hochkant|mini|Blick aus der Altstadt auf den Hexenturm

Idstein [] ist eine Stadt im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis. Sie liegt im Taunus, nördlich der Landeshauptstadt Wiesbaden, und erfüllt nach hessischer Landesplanung die Funktion eines Mittelzentrums.

Idstein trägt seit dem 18. Oktober 2016 die amtliche Zusatzbezeichnung Hochschulstadt, in Bezug auf den hiesigen Hauptsitz der privaten Hochschule Fresenius. – „Zusatzbezeichnungen“ werden durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport nach § 13 Abs. 2 HGO verliehen. In: hessen.de, abgerufen am 2. November 2016.

Geographie Geographische Lage Die Altstadt befindet sich zwischen den beiden Stadtbächen, dem Wolfsbach im Osten und dem Wörsbach im Westen, in einer Höhe von rund 280 Metern über dem Meeresspiegel auf einem Höhenrücken. Den schließt im Norden der Altstadt der Burg- und der Schlossfelsen ab, hinter dem beide Bäche zusammenlaufen. Am Wolfsbach sind noch heute Reste der gleichnamigen Siedlung zu erkennen, die jedoch aufgegeben wurde. Das Hofgut Gassenbach im Süden der Stadt geht auf eine alte Siedlung Gassenbach zurück; es gehört seit wenigen Jahren zur Domäne Mechtildshausen.

Westlich der Stadt liegt jenseits des Wörsbachtals ein weiterer Höhenrücken von der Hohen Kanzel (592 m) über den Roßberg (426 m) und den Rügert (402 m) zum Rosenkippel (379 m), südlich bildet der Galgenberg (348 m) einen weiteren Höhenzug bis zur Dasbacher Haide. Etwas unterhalb der westlichen Höhe laufen die Bundesautobahn 3 sowie die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main (im Idsteintunnel) an dem Hang entlang.

Auf der anderen Seite des Rügerts sind die Ortsteile Oberauroff und Niederauroff im Tal des Auroffer Baches.

Nördlich von Idstein geht das Wörsbachtal in den Goldenen Grund über, fruchtbares Ackerland, das sich bis zum Lahntal erstreckt.

Klima Der Jahresniederschlag liegt bei 724 mm und ist damit vergleichsweise normal, da er in das mittlere Zehntel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 45 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,6-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 4 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

mini|Niederschlagsdiagramm mini|Torblick auf die Innenstadt

Nachbargemeinden Idstein grenzt im Norden an die Stadt Bad Camberg (Landkreis Limburg-Weilburg) und die Gemeinde Waldems (Rheingau-Taunus-Kreis), im Osten an die Gemeinde Glashütten (Hochtaunuskreis), im Südosten an die Stadt Eppstein (Main-Taunus-Kreis), im Süden an die Gemeinde Niedernhausen, im Südwesten an die Stadt Taunusstein sowie im Westen an die Gemeinde Hünstetten (alle drei im Rheingau-Taunus-Kreis).

Stadtgliederung Die Stadt besteht aus der Kernstadt sowie elf weiteren Stadtteilen:

Stadtteil Einwohner(Haupt- und Nebenwohnsitze) Idstein (Kern) 17.586 Dasbach 321 Ehrenbach 290 Eschenhahn 705 Heftrich 1.568 Kröftel 556 Lenzhahn 242 Niederauroff 389 Nieder-Oberrod 548 Oberauroff 333 Walsdorf 1.413 Wörsdorf 3.673 Gesamt 27.624(Haupt- und Nebenwohnsitze)

Bis zum Jahr 1977 gehörte Idstein zum Untertaunuskreis (Kreisstadt Bad Schwalbach), der im Zuge der hessischen Kreisreform mit dem Rheingaukreis zum Rheingau-Taunus-Kreis zusammengelegt wurde. Mit Einwohnern () ist Idstein die zweitgrößte Stadt im Rheingau-Taunus-Kreis.

Geschichte mini|Idstein – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Idstein auf einem Stahlstich von 1835

Übersicht Von der frühen Besiedlung des Idsteiner Landes zeugen sowohl die Ringwallanlage Nack als auch der Burgstall der Burg Holdersberg. Beide Anlagen werden durch Experten ins Frühmittelalter datiert.

Idstein selbst wurde im Jahr 1102 erstmals urkundlich als „Etichenstein“ erwähnt und erhielt im Jahr 1287 von Rudolf von Habsburg die Stadtrechte. Neben dem Hexenturm im Bereich der alten Nassauer Burg besitzt die Stadt einen mittelalterlichen Stadtkern mit vielen Fachwerkbauten. Das älteste erhaltene Wohnhaus stammt von 1410. Die südöstlich gelegene Wüstung Klöppelshof wurde 1677 erstmals erwähnt.

Von der urkundlichen Ersterwähnung bis zum Jahr 1721 war Idstein mit Unterbrechungen Residenz der Grafen von Nassau-Idstein und anderer nassauischer Linien. Der Besitz der Nassauer wurde mehrfach unter den Erben aufgeteilt und nach dem Aussterben einzelner Linien wieder zusammengeführt; so gab es von 1480 bis 1509 eine ältere Linie Nassau-Idstein, später wieder mit Nassau-Wiesbaden und Nassau-Weilburg zusammengeführt, und von 1629 bis 1721 eine jüngere Linie Nassau-Idstein.

Erwähnung im Mittelalter fanden die östlich gelegene Wüstung Stauersbach sowie Zuschenbach im Norden.

Im 17. Jahrhundert war Idstein Schauplatz von Hexenprozessen unter dem protestantischen Grafen Johannes von Nassau und Idstein (1603–1677). Zu den 39 Getöteten gehörten die Sonnenberger Pfarrersfrau Elisabeth Hoffmann und Cäcilie Zeitlose Wicht, Frau des Pfarrers Johannes Wicht aus Heftrich. In: nassau-info.de, abgerufen am 14. Februar 2020.Gilla Flothmann, Hilke Müller, Ilse Schollmeyer, Maria Stottefaut: Den Hexen auf der Spur… Über Hexenprozesse am Beispiel Idstein 1676. Verlag Hexenbuchladen, Idstein 1986, ISBN 3-926305-00-2. Die Opfer der Hexenverfolgungen in Idstein wurden erst 2014 durch das Stadtparlament einstimmig moralisch-sozialethisch rehabilitiert.Ingrid Nicolai: In: wiesbadener-tagblatt.de. 8. November 2014, abgerufen am 2. Februar 2017.

Im Jahr 1721 fiel Idstein an Nassau-Ottweiler, 1728 an Nassau-Usingen. Es verlor so seinen Status als Residenzstadt, wurde aber Sitz des nassauischen Archivs und eines Oberamts (siehe Amt Idstein).

Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Residenzschloss wird von der Pestalozzischule als Schulgebäude genutzt, ergänzt durch zwei Neubauten unterhalb des Schlosses. mini|Innenstadt von Idstein 1960

Ab Herbst 1806 war die Stadt Idstein Teil des Herzogtums Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde. Vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Idstein Standort einer bedeutenden Lederindustrie. Während des Zweiten Weltkriegs waren in den Lederfabriken viele Zwangsarbeiterinnen eingesetzt. 1959 wurde die dominierende Fabrik inmitten der Innenstadt aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. 1956 hatte ein verheerendes Hochwasser die Fabrik überschwemmt. Das Gelände direkt am Rand der Altstadt blieb lange unbebaut und wurde bis in die 1980er Jahre als Parkplatz genutzt. Heute stehen dort neue Geschäfts- und Apartmenthäuser um den Löherplatz, der zugleich die Funktion eines Marktplatzes übernommen hat. Im Ortsteil Ehrenbach ist eine Lederfabrik übrig geblieben. Im 19. Jahrhundert wurden in Idstein beim Spritzenfabrikanten E. Roth Feuerspritzen hergestellt, welche insbesondere im nassauischen Gebiet eingesetzt wurden.

Die Heilerziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein war in das nationalsozialistische „Euthanasie“-Programm einbezogen: Bei der Aktion T4 diente der Kalmenhof als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar. Nach dem Ende der Vergasungen in Hadamar aufgrund öffentlicher Proteste vor allem aus den Kirchen wurde am Kalmenhof im Zuge der Aktion Brandt selbst gemordet; die Patienten wurden hier durch unter anderem Medikamentenvergiftungen getötet. Die genauen Opferzahlen sind bis heute unbekannt, Schätzungen belaufen sich auf etwa 1000 Tote. Maßgebliche Verantwortung hatte hier die Ärztin Mathilde Muthig (auch als Mathilde Weber bekannt).

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge in Idstein verwüstet. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945) verzeichnet namentlich 20 jüdische Einwohner Idsteins, die deportiert und größtenteils ermordet wurden.Gedenkbuch. Suche im Namenverzeichnis. Suchen nach: Idstein – Wohnort. In: bundesarchiv.de, abgerufen am 19. Februar 2021. Am 14. November 2014 wurden die ersten sieben Stolpersteine zu ihrer Erinnerung in Idstein verlegt.

Auch aus den 1950er und 1960er Jahren sind mittlerweile Berichte über Misshandlungen von schutzbefohlenen Jugendlichen am Kalmenhof bekannt geworden.. Zusammengestellt vom 28. Mai bis 3. Juni 2004. In: vaeter-aktuell.papaserver.de, abgerufen am 2. Februar 2017.

Im Juni 2002 fand der 42. Hessentag in Idstein statt. Im Zuge dessen entstand die Idee einer engeren kommunalen Zusammenarbeit der Stadt Idstein mit den Gemeinden Hünstetten, Niedernhausen und Waldems. Unter der Bezeichnung Idsteiner Land werden seitdem Kooperationen in unterschiedlichen Bereichen durchgeführt.

Im November 2015 wurde Idstein der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Zur Bedeutung Idsteins in der Reformationsgeschichte siehe den Abschnitt Unionskirche und das Stadtporträt des Projekts Reformationsstädte Europas: Reformationsstadt Idstein. Deutschland. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 18. Juni 2016.

Idstein wird den Hessentag im Jahre 2027 erneut ausrichten. Somit kommt 25 Jahre nach dem ersten Hessentag in Idstein das größte hessische Volksfest in die Stadt im Taunus zurück.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ehrenbach, Eschenhahn und Niederauroff freiwillig eingegliedert. Am 1. Oktober 1971 kamen Dasbach, Walsdorf und Wörsdorf hinzu. Heftrich, Kröftel und Nieder-Oberrod folgten am 31. Dezember 1971. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Lenzhahn am 1. Juli 1972 und Oberauroff kraft Landesgesetz am 1. Januar 1977 abgeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.

Staats- und Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Idstein angehörte:

vor 1721: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Idstein, Amt Idstein ab 1721: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Ottweiler, Amt Idstein ab 1728: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Idstein 1787: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt oder Herrschaft Idstein ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Idstein 1812: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Amt Idstein ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Idstein ab 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisamt Langen-SchwalbachJustizamt Idstein bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Justiz- und Verwaltungsamt Idstein ab 1867/68: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, UntertaunuskreisTrennung von Justiz (Amtsgericht Idstein) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Untertaunuskreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Untertaunuskreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingau-Taunus-Kreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Idstein 23.271 Einwohner. Darunter waren 2503 (10,8 %) Ausländer, von denen 957 aus dem EU-Ausland, 1037 aus anderen europäischen Ländern und 509 aus anderen Staaten kamen.