Anthony Kevin „Tony“ Dungy (* 6. Oktober 1955 in Jackson, Michigan) ist ein ehemaliger amerikanischer American-Football-Spieler und Cheftrainer in der National Football League (NFL).
Von 1996 bis 2001 war er Cheftrainer der Tampa Bay Buccaneers und von 2002 bis 2009 Cheftrainer der Indianapolis Colts. Unter seiner Führung wurden die erreichten die Teams regelmäßig die Play-offs. Mit dem Sieg im Super Bowl XLI 2007 wurde er der erste afro-amerikanische Cheftrainer, der den Super Bowl gewann. Er ist nach Mike Ditka und Tom Flores der dritte Cheftrainer, der den Super Bowl sowohl als Spieler als auch als Cheftrainer gewann.
2016 wurde er in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen.
Frühe Jahre Dungy wurde in Jackson, Michigan geboren. Sein Vater Wilbur (1926–2004) war Lehrer am Jackson College und am Delta College. Seine Mutter Cleomae (1920–2002) lehrte an der Jackson High School. Sein Vater diente im 2. Weltkrieg als Kampfpilot der Tuskegee Airmen. Nach dem Abschluss der Parkside High School 1973, wo er Kapitän und Quarterback des Football-Teams war und Basketball spielte, schrieb er sich auf der University of Minnesota im Bereich Business Administration ein. Das Studium schloss er 1977 erfolgreich ab. Er galt als einer der talentiertesten Spieler seines Jahrgangs im Football und im Basketball in Michigan.
College-Karriere Tony Dungy spielte von 1973 bis 1976 im Team der University of Michigan, den Golden Gophers. Als Quarterback erreichte er in den vier Jahren 1.165 Rushing Yards und 16 Rushing Touchdowns, er warf 3515 Passing Yards, 25 Touchdown-Pässe und 35 Interceptions. Er stand in 32 Spielen in der Startaufstellung (1973: 1 x, 1974: 9x, 1975 und 1976: jeweils 11 x). 1976 war er Team-Kapitän. 1975 und 1976 war er im All-Big-Ten-Second-Team als Quarterback gelistet.MINNESOTA FOOTBALL 2025 FOOTBALL I MEDIA & RECORDS BOOK
SaisonTeamConferencePosPassversuchekomplettierte PässeYardsInterceptionTouchdownpässeY/CY/GRate1973 Minnesota Big Ten QB 33 8 97 2 1 12.1 8.8 46.81974 Minnesota Big Ten QB 94 39 612 7 5 15.7 55.6 98.81975 Minnesota Big Ten QB 225 123 1515 14 15 12.3 137.7 120.81976 Minnesota Big Ten QB 234 104 1291 12 4 12.4 117.4 86.2Career 586 274 3515 35 25 12.8 79.9 99.3
Zudem spielte Dungy in seinem ersten Jahr an der Uni auch noch im Basketballteam auf der Guard Position. Hier war er Teamkollege des späteren Cheftrainers des NBA-Teams Detroit Pistons, Flip Saunders.
Profi-Karriere Im NFL-Draft 1977 wurde Dungy nicht ausgewählt. Als Free Agent wurde er von den Pittsburgh Steelers unter Vertrag genommen und in der Saison 1977 auf der Position eines Defensive Backs (Cornerback bzw. Safety) eingesetzt. Dabei spielte er als fünfter Defensive Back sowie im Special Team. Im Spiel gegen die Houston Oilers am 9. Oktober 1977 spielte Dungy als Notfall-Quarterback, da die regulären Quarterbacks Terry Bradshaw und Mike Kruczek verletzt ausgefallen waren. Im gleichen Spiel gelang im eine Interception und er warf selbst eine Interception.
In der Saison 1978 spielte Dungy zwei Mal als Starter und es gelangen ihm sechs Interceptions für insgesamt 95 Yards. Mit der Mannschaft erreichte er erneut die Play-offs und den Gewinn des Super Bowl XIII. Während des Spieles provozierte er einen Fumble, der letztendlich zu einem Touchdown führte.
1979 wurde er an die San Francisco 49ers verkauft. Dort spielte er sieben der fünfzehn Spiele als Starter. Es gelangen ihm jedoch keine Interceptions.
Vor der Saison 1980 wurde er zunächst von den New York Giants unter Vertrag genommen. Durch eine Verletzung im Trainingscamp musste er jedoch seine Karriere beenden. Regular SeasonInterceptionFumblesSaisonAlterTeamPositionAnzahl SpieleStart-ElfAnzahlYards gesamtLängste InterceptionAnzahlAufg. FumblesYards1977 22 PIT DB 14 0 3 37 29 1 0 -21978 23 PIT RS 16 2 6 95 65 0 2 81979 24 SFO FS 15 7 0 0 0 1 2 0Summe 45 9 9 132 65 2 4 6Play-OffsInterceptionFumbles1977 22 PIT DB 1 0 0 0 0 0 0 01978 23 PIT RS 3 0 0 0 0 0 1 0Summe 4 0 0 0 0 0 1 0 Trainer-Karriere Als Assistent
Nachdem Ende seiner aktiven Sportler-Karriere begann Tony Dungy 1980 als Trainer der Defensive Backs an der University of Minnesota zu arbeiten. Damit war er der jüngste Assistant-Coach in der NFL bis dahin. 1981 wechselte er in den Trainerstab von Chuck Noll bei den Pittsburgh Steelers. Auch hier war er für die Defensive Backs zuständig. Ab 1984 übernahm er die Position des Defensive Coordinators und war damit für die gesamte Defense verantwortlich. Er war damit der jüngste Coordinator aller Zeiten in der NFL. Nachdem das Team 1985 bis 1988 nicht mehr die Play-offs erreichte, veranlasste der Eigner Dan Rooney, Veränderungen am Trainerstab. Tony Dungy wechselte daraufhin zu den Kansas City Chiefs und war unter Marty Schottenheimer drei Jahre als Coach der Defensive Backs verantwortlich.
1992 berief ihn der neue Cheftrainer der Minnesota Vikings Dennis Green zum Defensive Coordinator. In dieser Funktion war er bis zum Ende der Saison 1995 aktiv. Während dieser Zeit entwickelte sich die Defense zu einer der Besten der Liga.
Headcoach Tampa Bay Buccaneers Anfang 1995 hatte Malcolm Glazer die notorisch schlechten Tampa Bay Buccaneers erworben. Nachdem vom bisherigen Trainer Sam Wyche keine Verbesserungen zu erwarten waren, wurde für die Saison 1996 Tony Dungy als Headcoach unter Vertrag genommen.
1997 erreichte Tony Dungy mit seinem Team den 2. Platz in der Central Division der National Football Conference (NFC). Dies war Tampa Bays erste Saison mit positiven Siege-Niederlagen-Verhältnis seit 1982. Zudem besiegten sie in der ersten Playoffrunde die Detroit Lions, mussten sich aber dann in der 2. Runde dem amtierenden Champion Green Bay Packers geschlagen geben.
Nachdem das Team in der Saison 1998 Division-Dritte wurde, erfolgte 1999 eine Steigerung der Leistung. Das Team gewann die Division und verloren erst im NFC-Championship Game gegen die St. Louis Rams. 2000 und 2001 wurde das Team Zweiter bzw. Dritter der Division und bekam jeweils eine Wild-Card in den Play-offs. Dort verlor das Team jedes Mal gegen die Philadelphia Eagles. Auf Grund dieser Niederlagen und der Meinung des Managements, dass die vorsichtige Offense die Dungy einsetzte nicht erfolgversprechend sei, wurde er nach der Saison 2001 entlassen.
Sein Nachfolger Jon Gruden gewann mit der von Dungy geformten Mannschaft in der Saison 2002 Super Bowl XXXVII.
Headcoach Indianapolis Colts mini|Tony Dungy (2007)
Nach seiner Entlassung bei den Buccaneers unterzeichnete Dungy am 22. Januar 2002 einen Chef-Trainer-Vertrag über fünf Jahre für 13 Millionen Dollar bei den Indianapolis Colts. Mit dem Quarterback-Receiver-Duo Peyton Manning und Marvin Harrison war die Offense des Teams zu dieser Zeit sehr stark, aber die Defense war im Gegensatz dazu schwach. Die Offense ließ er weiterhin unter der Leitung des Offensive Coordinator Tom Moore, der seit 1998 in Indianapolis war und den Dungy aus Pittsburgh kannte. Zum Defense Coordinator ernannte er Ron Meeks. Als Spielkonzept wurde das bei den Buccaneers etablierte System „Tampa 2“ eingeführt.
In der ersten Saison scheiterte das Team im Wild-Card-Spiel gegen die New York Jets. In den Saisons 2003 und 2004 verlor das Team im AFC Championship Game bzw. AFC Divisional Game gegen die New England Patriots unter Head Coach Bill Belichick und Tom Brady als Quarterback.
2005 verlängerte Dungy seinen Vertrag um drei Jahre für ein Gehalt von fünf Millionen Dollar pro Jahr. Dies machte ihn seinerzeit zum bestbezahlten Headcoach der NFL. Für die Spielsaison 2005 wurde Defensive Tackle Corey Simon verpflichtet um die Defense weiter zu verbessern. Das Team gewann die ersten 13 Spiele und hatte damit das Heimrecht für alle Play-off-Spiele bis zum Super Bowl. Außerdem wurde spekuliert, ob das Team nach den Miami Dolphins 1972 eine Saison ohne eine Niederlage spielen könnte. Das Team verlor dann schließlich das 14. Spiel gegen die San Diego Chargers. Die Colts schonten in den letzten beiden Spielen der regulären Saison viele Stammspieler um sie vor Verletzungen zu schützen. Das Team verlor dadurch jedoch seinen Spielrhythmus und verlor das erste Play-Off-Spiel gegen die Pittsburgh Steelers. Diese gewannen in dieser Saison mit Ben Roethlisberger die Superbowl.
In der Saison 2006 beendete das Team die reguläre Saison mit einem Ergebnis von zwölf Siegen und vier Niederlagen. Im Wildcard-Game wurde die Kansas City Chiefs mit 23:8 und im Division Game die Baltimore Ravens mit 15:6 besiegt. Im AFC Championship Game gegen die New England Patriots lag das Team am Ende der ersten Halbzeit mit 21:6 zurück. In der zweiten Spielhälfte konnte auch durch eine starke Defensiv-Leistung das Spiel mit 38:34 gewonnen werden. Am 4. Februar 2007 traf das Team im Super Bowl XLI auf die Chicago Bears. Das Spiel konnte, trotz eines Kick-Off-Return-Touchdowns der Bears, mit 29:17 gewonnen werden. Dungy wurde mit dem Sieg der erste Afroamerikaner, dem als Cheftrainer ein Super-Bowl-Gewinn gelang.
Auch in den folgenden beiden Saisons 2007 und 2008 erreichte das Team die Play-offs. Es scheiterte jedoch jeweils im ersten Spiel gegen die San Diego Chargers. Am 13. Januar 2009 beendete er seine Karriere als Chefcoach bei den Colts und zog sich vom aktiven Profisport zurück.
Coaching-Philosophie
Tony Dungy bevorzugte in Tampa Bay eine konservative, den Ball kontrollierende Offense mit einem starken Laufspiel und einem Kurzpassspiel. In Indianapolis verließ er sich auf die von Offensive Coordinator Tom Moore gestaltete Offense.
In der Defense entwickelte Dungy die als „Tampa 2“ bezeichnete Variante der Cover 2-Verteidigung. Dabei setzte er auf eine Formation von vier Linemen, drei Linebacker und vier Defensive Backs. Dabei waren die Linemen bevorzugt als Pass-Rusher aktiv, die Cornerbacks sicherten die Bereiche für die kurzen Pässe, die Linebacker den mittleren Bereich und die Safeties den tiefen Bereich ab. Das war grundsätzlich kein neues Konzept. Dungy entwickelte es soweit weiter, dass aus der gleichen Formation alle Verteidigungen möglich wurden. Da Dungy vor allem in Bezug auf das Personal und die genutzten Techniken spezifische Anpassungen vornahm, wurde diese Variante seiner Verteidigung deshalb als Tampa 2 bezeichnet.
Tony Dungy sah sich als Coach vor allem als Lehrer. Einer seiner Mentee Lovie Smith sagte dazu: "We talked about how to do it, being a teacher instead of screaming and yelling, all that stuff..." (Übersetzung: "Wir sprachen darüber, dass man Lehrer sein soll anstatt eine Person die schreit und brüllt...") Als Trainer agierte Dungy so, wie er selber gerne trainiert werden wollte.
Tony Dungy lernte von seinem früheren Trainer bei den Pittsburgh Steelers, Chuck Noll, dass alle 53 Spieler des Teams wichtig sind und deshalb alle gleichwertig zu behandeln und zu trainieren sind. Dies wurde zu einer grundlegenden Denkweisen in seinem Trainings- und Teamführungs-Stil.
In seiner Autobiografie Quiet Strength: The Principles, Practices, & Priorities of a Winning Life (Stille Kraft: Die Prinzipien, Praktiken und Prioritäten eines siegreichen Lebens) geht er auch auf seine Trainingsmethoden und -philosophie ein.
Während seiner Coaching-Zeit und auch später war er ein Gegner des Videobeweises. Er war der Meinung, dass wenn schon dieses System genutzt wird, der Videobeweis für alle Schiedsrichterentscheidungen gelten und nicht an den Verlust einer Auszeit gekoppelt werden sollte. 2002 äußerte er die Vermutung, dass Schiedsrichter anders entscheiden, weil sie davon ausgehen, dass strittige Entscheidungen von den Head Coaches angefochtet werden.
Coaching-Tree Tony Dungy steht im Coaching-Tree in der Nachfolge von Dennis Green (Coaching-Tree Bill Walsh) und Marty Schottenheimer. Dungy selbst sieht sich auch im Coaching-Tree von Chuck Noll (für den er spielte).
In der Nachfolge von Dungy stehen Herm Edwards, Rod Marinelli, Lovie Smith, Jim Caldwell, Mike Tomlin, Leslie Frazier, Mike Shula, Clyde Christensen, Joe Barry und Frank Reich.