Beschäftigt man sich mit der Geschichte der Rheinlandbesetzung, so kommt der Rolle Frankreichs und seinem Verhältnis zu Deutschland eine Schlüsselstellung zu. Frankreich war die dominierende Macht unter den vier Besatzungsmächten und bestimmte weitgehend die Besatzungspolitik.

Am 1. Dezember 1918 überschritten die alliierten Armeen in breiter Front die Reichsgrenze und rückten in ihre Besatzungszonen ein. Am 5. Dezember erreichten die französischen Truppen Mainz, wo der Oberbefehlshaber der französischen Besatzungsarmee sein Hauptquartier aufschlug. Hier sollte es auch verbleiben bis zum Ende der Rheinlandbesetzung am 30. Juni 1930.

Die 8. Armee, beauftragt mit der Besetzung der Pfalz, bezog ihr Hauptquartier in Landau. Schwerpunkt der Besetzung außerhalb der französischen Zone waren Bonn, Düren, Siegburg und Trier.

Das Verhältnis zwischen den französischen Besatzern und der einheimischen Bevölkerung war von Anfang an sehr gespannt und von gegenseitigem Misstrauen und Vorurteilen gekennzeichnet.

Frankreich wiederum hielt die Forderungen des Versailler Vertrages nicht nur für völlig gerechtfertigt, sondern auch für durchaus erfüllbar. Peinlich genau achtete man auf die Einhaltung sämtlicher Vertragsbestimmungen und reagierte sofort mit Sanktionen, sah man den Vertrag als verletzt an. Als zum Beispiel im März 1920 Reichswehr und Freikorps ins Ruhrgebiet einrückten, um dort die im Anschluss an den Kapp-Putsch ausgebrochenen Arbeiteraufstände niederzuschlagen und dabei die entmilitarisierte Zone längs des rechten Rheinufers verletzten, besetzten französische Truppen als Sanktion den Maingau mit den Städten Frankfurt am Main, Hanau, Homburg und Darmstadt. Erst Mitte Mai 1920 wurden diese Truppen wieder zurückgezogen. Diese Politik der Ausdehnung des Besatzungsgebiets wurde von Frankreich auch in der Folgezeit praktiziert.

Die Besetzung des Ruhrgebiets

Zu einer Zuspitzung der Lage kam es 1921. Auf der Konferenz von Paris (24.–29. Januar 1921) hatten sich die Alliierten endlich auf die Höhe der Reparationszahlungen einigen können. Deutschland sollte 269 Milliarden Goldmark zahlen, verteilt auf 42 Jahresraten und machte ein Gegenangebot, welches von den Alliierten jedoch abgelehnt wurde. Als Sanktion rückten am 7. März 1921 französische, belgische und britische Truppen in Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort ein und stand somit an der Schwelle des Ruhrgebiets. Während man in Deutschland nach wie vor hoffte, durch Verhandlungen eine Minderung der Reparationszahlungen zu erreichen, stellten die Alliierten in London am 5. Mai ein Ultimatum. Das Ultimatum war befristet bis zum 12. Mai 1921, danach sollte die Besetzung beginnen. Frankreich beließ es jedoch nicht bei diesen Drohungen, sondern verlegte zusätzlich mehrere Divisionen aus Frankreich an den Rhein und an die Schwelle des Ruhrgebiets, um für den Einmarsch gerüstet zu sein. Erst nachdem die deutsche Regierung die alliierten Forderungen ohne Vorbehalt akzeptiert hatte, wurden die Divisionen im August 1921 nach Frankreich zurückverlegt. Die Besetzung des Sanktionsgebiets auf dem rechten Rheinufer mit Duisburg und Düsseldorf wurde jedoch als stetige Warnung aufrechterhalten.

Es zeigte sich bald, dass die Deutschen den von der Reparationskommission aufgestellten Londoner Zahlungsplan nicht einhalten konnten. Bereits am 14. Dezember 1921 musste man um Zahlungsaufschub bitten, am 31. Mai 1922 wurde ein weiterer Zahlungsaufschub gewährt. Als die Kommission am 26. Dezember 1922 einen erneuten Rückstand in der Holzlieferung feststellte, lehnten die Alliierten einen weiteren Aufschub gegen die Stimmen Großbritanniens ab. Eine gleiche Verfehlung warf man Deutschland in Bezug auf die Kohlelieferungen vor, worauf die französische Regierung unter Poincaré am 5. Januar 1923 die Besetzung des Ruhrgebiets beschloss. Mit dieser so genannten „Politik der produktiven Pfänder“ sollte die zukünftige Lieferung der Reparationsleistungen unter alliierter Kontrolle sichergestellt werden.

Am 11. Januar 1923 traf in Essen eine aus Franzosen, Belgiern und einigen wenigen Italienern bestehende Ingenieurskommission von etwa 60 Mann ein, um die Lieferkapazität der Ruhrzechen und -fabriken zu überprüfen. Begleitet wurde diese Kommission von fünf französischen Divisionen in Kriegsstärke sowie einer belgischen Division, insgesamt etwa 50.000 Mann. Während die Belgier im Norden des Ruhrgebiets einmarschierten, rückten die Franzosen im Süden vor. Am 12. Januar wurde Gladbeck, Buer, Gelsenkirchen, Wattenscheid, Steele und Werden besetzt, am 14. Januar drang man bis Velbert und Langenberg vor. Am 15. Januar stieß man über Bochum bis Hagen-Vorhalle, Wetter, Witten, Castrop, Herten, Suderwich und Datteln vor, und am 16. Januar bis Dortmund und Lünen.

Die Reichsregierung protestierte sofort entschieden gegen das Vorgehen der Franzosen und Belgier und stellte alle Reparationslieferungen ein. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung des neu besetzten Gebietes, besonders Arbeiter und Beamte, zum passiven Widerstand aufgefordert. In einem Telegramm gab der Reichsminister am 19. Januar die Anweisung, dass die Beamten den Befehlen und Anordnungen der Besatzungsbehörden im Einbruchgebiet nicht nachkommen dürfen.

Nun entbrannte der „Ruhrkampf“ in aller Schärfe und führte zu einer Verhärtung der Fronten auf beiden Seiten. Auf den zunehmenden deutschen Widerstand und die sich häufenden Fälle von Arbeitsverweigerung und Sabotage antworteten die Besatzungsbehörden mit Verhaftungen, Massenausweisungen und Ausdehnung des Besatzungsgebietes. Schon im Januar, nachdem die Amerikaner aus Protest gegen das französische Vorgehen ihre Besatzungszone mit dem Brückenkopf Koblenz geräumt hatten, rückten dort die Franzosen nach und hissten auf dem Ehrenbreitstein die Trikolore.

Am 13. Februar besetzten die Belgier die Häfen Wesel und Emmerich, die Franzosen dehnten ab März ihre Besetzung auf Remscheid und Vohwinkel, Mannheim, Karlsruhe und Darmstadt aus. Auch die Gebiete zwischen den Brückenköpfen von Köln, Koblenz und Mainz wurden besetzt. Auf die zunehmenden Sabotageakte im Bereich des Schienenverkehrs antworteten die Franzosen mit der Androhung der Todesstrafe für alle jene Eisenbahner, die sich der „Transportgefährdung“ schuldig machten. Schließlich kam es auch hier zu Massenausweisungen. Die deutschen Hoffnungen auf den völligen Zusammenbruch des Verkehrs- und Transportwesens und ein französisches Einlenken erfüllten sich jedoch nicht. Den Franzosen und Belgiern gelang es innerhalb kürzester Zeit, mit Hilfe mehrerer Tausend Eisenbahner aus Frankreich und Belgien, den Bahnverkehr im Ruhrgebiet und im Rheinland in eigener Regie zu übernehmen und den eigenen Bedürfnissen entsprechend aufrechtzuerhalten. Leidtragender von Einschränkungen im Bahn- und Postverkehr blieb somit am Ende die Zivilbevölkerung.

Zwischen den besetzten Gebieten und dem freien Reichsgebiet wurde eine Zollgrenze eingeführt.

Besuche über die Grenze hinüber waren nur mit Genehmigung der Besatzungsbehörden möglich. Von April an lief die Grenze gegen das freie Deutschland über Dorsten, dem damaligen Haltern (heute: am See), Datteln, Waltrop nach Lünen, von dort über Scharnhorst nach Brackel, Aplerbeck, Hengstey und Hagen-Vorhalle, um über Volmarstein, Schee, Vohwinkel, Lüttringhausen, Remscheid, Wipperfürth die britische Besatzungszone zu erreichen. Am 12. August 1923 musste die Reichsregierung den passiven Widerstand abbrechen, da die Kosten nicht mehr tragbar waren.

Nachdem sich die Reichsregierung einverstanden erklärt hatte, die Reparationsfrage neu zu regeln und auch die französische Regierung diesem Plan grundsätzlich zugestimmt hatte, trafen vom 16. Juli bis zum 16. August 1924 die Verhandlungspartner zu neuen Besprechungen in London zusammen, um hier eine Reihe von Abkommen auszuhandeln. Im Anschluss daran erklärte sich Frankreich bereit, innerhalb eines Jahres, also bis zum August 1925, das Ruhrgebiet zu räumen. Als erstes Ergebnis fielen Anfang September 1924 die Zollschranken zwischen den besetzten und unbesetzten Teilen Deutschlands. Der freie Waren- und Personenverkehr war somit wiederhergestellt. Bis zum Jahresende wurden auch die Außenbezirke des Ruhrgebiets geräumt und die Besatzungstruppen reduziert. So unterhielten die Franzosen bis zur Räumung Dortmunds im Oktober 1924 nur noch drei Divisionen im Ruhrgebiet, danach nur noch die 3. Division in Bochum und Düsseldorf sowie die 77. Division in Essen. Auch die Einbruchgebiete zwischen den Brückenköpfen wurden bis zum Jahresende geräumt.

Am 31. Juli 1925 hatten die letzten französischen Truppen das Ruhrgebiet verlassen. Am 25. August 1925 räumten Franzosen und Belgier auch das Sanktionsgebiet auf dem rechten Rheinufer mit den Städten Düsseldorf und Duisburg. Damit waren wieder alle Gebiete außerhalb des im Dezember 1918 besetzten Gebiets besatzungsfrei.

Die Räumung des besetzten Rheinlands Laut Versailler Vertrag sollte im Januar 1925 die 1. Zone des Rheinlands mit dem Brückenkopf Köln von den Besatzungstruppen geräumt werden. Genau zu diesem Zeitpunkt kam die Interalliierte Militärkontrollkommission unter französischer Leitung jedoch zu der Erkenntnis, dass Deutschland mit seinen Abrüstungsanstrengungen im Verzug sei. Mit Hinweise auf die Verletzung des Versailler Vertrags wurde die anstehende Räumung trotz heftiger deutscher Proteste verschoben, ohne dass ein neuer Termin genannt wurde. Auf Initiative Stresemanns kam es im Oktober 1925 zur Konferenz von Locarno, auf der Deutschland Frankreich und Belgien die Unverletzlichkeit der Westgrenze sowie die Entmilitarisierung des Rheinlands garantierte, wobei England und Italien als Garantiemächte auftraten. Der Vertrag von Locarno markierte einen Wendepunkt in den deutsch-französischen Beziehungen. Als unmittelbares Ergebnis erfolgte die Räumung der Kölner Besatzungszone; sie begann einen Tag vor der Unterzeichnung der ratifizierten Verträge in London am 1. Dezember 1925 und war Ende Januar 1926 abgeschlossen. hochkant|mini|Französische Fahnenwache 1929 auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz Erhebliche Erleichterungen für das noch besetzte Gebiet folgten bald darauf. Die Besatzungstruppen wurden weiter reduziert, und am 31. Januar 1927 erklärte die Interalliierte Militärkontrollkommission ihre Arbeit in Deutschland für beendet.

Anlässlich der jährlichen Völkerbundstagung in Genf im September 1928 kam Deutschland mit Frankreich, Belgien und Großbritannien überein, über die nun von Deutschland geforderte vorzeitige Räumung der zweiten und dritten Rheinlandzone, Verhandlungen aufzunehmen. Der Young-Plan brachte keine fühlbare Erleichterung der Reparationslasten, wie von Deutschland ursprünglich erhofft, er wurde jedoch angenommen, da Frankreich davon die Räumung des Rheinlands abhängig machte. Auf der ersten Internationalen Konferenz in Den Haag im August 1929, die über den Bericht der Sachverständigen zum Young-Plan zu befinden hatte, erhielt Stresemann vom französischen Außenminister Aristide Briand dann die langersehnte Zusage der völligen Rheinlandräumung. Sie begann mit der Räumung der 2. Besatzungszone um den Brückenkopf Koblenz ab September 1929. Am 30. November 1929 wurde auf dem Ehrenbreitstein die Trikolore niedergeholt, die 2. Zone war damit besatzungsfrei. Bis zum Jahresende verließen auch die letzten noch verbliebenen Kontingente der Briten und Belgier das Rheinland.

Bis zum 30. Juni 1930 räumten die französischen Besatzungstruppen dann auch die letzte Besatzungszone mit dem Brückenkopf Mainz. Damit endete die Zeit der alliierten Rheinlandbesetzung nach knapp 12 Jahren, fünf Jahre früher, als es der Versailler Vertrag bei seinem Inkrafttreten 1920 vorgesehen hatte. Zurück blieb nur das kleine Kontingent der französischen Bahnschutztruppen im Saargebiet. Mit ihrem Abzug im Dezember 1930 endete die Anwesenheit französischer Besatzungstruppen nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Französische Feldpost im Rheinland