miniatur|200px|Rıza Nur in Lausanne Rıza Nur (* 30. August 1879 in Sinop; † 8. September 1942 in Istanbul) war ein türkischer Politiker, Schriftsteller und Mediziner.

Leben 1901 schloss Nur die Medizinschule der Militärakademie in Istanbul ab. Mit dem Sturz des Sultans Abdülhamid II. 1908 ging er in die Politik, kam dann aber in Konflikt mit dem regierenden Komitee für Einheit und Fortschritt und wurde Mitglied der Freiheits- und Einigkeitspartei. Er organisierte 1910 Widerstand gegen die Jungtürken in Albanien und floh daraufhin 1913 ins Exil. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs residierte er in Frankreich, Ägypten und der Schweiz. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Flucht der führenden Köpfe der Jungtürken schloss er sich der nationalen Widerstandsbewegung Mustafa Kemal Atatürks an und wurde 1919 zum Mitglied des Gegenparlaments in Ankara. 1920 wurde er zum Minister für Bildung und Schulwesen ernannt.

Rıza Nur war 1920 ein maßgeblicher Verhandlungsteilnehmer beim Friedensabkommen (Vertrag von Moskau) zwischen der Türkei und der Sowjetunion im Türkischen Befreiungskrieg. 1923 gründete er eine Bibliothek in seiner Heimatstadt Sinop, die heute eine der größten Bibliotheken der Türkei ist und seinen Namen trägt. Er war stellvertretender Leiter der türkischen Delegation bei den Verhandlungen zum Vertrag von Lausanne.

Rıza Nur stand der Politik Mustafa Kemals kritisch gegenüber. So sprach er sich für die Reinstallation des Kalifats, die Instrumentalisierung der religiösen Orden statt des getätigten Verbots, der Rückbesinnung der Stellung der Frau in die häusliche Ebene und einer islamisch-pantürkischen Vereinigung aus. Zwar kein offizielles Mitglied, war er doch Unterstützer der Terakkiperver Cumhuriyet Fırkası. Als in Izmir Pläne für ein Attentat auf Atatürk auftauchten und daraufhin den Führern dieser Oppositionspartei der Prozess gemacht wurde, floh er aus Angst vor Repressalien ins Exil nach Frankreich und von dort nach Ägypten, wo er die Zeitschrift Türk Bilik Revüsü (Turkologische Revue) publizierte. Als Atatürk 1938 starb, kehrte Nur in die Türkei zurück. Bis zu seinem Tod 1942 blieb Nur in Istanbul.

Als umstrittenstes Werk zählen seine im französischen Exil in vier Bänden verfassten Memoiren Hayat ve Hatıratım („Mein Leben und meine Erinnerungen“). Der erste Teil behandelt seine Jugend, letztere Abschnitte beschreiben aus seiner Sicht die Zustände und Beziehungen der damaligen Regierung. Das Werk gilt unter Historikern größtenteils als eine politische Abrechnung und Schmähschrift. So wird die Rolle Inönüs bei den Verhandlungen von Lausanne geschmäht und seine eigene Rolle hervorgehoben. Die von ihm in den Memoiren wiedergegebenen Gespräche sind beim Vergleich mit den veröffentlichten und von ihm unterschriebenen Protokolle nicht aufzufinden und gelten als fabriziert. Als Grund wird sein Zerwürfnis mit den Führern der Republikanischen Volkspartei, die Kränkung durch die Flucht und seine Morphinabhängigkeit angegeben. Neuerdings erfreut es sich unter monarchistischen und islamistischen Geschichtsrevisionisten großer Beliebtheit.Murat Bardakçı: Rıza Nur Balonu, Habertürk, 26. Juli 2013; Aufgerufen am 1. März 2014

Werke Servet-i Şahane ve Hakk-i Millet (Großartiger Reichtum und das Recht der Leute), 1909 Yeni Usulü Hitan (Sünnet) ve Yeni Kıskaç, 1909 Meclis-i Mebusan'dan Fırkalar (Parteien im [osmanischen] Parlament), 1910 Fenni Cerrahi Ortopedi, 1910 Tıbbiye Hayatından, 1911 Cemiyet-i Hafiye (Die geheime Organisation), 1914 Gurbet Dağarcığı, 1919 Türkiye’nin Tarık-ı Selameti Hürriyet ve İtilaf Nasıl Doğdu Nasıl Öldü? (Wie wurden die Freiheit und Allianz geboren und wie starben sie?), 1919 Türk Tarihi (Türkische Geschichte), In 14 Bänden von 1924–1926 Moskova – Sakarya Hatıraları Lozan Hatıraları (Erinnerungen an Lausanne) Oğuzname Destan Denemesi, 1928 Namık Kemal, 1936 Hücumlara Cevaplar (Antworten auf die Angriffe), 1941 Türk Birlik (Zeitschrift) Tanrıdağı (Zeitschrift) Hayat ve Hatıratım (Mein Leben und meine Erinnerungen). İşaret, Istanbul 2004

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Einzelnachweise

Kategorie:Abgeordneter der Großen Nationalversammlung der Türkei Kategorie:Gesundheitsminister (Türkei) Kategorie:Person im Türkischen Befreiungskrieg Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger der İstiklâl Madalyası Kategorie:Person (Sinop) Kategorie:Türke Kategorie:Geboren 1879 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann