Eskom (Eskom Holdings SOC Ltd.) ist ein südafrikanisches Stromversorgungsunternehmen, das 1923 als Electricity Supply Commission (ESCOM) gegründet wurde, es ist auch unter seinem afrikaanssprachigen Namen Elektrisiteitsvoorsieningskommissie (EVKOM) bekannt. Die Gründung wurde 1922 von der südafrikanischen Regierung mit dem Electricity Act (Act No. 42 of 1922LegalB: South Africa National Legislation Index 1922. auf www.legalb.co.za (englisch).) auf eine nationale gesetzliche Grundlage gestellt und am 6. März 1923 in der Government Gazette rückwirkend bekanntgegeben. Das Unternehmen befindet sich zu einhundert Prozent im Staatsbesitz und wird durch das Department of Public Enterprises kontrolliert.
Überblick Das Unternehmen ist der größte Stromerzeuger in Afrika und der siebtgrößte Stromerzeuger weltweit, betrachtet man die installierte Leistung nach Kraftwerken, nach Umsatz der neuntgrößte weltweit. Im Jahr 2007 war Eskom mit über 190 Millionen Tonnen der zweitgrößte CO2-Erzeuger der Welt.
Eskom betreibt mehrere große Kraftwerke, darunter das Kraftwerk Kendal, welches nach Leistung das größte Kohlekraftwerk der Welt war, sowie das Kernkraftwerk Koeberg, das einzige Kernkraftwerk auf dem afrikanischen Kontinent. Außerdem betreibt Eskom die HGÜ Cahora Bassa, eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung zwischen der Staudammanlage Cahora Bassa in Mosambik und dem industriellen Ballungsraum zwischen Johannesburg und Pretoria.
Im November 2016 trat der CEO Brian Molefe wegen seiner Verwicklung in die State-Capture-Affäre mit Wirkung zum Jahresende zurück. Eskom wird vorgeworfen, die politisch und wirtschaftlich einflussreiche Gupta-Familie in illegaler Weise bevorzugt zu haben.Eskom chief resigns over South Africa graft scandal. The Guardian vom 11. November 2016 (englisch), abgerufen am 11. November 2016 Berichten zufolge zahlte Eskom über 40 Millionen Euro an das Gupta-Unternehmen, damit dieses ein Kohlebergwerk erwerben konnte. sowetanlive.co.za vom 4. Februar 2018 (englisch), abgerufen am 4. Februar 2018
Während seiner Rede zur Lage der Nation 2019 kündigte Präsident Cyril Ramaphosa die Aufteilung von Eskom in drei getrennte Einheiten (Erzeugung, Übertragung und Verteilung) an.The Eskom break-up explained: What we know so far fin24.com vom 7. Februar 2019 (englisch), abgerufen am 10. Februar 2019 Im Februar 2019 betrug der Schuldenstand von Eskom rund 419 Milliarden Rand (rund 26 Milliarden Euro); die Schulden wurden als existenzbedrohend angesehen.Eskom being eaten alive now by its own debt. citizen.co.za vom 13. Februar 2019 (englisch), abgerufen am 14. Februar 2019 Finanzminister Tito Mboweni kündigte im selben Monat die Zahlung von 69 Milliarden Rand als Rettungsaktion für das Unternehmen an. Im Juli wurden weitere 59 Milliarden Rand, verteilt über zwei Jahre, zugesagt.Fitch downgrades South Africa credit rating. africanews.com vom 28. Juli 2019 (englisch), abgerufen am 30. Juli 2019
Misswirtschaft und Korruption Am 13. Dezember 2022 wurde auf den damaligen Eskom-Vorstandsvorsitzenden (CEO) Andre de Ruyter innerhalb des Unternehmens ein Mordanschlag in Form einer mit Zyanid und Natriumarsenid vergifteten Tasse Kaffee verübt.Christian Putsch: Zyanid im Kaffee: der mörderische Kampf um Südafrikas Strom. Beitrag der Neuen Zürcher Zeitung vom 9. Januar 2023.David Pilling: Scandal at South Africa’s Eskom: the CEO and the cyanide-laced coffee. Beitrag der Financial Times vom 2. März 2023 (englisch). De Ruyter überlebte den Anschlag, da er rasch in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht wurde. Er trat danach als CEO zurück und veröffentlichte einen Bericht, in dem er Eskom als ein vollständig von kriminellen Organisationen infiltriertes Unternehmen schilderte. Ziel dieser Organisationen sei es, das Unternehmen systematisch auszuplündern. Kriminelle Banden würden in großen Mengen Kohle und Eigentum von Eskom stehlen. Es würden systematisch Sabotageakte verübt, um an lukrative Reparaturaufträge zu kommen. In der Provinz Mpumalanga wären Vertragspartner von Eskom in ihren Autos beschossen worden, weil sie nicht die richtigen Personen bei sich eingestellt hätten. Während seiner Amtszeit als CEO geriet de Ruyter mit dem Energieminister Gwede Mantashe in Konflikt, da dieser den von de Ruyter angestrebten Ausbau erneuerbarer Energien untersagte. Einer der Gründe für diesen geplanten Ausbau war nach de Ruyter der Umstand gewesen, dass es „schwierig sei Wind oder Sonne zu stehlen“. De Ruyter sagte mehrfach vor einem Untersuchungsausschuss des südafrikanischen Parlaments aus und schätzte die durch kriminelle Machenschaften verursachten Verluste von Eskom auf 1 Milliarde Rand pro Monat (etwa 55 Millionen US$). In der Provinz Mpumalanga seien mindestens vier Kartelle aktiv, die in gut organisierter und koordinierter Weise Eskom wirtschaftlich schädigten.
Stromabschaltungen Obwohl Eskom 2005 weitere Kraftwerksplanungen aufnahm, ereigneten sich 2007 erste größere Stromausfälle im Land. Der größte Stromanbieter Afrikas konnte im Frühjahr 2008 nicht genügend Strom generieren. Schuld daran war – laut Diskussionen – die Planung der südafrikanischen Regierung, welche es als nicht wichtig genug erachtet hätte, Eskom früher mit Investitionen zu unterstützen. Weil nicht genug Strom zur Verfügung stand, wurde dieser in verschiedenen Intervallen und landesweiten Zonen rationiert, was von 2007 bis März 2008 zu täglichen Stromausfällen (load shedding) führte.WWF-SA (Hrsg.): Renewable energy: Facts and Futures. The energy future we want. auf www.crses.sun.ac.za (englisch, PDF-Dokument S. 15–16).
Eskom hatte bereits Bergbaubetriebe des Landes dazu verpflichtet, etwa 10 % ihres eigenen Energiebedarfs einzusparen. Der Bergbau könne dann jedoch nicht mehr effektiv arbeiten und ein Einbruch von etwa 20 % der Förderung wurde erwartet, denn 50 % der Energie werden bereits benötigt, um diese Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Der Rest wurde zur Förderung selbst verwendet. Also bedeutet eine Einsparung des Stromverbrauchs von 10 % gleichzeitig eine Einbuße von 20 % der Förderung. Dies war die Schlussfolgerung einer Radiodebatte (Classic-FM, Südafrika) vom 26. Februar 2008. Eine kurzfristige Lösung sei nicht in Sicht und man werde bis etwa 2012 noch Stromversorgungsprobleme haben.
Paradoxerweise hatte Eskom jedoch noch im Januar 2008 einen Vertrag mit den Nachbarländern Botswana und Mosambik geschlossen, um mindestens 1040 MW Energie zu liefern.Environment.co.za: . Posting vom 23. Mai 2010 auf www.environment.co.za (englisch).
Eskom versuchte inzwischen, den Energiemangel mit zusätzlichen Dieselgeneratoren aufzufangen. Das kostete das Unternehmen im Zeitraum 2013/14 schätzungsweise 22,8 Milliarden Rand, was sich auf den Cashflow und den Betrieb des Versorgungsunternehmens nachteilig auswirkte. Im Jahre 2015 kam es im landesweiten Versorgungsnetz erneut zu spürbaren Stromausfällen. Auch in den Folgejahren kam es regelmäßig zu Stromabschaltungen, darunter 2015, 2017Eskom: What is load shedding? (Beschreibung des load shedding). auf www.loadshedding.eskom.co.za (englisch), abgerufen am 24. Juni 2017., 2018,Warum die massiven Blackouts für Südafrika verheerend wirken können. handelsblatt.com vom 17. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018. und 2019 Reuters.com vom 10. Februar 2019 (englisch), abgerufen am 10. Februar 2019. und 2020.Eskom drops load shedding to stage 1 until 11 p.m. on Friday. auf www.iol.co.za vom 10. Januar 2020 (englisch), abgerufen am 10. Januar 2020. Der Zyklon Idai im März 2019 versetzte die landesweit bereits angespannte Situation der Energieversorgung Südafrikas in eine sehr bedrohliche Lage. Durch die sturmbedingte Betriebsunterbrechung der HGÜ Cahora Bassa entfiel ein wichtiges Einspeisevolumen in das südafrikanische Netz, das auf 1150 Megawatt beziffert wurde.Sabelo Skiti, Thanduxolo Jika: A suspect contract blew the fuse. Meldung des Mail & Guardian vom 22. März 2019 auf www.mg.co.za (englisch). Die Eskom rief ihre Kunden zu äußerster Sparsamkeit im Elektroenergieverbrauch auf; es kam infolge des abrupten Abfalls der verfügbaren Energiemenge zu einer Lastabwurf-Krise (load shedding). Andrew Etzinger, Eskom-Chef für Energieerzeugung, erklärte dazu, dass mit der ausgerufenen Phase 4, von zuvor Phase 2, die Notwendigkeit eines Lastabwurfes eingetreten sei und das nun erreichte Stadium die letzte Möglichkeit zur Steuerung der landesweiten Energieversorgungskrise wäre. Es drohe unter diesen Umständen der Zusammenbruch des nationalen Versorgungsnetzes und dass deshalb jederzeit ohne Vorwarnung regionale Stromausfälle gezielt eingeleitet werden können. In Südafrika war eine so kritische Situation seit 2008 nicht mehr eingetreten.Robinson Nqola: Mozambique cyclone to blame for stage 4 load shedding, says Eskom. Meldung von Eyewitness News (EWN) vom 16. März 2019 auf www.ewn.co.za (englisch).Antoinette Slabbert, Landi Slatter: Eskom blames Cyclone Idai for SA’s power outages. Meldung von City Press vom 17. März 2019 auf www.city-press.news24.com (englisch). Im Jahr 2022 gab es an 200 Tagen im Jahr Stromausfälle, darunter auch an Neujahr. Die Probleme von Eskom und die Besorgnis erregenden Schwierigkeiten des Unternehmens, eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, beeinträchtigten die gesamte Wirtschaft Südafrikas. Für das Jahr 2023 wurde geschätzt, dass die Stromausfälle das Land etwa 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum kosteten.
Kraftwerke Steinkohle mini|Kraftwerk Arnot mini|Kraftwerk Kendal mini|Kraftwerk Matimba
Name erbaut Generatoren MW (nominal) Brutto MW Netto MW Dampfdruck in MPa Dampftemperatur in °C Kraftwerk Arnot3 1975 6 350 2100 1980 15,9 510 Kraftwerk Camden4 1969 8 200 1600 15202 10.3 538 Kraftwerk Duvha3 1984 6 600 3600 3450 16,1 535 Kraftwerk Grootvlei4 1977 6 200 1200 11302 10.3 538 Kraftwerk Hendrina3 1977 10 200 2000 18951 10.3 538 Kraftwerk Kendal3, 5 1993 6 686 4116 3840 16.1 535 Kraftwerk Komati4 1966 54 100125 500500 8912 8.4 510 Kraftwerk Kriel3 1979 6 500 3000 2850 16,0 510 Kraftwerk Lethabo3 1990 6 618 3708 3558 16,1 535 Kraftwerk Majuba 2001 33 657713 19712139 3843 Kraftwerk Matimba3,5 1981 6 665 3990 3690 16,1 535 Kraftwerk Matla3 1983 6 600 3600 3450 16,1 535 Kraftwerk Medupi 2007–2021 6 800 4764 4560 Kraftwerk Tutuka3 1990 6 609 3654 3510 16,1 535
Im größten Kohlekraftwerk des Landes – Medupi – geschah eine Woche nach Inbetriebnahme am 9. August 2021 eine Explosion, woraufhin es abgeschaltet wurde.Explosion in Südafrikas größtem Kohlekraftwerk orf.at, 9. August 2021, abgerufen am 9. August 2021.
Kernkraftwerk mini|Kernkraftwerk Koeberg
Name erbaut Blöcke MW (nominal) pro Block Brutto MW Netto MW Kernkraftwerk Koeberg3 1985 2 965 1930 18001
Wasserkraftwerke mini|Gariep Dam Name erbaut Generatoren MW (nominal) Brutto MW Netto MW Gariep7 1976 4 90 360 360 Vanderkloof7 1977 2 120 240 240 Colly Wobbles 3 14 42 42 First Falls 2 3 6 6 Ncora 21 0.41.3 11 2 Second Falls 2 5.5 11 11
Speicherkraftwerke Name erbaut Generatoren MW (nominal) Brutto MW Netto MW Drakensberg 1982 4 250 1000 1000 Palmiet 1988 2 200 400 400 Ingula 2016–2018 4 333 1332 1332
Gasturbinen Name erbaut Generatoren MW (nominal) Brutto MW Netto MW Acacia 1976 3 57 171 171 Port Rex 1976 3 57 171 171 Gourikwa 2007 3 148 444 ? Gourikwa 2008 2 148 296 ? Kraftwerk Ankerlig 2006 9 ≈150 1338 ?
Windkraft Name erbaut Generatoren MW (nominal) Brutto MW Netto MW Status Klipheuwel 2003 3 0.66–1.75 3.2 3.2 experimentell Sere WindfarmSere Windfarm Project eskom.co.za, 2014, abgerufen am 10. August 2021. 2014–2015 46 2,3 100 100
Geplante Kraftwerke mini|Kraftwerk Kusile