Zwiesel ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Regen und seit 1972 ein staatlich anerkannter Luftkurort.
Die Stadt im Bayerischen Wald ist bekannt für die Glasindustrie (Zwiesel Kristallglas AG), Kristallmanufakturen (Theresienthal) und die Glasfachschule. Zwiesel nennt sich aus diesem Grund auch „die Glasstadt“. In dem Ort befinden sich zahlreiche weitere Glasherstellungs- und Glasveredelungsbetriebe.
Der Wahlspruch der Stadt lautet: „Fein Glas, gut Holz sind Zwiesels Stolz“.
Geografie mini|Zwiesel mit der Pfarrkirche St. Nikolaus Geografische Lage Zwiesel liegt am Zusammenfluss von Großem und Kleinem zum Schwarzen Regen. In einem weitläufigen Talkessel sind die Berge des Hinteren Bayerischen Waldes: Großer Arber, 1456 m; Großer Falkenstein, 1315 m; und Kiesruck, 1265 m. Die Kreisstadt Regen liegt etwa zehn Kilometer südwestlich, Deggendorf 35 Kilometer südwestlich, Grafenau befindet sich 30 Kilometer südöstlich, sowie 15 Kilometer vom Grenzübergang zu Tschechien in Bayerisch Eisenstein entfernt.
Zwiesel verfügt neben der Straßenanbindung über die B 11 auch über einen Knotenbahnhof der Bayerischen Waldbahn mit Verbindungen im Stundentakt nach Plattling, Bayerisch Eisenstein, Bodenmais und Grafenau.
Gemeindegliederung Zwiesel hat elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Mineralogie Zwiesel verfügt über mannigfaltige mineralogische Aufschlüsse, die mit ihrem Quarzreichtum vor allem den Glas verarbeitenden Betrieben zugutekamen. Die bekannteste dieser Abbaustätten ist wohl der Quarzbruch am Hennenkobel (Hühnerkobel), wo viele seltene und begehrte Minerale zu Tage getreten sind wie unter anderem die hier zuerst entdeckten Minerale Phosphoferrit, Triphylin und Xanthoxenit, aber auch „edle“ Minerale wie Beryll, der zu den Granaten gehörende Spessartin und verschiedene Turmaline.Typlokalität Hennenkobel (Hühnerkobel) nahe Zwiesel beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 10. Oktober 2024.
Das zuerst in der ehemaligen Grube Birkhöhe entdeckte Mineral Zwieselit wurde nach der Glasstadt benannt.
Geschichte mini|Das 1838 errichtete Rathaus mini|Der Stadtplatz Etymologie Der Stadtname wurde 1254 als „Zwisel“, bald nach 1301 als „Zwiseln“, 1738 als „Zwisl“ und 1832 als „Zwiesel“ und „Zwisel“ erwähnt. Das mittelhochdeutsche Wort zwisel bedeutet Gabel (siehe auch: Zwiesel (Botanik)); hier ist die Vereinigung des Großen und des Kleinen Regens sowie die zweier Straßen gemeint.Wolf-Armin Frhr. von Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Verlag C.H. Beck, München 1991, ISBN 3-406-35330-4.
Bis zum 19. Jahrhundert Die ersten Siedler waren der Sage nach Goldwäscher. Erstmals wurde Zwiesel 1255 als Dorf mit einer hölzernen Kapelle erwähnt. 1280 war der Ort ein wichtiger Umschlagplatz nach Böhmen. Ab 1313 wurde Zwiesel bereits als Markt bezeichnet. Am 11. September 1560 wurde dem Markt von Herzog Albrecht V. von Bayern das heute noch aktuelle Wappen verliehen. Philipp Apian bezeichnete ihn auf seiner Landkarte von 1568 als „Zwisel“.
Die Entwicklung Zwiesels wurde immer wieder von Brandkatastrophen, Kriegen und Seuchen behindert. So wurde der Ort 1431 von den Hussiten, 1468 im Böcklerkrieg und 1633 im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden angegriffen. 1741 fielen die Panduren ein und 1809 gab es eine große Schlacht am Landwehrbergl mit einer Horde böhmischer Plünderer.
Bereits im 16. Jahrhundert wurde in Zwiesel Bergbau im Bergwerk Rotkot betrieben.
1767 wurde die Bergkirche errichtet und 1838 das jetzige Rathaus erbaut. 1825, 1832, 1846, 1849 und 1870 wüteten schwere Marktbrände. Beim letzten Brand am 19. August 1876 ging auch die Pfarrkirche in Flammen auf. Die Wasserleitung kam 1888, das elektrische Licht 1896. In den Jahren 1891 bis 1896 wurde die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus erbaut. Von Beginn an waren Glas und Holz die bestimmenden Faktoren in der weiteren Entwicklung. Die Glasindustrie im Zwieseler Winkel geht bis ins 15. Jahrhundert (Rabenstein 1421) zurück. 1836 wurde die Krystallglasfabrik Theresienthal gegründet und 1872 begann der Glasmeister Anton Müller den Bau der Glashütte Annathal, der späteren Schott-Werke, die nun als Zwiesel Kristallglas AG firmieren und ein bedeutender Kelchglasproduzent Deutschlands sind.
20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1904 wurde die Glasfachschule gegründet, die in der Folge zum Staatlichen Bildungszentrum für Glas avancierte. Im selben Jahr wurde Zwiesel zur Stadt erhoben und stieg rasch zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Mittleren Bayerischen Waldes auf.
1919 ließ der monarchistische Bürgermeister Röckl eine Angliederung Zwiesels und des restlichen bayrischen Waldes an Böhmen prüfen. Tatsächlich kam es zu dieser Zeit zu mehreren Unabhängigkeitsbestrebungen im ganzen Deutschen Reich. Er stieß bei den umliegenden Gemeinden und in seiner eigenen Stadt auf mehrheitliche Ablehnung. Im Verlauf der Affäre musste er sein Amt an den Demokraten Janka abgeben. Für seine weiteren Verdienste, nach Amtsende, um seine Heimatstadt wurde er 1925 zum Ehrenbürger erhoben.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 20. April 1945 mittags um 12 Uhr, wurden bei einem Bombenangriff der Royal Air Force auf die Eisenbahnbrücken mehrere Häuser zerstört, 15 Zivilisten kamen dabei ums Leben. Am 22. April kapitulierte Zwiesel gegen die Amerikaner kampflos.
Ein herausragendes Ereignis in der jüngsten Geschichte der Stadt war die Bayerische Landesausstellung 2007 Bayern – Böhmen: 1500 Jahre Nachbarschaft. Viele Besucher der Ausstellung kamen auch aus der benachbarten Tschechischen Republik.
Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde am 1. Oktober 1971 die Gemeinde Klautzenbach eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kam der größere Teil der Gemeinde Rabenstein hinzu. Die 1250 Hektar umfassende Gemeinde Bärnzell kam am 1. Mai 1978 mit 652 Einwohnern zu Zwiesel.
Religionen mini|Katholische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus mini|Die evangelische Kreuzkirche
Katholisch Schon im Jahre 1356 hatte der Ort einen eigenen Seelsorger, der als Vikar dem Pfarrer von Regen unterstand. 1558 wurde die Expositur Zwiesel zur Pfarrei erhoben. Seit 1962 befindet sich hier das Kloster Maria Trost der Augustiner (OSA), das von sudetendeutschen Mönchen gegründet wurde und zum Vikariat Wien gehört. Im 20. Jahrhundert wirkten in Zwiesel Englische Fräulein und Arme Franziskanerinnen von der Heiligen Familie. Seit 2004 besteht der Pfarrverband Zwiesel-Ludwigsthal. Evangelisch Nach dem bayerischen Religionsedikt von 1803 des Kurfürsten Maximilian ließen sich in Zwiesel evangelische Christen nieder. 1885 wurde der Evangelische Verein Zwiesel gegründet, der erreichte, dass Zwiesel 1889 Sitz einer Reisepredigerstelle wurde. Am 29. Mai 1895 konnte die neugotische Kirche in der Bahnhofstraße (heute Dr.-Schott-Straße) eingeweiht werden. 1922 erfolgte die Erhebung zur Pfarrei. Neuapostolisch Eine neuapostolische Gemeinde hat sich in Zwiesel ebenfalls niedergelassen. Sie besitzt in der Stadt eine eigene Kirche.
Einwohnerentwicklung Zwiesel bis zur Gemeindegebietsreform
Volkszählung Einwohner Wohngebäude Quelle 1. Dezember 1840 1681 1. Dezember 1871 2537 306 1. Dezember 1900 3776 338 16. Juni 1925 4732 402 17. Mai 1939 5885 13. September 1950 8347 724 6. Juni 1961 8068 1085 Einwohnerentwicklung auf dem heutigen Gebiet der Stadt Zwiesel Der bisherige Einwohnerhöchststand war im Jahr 1984 mit 10.670 Personen zu verzeichnen.
Volkszählung bzw. Zensus Einwohner 1. Dezember 1840 2.545 1. Dezember 1871 3.487 1. Dezember 1900 5.059 16. Juni 1925 6.053 17. Mai 1939 7.388 13. September 1950 10.274 6. Juni 1961 9.811 27. Mai 1970 10.179 25. Mai 1987 10.128 9. Mai 2011 9.404 15. Mai 2022 9.146 Jahr(31. Dezember) Einwohner 1970 10.205 1975 10.181 1980 10.283 1985 10.647 1990 10.452 1995 10.513 2000 10.444 2005 10.193 2010 9.732 2015 9.407 2020 9.179 Jahr(31. Dezember) Einwohner 2025 9.078
Politik Stadtrat Der Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 8. März 2026 wie folgt zusammen: CSU: 7 Sitze Freie Wähler FW: 3 Sitze SPD/Bürgerliste Zwiesel: 5 Sitze Grüne: 2 Sitze PWG Zwiesel: 3 Sitze
Bürgermeister Berufsmäßiger Erster Bürgermeister ist Karl-Heinz Eppinger (SPD). Er ist seit 23. Februar 2023 im Amt. Am 11. Dezember 2022 wurde er bei einer Stichwahl mit der Künstlerin und FDP-Kreisrätin Gloria Gray gewählt.
Sein Vorgänger Franz Xaver Steininger (parteilos), der seit Februar 2012 im Amt war, war am 9. April 2021 mit sofortiger Wirkung suspendiert worden. Ein inzwischen rechtskräftiges Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg aus dem Juli 2025 erklärte diese Zwangsversetzung in den Ruhestand für rechtswidrig.
Wappen
Städtepartnerschaften Seit Mai 2006 besteht eine Städtepartnerschaft mit der etwa 800 Kilometer entfernten Seehafenstadt Brake (Unterweser) in Niedersachsen.
Kunst, Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Evangelisch-lutherische Pfarrkirche: Saalkirche mit Steildach und eingezogenem, fünfseitig geschlossenem Chor, Flankenturm mit Spitzhelm und Eckbaldachinen, neugotisch, 1894–95. Stadtpfarrkirche St. Nikolaus: dreischiffiger, neugotischer Backsteinbau, erbaut 1892 bis 1896, mit einem 86 Meter hohen Turm, wird als Dom des Bayerischen Waldes bezeichnet Katholische Bergkirche Maria Namen: Rokokokirche, erbaut 1767, mit Deckengemälden von Franz Anton Rauscher (1731–1777)
mini|Die Kristallglas-Pyramide Kristallglaspyramide: Das Rekord-Bauwerk der Zwiesel Kristallglas AG ist über acht Meter hoch und besteht aus über 93.000 Weingläsern. Auf dem Stadtplatz steht die 1767 errichtete Bildsäule des Johannes von Nepomuk, der von St. Sebastian und St. Florian flankiert wird. Das Rathaus ist ein klassizistisches Gebäude aus dem Jahr 1838. Am unteren Ende des Stadtplatzes befindet sich der Schott-Brunnen, ein Geschenk der Schott Zwiesel AG aus dem Jahr 1975. 1998 wurde der Stadtplatz als Fußgängerzone ausgewiesen, was jedoch ein Bürgerentscheid 1999 wieder aufhob.
mini|Unterirdische Gänge Unterirdische Gänge Zwiesel: ein bis ins Hochmittelalter zurückdatierbares Tunnel-System im Umfeld des Zwieseler Burgstalls. Erschlossen für den Besucherverkehr. Wechselnde Kunstausstellungen.
Museen Waldmuseum Zwiesel: Im ehemaligen Mädchenschulhaus am Kirchplatz 3 werden etwa 8000 Exponate aus den Bereichen Wald, Holz, Glas und Heimat gezeigt. In großräumigen Dioramen ist die Tier- und Pflanzenwelt des Waldes dargestellt. Eine Pilzlehrschau rundet das Waldbild ab. Ausgestellt ist auch das gesamte Inventar der Stadtapotheke aus dem Jahr 1870. Im Waldmuseum wird auch der künstlerische Nachlass des niederbayerischen Komponisten Erhard Kutschenreuter aufbewahrt und der Heimatforscher und Volkssänger Paul Friedl gewürdigt. Glasmuseum Theresienthal: In einem ehemaligen Herrenschloss der Familie Poschinger befindet sich eine Sammlung von Gläsern, die zwischen 1800 und 1930 hergestellt wurden. Zu sehen sind Glasobjekte der Kristallmanufaktur Theresienthal, die im 19. Jahrhundert an vielen europäischen Höfen zu bewundern waren. Dampfbier-Museum der 1. Dampfbierbrauerei Zwiesel: Die Brauerei der Familie Pfeffer ist bekannt für das sogenannte Dampfbier. Die historische Erlebnisbraustätte des Betriebs gibt Einblicke in die Brauereigeschichte(n) zwischen Tradition und Moderne. Das Spielzeug-Museum wurde im Mai 1988 eröffnet und zeigte, verteilt auf sechs Ausstellungsräume, in über 45 Vitrinen Spielzeug aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das Museum wurde am 10. Februar 2008 geschlossen.
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