Als Aminfluoride werden die Hydrofluoride von Aminen bezeichnet. Die Stoffgruppenbezeichnung „Aminfluorid“ ist gebräuchlich, chemisch aber nicht korrekt.
Aminfluoride, die in der Zahnpflege und -medizin eingesetzt werden, sind kationische Tenside. Sie verfügen über eine lange, hydrophobe Alkylgruppe und ein polares, hydrophiles protoniertes Amin mit einem Fluorid als Anion.
Anwendung Aminfluoride werden hauptsächlich als Wirkstoff zur Plaque-Prophylaxe in Zahnpasta oder Mundwasser eingesetzt. Die Wirkung beruht auf ihrem tensidartigen Aufbau und ihrem Fluorgehalt. Sie reichern sich nur geringfügig an Zahnoberflächen an, was aber ausreicht, um Karies zu reduzieren. Die genaue Wirkungsweise ist Gegenstand aktueller Forschung.Frank Müller, Christian Zeitz, Hubert Mantz, Karl-Heinz Ehses, Flavio Soldera, Jörg Schmauch, Matthias Hannig, Stefan Hüfner, Karin Jacobs: Elemental Depth Profiling of Fluoridated Hydroxyapatite: Saving Your Dentition by the Skin of Your Teeth? In: Langmuir. Band 26, Nr. 24, 2010, S. 18750–18759. doi:10.1021/la102325e.
Aminfluoride hemmen das bakterielle Wachstum. Für die Inhibierung ist das Amin verantwortlich. Da sie im Vergleich zu anorganischen Fluoriden die Zellmembran sehr leicht durchdringen, erreichen sie auch dort deutlich schneller wirksame Konzentrationen.
Beispiele Ethanolamin-Hydrofluorid Olaflur, ein Dihydrofluorid Dectaflur, ein Monohydrofluorid
Geschichte mini|hochkant=1.1|Strukturformel von Ethanolamin·HF (Ethanolamin·Hydrofluorid). Die erste Zahncreme mit Aminfluorid wurde in Deutschland 1951/52 entwickelt und patentiert und kam unter dem Handelsnamen „Biox Fluor“ auf den Markt (Knoll AG, Ludwigshafen).Biox-Fluor beim Regensburger Archiv für Werbeforschung, abgerufen am 14. November 2012. Sie enthielt als aktiven Wirkstoff Ethanolamin-Hydrofluorid. Die Herstellung des Wirkstoffes basiert auf einem Patent der Knoll AG, Erfinder war Kurt Kraft. Oskar Eichler, Toxikologe an der Universität Heidelberg, war zusammen mit Kraft Mitinhaber des entsprechenden Zahnpasta-Patents (1951).Deutsches Patentamt: Patentschrift DE971375. Patentiert in Deutschland am 26. August 1951.Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. Band 7, 1952, S. 702 & 708. Erst einige Jahre später brachte GABA ähnliche Produkte auf den Markt.T. Imfeld: 40 Jahre Aminfluorid. In: Schweiz. Mschr. Zahnmed. Band 114, Nr. 3, 2004, S. 259.
Literatur Hans-Jürgen Gülzow, Claas Sudbrake: . In: Zahnärztliche Mitteilungen. Nr. 15, 2003, S. 32. J. V. Embleton u. a.: Influence of growth mode and sucrose on susceptibility of Streptococcus sanguis to amine fluorides and amine fluoride-inorganic fluoride combinations. In: Appl. Environ. Microbiol. Band 64, 1998, S. 3503–3506. PMID 9726905, .
Weblinks Erste Fluorzahnpasten, u. a. mit Aminfluorid
Einzelnachweise
Kategorie:Stoffgruppe Aminfluoride Aminfluoride