Der südwestlich von Berlin gelegene Naturpark Nuthe-Nieplitz wurde im August 1999 eröffnet. Mit einer Ausdehnung von 623 km² nimmt der Park unter den insgesamt elf Naturparks in Brandenburg in der Fläche einen Mittelplatz ein. Das Landschaftsbild ist geprägt durch die feuchte Niederung der Flüsse Nuthe und Nieplitz, durch Wald und Ackerland mit kleinen märkischen Dörfern.

Geschichte 1989 bis 1999 Nach der Wende erhielt der in Berlin-Kreuzberg lebende Biologe und Tierfotograf Karl Decruppe Besuch von Verwandten aus Seddin. Der Besuch stellte fest, dass sein Vorgesetzter, der Oberförster und Kreisnaturschutzbeauftragte Manfred Kroop, ebenfalls die Leidenschaft für die Natur und Tierfotografie teilte. Im Januar 1990 kam es zu einer ersten Begegnung zwischen Kroop und Decruppe. Sie mündete in einer jahrelangen Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Landschaft der Nuthe-Nieplitz-Niederung zu bewahren. Eine erste Gefahr sahen beide in einem geplanten Golfplatz in Blankensee, dessen Planungen im September 1990 vorgestellt wurden. Im gleichen Monat erstellte Decruppe ein Konzept für ein Naturschutzprojekt, das kurz vor Weihnachten von der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie befürwortet wurde. Daraufhin gründete sich mit Wirkung zum 7. Februar 1991 mit Sitz in Zauchwitz der Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung e. V., die bei der ersten Vollmitgliederversammlung am 8. Mai 1990 Manfred Kroop zum Vereinsvorsitzenden wählten und Karl Decruppe zum Geschäftsführer bestellten. 1992 erhielt der Verein von Bund und Land für die naturverträgliche Entwicklung der Niederung rund 30 Millionen DM. Der Verein führte eine Biotopkartierung durch und erstellte ein Konzept für die Entwicklung von Blankensee. Dort hatte der Verein rund 3.000 ha Acker, Grünland, Wälder und Seen erworben, um diese naturverträglich zu entwickeln. Geplant war, insbesondere Flächen zu entsiegeln, Feuchtgebiete und Moore zu renaturieren und Bäume, Sträucher, Hecken, Feldgehölze und Kleingewässer wiederherzustellen.Peter Koch: 30 Jahre im Märkischen Zweistromland – Moorschutzprojekte als Jubiläumsgeschenk, veröffentlicht in Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung (Hrsg.): Land in Sicht, Ausgabe 23, S. 6 bis 9. Anstelle eines geplanten Golfplatzes konnte eine 14 ha große Streuobstwiese angelegt und dort ein Jahr später darauf 1.100 Obstbäume gepflanzt werden. Der damalige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Klaus Töpfer übernahm eine Baumpatenschaft. Im gleichen Jahr eröffnete der Verein am 15. Mai 1993 das Naturschutzzentrum in Stücken und konnte damit die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren. Zeitgleich mit der Eröffnung des Zentrums erschien die erste Ausgabe der Vereinszeitschrift Land in Sicht. Entlang des Zentrums entstand mit dem Ortolan-Rundwanderweg ein erster Lehrpfad der Region. Im Ort entstand weiterhin eine Zucht für die Ostpreußische Skudde, eine der ältesten Hausschafrassen, die auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen steht.Anja Brandenburg: Die Schäferin vom Grünen Steig, veröffentlicht in Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung (Hrsg.): Land in Sicht, Ausgabe 23, S. 15. Im Folgejahr konnte der Verein die Rolls-Royce Group davon überzeugen, in den nächsten 10 Jahren jährlich einen Betrag von 50.000 DM zu spenden. Mit dem Geld wurde Land erworben, um dem bedrohten Schwarzstorch zu helfen.

1995 wurde das Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz-Niederung mit zunächst 5.500 Hektar festgesetzt. In ihm arbeiten erstmals fünf Naturwächter, die Besucher über das Gebiet informieren. Außerdem gründet sich die Arbeitsgruppe Ornithologie, die sich zur aktivsten Gruppe Ehrenamtlicher entwickelt. 1996 erwarb der Verein den Riebener See und richtete eine weitere Streuobstwiese bei Stücken ein. Im gleichen Jahr stellte er sein Konzept für eine Integration von Verkehr und Tourismus in der Region fertig. Es sah vor, den ÖPNV im Projektgebiet zu verbessern, um Autofahrer zu ermuntern, auf Bus und Bahn umzusteigen. Weiterhin sollten zusätzliche Rundwanderwege die Attraktivität der Region verbessern. 1997 entstand ein Beobachtungsturm am Blankensee; eine weitere Streuobstwiese wurde zwischen Stücken und Körzin angelegt und die Waldschule in Stücken erweiterte das pädagogische Angebot für Kinder und Jugendliche. 1998 erwarb der Verein sowohl einen ehemaligen Truppenübungsplatz im Trebbiner Ortsteil Glau als auch in Jüterbog. Die insgesamt 850 Hektar Fläche gingen als erstes Grundstücksvermögen für Wildnisentwicklung in die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg ein. Ein zweiter Beobachtungsturm am Pfefferfließ in Stangenhagen entstand; der Pfeffergraben in Rieben wurde renaturiert. Gleichzeitig wurde eine Anlage zur Schweinemast am Ufer des Riebener Sees vollständig zurückgebaut. Das Landschaftsschutzgebietes Nuthetal – Beelitzer Sander wurde ausgewiesen und bildete die Grundlage zur Gründung des Naturparks, der 1999 entstand: Die Eröffnungsfeier fand am 1. August 1999 im Schlosspark in Blankensee sowie auf der Nieplitzwiese hinter dem Bauernmuseum statt. Im selben Jahr wurde in Fresdorf eine weitere Anlage zur Schweine- und Rindermast zurückgebaut, die Fläche renaturiert, der Gröbener See erworben und in Glau das Wildgehege Glauer Tal auf dem ehemaligen Gelände des Truppenübungsplatzes eröffnet.

2000 bis 2009 2000 erwarb der Verein den Grössinsee sowie den Blankensee und setzte die Renaturierung der Polder in Stangenhagen fort. Dazu wurden das Schöpfwerk am Pfefferfließ abgerissen und die Zuwegung entfernt. Im gleichen Jahr übernahm die gemeinnützige Vereinstochter Wild und Landschaftspflege Glau das Wildgehege und kümmert sich seit dieser Zeit um die anfallende Landschaftspflege, die insbesondere die Trockenrasen, Nass- und Moorwiesen umfasst. 2001 und damit zum 10-jährigen Bestehen zog der Verein eine erste Bilanz: Von den angestrebten 3000 Hektar Fläche konnten bislang zwei Drittel gesichert und zahlreiche Gewässer renaturiert werden. Insgesamt wurden bislang 17 Millionen DM eingesetzt. Im März des Jahres konstituierte sich ein Stiftungsrat, der die weitere Arbeit begleiten sollte. Vorstandsvorsitzende wurde Annette Prochnow. 2002 baute der Verein am Riebener See eine weitere Anlage zurück, in der zur Zeit der DDR Entenvögel gemästet wurden. 2003 ergänzte der Verein den vorhandenen Wanderweg am Pfefferfließ durch einen Bohlenweg zu einem Rundwanderweg. Die Renaturierung am Riebener See wurde durch die Herstellung des ursprünglichen Abflusses weiter vorangetrieben, ein Wehr entfernt. Am Grössinsee baute der Verein eine weitere Entenmastanlage zurück. Die 1998 erworbene, 825 Hektar große Fläche in Jüterbog gelangte in die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. 2004 wurde das Naturschutzgroßprojekt abgeschlossen. Das Gebiet umfasste 14 Dörfer mit 12.500 Hektar Fläche, darunter 3500 Hektar Grünfläche, Ackerfläche, Wald und Gewässer. Auf dem Gebiet wurden rund 20 Kilometer Hecken gepflanzt, 20 Hektar Ackerfläche in Streuobstwiesen umgewandelt und rund 70 Hektar Kiefernwald weiterentwickelt.

2005 erfolgte ein Rückbau eines Gebäudekomplexes in Schönhagen. Gleichzeitig erstellte der Verein ein Konzept für ein Wild- und Naturerlebniszentrum im Glauer Tal, mit dessen Umsetzung ein Jahr später begonnen wurde. Im gleichen Jahr errichteten Handwerker einen Beobachtungssteg am Riebener See. Am 27. September 2006 konnte das Besucherzentrum im Glauer Tal eröffnet werden, das in den kommenden Jahren zum Besucherinformationszentrum des Naturparks ausgebaut wurde. Karl Decruppe, mittlerweile Leiter des Naturpark Hoher Fläming, wurde zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt. 2008 konnte der Verein ein EU-Life-Projekt umsetzen, um den Erhalt von Binnensalzstellen im Naturpark zu fördern. 2009 stand die Entwicklung des Pfefferfließ erneut im Fokus der Arbeiten. Dazu wurden Moorflächen durch einen besseren Wasserrückhalt verbessert und weitere Lebensräume für Fauna und Flora durch extensive Landwirtschaft geschaffen.

2010 bis 2019 Auf Grundlage eines Studentenwettbewerbs wurden 2010 die umliegenden Flächen um das Besucherzentrum Glauer Tal gestaltet. Nach Plänen von Anna Vogels und Franz Reschke entstanden die Glauer Felder, eine miniaturisierte und verdichtete Darstellung der unterschiedlichen Lebensräume im Naturpark. Im Gebäude selbst wurde ein Schaufenster Naturpark mit Produkten aus der Region eingerichtet. Im August des Jahres konnte die ersten Steinkäuze ausgewildert werden – sie konnten über 25 Jahre in der Region nicht mehr nachgewiesen werden. Ab 2011 wird das Projekt mit einer öffentlichen Förderung unterstützt. 2012 stellte der Verein einen ersten Teil einer Projektstudie für die Erhaltung der Moore in der Nuthe-Nieplitz-Niederung fertig. Im gleichen Jahr bauten Handwerker den ehemaligen Kommandoturm im Wildgehege Glauer Tal um und errichten darin eine Umweltbildungsstation. 2013 wurden die Glauer Felder der Öffentlichkeit übergeben und der zweite Teil der Projektstudie fertiggestellt. Einen schweren Verlust musste der Verein jedoch am 11. Oktober 2013 hinnehmen, als Karl Decruppe nach schwerer Krankheit verstarb. 2014 konnten insgesamt fünf Brutpaare des Steinkauzes nachgewiesen werden. Grundlage war ein im Jahr 2011 gestartetes Projekt, bei dem nicht – wie ansonsten üblich – Jungvögel ausgewildert wurden, sondern junge Pärchen ausgesetzt wurden. Diese bekamen im Naturpark ihren Nachwuchs und blieben als Familie zunächst zusammen.Günter Kehl, Peter Koch: Kleine Eule ganz groß!, veröffentlicht in Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung (Hrsg.): Land in Sicht, Ausgabe 23, S. 10 bis 13. Gleichzeitig wurde eine sieben Hektar große Fläche um Saarmund renaturiert, die bislang durch die Bundesautobahn 10 vom Naturpark abgetrennt war. 2015 wurden die Glauer Felder um einen Spielplatz erweitert. Die Grundschule im nahegelegenen Blankensee erhielt gleichzeitig als erste Grundschule im Land Brandenburg die Auszeichnung als NaturParkSchule. Im gleichen Jahr wurden im Wildgehege Glauer Tal Zauneidechsen angesiedelt, die einem Neubau der Ortsumgehungsstraße bei Thryow (Bundesstraße 101) weichen mussten. Zum 25-jährigen Bestehen gab der Verein eine Informationsschrift heraus, die die bisherigen Leistungen zusammenfasst. Dazu zählen die naturverträgliche Nutzung von mehr als 3500 Hektar Fläche, die Regeneration von Moorlandschaften auf rund 500 Hektar Fläche, aber auch der Rückbau von mehr als 50.000 Tonnen Beton. Außerdem begannen im Jahr 2015 Aufforstungsarbeiten im Saarmunder Elsbruch, die 2016 abgeschlossen werden konnten. Am Riebener See entstand entlang des Rundweges eine Obstbaumallee. Im Jahr 2017 wurden der Jütchendorfer Bitterlingsteich entschlammt, Schilf und Gehölze entfernt und ein kleiner Rundweg angelegt. Mit den Arbeiten sollten die Lebensbedingungen des namensgebenden Bitterlings verbessert werden. Außerdem entstand am Körziner Weg eine Feldhecke am Wanderweg zwischen Körzin und Stücken. Angrenzend an den Kiefernforst wurden standortangepasste Baum- und Straucharten gepflanzt. Das Jahr 2018 stand im Zeichen der Dürre: Durch den fehlenden Niederschlag sanken in der Nuthe-Nieplitz-Niederung die Wasserstände und machten eine aufwändige Bewässerung erforderlich. Im gleichen Jahr wurden im Wildgehege Glauer Tal Bodenverbesserungen durchgeführt, um dem Brachpieper wieder ein attraktives Habitat zu bieten. Es gelang, den Steinkauz dauerhaft anzusiedeln; das Projekt wurde 2019 im Zuge der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Außerdem entstand als Umweltbildungsprojekt eine Wander-App, die auf fünf Routen durch den Naturpark führt. Im gleichen Jahr musste in Berlin-Tempelhof ein Wildgehege im Franckepark aufgelöst werden. Das dortige Damwild konnte erfolgreich im Wildgehege Glauer Tal angesiedelt werden. Außerdem erhielt die Grundschule in Blankensee zum zweiten Mal die Auszeichnung als Naturparkschule.

2020 bis 2022