfheim einen weiteren Verein in Niederschopfheim.
Die D-Jugend wurde 1995 nach einem 4:0-Sieg über Gengenbach und in der ganzen Spielrunde ungeschlagen mit 42:0 Punkten und 189:9 Toren Bezirksmeister. In Rastatt holte sich das „Dream-Team“ gegen den FC Villingen mit 5:0 Toren dann auch noch den „Südbadischen Meistertitel“. Die C-Jugend wurde 1997 im Endrundenturnier auf dem eigenen Sportgelände nach Siegen über den FC 08 Villingen und den FC Freiburg jeweils mit 1:0 „Südbadischer Meister“ auf dem Feld. Im Qualifikationsspiel um die Süddeutsche Meisterschaft vor 700 Zuschauern unterlag die C-Jugend dem Bundesliga-Nachwuchs des VfB Stuttgart mit 0:3 Toren.
1999 feierte das über die Grenzen der Ortenau hinaus bekannte „Hallen-Masters“ silbernes Jubiläum. Der 25. Geburtstag wurde festlich begangen.