Geschwend ist seit dem 1. April 1974 ein Stadtteil von Todtnau im baden-württembergischen Landkreis Lörrach.

Geographie Geographische Lage Der Ort liegt am Unterlauf des Prägbaches und auf der linken Talseite des Wiesentals. Auf der Gemarkung mündet der Prägbach in die Wiese. Nördlich der Dorfsiedlung liegt der Staldenkopf (1135 Meter NN) und nördlich der Elsberg (1029 Meter NN). Der 1156 Meter hohe Hasenhorn liegt im Norden von Geschwend auf Todtnauer Gemarkung hart an der Grenze. Im Norden der Gemarkung von Geschwend stößt diese mit den Gemarkungen von Todtnau und Schlechtnau zusammen und an dieser Stelle wurde 2009 der Hasenhornturm errichtet.

Ortsgliederung Zum Stadtteil Geschwend gehören der Wohnplatz Gisiboden. und der aufgegangene Ort Grafenmatte..

Nachbarorte Der Ort grenzt im Norden an die Gemarkungen der Kernstadt Todtnau und des Todtnauer Stadtteils Schlechtnau; im Westen an die Gemeinde Utzenfeld; im Süden und Osten an die Stadt Schönau im Schwarzwald, sowie im Osten an den Todtnauer Stadtteil Präg.

Geologie mini|Geschwender Halde mit Teilen der Hangsicherung (Oktober 2020) Am 7. März 2019 löste sich 180 Höhenmeter über der Bebauung aus dem Randgranit der Geschwender Halde, oberhalb der Gisibodenstraße ein 5,5 Tonnen schwerer Felsblock mit einer Größe von 2,2 Kubikmetern. Der Felsblock wurde durch eine Buche abgeleitet und traf daher nur auf einem Hof und nicht auf einem Haus auf. Steinschlag dieser Größenordnung wird Blockschlag genannt.Zur Terminologie siehe Steinschlag- bis Felssturzereignisse (Stürzen) auf der Homepage des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGBR); abgerufen am 24. Oktober 2020. Am 23. Oktober 2019 wurden etwa 70 Bewohner von 15 Häuser evakuiert. Nach Sicherungsarbeiten zur Beseitigung der akuten Gefahr im Oktober und November durften die letzten Anwohner Mitte Dezember 2019 in ihre Häuser zurückkehren.Dirk Sattelberger: Felssicherung in Todtnau. Der Schutzzaun für Geschwend rückt näher. In: Badische Zeitung vom 30. März 2020; abgerufen am 20. Oktober 2020.

Im Herbst 2020 sollen durch Sicherungsarbeiten weitere sieben Felsblöcke speziell gesichert werden und zusätzlich ein 820 Meter langer und vier Meter hoher Hochenergiezaun die Wohnhäuser dauerhaft sichern. Die Arbeiten werde durch die Sachtleben Mining Services GmbH, Wolfach ausgeführt.Homepage der Sachtleben Mining Services; abgerufen am 24. Oktober 2020. Hierfür erfolgte am 19. Oktober 2020 eine erneute Evakuierung, die bis 4. Dezember 2020 andauerte. 2021 sollen noch einzelne Felsen zusätzlich gesichert werden und auch oberhalb der Bundesstraße 317 ein Hochenergiezaun errichtet werden.Manuel Hunn: Evakuierter Anwohner in Geschwend: „Am Schluss wollten wir nur noch heim“. In: Badische Zeitung, 10. Dezember 2020.

Geschichte mini|Gemarkungsplan Geschwend; Stand 1902 Die älteste bekannte Nennung des Namens ist in einem Berain des Klosters Sankt Blasien zu finden und datiert von 1352. Die Bezeichnung zem Geswende ist vom althochdeutschen Wort swentan abgeleitet,Siehe Albert Krieger, Badische Historische Kommission [Hrsg.] Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Band 1, Heidelberg, 1904, Spalte 714 Digitalisat der UB Heidelberg. was Rodung durch schälen der Baumrinde bedeutet. Es wird allerdings angenommen, dass der Ort schon deutlich früher (um 1000) besiedelt war.siehe Kreisbeschreibung S. 703. Das Dorf gehörte zur Grundherrschaft des Klosters Sankt Blasien und wurde durch dessen Talvogtei Schönau verwaltet und gehörte auch kirchlich zur Pfarrei Schönau. Im Gewann Dürracker südlich des Dorfkerns fanden ab 1511 die gemeinsamen Versammlungen der Talvogteien Schönau und Todtnau statt. Die Landeshoheit hatten die Habsburger und Geschwend war mit der Talvogtei Schönau der Grafschaft Hauenstein und dem vorderösterreichischen Waldvogt zugeordnet und war Teil des vorderösterreichischen Breisgaus.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam der vorderösterreichische Breisgau an das kurzlebige Herzogtum Modena-Breisgau, das alsbald wieder an das Haus Habsburg vererbt wurde. Durch den Frieden von Pressburg kam dieses Herzogtum 1806Friedensvertrag vom 26. Dezember 1805 aber Protokoll über die gepflogene Landes-Übergabe vom 15. April 1806 an das Kurfürstentum Baden, das noch im gleichen Jahr von Napoleon zum Großherzogtum Baden gemacht wurde. In badischer Zeit kam Geschwend als selbständige Gemeinde zum Bezirksamt Schönau und nach dessen Auflösung 1924 zum Bezirksamt Schopfheim. Seit auch dieses Amt 1938 tatsächlich aufgelöst wurde gehört der Ort zum Bezirksamt Lörrach und verblieb auch bei dem 1939 neu gebildeten Landkreis Lörrach.

1895 zerstörte ein Großbrand die Dorfmitte fast vollständig, so dass alte Schwarzwaldbauernhöfe aus dem 18. Jahrhundert hauptsächlich im Unterdorf stehen geblieben sind und heute unter Denkmalschutz stehen.

Politik Eingemeindung Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg hat der Gemeinderat der ehemals selbständigen Gemeinde Geschwend am 20./27. Februar 1974 mit der Stadt Todtnau eine Eingliederungsvereinbarung getroffen, nachdem der Stichtag für eine freiwillige Eingemeindung am 1. Januar 1973 verflossen war. In dieser Vereinbarung ließ sich Geschwend auch die Erhaltung einer eigenen Feuerwehrabteilung zusichern. Am 31. Juli 2003 beschloss der Stadtrat von Todtnau gleichwohl die Feuerwehrabteilung von Geschwend im Rahmen einer Neuorganisation der gesamten Feuerwehr der Stadt aufzulösen und mit den anderen Abteilungen zusammenzuführen. Der Ortschaftsrat von Geschwend klagte gegen diesen Beschluss und das Verwaltungsgericht Freiburg entschied am 12. Februar 2005, dass die Zusagen aus der Eingliederungsvereinbarung weiterhin einzuhalten seien.Eingemeindungsvertrag auch nach 31 Jahren verbindlich und durchsetzbar; VG Freiburg, Urteil vom 12.02.2005 - Az.: 7 K 1212/04; abgerufen am 28. Oktober 2020. Die Stadt erklärte daraufhin, dass die Feuerwehrabteilung Geschwend das eigentlich zum Ersatz anstehende Fahrzeug weiter nutzen könne, aber keine Neuanschaffung erfolge. Daraufhin löste sich die Abteilung vollständig auf und die Aufgaben wurden von der Abteilung Todtnau übernommen.Dagmar Engesser: Dorf aktuell: Todtnau - Leben nach dem Feuerwehr-Urteil. In Dreisamtäler vom 9. Februar 2006 auf der Homepage Freiburg-Schwarzwald.de; abgerufen am 28. Oktober 2020.

Ortschaftsrat Die Gemeindeordnung (GeO) Baden-Württemberglandesrecht-bw.de: Gemeindeordnung für Baden-Württemberg (Gemeindeordnung - GemO) in der Fassung vom 24. Juli 2000 (Zuletzt aufgerufen: 4. Dezember 2015) regelt die Ortschaftsverfassung in den §§ 67–76.Gemeindeordnung für Baden-Württemberg (Gemeindeordnung - GemO) in der Fassung vom 24. Juli 2000. 4. Ortschaftsverfassung (Zuletzt aufgerufen: 4. Dezember 2015) Die Stadt Todtnau hat auf dieser Grundlage eine Ortschaftsverfassung eingeführt. Geschwend hat einen Ortschaftsrat mit sechs Mitgliedern.Ortschaftsrat Geschwend auf der Homepage der Stadt Todtnau; abgerufen am 20. Oktober 2020. Ortsvorsteher ist Alfred Zielinski.

Gesamtanlage „Schwarzwalddorf Geschwend“ mini|Schwarzwaldhaus in Geschwend Im Unterdorf von Geschwend befinden sich eine Anzahl Objekte (Schwarzwaldhäuser, Bogenbrücke, Feldkreuz, Brunnen) die seit längerem als Kulturdenkmale eingestuft sind. Zwischen den Hofanlagen sind teilweise große Freiflächen. Im Oktober 2016 beantragte ein Grundstückseigentümer einen Bauvorbescheid für sein Grundstück. Der Stadtrat der Stadt Todtnau diskutierte daraufhin im Dezember 2016 Möglichkeiten zum Schutz des gesamten Ortsbildes und beschritt den Weg eine Gesamtanlagenschutzsatzung nach § 19 Denkmalschutzgesetz zu erstellen. Hierzu wurde zunächst eine Historische Ortsanalyse in Auftrag gegeben die dann im April vorgelegt wurde. Am 13. Juli 2017 beschloss der Stadtrat eine Satzung über den Schutz der Gesamtanlage „Schwarzwalddorf Geschwend“ mit einer Veränderungssperre für das definierte Gebiet – weite Teile des Unterdorfes. Der Grundstückseigentümer beschritt gegen diese Beschränkung seines Eigentumsrechts den Rechtsweg. Im weiteren Verlauf wurde offenkundig, dass die Satzung rechtliche Mängel aufwies und der Stadtrat besserte am 9. Oktober 2019 mit einer überarbeiteten Satzung nach,Satzung über den Schutz der Gesamtanlage „Schwarzwalddorf Geschwend“ ausgefertigt mit Datum vom 10. Oktober 2019 abgerufen am 20. Oktober 2020. die im März 2020 ebenfalls rechtlich angefochten wurde. Am 23. Juli hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg nach einem Ortstermin die Satzungen wegen Rechtsmängeln für rechtswidrig (13. Juli 2017) bzw. unwirksam (9. Oktober 2019) erklärt.VGH Baden-Württemberg Urteil vom 23.7.2020, 1 S 1584/18; Anforderungen an den Erlass einer denkmalschutzrechtlichen Gesamtanlagenschutzsatzung – Anhörung des Ortschaftsrats; abgerufen am 27. Oktober 2020. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Stadt das Recht hat eine solche Satzung für das Unterdorf Geschwend aufzustellen, da aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Eine solche Satzung kann jedoch kein Bauverbot aussprechen, sondern nur ein Veränderungsverbot mit Erlaubnisvorbehalt. In jedem konkreten Fall hat die zuständige Denkmalschutzbehörde das öffentliche Denkmalschutzinteresse gegen die Interessen des Grundstückseigentümers abzuwägen. Die Beurteilung des konkreten Falls war nicht Gegenstand des Urteils, aber das Gericht ließ erkennen, dass eine verhältnismäßige Einschränkung des Eigentumsrechtes wohl in Vorgaben zur Fläche, Höhe, Kubatur und Bauform eines Gebäudes liegen könnte. Die Stadt betrieb nach dem Urteil zügig die Erstellung einer von Rechtsmängeln freien Satzung. Im Ortschaftsrat von Geschwend wurde am 6. Oktober 2020 der Entwurf mit großer Mehrheit befürwortet.Niederschrift über die öffentlichen Verhandlungen des Ortschaftsrates Geschwend am Dienstag, 06. Oktober 2020; abgerufen am 28. Oktober 2020. Am 8. Oktober 2020 hat der Stadtrat die neue Satzung beschlossen.Aus der Gemeinderatssitzung vom 8. Oktober 2020. und Satzung über den Schutz der Gesamtanlage „Schwarzwalddorf Geschwend“. In: Todtnauer Nachrichten - Amtsblatt der Stadt Todtnau vom 16. Oktober 2020, S. 12 und S. 14/15 (mit Lageplan); abgerufen am 28. Oktober 2020.

Wappen Blasonierung: „In Blau auf breitem grünen Tafelberg ein stehendes silbernes Fohlen.“Siehe Huber Das Wappen wurde 1902 erstellt, die Wappenfarben erst 1935 festgelegt. Das Fohlen erinnert an die früher bedeutende Fohlenweide auf dem Gisiboden.

Bevölkerung und Religion Einwohner Die Zahl der Einwohner von Geschwend entwickelte sich wie folgt:Bevölkerungsentwicklung: Geschwend, aufgerufen am 20. Oktober 2020.

Jahr Einwohner 1852 262 1871 284 1880 283 1890 251 1900 276 1910 299 1925 318

Jahr Einwohner 1933 282 1939 282 1950 327 1956 308 1961 338 1970 364 2020 375Einwohnerstatistik per 2. Januar 2020 auf der Homepage der Stadt Todtnau – ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz; abgerufen am 20. Oktober 2020.

Religion mini|Katholische Kirche St. Wendelin in Todtnau-Geschwend Aufgrund der historischen Zugehörigkeit zu Vorderösterreich war die katholische Konfession über Jahrhunderte dominierend und ist auch heute noch die weitaus stärkste Konfession. In Geschwend steht die katholische Filialkirche St. Wendelin, die zur Seelsorgeeinheit Oberes WiesentalHomepage der Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental; abgerufen am 20. Oktober 2020. gehört.

Die Evangelischen Bewohner werden durch die evangelische Kirchengemeinde Todtnau betreut.Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Todtnau; aufgerufen am 20. Oktober 2020.

Die Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinschaften verteilte sich in der Vergangenheit wie folgt:Religionszugehörigkeit 1858 und 1925: Geschwend, aufgerufen am 20. Oktober 2020.Religionszugehörigkeit: Geschwend; aufgerufen am 20. Oktober 2020.

+ Religionszugehörigkeit in Geschwend Jahr Religion evangelisch katholisch sonstige 1858 0,4 % 99,6 % 0,0 % 1925 5,7 % 94,3 % 0,0 % 1950 7,6 % 92,0 % 0,3 % 1961 10,7 % 88,5 % 0,9 % 1970 12,4 % 83,2 % 4,4 %