Gallmannsweil ist ein Ortsteil der baden-württembergischen Gemeinde Mühlingen im Landkreis Konstanz in Deutschland.
Geographie mini|hochkant=1.2|Gemarkungsgrenze (1872) mini|hochkant=1.2|Gemarkungsgrenze (aktuell)
Geographische Lage Gallmannsweil liegt im Nordosten des Hegaus, am Übergang zur Schwäbischen Alb, etwa zwei Kilometer nordwestlich der Mühlinger Ortsmitte, auf einer Höhe von bis zu .Top25 Viewer - [Top. Karte 1:25000 Baden-Württemberg (Süd)] Früher, im ausgehenden Mittelalter, wurde diese Landschaft nördlich von Stockach als das „Madach“ bezeichnet.
Im Osten grenzt das 402 HektarGemeindegebiet bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. große Gallmannsweil an den Mühlinger Ortsteil Mainwangen, im Süden an den Ortsteil Hecheln, im Westen an Eigeltingen, im Nordwesten an den Schindelwald und im Norden an den zu Neuhausen ob Eck gehörenden Ortsteil Holzach im Landkreis Tuttlingen.
Die Grenze zum Landkreis Tuttlingen ist heute gleichzeitig die Kreisgrenze und war früher die Landesgrenze zwischen Baden und Hohenzollern. Rund 40 Grenzsteine im Bereich des Schindelwaldes bezeugen noch heute den Grenzverlauf.
Geologie Im Wesentlichen liegt Gallmannsweil im Bereich der Überlinger Gletscherzunge des Rheingletschers; regionalgeologisch bedeutet das: am Nordrand der Äußeren Jungmoräne bzw. des voralpinen Molassebeckens.Matthias Geyer: Landschaft und Geologie um Mühlingen in Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg, Seiten 12 bis 17
Gewässer Die Gemarkung Gallmannsweil liegt im Bereich der Rhein-Donau-Wasserscheide. Nach Norden wird das Gallmannsweiler Gebiet über die Krummbach in die Ablach und damit in die Donau und zum Schwarzen Meer entwässert, nach Süden entwässern Lehgraben, Erlen- und Eschbach in die Stockacher Aach und die in den Bodensee/Rhein und somit in die Nordsee.
Schutzgebiete In Gallmannsweil sind die vier Biotope „Gehölze und Magerrasen in Kiesgrube westlich Gallmannsweil“ (12.786 m²; Biotopnummer 180193350064), „Feldgehölz südwestlich Gallmannsweil“ (3.017 m²; 180193350069), „Verlandungsvegetation südlich Gallmannsweil“ (1.110 m²; 180193350068) und „Naturnaher Bachlauf Erlenbach“ (567 m²; 180203350100) ausgewiesen.Onlinedienst der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW); abgerufen am 1. Mai 2023
Geschichte Gallmannsweil ist wohl eine Rodungssiedlung des 9./10. Jahrhunderts. Erstmals wurde es 1346 in einer Urkunde erwähnt: Am Samstag vor Sankt Thomas des Apostels Tag, der vor Weihnachten kommt (16. Dezember), verkaufte Eberhard von Schwandorf die Mannlehenschaft des Peterer Guts zu Garmanswiler – vom Personennamen Garaman oder Garman abgeleitet – und das Vogtrecht des Eggers Gut in Schwandorf für vier Pfund Pfennig Konstanzer Münz an die Brüder Bilgerin von Heudorf.Wolfgang Kramer: Ein kurzer Streifzug durch die 650-jährige Geschichte von Gallmannsweil in Festzeitschrift „650 Jahre Gallmannsweil, 14. bis 16. Juni 1997“, Seite 13.
Zunächst gehörte der Ort den Grafen von Nellenburg und wurde von diesen später an adelige Dienstmannen als Lehen ausgegeben. Vom 14. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war Gallmannsweil als Teil der Herrschaft Waldsberg eine Besitzung des Rittergeschlechtes derer von Heudorf und kam 1656 an das Fürstenhaus Fürstenberg. Danach wurde die Herrschaft Waldsberg mit Gallmannsweil, Krumbach, Bietingen, Hölzle, Boll-Ilgental und einigen Höfen der Herrschaft Meßkirch eingegliedert. Die Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses führte 1806 zur Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden, wo der Ort zunächst zum Bezirksamt Meßkirch gehörte. 1843 kam der Ort zum Bezirksamt Stockach, das 1939 in Landkreis Stockach umbenannt wurde.
Am 26. März 1972 gaben von 148 Stimmberechtigten 108 Gallmannsweiler Bürger ihre Stimmen ab: 9 stimmten für, 99 gegen eine Einheitsgemeinde mit Mühlingen.Heimatchronik. In: Hegau – Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee. Selbstverlag des Hegau-Geschichtsvereins Singen e. V. Jahrbuch 1992/93, S. 279.
Bei der Auflösung des Landkreises Stockach im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform 1973 kam das Dorf zum Landkreis Konstanz.
Am 20. Juli 1973 stimmte der Gallmannsweiler Gemeinderat mit 5:1 Stimmen bei einer Enthaltung dem Zusammenschluss mit Mühlingen, Mainwangen und Schwackenreute zu, zum 1. Januar 1974 erfolgte die Eingemeindung zu Mühlingen.Manfred Jüppner: Die Gemeindereform und die Entwicklung der modernen Gemeinde Mühlingen; Gallmannsweil stimmt schließlich dem Zusammenschluss zu in Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg, Seiten 246f
Name Der Name Gallmannsweil wird als Dorf des Garman gedeutet. Im Laufe der Jahrhunderte sind folgende Schreibweisen belegt: Garmannswiler (1346), Garmandschweiler (1663), Gallmansweijler (1765) und Galmanschweil/er (1765).
Einwohnerentwicklung Jahr 1584 1778 1800 1813 1850 1851 1852 1865 1871 1880 1890 1900 1905 1910 1925 1933 1939 1945 1950 1956 1960 1961 1968 1970 1996 Ref. Einwohner ≈150 ≈170 190 189 219 222 225 221 204 216 196 184 183 188 180 190 172 201 200 197 202 215 ??? 224 335 Zahlen für 1961 und 1970 gemäß den VolkszählungenEine Gemeinde stellt sich vor – Die Imagebroschüre der Gemeinde Mühlingen, Seite 13; Mühlingen, 1996Bevölkerungsentwicklung bei www.leo-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. in Familien 45 42 Wohngebäude (und Wohnungen) in Gallmannsweil bei leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. in Wohngebäuden 28 40 41 46 50 weiblich 115 108 104 91 92 94 93 95 84 103 93 108 109 Geschlechterverteilung bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. männlich 110 96 112 105 92 94 87 95 88 97 104 107 115 römisch-katholisch 190 189 219 222 225 184 183 180 197 191 199 Religionszugehörigkeit bei leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018.Religionszugehörigkeit 1858 und 1925 bei leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. evangelisch 4 9 25
Auswanderer Zwischen 1853 und 1878 wanderten 18 Gallmannsweiler Bürger aus, 17 von ihnen nach Nordamerika, einer in die Schweiz.Auswanderer von Gallmannsweil bei www.leo-bw.de; abgerufen am 17. November 2018.
Politik Wahlergebnisse Wahlen zur verfassunggebenden Württembergischen Landesversammlung und deutschen Nationalversammlung ParteiErgebnisse der Wahl zur deutschen Nationalversammlung bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. 1919 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 18,9 % Deutsche Demokratische Partei (DDP) 35,6 % Zentrumspartei (Z) 44,4 % Bürgerpartei (BP) / Deutschnationale Volkspartei (DNVP) 1,1 %
Reichstagswahl ParteiErgebnisse der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. 1932 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 2,4 % Deutsche Demokratische Partei (DDP) / Deutsche Staatspartei (DStP) 8,4 % Zentrumspartei (Z) 56,6 % Deutschnationale Volkspartei (DNVP) / Christliche Volkspartei (CVP) 6,0 % Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 22,9 % Sonstige (KPD, DVP und andere) 3,7 %
Landtagswahlen ParteiErgebnisse der Landtagswahlen bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. 1952 1956 1960 1964 1968 Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 23,1 % 51,8 % 68,2 % 52,2 % 51,7 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 11,1 % 14,5 % 12,1 % 12,2 % 16,7 % Demokratische Volkspartei (DVP) / Freie Demokratische Partei (FDP) 3,7 % 29,1 % 15,2 % 31,1 % 18,3 % Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) 12,0 % 3,6 % 1,5 % 3,3 % — Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) — — — — 10,0 % Sonstige 50,1 % 1,0 % 3,0 % 1,2 % 3,3 %
Bundestagswahlen ParteiErgebnisse der Bundestagswahlen bei www.leograph-bw.de; abgerufen am 11. November 2018. 1949 1953 1957 1961 1965 1969 Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 56,6 % 74,2 % 63,0 % 61,5 % 65,3 % 71,8 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 9,4 % 7,5 % 12,0 % 5,8 % 10,2 % 19,4 % Demokratische Volkspartei (DVP) / Freie Demokratische Partei (FDP) 22,6 % 11,7 % 18,0 % 29,8 % 24,5 % 5,8 % Sonstige (KPD, GB/BHE, NPD und andere) 11,3 % 6,6 % 7,0 % 2,9 % — 2,9 %
Bürgermeister Die Selbstverwaltung der Gemeinden wurde mit der Gemeindeverordnung von 1831 erweitert, der Vogt vom Bürgermeister abgelöst.
Am 1. April 1954 wurde das Jahresgehalt des Bürgermeisters auf 650 DM erhöht. Am 18. Januar 1970 beschloss der Gallmannsweiler Gemeinderat die Erhöhung der Besoldung des ehrenamtlichen Bürgermeisters auf den Höchstsatz von 355 DM. Der Beschluss war erforderlich, damit der Bürgermeister sozialversichert werden konnte.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Gallmannsweiler Bürger lebten früher hauptsächlich von der Landwirtschaft. Erst im 19. Jahrhundert nahm die zuvor unbedeutende Viehwirtschaft zu.
Tabelle: Viehstand Jahr um 1850 um 1900 1925 Pferde 45 42 29 Rinder 161 287 294 Schweine 30 161 122 Ziegen 10 — 1
Seit der Wende zum 20. Jahrhundert gab es im Dorf einen Konsum- und Bauernverein sowie die Gallmannsweiler Zuchtgenossenschaft, ab den 1920er Jahren bis 1934 eine Milchgenossenschaft.
1945 führte die französische Besatzungsmacht eine erste Bodennutzungserhebung durch: Die 311 Hektar (ha) 56 Ar (a) umfassende Wirtschaftsfläche Gallmannsweils war damals unter anderem in 140 ha Acker- (davon 65 ha Getreide) und 6 ha Gartenland mit Baumschulen und Obstplantagen, 119 ha Wiesen, 28 ha Forste und Holzungen, 4 ha Viehweiden sowie 2 ha Ödland und 3 ha Gebäude- und Hofflächen aufgeteilt.
Handwerk und Dienstleistung Aufgrund eines 1584 erhobenen Ungelds, eine seit dem 13. Jahrhundert zu zahlende Verbrauchssteuer, wird angenommen, dass es schon damals eine Wirtschaft in Gallmannsweil gegeben haben muss. 1778 betreiben je ein Hufschmied, Korbmacher, Sattler und Wirt sowie vier Weber ihr Handwerk im Dorf. Die Handwerkskammer zählte 1929 je einen Frisör, Metzger, Schmied, Schuhmacher und Zimmerer sowie eine Schneiderin. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs mussten einige Geschäfte geschlossen werden, so dass das Angebot an Gewerbe- und Handwerksbetrieben nach Kriegsende sehr gering – eine Huf- und Wagenschmiede, ein Lebensmittelgeschäft und eine Wagnerei – war, sich aber mit der Währungsreform wieder erholte.Hildegard Bibby: An der Grenze von Bezirk und Land gelegen – Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg 1805–1947 in Mühlingen, eine gemeinsame Ortsgeschichte der Madachdörfer Gallmannsweil, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg, Seiten 92 bis 216
Infrastruktur Schule Schon vor 1830 ist in Gallmannsweil ein Schulhaus belegt; 1882 erfolgten erste Umbauarbeiten.
Gallmannsweil, Hecheln, Hoppetenzell, Mainwangen, Mühlingen, Schwackenreute und Zoznegg beschlossen 1922 einen „Fortbildungsschulverband für Mädchen und Knaben“ zu gründen. Sitz der Schule und der Lehrerin war Zoznegg.
Das Gallmannsweiler Schulhaus wurde 1930 erneut umgebaut. 1945 besuchten 28 Schüler die Einrichtung mit geschlossenem Schulhof und freistehendem Abort. Im März 1953 genehmigte der Gemeinderat die Anschaffung von Nähkästen für den Handarbeits- sowie ein Reck und einen Barren für den Sportunterricht. Am 7./8. Dezember 1968 wurde das erneut umgebaute Schulhaus nach einjähriger Bauzeit festlich eingeweiht.
1969 fiel die Entscheidung für eine Gemeinschaftsschule mit den heutigen Ortsteilen in Mühlingen.
Hauptlehrer in Gallmannsweil
Trinkwasserversorgung mini|Trinkwasser-Hochbehälter an der 'Waldgaß'