Simon Eder (* 23. Februar 1983 in Zell am See, Land Salzburg) ist ein ehemaliger österreichischer Biathlet. Nach Erfolgen im Juniorenbereich startete er seit Mitte der 2000er Jahre im Weltcup und entschied dort 2009 sein erstes Rennen für sich. Er platzierte sich mehrmals unter den besten Zehn der Weltcupgesamtwertung und gewann sieben Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, fünf davon mit der Staffel. Viel Aufmerksamkeit kam Eders Schießeinlagen zu, die mit einer durchschnittlichen Dauer von zeitweilig unter 20 Sekunden zu den schnellsten im Weltcup zählten.

Werdegang Anfänge und Erfolge im Juniorenbereich (bis 2004) Simon Eder stammt aus Saalfelden am Steinernen Meer und kam über seinen Vater, den Weltcupsieger und sechsmaligen Olympiateilnehmer Alfred Eder, früh mit dem Biathlonsport in Kontakt.Silke Burgsteiner: In: Platzhirsch. März 2018, S. 10–12. Sandra Flunger – die Nichte Alfred Eders und Cousine Simon Eders sowie spätere ÖSV-Frauentrainerin – gab an, sie habe mit Simon die Wettkämpfe Alfred Eders im Garten mit einem Holzgewehr nachgestellt. Alfred Eder betreute seinen Sohn über einen Großteil von dessen Laufbahn: zunächst im Nachwuchsbereich, von 2005 bis 2012 als Biathlon-Cheftrainer im Österreichischen Skiverband (ÖSV), später als privater Übungsleiter.Henriette Werner: "Viele Punkte gehören geändert" auf laola1.at, 16. Februar 2014. Seit 1998 gehört der für den HSV Saalfelden startende Simon Eder als Kaderathlet dem ÖSV an.Steckbrief von Simon Eder auf oesv.at, abgerufen am 19. Mai 2020.

Mit 18 Jahren gewann Eder bei den Juniorenweltmeisterschaften 2002 die Goldmedaille im 15-Kilometer-Einzelrennen vor den zeitgleichen Michael Rösch und Artjom Jakowlewitsch Gussew. Eder traf 19 von 20 Schüssen und wurde zum ersten österreichischen Juniorenweltmeister.Biathlon: Erstmals Gold für Österreich bei Junioren-WM. In: Der Standard. 2. Februar 2002. Bis zum Ende seiner Juniorenzeit 2004 holte er in seiner Altersklasse weitere Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften – darunter den EM-Titel 2003 im Sprint – und entschied mehrere Rennen im Junioren-Europacup für sich. Zudem erhielt er im Jänner 2003 beim Sprint von Ruhpolding seinen ersten Einsatz im Biathlon-Weltcup (das Rennen musste er wegen Fieber aufgebenChristoph Nister: „Wie Phoenix aus der Asche“. In: Kronen Zeitung. 12. Jänner 2019.) und stand im Dezember 2003 als Dritter in Obertilliach erstmals auf dem Podium eines Europacups im Erwachsenenbereich.

Verzögerter Aufstieg in die Weltcupmannschaft (2004 bis 2009) mini|links|Simon Eder beim Blinkfestivalen 2009

Im Rückblick gab Eder an, in den Jahren von 2004 bis 2006 übertrainiert zu haben und „in eine Art Burnout gerutscht“ zu sein.Christoph Nister: Simon Eder: "Ich war respektlos" auf laola1.at. 11. März 2015, abgerufen am 19. Mai 2020. Er habe schnell Anschluss an die Leistungen der Weltcupmannschaft herstellen wollen und es habe die Einstellung vorgeherrscht, dass vor allem hartes Training zu Erfolg führe.Mit der neuen Munition wieder gut in Schuss. In: Kurier. 8. Dezember 2017, S. 16. Abgerufen via PressReader. „Das Problem war, dass du dir als junger Sportler denkst und auch jeder dir sagt: Du musst trainieren. Es war einfach eine andere Zeit. Damals war man noch der Meinung: Wer am härtesten trainiert, der ist auch der Erfolgreichste.“ Die Saison 2006/07 sei er nach ärztlich empfohlener zweimonatiger Trainingspause auf seinem „Grundniveau“ angegangen. In diesem Winter kam Eder in seinem zehnten Weltcuprennen, einem Sprint im heimischen Hochfilzen, als 22. zum ersten Mal in die Punkteränge. Zudem qualifizierte er sich für die Weltmeisterschaften 2007 in Antholz, bei der er im Einzel 68. wurde und mit der österreichischen Staffel um Daniel Mesotitsch, Friedrich Pinter und Christoph Sumann Rang sechs belegte.

Ab der Weltcupsaison 2007/08 zählte Eder dauerhaft zur österreichischen WeltcupmannschaftZu Beginn des Winters 2007/08 wurde Eder noch im A-Kader des ÖSV geführt und somit nicht in der höhergestellten Nationalmannschaft, der er erst ab 2008 angehörte, vgl. Die nordischen ÖSV-Kader 2007/08 (In: Wiener Zeitung. 7. Mai 2007) und Biathlon-Nationalkader Österreichs bekanntgegeben (auf biathlon-online.de, erschienen am 10. Mai 2008). und etablierte sich in dieser als einer der stärksten Athleten: 2008 war er nach mehreren Top-Ten-Ergebnissen Achtzehnter der Weltcup-Gesamtwertung und somit hinter Friedrich Pinter zweitbester Österreicher. Im Folgejahr reihte er sich auf dem zwölften Rang ein und lief mehrmals auf das Podest in Einzelrennen. Das gelang ihm zum ersten Mal in der Verfolgung von Antholz im Jänner 2009, bei der er sich mit einem fehlerfreien Schießen vom 19. Rang im Sprint auf Platz zwei hinter Björn Ferry verbesserte. Kurz nachdem er bei den Weltmeisterschaften 2009 mit der Staffel die Silbermedaille gewonnen hatte, belegte er im März in Trondheim an einem Rennwochenende einen dritten sowie zwei zweite Plätze (jeweils hinter Ole Einar Bjørndalen). Beim Saisonabschluss in Chanty-Mansijsk blieb Eder im Massenstart als einziger der 30 Teilnehmer ohne Fehlschuss und entschied vor seinem Teamkollegen Dominik Landertinger erstmals ein Weltcuprennen für sich.

Besondere Aufmerksamkeit erregten Eders Schießeinlagen, die 2009 im Mittel 18 bis 19 Sekunden dauerten, damit zeitweilig die schnellsten im Weltcup warenDas Leben ist eine schwarze Scheibe. In: Kleine Zeitung. 10. Dezember 2009, S. 63. Abgerufen via PressReader. und ihm – in Anlehnung an den Comichelden, der „schneller als sein eigener Schatten“ zieht – den Spitznamen Lucky Luke eintrugen. Eder sah sich in der Tradition von Athleten wie Raphaël Poirée und Michael Rösch, die den Trend „weg von größtmöglicher Sicherheit und hin zu kalkuliertem Risiko“ mitbegründet hätten.Giulio Gasparin: Alles mit links. In: Biathlonworld. Nummer 48/2018, S. 84–87. Zunächst lag seine Trefferquote über die Saison gesehen bei für das Weltcupfeld in etwa durchschnittlichen 80 %.Viktoria Franke: Simon Eder im Interview: "So ein guter Schütze bin ich gar nicht" auf biathlon-online.de. 5. September 2009, abgerufen am 19. Mai 2020. „Wobei ich sagen muss, dass ich dieses Bild des fehlerfreien Schützen, das die Medien von mir haben, eigentlich gar nicht verstehen kann. Meine Trefferquote im letzten Jahr war nur bei 80 %, […]“ Im weiteren Verlauf seiner Laufbahn konnte er sie auf bis zu 91 % steigern, womit er zwischenzeitlich (in der Saison 2018/19) der sicherste Schütze im gesamten Weltcup war.IBU Biathlon Guide 2019/20, S. 374–375.

Etablierung in der internationalen Spitze und olympische Staffelmedaillen (2009 bis 2016) Begonnen mit dem zwölften Platz 2009 erreichte Eder neun Winter in Folge Resultate zwischen dem 5. und dem 15. Rang im Gesamtweltcup, ausgenommen die Saison 2011/12, in der er mehrere Wettkämpfe verpasste und 34. wurde. In diesen Jahren lief er beständig auf Punkteränge in Einzel-Weltcuprennen und erhielt 2015 seitens der Sportwebsite laola1.at die Zuschreibung als „große Konstante“ im österreichischen Team. 2014 und 2016 feierte Eder zwei weitere Einzel-Weltcupsiege, die er beide in der Verfolgung einfuhr, jeweils von einem sechsten Platz im Sprint kommend: Im März 2014 traf er am Osloer Holmenkollen alle 20 Scheiben und gewann mit 20,7 Sekunden Vorsprung auf Björn Ferry; knapp zwei Jahre später – im Jänner 2016 in Ruhpolding – blieb er als einziger Athlet aus einer fünfköpfigen Führungsgruppe um Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bø beim letzten Schießen ohne Fehler und siegte vor Fourcade.Simon Eder triumphiert in Ruhpolding. In: Der Standard. 9. Jänner 2016. Hinzu kamen über die Jahre weitere Podiumsergebnisse, insbesondere auch bei den Weltmeisterschaften 2016 in Oslo, bei denen Eder im 20-Kilometer-Einzelrennen wie auch Dominik Landertinger keinen Fehler schoss und hinter Martin Fourcade und seinem Teamkollegen Landertinger die Bronzemedaille gewann.

Gemeinsam mit Daniel Mesotitsch, Dominik Landertinger und (bis zu dessen Rücktritt 2014) Christoph Sumann war Eder bei Großereignissen durchgängig Mitglied der ÖSV-Staffel, bis 2013 in erster Linie als Startläufer, danach in wechselnder Position. Die Mannschaft gewann in dieser Konstellation im olympischen Staffelrennen 2010 von Vancouver die Silbermedaille und vier Jahre später im Rahmen der Spiele von Sotschi Bronze, wobei sie nach der späteren Disqualifikation der russischen Staffel noch auf den Silberrang aufstiegen. Nach einer vierjährigen Pause siegten die Österreicher im Jänner 2014 in Ruhpolding zudem wieder in einem Staffel-Weltcuprennen, wobei der an Position drei laufende Eder die Mannschaft mit einer „schnelle[n], makellose[n] Stehend-Serie“ in Führung brachte.Biathlon: Herren-Staffel gewinnt in Ruhpolding. In: Die Presse. 9. Jänner 2014. Eder nahm das Rennen mit 22,1 Sekunden Rückstand als Vierter auf und lag nach seinem zweiten Schießen an erster Stelle, in etwa gleichauf mit dem Deutschen Erik Lesser, der mit 4,7 Sekunden Vorsprung auf ihn übergab.

Training mit der Biathlonschmiede und Rückkehr zum ÖSV (seit 2016) mini|links|Eder beim Stehendschießen (hier 2020 in Oberhof)

Bereits in der Vorbereitung auf die Saison 2015/16 trainierte Eder getrennt von der Trainingsgruppe der Männer und stattdessen gemeinsam mit den von seiner Cousine Sandra Flunger betreuten ÖSV-Frauen. Er begründete diesen Schritt mit der hohen Konkurrenzsituation im leistungsstarken Männerteam, die dazu führe, dass man bereits in der Vorbereitung die eigenen Grenzen überschreite und nicht die individuell optimale Trainingsintensität verfolge.Christoph Nister: Neue Helden braucht das Land auf laola1.at. 4. Dezember 2015, abgerufen am 20. Mai 2020. Zudem sah er Flunger neben seinem Vater – der seine Stellung als Cheftrainer 2012 verloren hatte – als wichtigste Bezugsperson an.Training mit den Frauen beflügelte Eder. In: Salzburger Nachrichten. 11. Jänner 2016, S. 19. Abgerufen via PressReader. 2016 trennte sich Flunger vom ÖSV und übernahm gemeinsam mit Alfred Eder bis 2018 die Leitung der vom Skiverband unabhängigen Trainingsgruppe Biathlonschmiede, der sich mehrere Athleten anschlossen, darunter Simon Eder als einziger Mann.Abseits des ÖSV-Mainstreams. auf sportv2.orf.at. 7. Februar 2017, abgerufen am 18. Mai 2020. Bei den Heim-Weltmeisterschaften 2017 in Hochfilzen gewann Eder die einzige österreichische Einzelmedaille: Im Massenstart traf er mit allen 20 Schüssen und wurde Dritter hinter Simon Schempp und Johannes Thingnes Bø, die ihn auf der Schlussrunde überholten. Zudem holte er mit der Staffel an der Seite von Daniel Mesotitsch, Julian Eberhard und Dominik Landertinger ebenfalls Bronze. Im Weltcup gewann Eder gemeinsam mit Lisa Hauser zwei Rennen in der Single-Mixed-Staffel, im März 2017 in Kontiolahti sowie im November 2017 in Östersund.