Sulingen ist eine Kleinstadt im Zentrum des Landkreises Diepholz, Niedersachsen, 50 km südlich von Bremen. Obwohl die Kernstadt 10.000 Einwohner nicht überschreitet, hat sie im ländlichen Umland eine herausragende Bedeutung und ist raumplanerisch als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geografie mini|Kernstadt und die weiteren Stadtteile von Sulingen Lage Sulingen liegt 50 km südlich von Bremen, 35 km östlich von Diepholz und 30 km westlich von Nienburg.

Stadtgliederung Sulingen besteht aus folgenden Stadtteilen (Einwohnerzahlen in Klammern) Kernstadt Sulingen (9273) Klein Lessen (565) Groß Lessen (637) Rathlosen (536) Nordsulingen (1336) Lindern (545)

Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Stadt Sulingen sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend die Gemeinden Scholen, Schwaförden, Mellinghausen, Maasen, der Flecken Steyerberg, die Gemeinde Kirchdorf, der Flecken Barenburg, die Gemeinden Varrel, Wehrbleck, Eydelstedt und Ehrenburg.

Flüsse und Bäche Sulingen wird durchflossen von der Sule, dem Kuhbach, der Kleinen Aue und der Allerbeeke (diese ist zum Teil östlicher Grenzfluss zur Samtgemeinde Siedenburg).

Geschichte Vorgeschichte Aus der älteren Bronzezeit um 2000–800 v. Chr. stammt ein 1899 in Nechtelsen gefundenes Griffzungenschwert. Ein Einbaum, 1952 gefunden in der Sule bei Nordsulingen, stammt aus der Eisenzeit zwischen 400 und 300 v. Chr.

Mittelalter Am 30. Mai 1029 wurde die Siedlung Sulingen erstmals urkundlich erwähnt. In dieser ersten Urkunde wurde ein burgloser Oberhof des Bistums Minden in Sulingen erwähnt. Der bischöfliche Oberhof fiel erst am Ende des Mittelalters an die Grafschaft Hoya. Um den Oberhof bildete sich im späten 15. Jahrhundert der Flecken Sulingen. Vermutlich weil sich in Sulingen keine Burg befand, war der Ort lange Zeit weder Sitz einer Vogtei noch eines Amtes, sondern gehörte zum Amt Ehrenburg, war aber innerhalb dieses Amtes der bedeutendste Ort.

In den Jahren 1347 und 1349 wurde Sulingen von der Pest heimgesucht. Es sollen nur 27 Familien überlebt haben.

Sulingen war um 1300 bis 1527 Bezirk des Archidiakonats. Die Archidiakone (ab 1381 die Mindener Dompröpste) übten die kirchlichen Gerichtsbarkeit aus. Mit der Reformation wurde das Bistum Minden mit dem Diözenanteil Sulingen durch den Mindener Fürstbischof Hermann von Schaumburg evangelisch-lutherisch. Dadurch war ein evangelischer Superintendent für Sulingen zuständig.mini|Alte Superintendentur

Neuzeit Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die erste Schule in Sulingen gebaut. Pest, Plünderungen, Brandschatzungen und Einquartierungen prägten die Zeit im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648).

Anfang des 18. Jahrhunderts brannten die Superintendentur, das Kantorhaus, der Ratskeller und das Haus von J. Dencker bei einem Stadtbrand ab. Am 12. September 1719 führte ein weiterer Großbrand zur fast vollständigen Zerstörung des Ortes. Die überlieferten Kirchenbücher beginnen erst 1719, ergänzt durch das sogenannte Seelenregister („Volksbefragung“ durch den Pastor nach Namen und Daten der Einwohner).

Mit dem Wiederaufbau des Ortes nach dem Brand wurde der Ingenieur-Leutnant Eden beauftragt, der die Stadtpläne vor und nach dem Brand zeichnete. Im 18. Jahrhundert hatte der Ort fünf Sensenschmieden und neue Gilden bildeten sich. 1779 entstand die Kornbrennerei Lüning. 1791 erhielt Chr. Friedrich Lüning die Posthalterei-Urkunde für die Route Hannover-Nienburg-Sulingen-Diepholz-Osnabrück. In der Sulinger Relaisstation mussten mindestens 16 Pferde unterhalten werden. Als Rittergut wurde Lünings Besitz nach dem Erwerb des gegenüberliegenden Gutes bezeichnet. Am 3. Juni 1803 wurde die Konvention von Sulingen unterzeichnet, deren Ratifikation anschließend von Napoleon verweigert wurde, so dass die Kapitulation Kurhannovers erst durch die Konvention von Artlenburg am 5. Juli 1803 vollzogen wurde.

Im Jahre 1852 wurde das königlich hannoversche Amt Sulingen mit dem Amtsgericht Sulingen gebildet. Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 entstand 1885 aus dem Amt der Kreis Sulingen. Die erste Sparkasse wurde eröffnet und zwei Bürgerparks wurden angelegt. Sulingen erhielt eine Telegrafenstation, ein Krankenhaus und das Elektrizitätswerk an der Südstraße. Die Volkshochschule am Mühlenhof und eine gewerbliche Berufsschule wurden gebaut.

Seit 1900 mini|Der Stadtsee Die Bahnstrecke Rahden-Sulingen wurde am 29. September 1900 eröffnet. Im Jahre 1901 folgte die Fortsetzung nach Bassum mit Anbindung nach Bremen. Im Jahre 1904 kamen die ab 1937 von Erich PlengePlenge, Erich. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 953. verlegten Sulinger Nachrichten heraus. Ab 1911 erfolgte die elektrische Straßenbeleuchtung. Seit 1925 gab es in Sulingen eine Mittelschule. 1927 fand die Inbetriebnahme des Kreiskrankenhauses an der Schmelingstraße mit 42 Betten statt.

Durch die Zusammenlegung mit dem damaligen Kreis Grafschaft Diepholz musste Sulingen 1932 den Kreissitz für den Kreis Sulingen an Diepholz abgeben.

1929 erhielt Sulingen das Stadtrecht. Von 1923 bis 1997 war Sulingen durch eine weitere Eisenbahnstrecke, die von Nienburg nach Diepholz führte, ein Eisenbahnkreuzungspunkt. 1994 verließ der letzte Personenzug Sulingen.

1990 entstand im Zuge des Baues der Umgehungsstraße, die den Verkehr der Bundesstraßen 61 und 214 vom bebauten Stadtgebiet fernhält, der Stadtsee als Baggersee.

Die Doku Das Sulingen Projekt verschaffte 2023 einen Einblick in die tausendjährige Ortsgeschichte.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Groß Lessen, Klein Lessen, Lindern, Nordsulingen und Rathlosen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen Ende der 1980er Jahre und 2000 ist die Einwohnerzahl um fast 2000 Personen gestiegen.

Politik Rat Der Rat der Stadt Sulingen besteht aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.001 und 11.000 Einwohnern., abgerufen am 12. November 2014 Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Neben den 26 in der Gemeinderatswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister im Rat stimmberechtigt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Aus dem Ergebnis der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung: +Partei/WeitereSitzeCDU7SPD5Sulingen!4Freie Wähler Sulingen (FW)3Grüne2FDP2Einzelbewerber Ibrahim1Bürger erreichen Sulingen (BeS)1PARTEI1Gesamt26 Sitze

Bürgermeister Seit 29. November 2021 ist Patrick Bade Bürgermeister der Stadt Sulingen. Er gewann die Bürgermeisterwahl am 12. September 2021 mit 54,78 % der Stimmen gegen seinen Mitbewerber. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,85 %.

Bisherige Bürgermeister der Stadt 1818: Johann Otto Meyer ~1852: Windel 1948–1964: Rudolf Eickhoff (DP, CDU) 1991–2001: Günter Schlüterbusch (SPD) 2001–2013: Harald Knoop (parteilos) 2013–2021: Dirk Rauschkolb (parteilos)

Wappen 80px|links|Wappen Sulingen Das heutige Wappen geht auf das Wappensiegel Sulingens von 1581 zurück, in dem eine aufwärts gerichtete Bärentatze und ein lateinisches „S“ nebeneinander stehen. Das Wappen trägt eine Mauerkrone. Das heutige Wappen unterscheidet sich von dem früheren nur dadurch, dass es heraldisch berichtigt worden und in seiner Zusammensetzung genau festgelegt ist.

Die genaue Bedeutung des Wappens ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass das von der Stadt Sulingen geführte Wappen mit der heraldisch nach außen gerichteten Bärentatze und dem gebrochen gesetzten Buchstaben „S“ nur ein Ortswappen ist, welches die ehemalige Zuständigkeit der Grafen von Hoya anzeigt, die in ihrem Wappen zwei in sich abgewandte Bärenklauen führen.

Logo 50px|Sullogo|rechts

Das Logo der Stadt Sulingen besteht aus einem gelben und einem roten Halbkreis. Im gelben Halbkreis ist die auswärtsgerichtete Bärenklaue des Stadtwappens angedeutet.

Städtepartnerschaften Sulingen unterhält Partnerschaften mit dem dänischen Galten (seit 1986) und dem litauischen Joniškis (seit 2000).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke Evangelische Nicolaikirche als gotische Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert, abgesehen vom Turm aus Backstein. Die Außenwände wurden jedoch 1875 ersetzt. Alte Superintendentur Sulingen als Bürgerhaus: Fachwerkhaus, früher Superintendentur. 1719 niedergebrannt, 1721 Wiederaufbau, in den 1980er Jahren Sanierung und Umbau zu einem Bürgerhaus, seit 2017 mit einem Café Alte Bürgermeisterei Sulingen, Fachwerkhäuser von 1753; seit 2004 mit Standesamt, Tourismus-Information, Kulturverein und Ort für kulturelle Veranstaltungen (Musik, Kleinkunst, Versammlungen und Tagungen). Raths-Apotheke Sulingen, Fachwerkhaus von 1737, heute Bullenschluck-Manufaktur Gebäude Lindenstraße 9, Fachwerkhaus von 1726, heute Zeitungshaus der ab 1941 von Erich Plenge verlegten Sulinger Kreiszeitung. Im Sulinger Stadtgebiet befinden sich zwei Wassermühlen. Die Mühle am Meierdamm neben dem Göpelhaus wurde 1682 als Teil des Meierhofes erbaut. Ebenfalls im 17. Jahrhundert wurde Lünings Gutsmühle gebaut. Sie wurde 2000 saniert. Es gab bis in die 1950er Jahre auch eine dritte nicht erhaltene Wassermühle außerhalb Sulingens. Am östlichen Stadtrand befindet sich im Ortsteil Labbus die 1851 als Galerieholländer erbaute Windmühle Labbus. Die Mühle war bis 1987 noch kommerziell in Betrieb und ist aktuell die einzige regelmäßig drehende Windmühle im Landkreis Diepholz. Sie wurde 2019–2026 umfangreich restauriert und der letzte Betriebszustand wiederhergestellt. Die Antriebs-, Mahl- und Fördertechnik ist komplett vorhanden und betriebsfähig. Der Mühlenverein Labbus e.V. betreibt die Mühle und öffnet am 4. Sonntag des Monats sowie zu Terminen wie dem Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag sowie dem Tag des offenen Denkmals die Türen für die Öffentlichkeit. Die Mühle wird seit 2010 für standesamtliche Trauungen verwendet. Das ehemalige Sacklager wurde als Veranstaltungsraum umgebaut und wird privat vermietet. Die Windmühle kann auch auf Anfrage besichtigt werden.Webseite des Mühlenvereins Labbus e.V.

Museen mini|Museum am Stadtsee Das Museum am Stadtsee liegt nördlich des Landschafts- und Erholungssees „Stadtsee“ und südwestlich des Sulinger Ortskerns an der Ecke Kurze Heide/Bachholzer Riede. Träger des Museums ist der Heimatverein Sulingen. Präsentiert wird eine Dauerausstellung von einer Küche, einem Schlafzimmer aus dem Jahr 1924, einer Stube, einer Setzerei mit Druckerei sowie einer Schuhmacherwerkstatt. Hinzu kommen wechselnde Ausstellungen mit Schwerpunktthemen.

Stadtarchiv Das Stadtarchiv ist das Verwaltungsarchiv der Stadt Sulingen. Es ist quasi das „Gedächtnis“, in dem die historischen Akten (das Archivgut) der Stadt Sulingen sachgerecht archiviert – gesammelt, sortiert und geordnet – und zur Einsicht für Nutzer vorgehalten werden. So stehen im Stadtarchiv Akten, Karten, Urkunden, Nachlässe und alte Ausgaben der regionalen Zeitungen für forschende Schüler, Studenten, Wissenschaftler und Autoren zur Einsicht zur Verfügung. Untergebracht sind diese Unikate – dieses Kulturguts – im Bürgerhaus Sulingen, Lange Straße 67.Stadtarchiv Sulingen auf der Website der Stadt Sulingen im ANKA-Handbuch Siehe auch Liste der kommunalen Archive im Landkreis Diepholz

Jüdischer Friedhof Der Jüdische Friedhof in Sulingen ist ein Kulturdenkmal. Er ist einer von acht gut erhaltenen jüdischen Friedhöfen im Landkreis Diepholz. Auf dem Friedhof an der Memelstraße befinden sich 30 Grabsteine aus den Jahren 1844 bis 1934 für jüdische Verstorbene.

Kunst im öffentlichen Raum Verstreut stehen unterschiedliche Skulpturen und Objekte von Künstlern aus der Region: Theatermasken aus Terrakotta von Heidrun Kohnert im/am Stadttheater an der Schmelingstraße (1992)