Arthur Nicolaier (* 4. Februar 1862 in Cosel/Oberschlesien; † 28. August 1942 in Berlin) war ein deutscher Internist und Entdecker des Erregers des Wundstarrkrampfes (Tetanus).
Lebenslauf mini|Stolperstein, Grainauer Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf
Der aus einer oberschlesischen jüdischen Familie stammende Arthur Nicolaier studierte in Heidelberg, Berlin und Göttingen Medizin und promovierte 1885 in Göttingen mit der Arbeit „Beiträge zur Aetiologie des Wundstarrkrampfes“. Ab 1885 war er an der Göttinger Universitätsklinik als Assistent bei Wilhelm Ebstein (Medizinische Klinik), ab 1897 dort als Oberarzt tätig, bis er 1900 einem Ruf nach Berlin folgte. 1921 wurde er dort zum außerordentlichen Professor für Innere Medizin ernannt.Vgl. Michael Grüttner, Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus, Berlin/Boston 2023, S. 225. Er wirkte an der Charité.W. U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärzte-Lexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart. Springer Verlag, Heidelberg 2006, S. 240 f. Wegen seiner Herkunft wurde Nicolaier – der 1921 aus dem Judentum ausgetreten war – am 14. September 1933 gem. § 3 des Berufsbeamtengesetzes die Lehrbefugnis entzogen. Anders als viele seiner verfolgten Kollegen wanderte Nicolaier nicht aus und betrieb eine Arztpraxis in der Prager Straße 1/2 (heute: Grainauer Straße 2) in Berlin-Wilmersdorf. Als ihm nach der Vertreibung aus seiner Wohnung 1941 die Deportation in das sogenannte Altersghetto Theresienstadt angekündigt worden war, nahm er sich am 28. August 1942 in seiner damaligen Wohnung in der Kurfürstenstraße 99 (heute: Budapester Straße 41) in Charlottenburg das Leben.Helmut Scherer: Zu Göttingen an Rühlenders Tafel. Vortrag anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Münchhausen – Vom Jägerlatein zum Weltbestseller“ am Sonntag, dem 20. September 1998 in der Paulinerkirche, Göttingen. StA Charlottenburg von Berlin, Sterbeurkunde Nr. 3737/1942
Wissenschaftliche Leistungen Bereits in seiner Göttinger Zeit, als Assistent des Hygienikers Carl Flügge (1847–1923), entdeckte Nicolaier 1884 den Tetanusbazillus, das Bakterium Clostridium tetani. Das grampositive, obligat anaerobe, bewegliche und sporenbildende Bakterium ist Erreger des Wundstarrkrampfes (Tetanus). Er führte 1894 Hexamethylentetramin unter dem Namen Urotropin in die Chemotherapie vor allem zur Behandlung von bakteriellen Harnwegsinfektionen ein.Dr. Wilhelm Foerst (Hrsg.): Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie. 3. Auflage. Urban & Schwarzberg, München/Berlin 1954, Band 5, S. 229.
Gedenken Der Schriftsteller Heinz Knobloch setzte Nicolaier in Berliner Grabsteine ein kleines literarisches Denkmal.Arthur Nicolaier. In: Berliner Grabsteine. Buchverlag der Morgen, Berlin, 1987, S. 184/185
Am 24. April 2014 wurde vor seinem ehemaligen Wohnhaus, Grainauer Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf, ein Stolperstein verlegt.
Literatur Cäcilie Bley: Arthur Nicolaier 1862–1942. Ein Bild seines Wirkens. Diss. Göttingen 1946. Juan Alberto Galán Torres: Arthur Nicolaier (1862–1942). Descubridor del bacilo del tétanos. Dykinson, Madrid 2009, ISBN 978-84-9849-463-1. Volkmar Felsch: Arthur Nicolaier (Onkel Arthur). In: Volkmar Felsch: Otto Blumenthals Tagebücher. Ein Aachener Mathematikprofessor erleidet die NS-Diktatur in Deutschland, den Niederlanden und Theresienstadt. Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn, Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 2011, ISBN 978-3-86628-384-8, S. 504–510. M. Frink, C. W. Muller, S. Ziesing, C. Krettek: Tetanusprophylaxe in der Notaufnahme. Unfallchirurg. 2006 Nov; 109 (11): 977-83, PMID 17021900. Tim Ohnhäuser: Der Arzt und Hochschullehrer Arthur Nicolaier (1862–1942) – Eine Annäherung an die Suizide der als „nicht arisch“ verfolgten Ärzte im Nationalsozialismus. In: Richard Kühl, Tim Ohnhäuser und Gereon Schäfer (Hrsg.): Verfolger und Verfolgte. Bilder ärztlichen Handelns im Nationalsozialismus. (= Medizin und Nationalsozialismus, 2). Münster 2010, ISBN 978-3-643-10536-3, S. 15–38. Tim Ohnhäuser: Verfolgungssuizide im Nationalsozialismus. Selbsttötungen vor der Deportation und das Lebensende des Tetanus-Entdeckers Arthur Nicolaier. De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2025. ISBN 978-3-11-161888-3. Nicolaier, Arthur. In: Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter/Oldenbourg, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 225. Werner Köhler: Nicolaier, Arthur. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1047 f.
Weblinks
GeDenkOrt.Charité: Nicolaier
Einzelnachweise
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