Ein Kohlenhobel ist eine Maschine, die im Bergbau zur Gewinnung in Kohleflözen eingesetzt wird. Sie schält die Kohle am Vorderende ähnlich wie ein Hobel ab. Dabei beträgt die Stärke des abgeschälten Hobelspans, je nach Hobel zwischen sechs und zehn Zentimeter. Vereinzelt gab es auch Hobeltypen die bis zu 25 Zentimeter abschälen konnten. Der Kohlenhobel, der auf dem Bergwerk Ibbenbüren erfunden wurde, ist ein Element zur Mechanisierung der Kohlengewinnung. Er wird überwiegend bei Mächtigkeiten unterhalb von 130 Zentimetern eingesetzt. Mit modernen, technisch weiterentwickelten Kohlenhobeln, ist es möglich Flöze mit einer Mächtigkeit von nur einem Meter ohne Nebengestein zu gewinnen. Er ist in flacher und geneigter Lagerung mit bis zu 60 Gon einsetzbar. Mit modernen Hobelanlagen kann sowohl wenig feste als auch härtere Kohle gewonnen werden. Bei der Gewinnung von mächtigen Flözen ist der Kohlenhobel jedoch in der Regel dem Walzenschrämlader unterlegen. Auf dem Bergwerk Ibbenbüren wurden dennoch Flöze mit Mächtigkeiten von bis zu drei Metern mit dem Kohlenhobel gewonnen. Der große Vorteil des Kohlenhobels, gegenüber dem Walzenlader, liegt in seinen vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten.
Geschichte
mini|Denkmal des auf dem Bergwerk Ibbenbüren erfundenen Kohlenhobels am Bahnhof Ibbenbüren
Erste Versuche, die Kohle schälend zu gewinnen, reichen bis in das Jahr 1937 zurück. Zu dieser Zeit wurden auf dem Bergwerk Ibbenbüren erste Versuche zur schälenden Gewinnung durchgeführt. An Grubenbahnschienen hatte man keilförmige Schneiden angeschweißt. Diese Konstruktion wurde mit Grubenbahnen in der Grundstrecke am Flöz entlanggezogen. Später wurden zum Ziehen Streckenraubhäspel verwendet, die mit einem Seil verbunden die Hobelkonstruktion hin und her bewegten und einen etwa 0,15 Meter breiten Streifen aus dem Abbaustoß schnitten. Dadurch konnte erstmals bewiesen werden, dass Kohle auch schälend gewonnen werden kann. Erfinder des Kohlenhobels war der aus dem Saarland stammende Maschinenfahrsteiger Konrad Grebe. Im Jahr 1942 wurde der Kohlenhobel durch die Preußische Bergwerks- und Hütten AG beim Patentamt Berlin zum Patent angemeldet. Für seine bahnbrechenden Erfindung wurde Grebe noch im selben Jahr von Robert Ley zum „Pionier der Arbeit“ ernannt. Im darauffolgenden Jahr wurde Grebe mit dem Ehrenzeichen Pionier der Arbeit geehrt. Am 1. Mai des Jahres 1943 wurde die Ehrung im Mosaiksaal der Reichskanzlei vorgenommen. Dieser erste Kohlehobel wurde im Bergwerk Ibbenbüren getestet und eingesetzt, er hatte bereits einen ähnlichen Aufbau wie heutige Kohlenhobel. Er wurde als „Einheitshobel“ oder „Preußenhobel“ bezeichnet und in geringmächtigen Flözen eingesetzt. In den Folgejahren wurde der Preußenhobel ständig weiterentwickelt. Der Konstrukteur Wilhelm Löbbe entwickelte den Kohlenhobel 1947 für die Altlüner Eisenhütte Westfalia weiter. Auch auf den Zechen des Ruhrreviers, wie z. B. der Zeche Monopol, wurden im Jahr 1948 entscheidende Versuche durchgeführt um den Kohlenhobel zum Schnellhobel umzugestalten. Der sogenannte „Löbbe-Hobel“ kam in den Folgejahren weltweit zum Einsatz. Von nun an war es möglich, dass die Gewinnung von Steinkohle aus niedrigen Flözen ohne schwere Handarbeit erfolgen konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der deutsche Kohlenhobel mit nur mäßigem Erfolg auch im britischen Kohlenbergbau erprobt. Im deutschen Bergbau konnte bereits im August des Jahres 1950 erstmalig eine Tagesförderung von 1000 Tonnen aus einem Streb mit Löbbe-Kohlenhobel gewonnen werden. In den 1950er Jahren stieg der Anteil der durch den Kohlenhobel gewonnenen Kohlenmenge zunächst allmählich, im Laufe des Jahrzehnts dann sprunghaft an. Dadurch wurde die sehr personal-intensive Gewinnung mittels Abbauhammer sukzessive verdrängt. Bereits im Jahr 1954 konnten im Ruhrrevier mit dem Hobel acht Prozent der dort geförderten Steinkohlen gewonnen werden. Nur wenige Jahre später, stieg im Jahr 1959, die Förderung der mittels Hobel gewonnenen Kohle auf 20 Prozent der dort geförderten Kohlenmenge an. Zu Beginn der 1960er Jahre wurde auf dem Bergwerk Penzberg der Doppelkopf-Reißhakenhobel entwickelt und in den Folgejahren zur Gewinnung der dortigen Pechkohle eingesetzt. Im Jahr 1981 wurden in der Bundesrepublik Deutschland rund 53 Prozent der geförderten Steinkohlen mit dem Kohlenhobel gewonnen. In den 1980er Jahren wurden nur noch Flöze in steiler Lagerung mittels Abbauhammer gewonnen.
Aufbau mini|Strebausrüstung, bestehend aus Kohlenhobel, Zweikettenkratzförderer und Ausbauschilden.
Jeder Kohlenhobel besteht aus einem Stahlkörper der im Streb am Kohlenstoß hin und her bewegt wird. Das Unterteil dieses Hobelgrundkörpers ist schlittenartig geformt. An dem Unterteil ist je nach Hobeltyp eine sogenannte Schwertplatte angebaut. Auf dem Hobelkörper befinden sich die Aufstockteile, auch Hobeloberteile genannt. Als eigentliches Werkzeug sind an dem Hobel die Hobelmeißel angebracht. Diese Hobelmeißel sind als Kerbmeißel ausgebildete Verschleißteile. Sie haben eine Schneidenbreite von etwa 20 Millimetern und sind auswechselbar. Damit die Meißelspitzen nicht zu schnell verschleißen, ist die Schneide der stählernen Hobelmeißel an der Spitze mit Hartmetall bestückt. Je nach Arbeitsweise gibt es freischneidende, blockiert freischneidende und blockiert schneidende Hobelmeißel. Die Meißelstellungen können bei modernen Hobeln am Hobelkörper verändert werden. Außerdem befinden sich noch Steuereinrichtungen für die Schnittlage am Liegenden und für die Schnitttiefe am Kohlenstoß. Bewegt wird der Hobel durch eine Kette, die mit dem Hobelantrieb verbunden ist. Diese Hobelkette ist eine hochfeste Rundstahlgliederkette. Die Kette wird im Abbrennschweißverfahren hergestellt. Je nach Hobel werden Gliederstärken von 22 bis 42 Millimetern verwendet. Die Hobelkette wird entweder versatzseitig oder kohlenstoßseitig geführt. Bei der versatzseitigen Führung wird der Hobel mittels der Hobelkette am Schwert gezogen. Die versatzseitige Führung wird in den meisten Hobelanlagen angewendet. Die kohlenstoßseitige Führung hat den Nachteil, dass im Schadensfall der Zugang zur Hobelkette, insbesondere bei sehr geringmächtigen Flözen, deutlich umständlicher ist. Durch unsachgemäße Behandlung oder durch Materialermüdung können Hobelketten reißen. Damit die Hobelketten bei Überlastung nicht reißen, sind moderne Hobelanlagen mit einer Überlasteinrichtung wie z. B. einer Scherbolzenkupplung oder einer Rutschkupplung ausgestattet.
Typen Insgesamt gibt es folgende Hobelarten: Einheitshobel, Löbbe-Hobel, Anbauhobel, Reißhakenhobel, Gleithobel, Gleitschwerthobel und weitere Unterarten. Diese Hobelarten lassen sich in drei Kategorien enteilen:
Kohlenhobel mit Schwert und mit versatzseitiger Zwangsführung der Hobelkette Kohlenhobel ohne Schwert und mit kohlenstoßseitiger Zwangsführung der Hobelkette Kohlenhobel mit Schwert und mit kohlenstoßseitiger freilaufender Hobelkette
Zur ersten Kategorie gehören der Reißhakenhobel, der Schwerthobel, der Kompakthobel mit Schwert und der Gleitschwerthobel, zur zweiten Kategorie der Kompakthobel, der Rampenhobel und der Gleithobel. Zur letzten Kategorie gehört der Leitplankenhobel.
Einheitshobel Der Einheitshobel war die erste brauchbare Lösung einer schälenden Gewinnungsmaschine. Er wurde aus dem Ibbenbürener Hobel entwickelt, indem mehrere Verbesserungen an dem Hobel vorgenommen wurden. Während der Ibbenbürener Hobel aus einem Grundkörper mit Schälmessern und zwei Türmen als Anschlagpunkt für die Zugseile bestand, erhielt der Einheitshobel entscheidende Modifikationen. Der Hobel hatte einen Vorräumer und weitere Räumschaufeln. Um den Hobel besser in Mulden und Sätteln zu bewegen, wurde er mit einem Gelenk zur Höhenanpassung ausgestattet. Das Zugseil wurde am Hobel mit Rollen eingeschert. Allerdings besaß der Einheitshobel wie auch sein Vorgänger keine Schwertplatte und wurde mit einer geringen Geschwindigkeit von bis zu 0,1 Metern pro Sekunde bewegt. Ende der 1950er-Jahre wurde der Einheitshobel von den schnelleren Hobelarten – dem Löbbehobel und dem Anbauhobel – abgelöst.
Löbbe-Hobel Der Löbbe-Hobel ist ein sogenannter Schnellhobel. Er hat eine Marschgeschwindigkeit von bis zu 0,38 Metern pro Sekunde und eine Schnitttiefe von 0,1 Meter. Die Fahrgeschwindigkeit des Hobels ist etwa halb so groß wie die Fördergeschwindigkeit des Strebförderers. Anstelle der Zugseile wurden bei diesem Hobel bereits Zugketten verwendet. Nachteilig war bei diesem Hobel jedoch, dass die Hobelkette frei am Abbaustoß lief. Als Strebförderer wird ein Zweikettenkratzförderer verwandt. Der Hobel und der Strebförderer sind aufeinander abgestimmt. Die Antriebe von Hobel und Förderer sind miteinander vereinigt. Dadurch entfallen die schwerfälligen Umkehrstationen und Zugwinden in der Füllstrecke. Der Hobel wird an Hobelrohren, die sich am Strebförderer befinden, zwangsgeführt. Durch diese Hobelrohre wird die Hobelkette zurück zum Hobelantrieb geführt. Unter dem Hobel befindet sich eine Schwertplatte. Diese Platte greift zur Stabilisierung des Hobels unter den Strebförderer. Damit der Förderer nicht ausknickt, wird er durch Abspannbalken abgespannt. Benannt ist das Gerät nach dem Konstrukteur Wilhelm Löbbe.
Anbauhobel Beim Anbauhobel haben der Strebförderer und der Hobel einen getrennten Antrieb. Hierfür benötigt der Antrieb an der Kohlenstoßseite des Strebförderers einen zusätzlichen Anbau, den sogenannten Hobelkasten. Daran befinden sich der Hobelmotor und das Hobelgetriebe. Somit hat der Anbauhobel vom Strebförderer unabhängige Antriebsmotoren. Ansonsten ist der Anbauhobel aufgebaut wie der Löbbe-Hobel. Ein Vorteil des Anbauhobels ist, dass der Anbauhobel mit nur geringem Arbeitsaufwand an einen bereits vorhandenen Strebförderer angebaut werden kann. Aufgrund der separaten Antriebsmotoren wird der Hobelweg unabhängig von der Länge des Förderers. Somit kann der Bergmann mit einem Anbauhobel auch in Teilstücken des Strebs hobeln. Dies ist dann von großer Bedeutung, wenn größere Störungen oder Störungszonen durchfahren werden müssen. Da sich beim Anbauhobel die Antriebsleistungen der beiden Hobelantriebe addieren, ist es mit dem Anbauhobel auch möglich festere Kohle zu hobeln.
Reißhakenhobel Der Reißhakenhobel ist ein Hobel, bei dem auf dem Hobelgrundkörper ein zusätzlicher Meißelturm aufgestockt ist. Es gibt dreiteilige und fünfteilige Reißhakenhobel. Die Stellung der einzelnen Meißelträger ist variierbar. Die Bodenmeißel sind in ihrer Höhe veränderbar, ohne dass dabei die Schnitttiefe verändert wird. Bei diesem Hobel wird der Hobelkörper über ein Hobelschwert unterhalb des Strebförderers gezogen. Durch diese Bauweise benötigt der Reißhakenhobel auf der Kohlenstoßseite keine Hobelführung. Der Reißhakenhobel ist für extrem geringmächtige Flöze ab 0,6 Meter geeignet, da er durch seine Bauweise auch in geringmächtigen Flözen schneiden und laden kann.
Gleithobel