mini|Claus Schenk Graf von Stauffenbergrahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Claus Schenk Graf von Stauffenberg Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg (* 15. November 1907 auf Schloss Jettingen, Jettingen; † 20. Juli 1944 in Berlin) war ein deutscher Berufsoffizier der Wehrmacht und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Stauffenberg begrüßte zwar 1933 die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, eine innere Distanz zu Hitler und dem NS-Regime blieb jedoch. Er ist nie der NSDAP beigetreten. Entgegen der allgemeinen Euphorie unter den neuen politischen Verhältnissen verstärkte sich seine kritische und misstrauische Haltung im Laufe der Jahre, die schließlich ab 1942 in größere Zweifel an der Kriegsführung umschlug, welche er auch versteckt äußerte. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs erkannte er die Sinnlosigkeit des fortwährenden Angriffskrieges und den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Diktatur. Angesichts der militärischen Gesamtlage ab 1942, der hohen Verluste der Wehrmacht und der verübten NS-Verbrechen entschloss sich Stauffenberg in dieser Zeit zur aktiven Teilnahme am Widerstand. Er entwickelte sich neben Henning von Tresckow zu einer der zentralen Persönlichkeiten des militärischen Widerstandes innerhalb der Wehrmacht. Als Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres verübte er das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler und war entscheidend an dem anschließenden Unternehmen Walküre, dem Versuch eines Staatsstreiches, beteiligt. Nach dessen Scheitern wurde Stauffenberg gemeinsam mit seinen Vertrauten Albrecht Mertz von Quirnheim, Friedrich Olbricht und Werner von Haeften in der Nacht auf den 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks in Berlin erschossen.

Kindheit und Jugend mini|Familienwappen der Stauffenbergs Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 15. November 1907 auf Schloss Jettingen im bayerischen Jettingen geboren; sein Zwillingsbruder Konrad Maria verstarb bereits am nächsten Tag.Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 15. Er war der jüngste Sohn von Alfred Schenk Graf von Stauffenberg (1860–1936) und dessen Ehefrau Caroline geb. Gräfin von Üxküll-Gyllenband (1875–1956). Die Ahnenreihe des schwäbisch-fränkischen Adelsgeschlechts der Grafen Stauffenberg ist bis ins 13. Jahrhundert urkundlich nachweisbar,Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 20. der Grundbesitz lag im bayerischen Schwaben, Württemberg und in Oberfranken. Zahlreiche Familienmitglieder hatten eine Laufbahn im Militär, als hohe Beamte oder Politiker eingeschlagen. Mutter Caroline entstammte der deutsch-baltischen Familie Üxküll-Gyllenband. Mit Alexander und Berthold hatte er zwei ältere Brüder, die ebenfalls Zwillinge waren. Der bedeutende preußische Heeresreformer August Neidhardt von Gneisenau war sein Urgroßvater mütterlicherseits,Eberhard Birk: Caesar von Hofacker und der militärische Widerstand. In: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung, Jg. 2004, Heft 2, S. 8–11, hier S. 8. Caesar von Hofacker war Stauffenbergs Cousin.

mini|links|Stauffenberg-Schloss in Lautlingen Der Vater diente dem württembergischen König Wilhelm II. als Oberhofmarschall, die Mutter war Hofdame und Gesellschafterin der Königin. Daher bewohnte die Familie eine Dienstwohnung im Stuttgarter Alten Schloss. Die Sommerfrische verbrachte sie regelmäßig in Lautlingen auf der Schwäbischen Alb. Der politische Umschwung der Novemberrevolution 1918 tangierte die Stauffenbergs wenig: Auch nach der Abdankung des Monarchen stand der Vater als Präsident der herzoglich-württembergischen Hofkammer bis zu seiner Pensionierung 1928 weiter im Dienst des Hauses Württemberg.Hans Bentzien: Claus Schenk Graf v. Stauffenberg: Der Täter und seine Zeit. Edition, 2015.

Getreu der Familientradition wurden die Stauffenberg-Kinder im katholischen Glauben erzogen, obwohl die Mutter der evangelischen Konfession angehörte.Harald Steffahn: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. 5. Auflage. Rowohlt, 1994, ISBN 3-499-50520-7, S. 34. Insgesamt spielte die Beschäftigung mit religiösen Fragen in der Erziehung eine zentrale Rolle.Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 50. Als Erwachsener war Stauffenberg der Konfession, in der er erzogen worden war, allerdings nur noch sehr lose verbunden und betrachtete sie nicht als maßgeblich für seine politischen und geistigen Vorstellungen, wie sein Bruder Berthold im Gestapo-Verhör angab:

Das Elternhaus war durch eine tolerante Geisteshaltung und eine aufgeklärt-liberale Atmosphäre gekennzeichnet. Mutter Caroline sorgte für eine umfassende Bildung und legte Wert auf eine gründliche Beschäftigung ihrer Söhne mit Literatur, Musik und Theater.Harald Steffahn: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. 5. Auflage. Rowohlt, 1994, ISBN 3-499-50520-7, S. 36. Der musisch vielseitige Stauffenberg spielte Violoncello und entwickelte sich trotz seiner in der Jugend zarten Gesundheit zu einem passionierten Reiter.Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 45.

Seine Schullaufbahn begann Stauffenberg 1913 mit dem Besuch einer Stuttgarter Privatschule für Elementarunterricht, ehe er im Herbst 1916 seinen Brüdern an das traditionsreiche Eberhard-Ludwigs-Gymnasium folgte. Während der Zeit am Gymnasium schloss sich Stauffenberg dem Bund Deutscher Neupfadfinder, einer Gruppierung der Bündischen Jugend, an. Die Bewegung pflegte ritterliche Ideale, hing der mittelalterlichen Romantik nachHans Bentzien: Claus Schenk Graf v. Stauffenberg: Der Täter und seine Zeit. Edition, 2015. und verehrte den symbolistischen Lyriker Stefan George. Nachdem im Frühjahr 1923 zunächst die Zwillingsbrüder und kurz darauf Stauffenberg selbst dem „Meister“ vorgestellt wurden, gehörten sie fortan zum engsten Freundeskreis in Georges elitär-platonischem „Staat“ (George-Kreis).Manfred Riedel: Geheimes Deutschland, Stefan George und die Brüder Stauffenberg. Böhlau Verlag, Köln 2006, S. 174. Stauffenbergs älterem Bruder Berthold widmete George zwei Gedichte in seinem letzten Lyrikband Das Neue Reich (1928) mit dem bereits 1922 entstandenen Poem Geheimes Deutschland.Herbert Ammon: Vom Geist Georges zur Tat Stauffenbergs – Manfred Riedels Rettung des Reiches. In: Iablis 2007. Innerhalb des nationalkonservativen Kreises galt Stauffenberg als Tat-Charakter und für ihn spielte die Gedankenwelt Georges, insbesondere die Begrifflichkeit des Geheimen Deutschland, eine zentrale Rolle. Er fühlte sich dem Vermächtnis des Dichters zeitlebens verpflichtet und verehrte ihn bis an sein Lebensende vorbehaltlos.Manfred Riedel: Geheimes Deutschland, Stefan George und die Brüder Stauffenberg. Böhlau Verlag, Köln 2006, S. 176.

Am 5. März 1926 legte Stauffenberg das Abitur ab. Trotz regem Interesse an Architektur und zur Überraschung seiner Umgebung entschied sich der lange Zeit kränkelnde Stauffenberg für eine militärische Karriere.Nico Raab: Adeligkeit und Widerstand. Das Beispiel des Katholiken Claus Schenk Graf von Staufenberg. In: Markus Raasch (Hrsg.): Adeligkeit, Katholizismus, Mythos. Neue Perspektiven auf die Adelsgeschichte der Moderne. Oldenbourg, München 2014, ISBN 978-3-11-036383-8, S. 235–261, hier S. 248. (books.google.de)

Werdegang in der Reichswehr mini|Stauffenberg beim 17. Reiter-Regiment (1926)

Am 1. April 1926 trat Stauffenberg als Fahnenjunker in das 17. Bayerische Reiter-Regiment in Bamberg ein. Die Entscheidung für eine Laufbahn in der Reichswehr begründete er später mit seinem TatendrangUlrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 63. sowie dem Wunsch, dem Staat zu dienen.Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 73. Angesichts der militärischen Tradition der Familie wurde diese Berufswahl insbesondere vom Vater unterstützt und begrüßt.Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 37.

Stauffenberg diente zunächst in Bamberg, bevor er ab Oktober 1927 den obligatorischen zehnmonatigen Fahnenjunker-Lehrgang, den alle Offizieranwärter sämtlicher Truppengattungen absolvieren mussten, an der Infanterieschule der Reichswehr in Dresden-Albertstadt belegte.Harald Steffahn: Stauffenberg. 3. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-50520-7, S. 39. Diesen schloss er am 1. August 1928 als Fähnrich abEberhard Zeller: Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild. Schöningh, 1994, ISBN 3-506-79770-0, S. 298–301. und wechselte umgehend an die Kavallerieschule der Reichswehr nach Hannover. Auch der dortige Lehrgang war für Offizieranwärter verpflichtend. Die abschließende Offiziersprüfung bestand Stauffenberg als Sechstbester seines Jahrgangs und zugleich als Jahrgangsbester der Kavallerie,Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 72. wobei er für seine hervorragenden Leistungen einen Ehrensäbel empfing.

Unter Beförderung zum Leutnant erhielt Stauffenberg am 1. Januar 1930 sein Offizierspatent und übernahm anschließend den Befehl über den Minenwerfer-Zug seines Bamberger Reiter-Regiments.Eberhard Zeller: Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild. Schöningh, 1994, ISBN 3-506-79770-0, S. 298–301. Dort diente er gemeinsam mit dem Offizier Peter Sauerbruch, dem Sohn des berühmten Chirurgen, und freundete sich mit ihm an.Ferdinand Sauerbruch, Hans Rudolf Berndorff: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 319, 398, 402 f. und 419–421.Peter Hoffmann: Stauffenbergs Freund. Die tragische Geschichte des Widerstandskämpfers Joachim Kuhn. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55810-8, S. 55.

Zeit seines Lebens war Stauffenberg an Politik interessiert. Als Angehörigem der Reichswehr war ihm allerdings jede politische Demonstration oder Parteizugehörigkeit verboten und konkrete Äußerungen aus jener Zeit sind nur sehr wenige überliefert.Ulrich Schlie: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Biografie. Herder, 2018, ISBN 978-3-451-03147-2, S. 75. Ebenso wie sein Bruder Berthold stand Stauffenberg in der Zeit der Weimarer Republik, der sie grundsätzlich misstrauten, der sogenannten Konservativen Revolution nahe und war ein national gesinnter, begeisterungsfähiger Patriot. Etwa seit Anfang der 1930er Jahre sympathisierte Leutnant von Stauffenberg wie viele gleichgesinnte Offiziere mit Adolf Hitler, den er als Mann der Tat mit dem Potential ansah, das Volk über Klassen- und Parteigrenzen hinweg hinter sich zu einen.Harald Steffahn: Stauffenberg. 3. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-50520-7, S. 3x–4x. Vor der Reichspräsidentenwahl im April 1932 sprach sich Stauffenberg für Hitler und gegen den konservativen Amtsinhaber Paul von Hindenburg aus, da er im politischen Denken zahlreiche Gemeinsamkeiten sah: