Die Weltausstellung Expo 2010 fand vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010 unter dem Motto Eine bessere Stadt, ein besseres Leben (engl. Better City, Better Life) (englisch); abgerufen am 22. Februar 2024. in der ostchinesischen Metropole Shanghai statt. Es nahmen 242 Aussteller teil, davon 192 Nationen und 50 internationale Organisationen. Mit 73 Millionen Besuchern wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Deutsche Welle, 31. Oktober 2010. Abgerufen am 4. April 2024.

Bei der Expo handelt es sich um eine der vom Bureau International des Expositions (BIE) anerkannten großen internationalen Ausstellungen.

Logo und Maskottchen Das Logo symbolisiert drei Personen, die sich umarmen und eine in Harmonie vereinte Familie bilden. Seine Form erinnert zugleich an das chinesische Schriftzeichen shi , das „Welt“ bedeutet. Das Zeichen geht in die Jahreszahl 2010 über.

Das Maskottchen hat die Form des chinesischen Zeichens ren („Mensch“, ) und trägt den Namen Haibao („Meeres-Schatz“, ). Hai ist gleichzeitig die zweite Silbe des Städtenamens Shanghai.

Haibao wurde vom taiwanesischen Designer Wu Yong-jian entworfen und als offizielles Maskottchen der Expo am 18. Dezember 2007 angenommen. Es wurde aus 26.655 Eingaben eines internationalen Wettbewerbes ausgewählt.

Expo-Gelände mini|Ausstellungsgelände (Modell) Das Expo-Gelände war 5,28 Quadratkilometer groß; abgerufen am 22. Februar 2024. und lag beiderseits des Flusses Huangpu, nur 6 Kilometer südlich des Stadtzentrums. Der geschlossene Bereich, der nur mit einer Eintrittskarte betreten werden durfte, hatte eine Größe von 3,28 Quadratkilometern, davon lagen 2,38 Quadratkilometer in Pudong und 0,9 in Puxi.

18000 Familien wurden zwangsweise in kurzer Zeit umgesiedelt. Der Bürgerrechtler Feng Zhenghu, der einige der Familien vertrat, wurde nach einer Auslandsreise von Juni 2009 bis Februar 2010 an der Wiedereinreise nach China gehindert.Süddeutsche Zeitung, 24. März 2010. Die älteren Industrieanlagen, unter anderem Stahl und Schiffbau, wurden an die Peripherie der Stadt verlegt.

Im August 2006 wurde mit ersten Vorbereitungsarbeiten begonnen; ab Frühjahr 2007 wurden die ersten Ausstellungshallen gebaut.

Expo-Achse mini|Die Expo-Achse Die Hauptattraktion – genannt Expo-Achse – war ein knapp 1000 Meter langer zentraler Boulevard auf dem Pudong-Gelände mit der weltgrößten Membrankonstruktion. Sie wurde von dem Architekturbüro SBA und dem Ingenieurbüro Knippers Helbig (beide aus Stuttgart) gebaut.Shanghai Daily. 31. Dezember 2009.Website der Architekten SBA International. EXPO-AXIS, Eingangsgebäude der Expo 2010. Dieser Expo-Boulevard verbindet miteinander den Haupteingang der Expo, den China-Pavillon, den Themen-Pavillon, das Expo-Center und das Gelände am Huangpu-Fluss. Er war 110 Meter breit, erstreckt sich über zwei Ebenen und hatte eine Baufläche von insgesamt 250.000 Quadratmetern. Diese Achse gehörte zu den fünf Gebäuden, die nach der Expo erhalten bleiben sollten.

Transport und Verkehrsanbindung mini|Ein Elektrobus an einer Haltestelle mit Auflademöglichkeit Für den Transport der erwarteten Millionen Besuchern wurde der öffentliche Personennahverkehr, u. a. mit mehreren neuen U-Bahn-Stationen weiter ausgebaut. Auf dem Gelände stehende alte Industriebauten und traditionelle einfache Wohngebiete, weitgehend ohne Sanitäreinrichtungen, wurden z. T. saniert und integriert.

Zwischen den Geländen in Puxi und Pudong wurden mehrere Fährverbindungen über den Huangpu-Fluss eingerichtet. Für den Verkehr auf dem Expo-Gelände wurden 120 Elektrobusse von Volvo sowie 100 kleinere Elektro-Spezialfahrzeuge NAC der Nanjing Automobile Group mit 4 bis 11 Sitzen eingesetzt. Der Ladevorgang an der Hauptladestelle dauerte 8 Stunden, womit eine Reichweite von 100 Kilometern erreicht wurde. Ferner war der Austausch der Batterien möglich. An den Haltestellen in der Expo-Avenue war ein kurzzeitiges Aufladen bis zu 5 Minuten möglich. Nach der Expo sollten diese Busse in Shanghai zum Einsatz kommen. Ebenso gab es Busse mit Brennstoffzellen. Shanghai Daily vom 15. April 2010.

Ursprünglich war auch eine Verlängerung der Strecke des Transrapid Shanghai über den Flughafen Shanghai-Hongqiao nach Hangzhou geplant, die das Expo-Gelände in Pudong mit dem Shanghai Pudong International Airport verbunden hätte. Demonstrationen und ungeklärte Kosten behinderten jedoch den Ausbau. Im Dezember 2008 bezeichnete der Transrapid-Hersteller Siemens eine termingerechte Umsetzung der Pläne zur Expo 2010 als unrealistisch.

Themenpavillons mini|Themen-Pavillons Bei der Expo 2010 gab es fünf zentrale Themenpavillons, die unterschiedlichen Aspekten städtischer Entwicklung gewidmet waren. Sie trugen die Mottos Urban Footprints, Urban Planet, Urban Dwellers, Urban Beings und Urban Dreams. In: Shanghai Expo Magazine. Ausgabe 6/2009. Abgerufen am 4. April 2024.

Ein Teil der Themenpavillons befand sich in einem Ausstellungsgebäude, das mit 11,5 Hektar Grundfläche der größte Bau in der Geschichte der Weltausstellungen war. Es befand sich an der Expo-Achse, direkt gegenüber vom chinesischen Länderpavillon. Die Gesamtausstellungsfläche des Gebäudes betrug 80.000 m². In der Mitte des Baus lag ein 7000 m² großer Multifunktionsraum mit einer Empfangshalle, die die einzelnen Pavillons miteinander verband. Das von den chinesischen Gastgebern errichtete Gebäude wurde im September 2009 fertiggestellt. Anschließend erfolgte der innere Ausbau. In: Shanghai Expo Magazine. Ausgabe 11/2009. Abgerufen am 4. April 2024.

Urban Footprints Der Urban-Footprints-Pavillon entstand nach einem Konzept des Shanghai-Museums. Er sollte das Wachsen der Städte als zentralen Faktor des Fortschritts in der Geschichte darstellen. Die Ausstellung war in vier Abschnitte unterteilt. In drei Räumen wurde dabei der „Ursprung der Stadt“, die „Städtische Entwicklung“ und die „Weisheit der Städte“ behandelt. Die Eingangshalle mit 3000 m² war der „Idealen Fantasiestadt“ westlicher wie östlicher Ausprägung gewidmet. Die Ausstellung arbeitete einerseits mit Hightech-Installationen, andererseits mit kulturellen Artefakten, die als Leihgaben von internationalen Museen zur Verfügung gestellt wurden. Die Verantwortlichen verstanden ihr Konzept der Darstellung der historischen Entwicklung als „Inspiration für die städtische Entwicklung der Zukunft“. In: Shanghai Expo Magazine. Ausgabe 6/2009. Abgerufen am 4. April 2024.

Urban Planet mini|Am höchsten Punkt der „Road of Crisis“ angekommen, bot sich den Besuchern ein Blick auf den „Blue Planet“; Entwurf des Urban Planet-Pavillon, November 2008

Der Urban Planet-Pavillon befand sich im zentralen Ausstellungsgebäude an der Expo-Achse, gegenüber vom chinesischen Pavillon. Er entstand nach einem Konzept und Plänen der Kommunikationsagentur TRIAD Berlin. Das Unternehmen, das bereits Entwürfe zur Expo 2000 in Hannover und zur Schweizerischen Landesausstellung Expo.02 im Drei-Seen-Land realisierte, konnte sich in einer internationalen Ausschreibung gegen 150 Mitbewerber durchsetzen. Die Realisierung des Pavillons erfolgte unter künstlerischer Bauleitung von TRIAD Berlin in Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern.An Urban Planet. In: Business Forum China. S. 79–80.

Auf 12.000 m² widmete sich der Urban Planet-Pavillon den komplexen Prozessen der Urbanisierung. Nach Darstellung der verantwortlichen Designer verbindet seine Szenografie Ansätze westlicher Darstellungsformen mit Ideen aus der chinesischen Feng-Shui-Tradition. Nach letzterer können dynamische Lebensprozesse in einem harmonischen Miteinander der Elemente Gestalt annehmen, aber auch zerstörerische Kräfte entfalten. Darauf aufbauend thematisierte die Ausstellung in einer zweigliedrigen Struktur den Doppelcharakter der Stadt als einerseits Umweltzerstörer und andererseits Ort für Innovationen und Technologie im Dienste einer umweltverträglichen Zukunft.

Im ersten Teil der Ausstellung visualisierte eine „Road of Crisis“ in fünf Kapiteln das von den Städten ausgehende Zerstörungspotenzial, die Bedrohungen des Ökosystems und den Raubbau an den Ressourcen des Planeten. Eindringlich sollte der Besucher mit der Frage konfrontiert werden, wie er in Zukunft leben will. Die fünf Kapitel folgen der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre: Wasser – Feuer – Metall – Holz – Erde.

Im zweiten Teil der Ausstellung präsentierte eine „Road of Solution“ Lösungsansätze für die globalen Herausforderungen. Best-Practice-Beispiele im nationalen und internationalen Maßstab, technologische Entwicklungen bis hin zu politischen Initiativen und Beschlüssen schilderten die Bandbreite an Möglichkeiten auf dem Weg zu einer ökologischen Transformation und sollten dem einzelnen Besucher Hinweise für ein umweltbewussteres Handeln im Alltag bieten.

Urban Dwellers Das Konzept für den Urban-Dwellers-Pavillon stammte von der Agentur des niederländischen Designers Herman Kossmann. Im Mittelpunkt des Rundgangs standen die Bewohner moderner Städte. Als Leitgedanken sahen die Verantwortlichen die Erkenntnis, dass ein Eingehen auf die Bedürfnisse der Menschen durch Stadtplaner „Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt“ sei. In: Shanghai Expo Magazine. Ausgabe 6/2009. Abgerufen am 4. April 2024.

Exemplarisch wurden in dem Pavillon auf Videoclips die Geschichten von sechs realen Familien erzählt. Die unterschiedlichen Regionen der Welt wurden dabei vertreten durch deren Heimatstädte Paris (Europa), São Paulo (Lateinamerika), Phoenix (Nordamerika), Lijiang (Asien), Melbourne (Ozeanien) und Ouagadougou (Afrika). Die Darstellung der Lebenssituation der sechs Familien erfolgte in fünf Abschnitten, die sich den Themen Wohnen, Arbeit, menschliche Beziehungen, Ausbildung und Gesundheit widmeten.

Urban Beings Bei der Ausschreibung für den Urban-Beings-Pavillon konnte sich ein gemeinsamer Entwurf der chinesischen Akademie der Künste und des Land Design Studio in London durchsetzen. Thematisch wurde das Wachsen der Infrastruktur moderner Städte behandelt. Die Ausstellung präsentierte das komplizierte Geflecht von Verkehr sowie Wasser- und Energieversorgung als Kernbestandteil des städtischen „Organismus“. Der Pavillon entstand im zentralen Ausstellungsgebäude an der Expo-Achse. In: Shanghai Expo Magazine. Ausgabe 6/2009.

Zu den Ausstellungsräumen gehörte ein „Dynamischer Bahnhof“, der architektonisch an die großen Bahnhofshallen vom Anfang des 20. Jahrhunderts erinnerte und in dem unter anderem Züge unterschiedlicher Generationen präsentiert wurden. Auf dem Weg durch die „Ringförmige Pipeline“, einen weiteren Ausstellungsraum, gewannen die Besucher sonst verwehrte Einblicke in die Funktionsweise der unterirdischen Infrastruktur der Städte. In einem Kinosaal mit sieben Leinwänden und einer Projektionsfläche von 1000 m² wurde zudem ein achtminütiger Video-Clip mit spektakulären Bildern gezeigt.

Urban Dreams Für den Urban-Dreams-Pavillon wurde ein Kraftwerk vom Anfang des 20. Jahrhunderts umgebaut. Der Ausstellung, die von der spanischen Agentur Ingeniaqed in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Künstler Bu Hua entworfen wurde, unterlag das Konzept einer Zeitreise in die Zukunft – mit optimistischem Blick auf die Chancen, die moderne Technologie in Verbindung mit Tradition für den Ausbau lebenswerterer Städte boten.

Auf dem Rundgang durch die fünf Ausstellungsräume wurden den Besuchern nachhaltige Ansätze für Lösungen urbaner Probleme betreffs Wohnraum, Verkehr, Energieversorgung und Stadtplanung vorgestellt. Dabei wurde auf Innovationen verwiesen, die in verschiedenen Städten der Welt verwirklicht wurden, darunter Peking, Kōbe, Freiburg im Breisgau, Canberra und San Diego. Höhepunkt eines Besuchs im Urban-Dreams-Pavillon sollte das Betrachten eines Animationsfilms sein, der in der 35 m hohen, zentralen Halle gezeigt wurde und eine farbenprächtige Fantasiewelt präsentierte.

Länderpavillons Chinesischer Pavillon mini|Der China-Pavillon mini|Hong-Kong-Pavillon und Macao-Pavillon