mini|Monika Treut 2026 Monika Treut (* 6. April 1954 in Mönchengladbach) ist eine deutsche Filmregisseurin, Filmproduzentin und Autorin, die international vor allem als Avantgardistin des New Queer Cinema Anerkennung gefunden hat.
Biografie Nach ihrem Abitur begann Monika Treut 1972 an der Philipps-Universität Marburg/Lahn Germanistik und Politische Wissenschaften zu studieren. Sie schloss ihr Studium 1978 mit dem Staatsexamen ab und verfasste eine Arbeit über die experimentellen Kamerahelmfilme von Margaret Raspé. Ihr frühes Interesse an Film und Video zeigte sie bereits während ihres Studiums durch die Mitarbeit an mehreren Medienzentren in Deutschland. 1979 zog sie nach Hamburg, wo sie Gründungsmitglied und Mitarbeiterin des Frauenmedienladens Bildwechsel war und mehrere kurze Videofilme herstellte. 1984 promovierte sie mit einer Dissertation über das Frauenbild in Romanen von Marquis de Sade und Leopold von Sacher-Masoch. Ihr Buch Die grausame Frau über sadistische und masochistische Phantasien wurde noch im gleichen Jahr im Verlag Stroemfeld/Roter Stern publiziert. Zusammen mit Elfi Mikesch gründete sie 1984 die Hyäne I/II-Filmproduktion.
1985 behandelte Treut in ihrem ersten Spielfilm Verführung: Die grausame Frau, den sie mit Elfi Mikesch in Co-Regie und mit Udo Kier und Mechthild Großmann in den Hauptrollen produzierte, die masochistische Imagination. In den kommenden Jahren engagierte sie sich unter anderem im Hamburger Filmbüro, arbeitete als Regieassistentin von Werner Schroeter am Düsseldorfer Schauspielhaus und realisierte als Drehbuchautorin, Produzentin und Regisseurin ihren Spielfilm Die Jungfrauenmaschine, der sich humorvoll gegen die Illusionen der deutsch-romantischen Liebe richtet und den Blick auf ein selbstbewusstes Liebesleben von Frauen in San Francisco wirft. Mit diesen beiden Filmen war Monika Treut zu einer der wegweisenden Initiatorinnen des New Queer Cinema geworden, in dem sexuelle Identitäten vielfältig aufgelöst werden.
1989 zog sie nach New York City, wo sie ihre multikulturelle Komödie My Father is Coming drehte, mit Alfred Edel in der Rolle eines liebenswerten bayrischen Spießers, der in New York sexuelle Erfahrungen mit der Performance-Künstlerin Annie Sprinkle macht. 1992 gründete Monika Treut ihre eigene Produktionsfirma Hyena Films in Hamburg. Sexuelle Grenzüberschreitungen und erotische Fantasien sind das Thema ihrer zu Klassikern gewordenen Dokumentarfilme, in deren Mittelpunkt vor allem außergewöhnliche Frauen stehen, unter anderem Annie Sprinkle, die radikale Kulturkritikerin Camille Paglia, die Schauspielerin Eva Norvind, die in New York einen berühmten SM-Salon leitete und die der Mittelpunkt der Filmbiografie Didn’t do it for Love (1997) war, oder die „Queen of Cyberspace“ Sandy Stone in der Dokumentation Gendernauts – eine Reise durch das Land der Neuen Geschlechter, in der 1999 die Transgender-Szene von San Francisco dargestellt und eine „Reise durch die Geschlechter“ unternommen wird. 20 Jahre später folgte die Fortsetzung Genderation (2020), wo sie die Protagonistinnen von damals aufsuchte und die Veränderungen und Weiterentwicklungen seitdem ergründete.
Ab 2001 verlagerte sich ihre Arbeit stärker in den politischen Bereich. In dem Dokumentarfilm Kriegerin des Lichts schildert sie das Bildungsengagement von Yvonne Bezerra de Mello für die Kinder in einer Favela von Rio de Janeiro; mit Zona Norte dokumentierte sie fünfzehn Jahre später die Entwicklung des Projekts und ehemaliger Schüler.
Seit 2004 rückte die Inselrepublik Taiwan in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit, wobei es besonders die verschiedenen Lebensformen von Frauen sind, auf die sie sich konzentriert. Ihre Erlebnisse mit der taiwanischen Kultur verarbeitete sie 2009 in dem Spielfilm Ghosted, einer mysteriösen Liebesgeschichte, in der unterschiedliche kulturelle Bilder von Leben und Tod spannungsreich zusammengeführt werden.
Monika Treuts Filme werden weltweit auf vielen Filmfestivals gezeigt, und mehr als zwanzig Retrospektiven, von Cambridge bis Taiwan, von Helsinki bis Los Angeles, sind bisher ihrer engagierten Arbeit vor allem für das selbstbestimmte Leben von Frauen gewidmet. Ihre praktische Filmarbeit ergänzt sie durch ihre Teilnahme an internationalen Kolloquien und durch ihre pädagogische Arbeit vor allem an amerikanischen Colleges (Vassar, Hollins und Dartmouth), an Kunstinstituten wie beispielsweise am San Francisco Art Institute und an Universitäten (Bloomington, Chicago, San Diego und Cornell). An der Universität Hildesheim hat sie zwischen 2018 und 2023 für sechs Semester die Professur für Medien vertreten. Sie war stellvertretendes Mitglied beim BKM-Vergabe-Gremium für Dokumentarfilm 2020–2022. Monika Treut ist Mitglied der Deutschen Filmakademie, der Freien Akademie der Künste in Hamburg, der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AGDOK) und der ProQuote Film.
Filmografie 1981: Wie geht das Kamel durchs Nadelöhr? 1983: Unknown Gender – Das dritte Geschlecht 1983: Bondage 1985: Verführung: Die grausame Frau / Seduction: The Cruel Woman 1988: Die Jungfrauenmaschine / Virgin Machine 1989: Annie 1991: My Father is Coming 1992: Max 1992: Dr. Paglia 1992: Female Misbehavior 1994: Let’s Talk About Sex / Erotique 1994: Taboo Parlour 1996: Danske piger viser alt 1997: Didn’t do it for Love 1999: Gendernauts – eine Reise durch das Land der Neuen Geschlechter (Gendernauts: A Journey through shifting identities) 2001: Kriegerin des Lichts / Warrior of Light 2003: Begegnung mit Werner Schroeter / Encounter With Werner Schroeter 2004: Axensprung: Ein Reisetagebuch / Jumpcut: A Travel Diary 2005: Den Tigerfrauen wachsen Flügel / Tigerwomen Grow Wings 2005: Made in Taiwan 2009: Ghosted 2012: Das Rohe und das Gekochte / The Raw and the Cooked (Dokumentarfilm) 2014: Von Mädchen und Pferden / Of Girls and Horses 2016: Zona Norte 2021: Genderation 2026: Cooking Up Democracy
Auszeichnungen (Auswahl) mini|hochkant|Teddy Award für Monika Treuts Lebenswerk 2017. 1989: Bester Spielfilm und Darstellerpreis für die Hauptdarstellerin Ina Blum beim Internationalen Filmfestival Turin für Die Jungfrauenmaschine 1991: Bester Spielfilm, Internationales Filmfestival Turin für My Father is Coming 1993: John Babuscio Award Britisches Filminstitut London für ihr Gesamtwerk 1999: Spezialpreis der Teddy-Jury Berlin für Gendernauts 2003: Publikumspreis Internationales Dokumentarfilmfestival Thessaloniki für Kriegerin des Lichts 2007: Bester Dokumentarfilm, San Diego Women’s Film Festival für Den Tigerfrauen wachsen Flügel 2009: Special Achievement Award, Gay and Lesbian Filmfestival Turin für Ghosted 2016: Bester Spielfilm, Equinale für Von Mädchen und Pferden 2017: Spezialpreis der Teddy-Jury, Internationale Filmfestspiele Berlin 2017 für ihr Lebenswerk 2017: Honorary Award, Tel Aviv International LGBT Filmfestival 2021: Panorama Publikumspreis, Berlinale, für Genderation 2021: Premio de Honor, Madrid, 26 LESGAICINEMAD 2022: SiStar Filmpreis 2024: Premio Nino Gennaro, Sicilia Queer Filmfest 2025: Helmut-Käutner-Preis 2026: Golden Apple Award, Pink Apple
Jury-Teilnahmen 1990: Canadian Film Award, Toronto International Film Festival 1996: Feminale Köln 2001: Manfred-Salzgeber-Preis, Internationale Filmfestspiele Berlin 2001: NDR-Jury, Nordische Filmtage Lübeck 2002: Feature Film Jury, Gay and Lesbian Filmfestival Turin, Italien 2003: Joris-Ivens-Award des Internationalen Dokumentarfilmfestivals Amsterdam 2003: Golden Horse Film Festival, Taipeh, Taiwan 2006: Femina Preis, International Film Festival Berlinale 2010: Montblanc Drehbuchpreis, Filmfest Hamburg 2014: Asterisco Film Festival, Buenos Aires 2016: MixCopenhagen, Dänemark 2017: Filmfest Hamburg, Sichtwechsel Filmpreis vom Auswärtigen Amt 2018: SIWFF Seoul International Women’s Film Festival 2021: Internationales Frauenfilmfestival Dortmund 2024: Queer Media Society (QMS), Filmschoolfest, Munich 2026: Écrans Mixtes, Filmfestival Lyon
Literatur Anneke Smelik: And The Mirror Cracked, Palgrave Macmillan, 1998, ISBN 978-0-312-21142-4. Axel Schock, Karen-Susan Fessel: Out! 800 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle. 5. Auflage, Querverlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-89656-111-4, S. 275/276. Monica Baroni: Treut, Monika. In: David A. Gerstner (Hrsg.): Routledge International Encyclopedia of Queer Culture. Routledge, London/New York 2011, ISBN 978-0-415-56966-8, S. 575/576. Dagmar Brunow: Beyond Boundaries I. Im Gespräch mit Monika Treut. In: Queer Cinema. Hrsg. Dagmar Brunow/Simon Dickel. Mainz: Ventil Verlag 2018, ISBN 978-3-95575-091-6, S. 125–139
Weblinks
Offizielle Website
ZDF Kulturzeit, Gespräch
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Sadomasochistische Literatur Kategorie:LGBT-Aktivist (Deutschland)
Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1954 Kategorie:Frau