Lausheim, zuvor eine seit Jahrhunderten bestehende Gemeinde, ist seit der Eingemeindung 1975 ein Stadtteil von Stühlingen, der größten Flächengemeinde im Landkreis Waldshut.

Lage und Verkehrsanbindung Lausheim liegt in einem Tal, das sich von Südwest nach Nordosten zieht und von der Kreisstraße K 6597r durchzogen wird. Sie zweigt im Süden bei Grimmelshofen von der Bundesstraße 314 nach Norden ab und mündet am Ende des Tales nach Westen abzweigend bei Bonndorf in die Bundesstraße 315, die in Richtung des zentralen Schwarzwaldes auf den Feldberg zuläuft. Der Straßenverlauf beruht auf zwei, schon zur Zeit der Römer genutzten uralten Strecken einerseits vom Bodensee, andererseits vom Hochrhein (Koblenz (Schweiz)) zur Donau in Immendingen. So ergeben sich wichtige Verkehrsverbindungen: Die eine führt vom Bodenseegebiet und dem südlich gelegenen Hochrhein nordwestlich über den Randen und den Feldberg nach Freiburg und in den Kaiserstuhl, die andere nordwestlich in die Donauregion. Das Dorf liegt zwar in einem Tal, aber gleichzeitig auch in einem Durchgangsland.

Lage Lausheim befindet sich im Zentrum eines Dreiecks, welches durch die Wutachschlucht, die Wutachflühen und das Mittlere Wutachtal sowie den Talverlauf des Ehrenbachs definiert wird. Das Dorf liegt in einem Seitental der Wutach, dem Weilergraben, der im Westen auf dem Ewattinger Berg beginnt und im Südosten beim Blumegger Weiler in das Wutachtal am Ausgang der Wutachflühen mündet. Die Wutachflühen befinden sich ca. 3,5 km östlich von Lausheim und werden durch das 374,2 ha große, gleichnamige Naturschutzgebiet Wutachflühen geschützt. Das südöstliche Nachbardorf Grimmelshofen ist ca. 4 km von Lausheim entfernt und befindet sich aus Lausheimer Perspektive talabwärts. Bergauf befindet sich das näher gelegene Dorf Blumegg. Die zwei letztgenannten Dörfer bilden zusammen mit Lausheim die nördliche Spitze der Gesamtgemeinde Stühlingen. Nördlich bzw. nordwestlich von Lausheim liegt das Gebiet der Gemeinde Wutach, in welchem folgende Dörfer sich in Nachbarschaft zu Lausheim befinden: Ewattingen, ca. 3 km nördlich Münchingen, ca. 4,5 km westlich Lembach, ca. 2 km südwestlich Gleich weit entfernt wie Münchingen, aber nordöstlich gelegen und auch in Nachbarschaft zu Lausheim, verbindet der Blumberger Ortsteil Achdorf die Wutachschlucht und die Wutachflühen miteinander.

Verkehrsanbindung Der Südschwarzwaldradweg als Rundweg von Hinterzarten über Waldshut-Tiengen, Basel und Freiburg verbindet Bonndorf mit Lausheim und führt über Grimmelshofen und Weizen weiter nach Stühlingen.

Der Weilergraben wird in seiner gesamten Länge von der Kreisstraße K 6597r erschlossen. Die K 6597 zweigt im Südosten bei Grimmelshofen von der Bundesstraße 314 ab, passiert neben dem Weilergraben auch Lausheim und mündet schließlich in der Dorfmitte von Münchingen in die L 171 Bonndorf-Ewattingen. In der Ortsmitte von Lausheim zweigt nach Süden eine Gemeindeverbindungsstraße nach Weizen ab, ebenso ist eine Gemeindeverbindungsstraße nach Ewattingen vorhanden, die oberhalb von Lausheim nach Norden von der K 6597 abzweigt. Über die K 6597 ist Lausheim mit dem südwestlichen Nachbardorf Lembach verbunden.

Ortsname In den ersten Urkunden über das Dorf erscheint der Name „Lusheim“, aber auch in den Varianten Luzheim, Luuchheim. Im 13.–15. Jahrhundert finden wir: Lussehain, Lussen, Lushan und Lausheimb. Der heutige Name findet sich unverändert seit dem 18. Jahrhundert. Er entwickelt sich aus dem althochdeutschen Wort „luzen“ das sich auf die Lage des Ortes in einem, abseits von den größeren Städten und Gemeinden liegenden Tales bezieht. Die spontane und negative Assoziation zu „Laus“ führte 1928 zu der Initiative, den Ortsnamen zu ändern. Unter anderem wurde vorgeschlagen, den Namen „Klausheim“ zu verwenden, um auf die Verehrung des Heiligen Nikolaus in der Pfarrkirche hinzuweisen (siehe unten). Die Initiative scheiterte, nicht zuletzt deshalb, weil die Sprecher der südbadischen Mundart den Begriff „Luse“ selbstverständlich mit »versteckte Lage« assoziierten.

Geschichte Frühgeschichte, Römer, Alamannen und Franken mini|Trajan-Münze (Vorder und Rückseite), gefunden in de:Schwechat, Österreich.

Die Gegend um Lausheim ist seit der frühen Bronzezeit besiedelt (2200 v. Chr. bis 1650 v. Chr.). Das zeigt der Fund von Schmuckstücken aus einem Gräberfeld aus der Zeit zwischen 2000 und 1500 v. Chr., das 1999 im Gewann Nr. 85 „Im Scheidhage“ (Schiedhag) gefunden wurde.

Römische Münzen (darunter eine Münze des Kaisers Trajan (98–117 n. Chr.)) und Ziegel, die in einem römischen Gutshof im Gewann Nr. 52 „Im Fohrenschachen“ gefunden wurden, zeigen, dass die Römer im 1.–3. Jh. n. Chr. hier gesiedelt haben. Der Gutshof diente vermutlich der Versorgung der unweit gelegenen römischen Stadt Juliomagus bei Schleitheim (Schweiz).

Im 4. und 5. Jahrhundert wurden die römischen Siedlungen immer wieder von den Alamannen angegriffen, was nach 378 n. Chr. endlich zum Rückzug der Römer aus dem Gebiet des Hochrheins führte.

Diese wiederum wurden im 6. Jahrhundert in mehreren Schlachten von den Franken vertrieben, deren König Chlodwig I. gleichzeitig die Christianisierung der Region um den Bodenseeraum in Angriff nahm.

Sankt Gallen, adelige Herren und Sankt Blasien Das 614 von dem irischen Mönch Gallus gegründete Kloster St. Gallen wuchs durch umfangreiche Schenkungen und Stiftungen und wurde sehr bald eines der Zentren der Christianisierung im fränkischen Gebiet. Die älteste Urkunde über das Dorf stammt aus dem 8. Jh. n. Chr. In ihr schenken die bisherigen Eigentümer des Dorfes all ihren Besitz dem Kloster St. Gallen:

mini|hochkant|Lausheim, Altes Pfarrhaus 1629, Zeichnung 1948 (Felix Heussen)

Durch solche Zuwendungen, vor allem aber durch die politischen Beziehungen der Fürstäbte und kaiserliche Protektion entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten aus dem Kloster ein Lehnsstaat mit weitreichenden Besitzungen und Herrschaftsrechten, vor allem im heutigen Fürstenland, Appenzellerland und dem Rheintal. Im mittelalterlichen Lehenssystem waren die Lausheimer Bauern Vogtleute der Fürstäbte und hatten neben der Vogtsteuer auch andere Abgaben sowie Hand – und Spanndienste zu leisten. Zwischen 1200 und 1500 verkaufte St. Gallen den Ort an Adelige, die ihn ihrerseits weiterveräußerten. Über Heinrich von Blumegg (1366), Rudolf und Heinrich von Friedingen (1432), die Ritter von Hallwil (1457) gelangte der Ort ab 1504 in den Besitz des Klosters Sankt Blasien und war seither eine Klosterpfründe. Die meisten Bauern bearbeiteten mit ihrem Pflugvieh das Land weiterhin als Lehen, nur wenige hatten Eigenbesitz. Es gab zehn große Lehenshöfe, deren Nachfahr-Familien zum Teil auch heute noch im Ort ansässig sind. Wer kein Vieh besaß, arbeitete als Kleinbauer(Thauner), und besaß einen kleinen Acker oder eine Wiese zur Selbstversorgung. Die Drei-Felder-Wirtschaft wurde eingeführt und mit ihr die Flächeneinteilung in Gewannen. Das Kloster erhob Steuern (der Zehnt), von denen auch der Pfarrer bezahlt wurde und übte die kirchliche Gerichtsbarkeit aus, die sich auch auf Alltagsfälle erstrecken konnte.

Säkularisation und Großherzogtum Baden 1803 wurde durch den Reichsfürstenrat über § 35 des Reichsdeputationshauptschlusses die Enteignung der Klöster gegen Entschädigung verfügt. Der Großherzog von Baden löste am 10. Oktober 1806 das Kloster Sankt Blasien auf, Lausheim wurde Teil des Großherzogtums und unterlag danach den dort gültigen Gesetzen. Nun war es für die Bauern möglich, Grund und Boden zu erwerben, wenn sie die Mittel hatten, sich von den „Frohnen, Gülten und Zinsen“ zu befreien. Nicht alle wagten es, die dazu nötigen Kredite aufzunehmen. Auch die Gemeinde erwarb Grund und Boden und verteilte die bisher für alle zugängliche Allmende auf einzelne Höfe. Das Grundbuch (Berein) von 1783 zeigt die seit alters her bestehenden zehn Lehenshöfe, die von fünf Hofbesitzern betrieben wurden.

Lausheim in den Kriegen Schweizerkrieg Mitte des 15. Jahrhunderts befreiten die schweizerischen Eidgenossen sich schrittweise aus der Herrschaft der Habsburger. Sie vertrieben sie zunächst aus einzelnen Kantonen und griffen dann auf Randbezirke über. Schon im Waldshuterkrieg (1468) bewegten sich die Kämpfe auf Stühlingen und damit auch auf Lausheim zu. Im Lauf der Jahrzehnte verloren die Habsburger größere Teile ihres bisherigen Herrschaftsgebiets und die Eidgenossen setzten sich endgültig 1499 durch (Schweizerkrieg oder Schwabenkrieg). Im Zweiten Hegauerzug besetzten sie Stühlingen erneut. Der Schweizerkrieg 1499 war sehr deutlich gegen die Herrschaften aus Stühlingen und Tiengen gerichtet, u. a. wurde das Stühlinger Städtle niedergebrannt und das Schloß zu Stühlingen beschädigt. Lausheim war – von Frondiensten abgesehen – davon nicht direkt betroffen. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich um den Ort herum ein informeller kleiner Grenzverkehr mit den Schweizern über die Wutach hinweg bis heute. Er läuft entweder über Weizen/Weizener Steg in Richtung Schaffhausen oder über Grimmelshofen über den Berg nach Schleitheim SH.

Stühlinger Bauernerhebung Anfang des 16. Jahrhunderts geriet das Verhältnis der Bauern zu ihren Lehnsherren, ihren Vögten, den Klöstern politisch und wirtschaftlich unter erheblichen Druck. Ständige Kriege, die Pest, Missernten auf der einen Seite und ständig erhöhte Steuern und Abgaben auf der anderen Seite, führten dazu, dass freie Bauern ihre Höfe nicht mehr halten konnten, zu Tagelöhnern herabsanken oder gar erbuntertänig oder Leibeigene werden mussten(Die Leibeigenschaft wurde in Baden erst 1783 abgeschafft). Mit dieser untersten Stellung in der Gesellschaft war unter anderem die Pflicht verbunden, dem Herrn stets zur Verfügung zu stehen, nur mit seiner Genehmigung zu heiraten usw. Die unerbittliche Weigerung der Herrschenden, auf die Interessen der Bauern Rücksicht zu nehmen, führten im Juni 1524 zu offenen Aufständen gegen die Landgrafen von Stühlingen, ausgehend von Bauern aus Bonndorf, Ewattingen (unmittelbaren an der Gemarkung Lausheim) und Bettmaringen. Vor den einmarschieren Bauern fliehen die Grafen. Schaffhausen vermittelt. Am 7. September 1524 wird ein Vertrag vorgeschlagen, für den aus Lausheim Jakob Nägeli verhandelt. Wegen der in ihm enthaltenen Strafbestimmungen gegen die Bauern lehnen sie ihn ab. Sie führen die Auseinandersetzungen weiter und besetzen das Kloster Sankt Blasien. Die Forderungen der Bauern werden in den 62 „Ewattinger Artikeln“ als Klageschrift formuliert. Kein Ergebnis. Ein Jahr später unterwerfen sich die Bauern dennoch am 12. Juli 1525 dem Landgrafen von Lupfen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich im Jahr darauf ein Flächenbrand, der Deutsche Bauernkrieg, der sich bis weit in den Norden ausbreitete – meist ohne ein günstiges Resultat für die Bauern.

Dreißigjähriger Krieg Hundert Jahre später wurden in ganz Europa im Dreißigjährigen Krieg hinter der Fassade religiöser Auseinandersetzungen (Protestantische Union gegen Katholische Liga) die Machtverhältnisse neu geordnet. Auch Lausheim nützte seine versteckte Lage nichts. Die seit jeher katholische Bevölkerung wurde nicht nur von feindlichen Truppen (Schweden, Sachsen, Württemberg), sondern auch von den katholischen Soldaten drangsaliert, zu denen Spanier und Österreicher gehörten. Zwischen September 1629 und dem 28. Januar 1630 starben in Lausheim 37 Menschen, davon 21 Kinder. Ganze Familien wurden innerhalb von Tagen ausgelöscht:

1806 hatte das Dorf 267 Einwohner, davon ca. 50 mit den Stimmrechten der Bürger. Nur wenige wie Jacob Dienstberger wanderten aus.

Revolution 1848/1849