Im Rhein-Main-Gebiet existiert eine bunte Vielfalt an Fastnachtstraditionen, die teilweise weit in die Geschichte zurückreichen. In der Region werden im Volksmund meist die Begriffe Fastnacht oder Fassenacht und nur seltener Karneval oder Fasching verwendet. Letztere Begriffe wurden vor allem in den letzten Jahrzehnten eingeführt. Die meisten Orte haben als Symbol in der Fastnachtszeit ein Prinzenpaar oder eine Prinzessin, welche sie repräsentiert. Beliebter Brauch bei Kindern ist in Teilen des Gebietes der Faschingszoll. Regionalverband des Bundes Deutscher Karneval (BDK) ist die Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval.
Der Mainzer Rosenmontagszug ist der größte Fastnachtsumzug im Rhein-Main-Gebiet.
Rheinschiene Rheinhessen Mainz Die Fastnacht in der Region ist historisch stark von der Mainzer Fastnacht beeinflusst. Dies ist bedingt durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit von Teilen des Gebietes zum Kurfürstentum Mainz. Der „politisch-literarische Sitzungskarneval“ mit Narrhallamarsch und Prunksitzungen ist daher dort stark verbreitet. Mit der Gründung der ersten Garde, der Mainzer Ranzengarde (1837), und des ersten Fastnachtsvereins, des MCV 1838, wurde die Fastnacht zunehmend organisiert.
Alzey Bereits am Fastnachtssonntag findet in Alzey ein Fastnachtsumzug statt. Der Schlachtruf lautet, nicht wie sonst im Übrigen Rheinhessen, Helau, sondern Dollau. Im Stadtteil Weinheim ruft man: Wau-Wau.
Guntersblum mini|Guntersblum in Rheinhessen: Fastnachtsparty nach dem Fastnachtsumzug in Guntersblum In Guntersblum findet jährlich am Fastnachtssonntag mit etwa 60 Zugnummern einer der größten Fastnachtsumzüge in der Region statt.Allgemeine Zeitung Landskrone der Verlagsgruppe Rhein Main vom 23. Februar 2009, S. 9.
Rheingau In der fünften Jahreszeit herrscht im gesamten Rheingau ein reges karnevalistisches Treiben. Man zelebriert im Rheingau eine eigene und freie Form der Fastnacht, die aber Einflüsse aus anderen Karnevalshochburgen aufweist. Zahlreiche Karnevalsvereine im Rheingau widmen sich der Brauchtumspflege und bereichern die örtliche Fastnacht durch diverse närrische Veranstaltungen. Im Verlauf der närrischen Tage werden verschiedene Karnevalssitzungen, in nahezu jeder Rheingauer Gemeinde, abgehalten. Einige der Sitzungen genießen große Bekanntheit weit über die Grenzen der Region hinaus. Sogar die Bläck Fööss aus Köln haben schon in Rüdesheim gespielt mit Unterstützung der lokalen Kölschband QBA. Die Hochphase der Rheingauer Fastnacht bildet der Zeitraum, in dem unter anderem die Straßenfastnacht gefeiert wird, beginnend an Weiberfastnacht bis einschließlich Rosenmontag. An Weiberfastnacht werden in einigen Ortschaften die Rathäuser gestürmt, wobei den Bürgermeistern die Schlüssel abgenommen werden und somit die Narren symbolisch die Herrschaft übernehmen.
Straßenfastnacht In vielen Rheingauer Gemeinden finden Karnevalsumzüge statt, bei denen auch zunehmend Gruppen aus den Karnevalshochburgen Mainz, Wiesbaden und Frankfurt am Main begrüßt werden dürfen. Zahlreiche Gäste aus nah und fern zieht der Rüdesheimer Fastnachtszug an, der sich am Karnevalssamstag durch die Gassen schlängelt. Der größte Rheingauer Fastnachtsumzug findet im jährlichen Wechsel am Sonntag vor Rosenmontag in Johannisberg, Marienthal oder Aulhausen statt. Als ein Höhepunkt gilt der Rosenmontagsumzug in Kiedrich, der sich auch überregional großer Bekanntheit erfreut und jährlich enorme Zuschauermassen nach Kiedrich lockt. Der hessische Rundfunk hat bereits mehrfach den Kiedricher Rosenmontagszug übertragen bzw. von diesem berichtet.
Karnevalsveranstaltungen während der närrischen Tage im Rheingau
Schnorrerrallye Die Schnorrerrallye der Kiedricher Sprudelfunken wird jährlich an Weiberfastnacht im gotischen Weindorf Kiedrich veranstaltet und stellt im Reigen der Rheingauer Karnevalsveranstaltung eine Besonderheit dar. Die Schnorrerrallye erfreut sich großer Beliebtheit und zieht in großer Zahl auch überregionale Gäste sowie Teilnehmer an. Bei der Schnorrerrallye ziehen maskierte Gruppen oder Einzelpersonen durch die Straßen Kiedrichs und müssen gemäß einer vorgegebenen Route in Gasthäusern sowie Weinschänken einkehren und dort anhand kreativer Darbietungen für gute Stimmung sorgen. Die Kostümierungen und die Darbietungen werden von einer Jury bewertet.
Rheingauer-Männerballettfestival Das Rheingauer-Männerballettfestival ist ein Spaßwettkampf bei dem Männerballettformationen in Form von künstlerischen Darbietungen gegeneinander antreten. In den Rheingau gebracht wurde das Festival erstmals von den Reschhinkeln aus Rauenthal, wo es auch schon zwei Mal stattgefunden hat. Der Veranstaltungsort wechselt in der Regel jährlich.
Übersicht der Fastnachtsveranstaltungen im Rheingau (Auswahl)
Kampagneneröffnung am 11. November Diverse Rathauserstürmungen Kampagneneröffnung im Eltviller Stadtteil Erbach
Weiberfastnacht Weiberfastnacht im Zelt in Johannisberg Schnorrerrallye in Kiedrich Weiberfastnachtssitzungen in diversen Gemeinden
Fastnachtsfreitag Verschiedene Party- und Discoveranstaltungen im gesamten Rheingau
Karnevalssamstag Fastnachtsumzüge in Hattenheim, Hallgarten und Rüdesheim am Rhein Zahlreiche närrische Veranstaltungen wie Discos und Maskenbälle im gesamten Rheingau
Karnevalssonntag Fastnachtsumzüge in Erbach und Oberwalluf Fastnachtsumzug abwechselnd in Johannisberg, Marienthal oder Aulhausen Karnevalsdisco im Zelt in Kiedrich sowie weitere Events im gesamten Rheingau
Rosenmontag Rosenmontagsumzüge in Kiedrich und Assmannshausen
Aschermittwoch An Aschermittwoch wird in einigen Kommunen gemäß einem individuellen Ritual die Fastnacht beerdigt. Wiederbelebt wurde dieser Brauch vor einigen Jahren im Eltviller Stadtteil Erbach, wo nach Einbruch der Dunkelheit vermummte Personen mit Fackeln und Trommeln unter Wehklagen die Fastnacht durch den Ort geleiten und anschließend im Rhein versenken.
Wiesbaden In Wiesbaden gibt es gleich eine ganze Reihe an Umzügen. Der Reigen beginnt am Fastnachtssamstag mit einem Kinderumzug in der Innenstadt und einem Umzug durch die Vororte Mainz-Kastel und -Kostheim, zu dem sich alljährlich rund 10.000 Besucher einfinden, wobei im Jahr 2011 mehr als 20.000 Besucher gezählt wurden. Der Höhepunkt ist der am Fastnachtssonntag stattfindende Umzug durch die Innenstadt mit regelmäßig sechsstelligen Besucherzahlen. Am Rosenmontag folgt ein Umzug im westlichen Vorort Frauenstein. Der Abschluss folgt am Fastnachtsdienstag mit einem Zug durch den Stadtteil Biebrich und dem Rathaussturm. Im Jahr 2008 nahmen am großen Wiesbadener Umzug 5.500 Teilnehmer in über 200 Gruppen teil, darunter waren allein 40 Kapellen. Ausrichter ist die „Dachorganisation Wiesbadener Karneval 1950 e. V.“ („Dacho“). Es kamen etwa 250.000 Zuschauer. In Wiesbaden gibt es neben der „Dacho“ etliche Karnevalsvereine. Die „Carneval-Gesellschaft Sprudel“ ist der älteste Karnevalverein der Stadt (gegründet 1862). Von überregionaler Bekanntheit ist der Kasteler KCK als einer der vier Ausrichter der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“, die alljährlich am Freitag vor dem Fastnachtswochenende bundesweit ausgestrahlt wird.
Mainschiene Frankfurt miniatur|250px|Fastnachtszug in Klaa-Paris 2008 Der größte Fastnachtsumzug Hessens ist der Frankfurter Umzug, der alljährlich vom „Großen Rat der Frankfurter Karnevalvereine“ am Fastnachtssonntag veranstaltet wird. Im Jahre 2008 nahmen an diesem Umzug 6600 Personen teil. Im Jahr 2005 waren 51 Garden, 38 Kapellen und Spielmannszüge, 775 Spielleute und 66 Pferde beteiligt. 450.000 Menschen wohnten dem Ereignis bei und ebenso viele waren es an den Bildschirmen bei der Liveübertragung des hr-fernsehens. Hier werden nicht nur Süßigkeiten ausgeworfen, sondern auch die bekannte Frankfurter Grüne Soße in Packungen oder eingeschweißte Rippchen. Alle Stadtteile Frankfurts haben seit Kriegsende auf eigene Prinzenpaare verzichtet. Seither gibt es nur ein Frankfurter Prinzenpaar. In der lokalen Fastnachtshochburg Heddernheim, dem sogenannten Klaa Paris, wurde daher ein Statthalter eingesetzt. Den letzten Höhepunkt der jeweiligen Saison erfährt das Fastnachtstreiben in der Stadt mit dem Umzug in Klaa-Paris am Fastnachtsdienstag mit 5.000 Teilnehmern. Ältester Fastnachtsverein der Stadt sind die „Heddemer Käwwern“ aus Frankfurt-Heddernheim (gegründet 1882).
miniatur|rechts|500px|Elferrat des Klein-Pariser Fastnachtsclubs Uettingen Die Klaa Pariser Fastnacht geht auf das Jahr 1839 zurück. In diesem Jahr fand der erste Fastnachtszug statt. Im 111. Jahr der Klaa Pariser Fastnacht wurde die Freie Reichsstadt Klaa Paris gegründet. Es wurde ein Bürgermeister und ein Magistrat gewählt und eine aus 11 Artikeln bestehende Verfassung verabschiedet.
Am Fastnachtssamstag stürmen die Frankfurter Narren den Römer, das Frankfurter Rathaus.
Traditionell sind die kleinen Witze über die südöstliche Nachbarstadt Offenbach am Main (siehe auch Rivalität zwischen Offenbach und Frankfurt). Im Jahr 2007 kam es jedoch zum von der Lokalpresse so bezeichneten Helau-Krieg unter den Fastnachtsvereinen beider Städte, als von frankfurterischer Seite her das Offenbacher Prinzenpaar ausgeladen wurde.
Stadt Offenbach miniatur|Fastnacht in Offenbach Die Fastnachtsvereine in Offenbach sind im Offenbacher Karnevalverein (OKV) organisiert (21 Mitgliedsvereine). Der OKV wurde im Jahr 1948 gegründet, vor dem Krieg waren die Vereine in der „Arbeitsgemeinschaft Offenbacher Karnevalvereine“ (AOK) zusammengeschlossen. Fastnachtssitzungen veranstalten folgende Vereine: das „Konzertorchester“ (KOO), die „Wiking-Elfer“, der „KC Postkutsche“, „Offenbacher 03er“, die „Stadtgarde Offenbach“, die „Gemaa Tempelsee“, „Sängerfreunde“, „TGO-Elfer“ und die Kolpingelfer. Eine Besonderheit in Offenbach ist, dass der närrische Schlachtruf hier Hallau und nicht Helau heißt. In der Fastnachtszeit nennen die Offenbacher ihre Stadt Lederanien. Ein jährliches Prinzenpaar gibt es in Offenbach seit dem Jahr 1936, es wird vom OKV gestellt. Der erste Fastnachtszug in Offenbach ist aus dem Jahr 1855 überliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es von 1949 bis 1960 noch Fastnachtszüge. Da die Stadt Offenbach ihren Zuschuss von 20.000 Deutsche Mark strich, wurde der Fastnachtszug seither nicht mehr durchgeführt. In den Jahren 1961 bis 2001 richtete der OKV dann den „Offenbacher Gardetag“ mit Umzug aus. Einen Fastnachtsumzug gab es in Offenbach dann im Jahr 2005 das erste Mal seit 45 Jahren wieder, aus Anlass des 150. Jubiläums der Erwähnung der Offenbacher Straßenfastnacht im Jahre 1855. Im Jahr 2010 fand aus Anlass des 75-jährigen Gründungstags der AOK ein neuerlicher Jubiläumsumzug statt.Trotz eiskaltem Ostwind eine heiße Narrenschau, Meldung der Offenbacher Post vom 8. Februar 2010. Ansonsten findet ein Gardeumzug zum Sturm auf das Rathaus eine Woche vor Fastnacht statt. Erwähnenswert ist der Oldie-Fasching fastnachtsfreitags in der Stadthalle Offenbach und der Prinzenempfang für Senioren am Rosenmontag. Dieser Empfang wird durch den OKV durchgeführt und hatte im Jahr 2007 eine Besucheranzahl der über 60-Jährigen in der Stadthalle von 650. Die Offenbacher Metall- und Kunstprägeanstalt W. A. Jäger ist ein bedeutender Hersteller von Fastnachtsorden (bis zu 30.000 Stück pro Jahr).
In den 1960er Jahren gab es in der Offenbacher Fastnacht bedeutende Maskenbälle wie den „Zinnoberball“ und die „Rosenmontagsbälle“ in der Werkkunstschule (heute Hochschule für Gestaltung) mit aufwändigen Bühnenbildern. Der Maskenball „Cobacabana“" im Rohbau der Rudolf-Koch-Schule hatte an zwei Abenden 10.000 Besucher. Weitere Höhepunkte hatte die Offenbacher Fastnacht in der Stadthalle Offenbach ab 1979 mit den „Mexikanischen Nächten am Popocatepetl“.