Die idiopathische Lungenfibrose oder idiopathische pulmonale Fibrose (IPF) ist eine sehr schwerwiegende chronische Erkrankung mit oft tödlichem Ausgang, die durch eine stetige Abnahme der Lungenfunktion gekennzeichnet ist.G Raghu, HR Collard, JJ Egan et al.: An official ATS/ERS/JRS/ALAT statement: Idiopathic pulmonary fibrosis: Evidence-based guidelines for diagnosis and management. In: Am J Respir Crit Care Med., 183 (6), 2011, S. 788–824. doi:10.1164/rccm.2009-040GL. PMID 21471066American Thoracic Society / European Respiratory Society International Multidisciplinary Consensus Classification of the Idiopathic Interstitial Pneumonias. This joint statement of the American Thoracic Society (ATS), and the European Respiratory Society (ERS) was adopted by the ATS board of directors, June 2001 and by the ERS Executive Committee, June 2001. In: Am Respir Crit Care Med., 165 (2), January 2002, S. 277–304, PMID 11790668. Der Begriff Lungenfibrose steht für eine Vernarbung des Lungengewebes, die zu einer ständig zunehmenden Dyspnoe (Atemnot) führt. Die Fibrose hat meistens eine schlechte Prognose.EB Meltzer, PW Noble: Idiopathic pulmonary fibrosis. In: Orphanet J Rare Dis., 3 (1), 2008, S. 8. doi:10.1186/1750-1172-3-8. PMID 18366757. . Der Begriff „idiopathisch“ wird verwendet, da die Ursache der Lungenfibrose noch nicht bekannt ist.

IPF tritt meistens im Erwachsenenalter zwischen 50 und 70 Jahren auf, vor allem bei aktiven oder ehemaligen Rauchern; Männer sind häufiger betroffen als Frauen.Pulmonary Fibrosis Foundation. Prevalence and Incidence. Pulmonaryfibrosis.org; abgerufen am 11. April 2013.

IPF gehört zu einer großen Gruppe von etwa 200 Lungenerkrankungen, die als interstitielle Lungenerkrankungen ( oder ILD) bezeichnet werden und einen Befall des Lungeninterstitiums aufweisen. Das Interstitium, also das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen (Alveolen), ist hauptsächlich befallen. Dennoch befallen diese Erkrankungen häufig nicht nur das Interstitium, sondern auch Alveolen, periphere Atemwege und Gefäße. Das Lungengewebe von Personen mit IPF weist ein charakteristisches histopathologisches Muster auf, das als gewöhnliche interstitielle Pneumonie ( oder UIP) bezeichnet wird. UIP ist die histologisch bzw. detailradiologische Entsprechung der IPF.

2011 wurden neue Richtlinien für Diagnose und Management der IPF veröffentlicht. Eine deutschsprachige Fassung der internationalen Richtlinien aus dem Jahr 2013 basiert auf einer Initiative deutscher Experten unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und auf den Ergebnissen einer Konsensuskonferenz.G Raghu, D Weycker, J Edesberg, WZ Bradford, G Oster: Incidence and prevalence of idiopathic pulmonary fibrosis. In: Am. J Respir. Crit. Care Med, 174 (7), 2006, S. 810–816. doi:10.1164/rccm.200602-163oc.

Die Diagnose der IPF setzt den Ausschluss anderer Formen einer interstitiellen Pneumonie voraus, einschließlich anderer idiopathischer interstitieller Pneumonien und interstitieller Lungenerkrankungen (ILD) im Zusammenhang mit Umweltbelastungen, Medikamenten oder systemischen Erkrankungen.

Klassifikation

Die IPF gehört zu einer großen Gruppe von mehr als 200 Lungenerkrankungen, die als interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) bezeichnet werden und durch einen Befall des Lungeninterstitiums, also des Bindegewebes zwischen den Lungenbläschen, gekennzeichnet sind. Die IPF ist eine Form der idiopathischen interstitiellen Pneumonie (IIP), die wiederum eine Art ILD ist, auch bekannt als diffuse parenchymale Lungenerkrankung ( oder DPLD).

Die Klassifikation von IIPs der American Thoracic Society/European Respiratory Society (ATS/ERS) aus dem Jahr 2002 wurde 2013 aktualisiert.

Diese neue Klassifikation umfasst drei Hauptkategorien an IIPs: häufig auftretende IIPs, selten auftretende IIPs und nicht klassifizierbare IIPs. Zu den häufig auftretenden IIPs zählen chronisch fibrosierende IPs (darunter IPF und nichtspezifische interstitielle Pneumonie [NSIP]), rauchbedingte IPs (respiratorische Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung [RB-ILD] und desquamative interstitielle Pneumonie [DIP]) sowie akute/subakute IPs (kryptogene organisierende Pneumonie [COP] und akute interstitielle Pneumonie [AIP]).

Zur Diagnose von IIPs müssen bekannte Ursachen von ILD ausgeschlossen werden. Beispiele für ILDs mit bekannten Ursachen sind unter anderem hypersensitive Pneumonitis, Langerhans-Zell-Histiozytose, Asbestose und Kollagen-Gefäßkrankheit. Diese Krankheiten betreffen jedoch häufig nicht nur das Interstitium, sondern auch die peripheren Atemwege und Gefäße.

Epidemiologie Groß angelegte Studien zur Inzidenz und Prävalenz der IPF fehlen.

Obwohl sehr selten, so ist die IPF doch die häufigste Form von IIP. Basierend auf einer Analyse US-amerikanischer Forderungen gegenüber Krankenkassen wird die Verbreitung von IPF auf 14,0–42,7 Fälle pro 100.000 Einwohner geschätzt. Die breite Streuung ergibt sich aufgrund der Definitionen, die in den jeweiligen Fällen verwendet wurden. IPF tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf und wird für gewöhnlich bei Personen über 50 Jahren diagnostiziert.

Die Inzidenz der IPF ist schwer zu bestimmen, da einheitliche diagnostische Kriterien nur inkonsequent angewendet wurden. In den 27 EU-Mitgliedstaaten wird die Inzidenz durch verschiedene Quellen auf 4,6–7,4 Personen pro 100.000 Einwohner geschätzt,J Gribbin, RB Hubbard, I Le Jeune, CJ Smith, J West, LJ Tata: Incidence and mortality of idiopathic pulmonary fibrosis and sarcoidosis in the UK. In: Thorax 61 (11), 2006, S. 980–985. PMID 16844727. .V Navaratnam, KM Fleming, J West, CJ Smith, RG Jenkins, A Fogarty, RB Hubbard: The rising incidence of idiopathic pulmonary fibrosis in the U.K. In: Thorax 66 (6), 2011, S. 462–467. doi:10.1136/thx.2010.148031. PMID 21525528. woraus man schließen kann, dass jedes Jahr etwa 30.000–35.000 neue Patienten mit IPF diagnostiziert werden.Eurostat News Release. (PDF; 177 kB) In: European demography, 110/2010, 27. Juli 2010.

Eine kürzlich am Universitätskrankenhaus Århus (Dänemark) durchgeführte monozentrische, retrospektive Beobachtungs- und Kohortenstudie mit Patienten, bei denen zwischen 2003 und 2009 ILD diagnostiziert wurde, ergab eine Inzidenz von 4,1 pro 100.000 Einwohnern/Jahr für ILD. Die häufigste Diagnose lautete IPF (28 %), gefolgt von ILD in Zusammenhang mit Bindegewebserkrankungen (14 %), Hypersensitivitäts-Pneumonitis (7 %) und nichtspezifischer interstitieller Pneumonie (NSIP) (7 %). Die Inzidenz von IPF betrug 1,3 pro 100.000 Einwohner/Jahr.C Hyldgaard, O Hilberg, A Muller, E Bendstrup: A cohort study of interstitial lung diseases in central Denmark. In: Respir Med, 108 (5), 2014, S. 793–799. PMID 24636811.

Aufgrund einer ungleichmäßigen Verbreitung der Krankheit in europäischen Ländern sollten epidemiologische Daten mittels eines europaweiten ILD- und IPF-Registers aktualisiert werden. In Deutschland wurde von 2012 bis 2020 das akademische Register INSIGHTS-IPF (Investigating Significant Health Trends in IPF, Studienleiter Jürgen Behr) geführt, in dem 1232 Patienten dokumentiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass IPF-Patienten in der klinischen Routine kränker sind und eine schlechtere Lebensqualität haben als in den kontrollierten Studien, und die Behandlungsansätze sehr unterschiedlich ausfallen.

Das Register wird seit dem Jahr 2021 ergänzt durch das Register INSIGHTS-ILD derselben Studiengruppe, das progressiv fibrosierende interstitielle Lungenerkrankungen (PF-ILD, PPF) umfassend dokumentiert. Im Mai 2025 wurde das Register um weitere 2 Jahre verlängert (INSIGHTS-ILD 2.0) und um weitere Zentren (auch rheumatologische) erweitert. Neu ist, dass künftig sowohl Patienten mit PF-ILD bei Vorliegen der Progressionskriterien als auch Patienten mit IPF eingeschlossen werden können. Der Einschluss von weiteren Patienten mit stabiler fibrotischer ILD ohne Progression ist hingegen nicht mehr vorgesehen.

Ursachen/Risikofaktoren für IPF IPF oder idiopathische Lungenfibrose ist per definitionem idiopathisch (d. h., es liegt keine bekannte Ursache vor), einige Umwelt- und Expositionsfaktoren können jedoch das Risiko einer Erkrankung mit IPF erhöhen.AL Olson, JJ Swigris: Idiopathic pulmonary fibrosis: diagnosis and epidemiology. In: Clinics in chest medicine, 33 (1), Mar 2012, S. 41–50. doi:10.1016/j.ccm.2011.12.001. PMID 22365244. Rauchen gilt als einer der zentralen Risikofaktoren für IPF, da es das IPF-Risiko in etwa verdoppelt.

Weitere Umwelteinflüsse und eine Exposition am Arbeitsplatz wie z. B. gegenüber Metallstaub, Holzstaub, Kohlenstaub, Steinstaub oder Siliziumdioxid sowie Tätigkeiten im Bereich der Landwirtschaft/Viehzucht erhöhen ebenfalls erwiesenermaßen das Risiko von IPF. Es liegen Nachweise dafür vor, dass Virusinfektionen mit idiopathischer Lungenfibrose und anderen fibrosierenden Lungenerkrankungen in Zusammenhang stehen könnten.KJ Williams: Gammaherpesviruses and Pulmonary Fibrosis: Evidence From Humans, Horses, and Rodents. In: Veterinary Pathology, 51 (2), March 2014, S. 372–384. doi:10.1177/0300985814521838. PMID 24569614.

Ätiologie und Pathobiologie Trotz intensiver Forschung bleibt die Ursache der IPF unbekannt. Die bei IPF auftretende Fibrose wird mit Rauchen von Zigaretten, Umweltfaktoren (z. B. dem berufsbedingten Kontakt mit Gasen, Rauch, Chemikalien oder Staub), anderen Krankheiten wie zum Beispiel Refluxösophagitis ( oder GERD) oder mit genetischer Prädisposition (familiäre IPF) in Verbindung gebracht.

Jedoch sind keine dieser Faktoren bei allen IPF-Patienten nachweisbar, so dass sie keine zufriedenstellende Erklärung für die Krankheit liefern.C García-Sancho, I Buendía-Roldán, MR Fernández-Plata, C Navarro, R Pérez-Padilla, MH Vargas, JE Loyd, M Selman, I Buendía-Roldán MR, Fernández-Plata et al.: Familial pulmonary fibrosis is the strongest risk factor for idiopathic pulmonary fibrosis. In: Respir Med., 105 (12), 2011, S. 1902–1990. PMID 21917441.

Es wird davon ausgegangen, dass die IPF das Ergebnis eines aberranten Wundheilungsprozesses ist, der mit abnormaler und exzessiver Kollagenablagerung (Fibrose) im Lungeninterstitium sowie mit einer minimalen Entzündung einhergeht.S Harari, A Caminati: IPF: new insight on pathogenesis and treatment. In: Allergy, 65 (5), 2010, S. 537–553. doi:10.1111/j.1398-9995.2009.02305. PMID 20121758.

Man vermutet, dass bei IPF eine initiale oder wiederholte Verletzung von Lungenzellen, den sogenannten alveolären Epithelzellen oder Pneumozyten Typ I und Typ II (, die den Großteil der Oberfläche des Lungenbläschens auskleiden, zugrunde liegt.H Loomis-King, KR Flaherty, BB Moore: Pathogenesis, current treatments and future directions for idiopathic pulmonary fibrosis. In: Curr Opin Pharmacol. 13 (3), 2013, S. 377–385. doi:10.1016/j.coph.2013.03.015. Epub 18. April 2013 Wenn Pneumozyten Typ I beschädigt werden oder untergehen, proliferieren vermutlich Pneumozyten Typ II, um die freiliegende Basalmembran zu bedecken.

Bei einem normalen Reparaturvorgang sterben die hyperplastischen Pneumozyten Typ II ab, während sich die übrigen Zellen ausbreiten und einen Differenzierungsprozess zu Pneumozyten Typ I durchlaufen.

Unter pathologischen Bedingungen und in Anwesenheit des TGF-β () akkumulieren Fibroblasten in der geschädigten Region und differenzieren zu Myofibroblasten, die Kollagen und andere Proteine absondern. In der Vergangenheit vertrat man die Annahme, dass eine Entzündung das erste Ereignis darstellt, das eine Vernarbung des Lungengewebes einleitet. Neuesten Erkenntnissen zufolge geht jedoch die Entwicklung fibroblastischer Foki der Ansammlung von Entzündungszellen und der daraus resultierenden Ablagerung von Kollagen voraus.A Pardo, M Selman: Idiopathic pulmonary fibrosis: new insights in its pathogenesis. In: Int J Biochem Cell Biol., 34 (12), 2002, S. 1534–1538.

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