mini|Wassili Lepanto, ca. 2000 Wassili Lepanto (* 17. Juni 1940 in Nafpaktos als Vasilios Loukopoulos, ; † 30. August 2018 in Heidelberg) war ein griechisch-deutscher Maler und Heidelberger Stadtrat. Von dem Städtchen Nafpaktos (griechisch Ναύπακτος, deutsch häufig auch Naupaktos) am Golf von Korinth, das die Italiener Lepanto nennen (Schlacht von Lepanto 1571), leitete er seinen Künstlernamen „Lepanto“ her. Er lebte und arbeitete seit 1964 in Heidelberg – zunächst als Student dortselbst und in Mannheim und später als freischaffender Künstler.
Seine Arbeit wurzelte in der Studenten- und Ökologie-Bewegung der 1960/70er Jahre. Denken und Arbeit des Künstlers waren gekennzeichnet durch die Bejahung des Positiven und Reinen in der Welt. Lepantos künstlerische Intention war die „Ökologische Moderne“. Den auch in der Kunsttheorie ambitionierten Maler verband eine Schüler-Lehrer-Beziehung mit dem Philosophen Hans-Georg Gadamer.
Leben Athen Ab 1945 lebte Wassili Lepanto in Athen, im alten Stadtviertel Akadimia Platonos nahe dem heutigen Stadtzentrum Omonia-Platz. Er besuchte ein Gymnasium unweit des Akropolis-Felsens und des Thissions, wobei die nahe gelegene Jugendbibliothek ihn mit der europäischen Literatur bekannt machte. Die Bühne des Königlichen Theaters Athens engagierte ihn als jugendlichen Darsteller.Dora Markatou: Einführung zu Person und Werk. In: Wassili Lepanto. Landschaften. Ökologische Ordnung und Inspiration. Auss. Kat. Benaki-Museum 2011, S. 12 ff.
Wechsel nach Heidelberg mini|Wassili Lepanto (links) im Gespräch mit Hans-Georg Gadamer
1964 wurde ihm Heidelberg zur Wahlheimat. An den Universitäten Heidelberg und Mannheim studierte er Germanistik, Geschichte, Pädagogik und Kunstgeschichte und engagierte sich für eine friedliche Studentenbewegung.Katja Nagel: Die Provinz in Bewegung. Studentenunruhen in Heidelberg 1967–1973. Buchreihe der Stadt Heidelberg. Band XIII, Heidelberg u. a. 2009. Durch sein weiteres Nebenfach Philosophie begann eine Lehrer-Schüler-Beziehung mit dem Philosophen Hans-Georg Gadamer.
1969 erfolgte in seinem Leben ein Wendepunkt durch einen Kuraufenthalt im Schwarzwald. Die Begegnung mit der Natur des Schwarzwaldes eröffnete ihm den Blick auf die Großartigkeit der Natur. Der Bericht des Club of Rome zu Waldsterben, Verseuchung der Meere und der Flüsse, der Kalte Krieg und die Atomrüstung im Ost und West politisierten ihn.Wassili Lepanto: Ökologische Ordnung und Inspiration. Stuttgart 2011, S. 252.
Während seiner Magisterarbeit im Jahre 1974 über Heinrich von Kleists Der Zweikampf war Lepanto auch als hilfswissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Seminar Heidelberg beschäftigt. 1975 erhielt er ein Doktorandenstipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Zur Promotion musste er die Heidelberger Uni verlassen und ins benachbarte Mannheim wechseln. An der damals noch neuen Universität Mannheim promovierte er 1978 in Germanistik mit einer Arbeit zum Thema Grammatiktheorie und Sprachpraxis, die die traditionelle Sprachwissenschaft gegenüber den neu aufgekommenen linguistischen Theorien verteidigt.Stadt Heidelberg, Kulturamt: Wassili Lepanto. Ökologische Kunst. Ausst. Kat., Heidelberg 2006, S. 88. Im selben Jahr veröffentlichte er seine Diplomarbeit zu Max Frischs Homo faber.
Auch in Wassili Lepantos privatem Leben begann ein neuer Abschnitt in den darauf folgenden Jahren. Es vertiefte sich seine geistig-künstlerische Verbindung mit einer Absolventin der Ruperto Carola, Heidelberg einer Kunsthistorikerin deren Wurzeln in Finnland gründen. Mit ihr vermählte sich Wassili Lepanto im Jahr 1982.
Entscheidung für die Kunst Lepanto erhielt ein Angebot, an der Universität Athen zu lehren, er lehnte aber ab und verwarf auch eine wissenschaftliche Karriere an seiner Alma Mater in Heidelberg. Stattdessen entschied er sich für das Leben eines freischaffenden Künstlers. Dies war eine Entscheidung für eine vita contemplativa und gegen eine vita activa und bedeutete für seinen Lebensweg eine Zäsur.Dora Markatou: Einführung zu Person und Werk. In: Wassili Lepanto. Ökologische Ordnung und Inspiration. Stuttgart 2011, S. 13 f. Er widmete sich von nun an der Malerei.
1979–81 entstand das Fundament für sein Bildprogramm, das sich in Folgejahren in drei grundlegenden Malperioden – Gelb-Braun, Grün und Weiß – voll entfaltete.Stadt Heidelberg, Kulturamt: Wassili Lepanto. Ökologische Kunst. Ausst. Kat., Heidelberg 2006, S. 88. Das produktive künstlerische Schaffen wurde zugleich von einer regen Ausstellungstätigkeit begleitet, die ihn auch nach Paris, Wien, Helsinki, Montpellier, Athen, New York, Genf und Florenz führte. Nicht nur mit Ausstellungskatalogen, sondern auch mit Kunstdrucken, Postkarten und Kalendern wurde Lepantos Kunst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.Stadt Heidelberg, Kulturamt: Wassili Lepanto. Ökologische Kunst. Ausst. Kat., Heidelberg 2006, S. 88.
1983 wurde sein für ihn grundlegend-programmatisches Manifest Kunst für den Menschen oder Für eine Ökologische Kunst veröffentlicht. Des Weiteren hielt er zur Verbreitung und Propagierung seiner Ökologischen Ästhetik auch kunsttheoretische Vorträge, unter anderem an der Universität Heidelberg und auch an der Jyväskylän yliopistos in Finnland.Wassilli Lepanto: Landschaften. Ökologische Ordnung und Inspiration . Ausst.Kat. / Benaki-Museum, 2011, S. 260.
Im Sommersemester 1991 sowie im Wintersemester 1991/92 war er an der Universität Heidelberg als akademischer Lehrer im Fach Deutsche Literatur (Thomas Mann und Expressionismus; Deutsche Literatur der Jahrhundertwende)Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg: Vorlesungsverzeichnis Band 2, SS 1991, S. 212 u. WS 1991/92, S. 201. tätig. 1993 veröffentlichte Lepanto sein Künstlertagebuch Vorfrühling, in dem er Rückschau auf die grundlegenden Jahre seiner künstlerischen Arbeit hielt. 1992–1995 arbeitete Lepanto an seinem großen Auftragswerk für die Heidelberger Universität, dem Gemäldezyklus Abendland. Darauf folgte 1996/97 seine bisher größte, wegweisende Werkschau in Genf, Athen und Düsseldorf. Im selben Jahr wurde ihm in Heidelberg der Willibald-Kramm-Preis für Kunst verliehen.Heide Seele: Arkadien in Heidelberg. in: RNZ, 2. Juni 1997 und Kunst als Ausdruck des Schönen. In: RNZ, 3. Juni 1997.
2000 eröffnete er eine eigene Galerie in der Heidelberger Altstadt. 2002 erschien im Stuttgarter Belser-Verlag die Künstlermonographie Wassili Lepanto – Positive Utopien.
2009 gelang dem auch stadtpolitisch engagierten Künstler mit seiner Kulturinitiative Heidelberg Pflegen und Erhalten der Einzug in den Gemeinderat.Micha Hörnle: Das ist der neue Rat. Gestern nahm der neugewählte Gemeinderat seine Arbeit auf. In: RNZ, 24. September 2009.Micha Hörnle: Eine Liste für das "teuerste Kapital der Stadt". Der Künstler Wassili Lepanto tritt mit "Heidelberg Pflegen und Erhalten" bei der Kommunalwahl an. In: RNZ, 20. April 2009. Weiterhin hielt Lepanto seine kunsttheoretischen Vorträge an der Dalhousie University in Halifax/Kanada über Kunst und Ökologie (2009) und 2012 an der East China Normal University über Gadamers Hermeneutik und Ökologische Moderne.Holger Buchwald: Wird Gadamer vergessen? Der Künstler Wassili Lepanto kritisiert, dass es zum zehnten Todestag keine Gedenkveranstaltung gab. In: RNZ, 12. Dezember 2012.
Am 30. August 2018Todesanzeige in der Rhein-Neckar-Zeitung, abgerufen am 30. September 2018. starb Lepanto nach längerer Krankheit. Er soll in Griechenland beigesetzt werden.Holger Buchwald: Künstler und Stadtrat Lepanto ist tot. Rhein-Neckar-Zeitung, 8. September 2018, abgerufen am selben Tage
Politisches Engagement
1985/86 griff der Künstler mit großem persönlichem Einsatz in Fragen der Heidelberger Stadtgestaltung ein. Er trat mit einer breitangelegten Kampagne („100 Briefe“) gegen zwei Kunstprojekte der Stadt Heidelberg an die Öffentlichkeit: die Neugestaltung des Heidelberger Universitätsplatzes mit einem Dani-Karavan-ProjektKarl Ruhrberg: Streit um Gestaltung des Heidelberger Universitätplatzes. Koalition der Spießer gegen Karavans Stein-Spirale. In: Art Journal Nr. 6, S. 9.o. A.: Gröbste Ignoranz bei gänzlichem Mangel an innerer Tugend. Wassili Lepantos Phillippika gegen die Pläne zur Neugestaltung des Universitätsplatzes, Heidelberg. In: Communale, 5. Juni 1985, S. 5.o. A.: „Zu akademisch, zu abstrakt“. Karavan-Projekt für den Universitätsplatz scheiterte im Gemeinderat. In: RNZ, 17. Juli 1985, o. S. und die avantgardistisch-unästhetischen, progressivenGlasfenster Heiliggeistkirche (Heidelberg) Fensterentwürfe von Johannes Schreiter für die spätgotische Heiliggeistkirche Heidelberg.Dieter Haas: Mehrheit stimmte gegen die Schreiter-Fenster. Zu einer Informationsveranstaltung im Heidelberger Kunstverein. In: RNZ, 14. Februar 1986, o. S. In diesem Zusammenhang suchte Lepanto wieder die Verbindung mit seinem Lehrer aus der Studienzeit, dem Philosophen Hans-Georg Gadamer. Überregional engagierte er sich u. a. bei der Kulturpolitischen Gesellschaft und nahm sehr regen Anteil an den Kulturgesprächen der neu entstandenen Partei Bündnis 90/Die Grünen.
2001 engagierte sich der Künstler mittels einer Reihe von Kunstaktionen für eine Neuanpflanzung einer gefällten Trauerweide im Innenhof des Heidelberger Schlosses und sammelte dafür 10.000 Unterschriften.Jutta Schneider: Klageweiber und Requiem für die Trauerweide. Der Heidelberger Künstler Wassili Lepanto erinnerte an den im letzten Jahr gefällten Baum im Schlosshof. In: RNZ, 21. Mai 2002, o. S. Im selben Jahr wurde Lepanto mit der Bürgerplakette der Stadt Heidelberg für „Kulturelle Vielfalt und gesellschaftspolitische Belange“ ausgezeichnet.o. A.: Bürgermeister Jürgen Beß überreichte die Auszeichnung an verdiente Bürgerinnen und Bürger. In: Stadtblatt Heidelberg, 11. Dezember 2002, o. S.
2006 forderte ihn ein städtebaulich strittiges Projekt in der Heidelberger Altstadt erneut zu einem langwährenden Protest heraus. Wiederum sammelte Lepanto 10.000 Unterschriften gegen den Abriss der neoklassizistischen Markt-Kolonnaden und die Fällung von 17 Linden und Platanen am Friedrich-Ebert-Platz, die letztendlich einer modernen citygerechten Tiefgarage weichen mussten.Ingrid Thoms-Hoffmann: Was passiert mit den Kolonnaden? In der Stadt wird das Thema kontrovers diskutiert – Unterschriftenaktion des Kunstmalers Lepanto. In: RNZ, 30. August 2006, o. S.Heinrich Kemper: Der Magistratsbeschluss. In: Die Zeit. 9. März 2007, o. S.
2009 gründete der politisch ambitionierte Künstler die Kulturinitiative Heidelberg Pflegen und Erhalten,Homepage Kulturinitiative Heidelberg Pflegen und Erhalten die ihm bei den Heidelberger Kommunalwahlen einen Sitz im Stadtrat einbrachte.siehe Stadt HeidelbergWassili Lepanto, gal-heidelberg.de, 17. Februar 2017.
Sein besonderer Einsatz galt der historischen Baukultur – dem „Historisch-Gewachsenen“ – insbesondere der denkmalgeschützten Gesamtanlage Alt-Heidelberg. Die historische Altstadt bildet für ihn eine architektonisch abgeschlossene Einheit im Sinne eines Gesamtkunstwerks, weshalb für ihn jede Veränderung einen negativen Eingriff in das Ganze bedeutete. Deshalb forderte er deren bedingungslosen Erhalt. Vor allem suchte er das historische Bild Heidelbergs vor den seiner Überzeugung nach überflüssigen und störenden Bauprojekten der Zeitgeist-Architektur zu bewahren, wie zum Beispiel der jüngsten Holzbestuhlung des Heidelberger Marktplatzes.
Werk Lepantos Lebensentscheidung für die Kunst statt einer Universitätslaufbahn wurde einerseits getragen von seiner Begeisterung für die Deutsche Dichtung und geprägt durch die Friedens- und Ökologie-Bewegung und andererseits von seiner kritischen Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Moderne und den avantgardistischen Kunsttheorien des frühen 20. Jahrhunderts.