mini|Satellitenaufnahme von Usbekistan

Usbekistan (; amtlich Republik Usbekistan, usbekisch ) ist ein 448.978 km² großer Binnenstaat in Zentralasien mit 37 Millionen Einwohnern. Er grenzt im Norden an Kasachstan, im Nordosten an Kirgisistan, im Südosten an Tadschikistan, im Süden an Afghanistan und im Südwesten an Turkmenistan. Hauptstadt und mit rund 3,1 Millionen Einwohnern größte Stadt der ehemaligen Sowjetrepublik ist Taschkent. Weitere wichtige Städte des islamisch geprägten Landes sind Samarkand und Buchara an der historischen Seidenstraße.

Nach der Staatsgründung im Jahr 1991 wurde das Land autoritär durch Islom Karimov regiert. Nach der Übernahme der Präsidentschaft durch Shavkat Mirziyoyev 2016 wurden viele Repressionen gelockert, aber dennoch kommt es noch regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.

Usbekistan steht außenpolitisch den ebenfalls autoritär regierten Staaten China und Russland deutlich näher als dem Westen. Es ist Vollmitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und der Organisation der Turkstaaten (OTS). Usbekistan kooperiert allerdings auch teilweise mit der Europäischen Union und ist bspw. durch ein erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (EPCA) und das Handelsabkommen APS+ mit dieser verbunden.

Geographie Usbekistan erstreckt sich zwischen dem 37. und 46. nördlichen Breitengrad sowie zwischen dem 56. und 73. östlichen Längengrad. Die Ausdehnung des Staates beträgt von West nach Ost etwa 1425 km und von Nord nach Süd etwa 500 km.

Neben Liechtenstein ist Usbekistan einer von weltweit zwei Binnenstaaten, die ausschließlich von Binnenstaaten umgeben sind und wird deshalb auch als Doppelter Binnenstaat bezeichnet.Usbekistan. KfW-Entwicklungsbank, Abruf am 6. März 2023.

Die Staatsgrenze hat eine Gesamtlänge von 6893 km. Davon fallen 144 km auf Afghanistan, 2330 km auf Kasachstan, 1314 km auf Kirgisistan, 1312 km auf Tadschikistan und 1793 km auf Turkmenistan.

Zum usbekischen Staatsgebiet gehören auch die von Kirgisistan umschlossenen Exklaven Soʻx, Shohimardon, Chong-Kara und Jangail. Die kirgisische Exklave Barak und die tadschikische Exklave Sarvan werden von usbekischem Territorium umschlossen.

Landschaftszonen Usbekistan erstreckt sich von den Wüsten am Aralsee im Westen über ca. 1200 km bis zum fruchtbaren Ferghanatal im Osten.

Der (Stand 2026) fast völlig ausgetrocknete Aralsee hatte im Jahr 2004 eine Fläche von ungefähr 17.000 km². Südwestlich des Sees befindet sich das flachwellige, wüstenhafte Ustjurt-Plateau, dessen Westhälfte zu Kasachstan gehört. Es ist ein großes Naturreservat.

Der größte Teil der Fläche Usbekistans besteht aus Wüsten. Südöstlich des Aralsees im Tiefland von Turan erstreckt sich die Kysylkum-Wüste (usbek. Qizilqum), die zwei Fünftel der Staatsfläche Usbekistans umfasst und sich auf dem angrenzenden Territorium Kasachstans fortsetzt. Sie wird nur durch einige Restmassive unterbrochen, die im Gora Aktau 920 m Höhe erreichen. Südlich davon liegt eine große Steppenlandschaft, durch die der Amudarja fließt.

Im Osten Usbekistans liegen die Turkestan-Gebirgskette und die vorgebirgige Landschaft des Tian Shan sowie Teile des Ferghanatals, einer dichtbesiedelten Senke zwischen dem Tianshan- und dem Alai-Gebirge mit wichtigen landwirtschaftlichen Anbauflächen.

Seit 2023 ist bekannt, dass der höchste Berg Usbekistans der Alpomish mit 4668 Metern an der Grenze zu Tadschikistan ist. Vorher galt der 4643 Meter hohe Hazrat Sulton im Hissargebirge (Viloyat Surxondaryo) als höchste Erhebung des Landes. Die tiefste Stelle im Land liegt zwölf Meter unter dem Meeresspiegel in der Wüste Kysylkum.

Gewässer Durch Usbekistan fließen die zwei wichtigsten Zuflüsse des Aralsees und größten Ströme Zentralasiens, der Amudarja (usbek. Amudaryo) mit 2539 km Länge und der Syrdarja (usbek. Sirdaryo) mit 2212 km Länge. Beide Flüsse liegen jedoch nur mit einem Teil ihres Laufes in Usbekistan.

Die Quellflüsse des Amudarja (in der Antike Oxus genannt, daher kommt auch der klassische Begriff Transoxanien) entspringen außerhalb Usbekistans im zu Tadschikistan und Afghanistan gehörenden Pamir. Der Amudarja bildet in seinem Mittellauf zunächst die usbekisch-afghanische Grenze und verläuft sodann parallel zur Grenze Usbekistans zu Turkmenistan, die jedoch nur in einem Teilstück dem Fluss direkt folgt. Sein Mündungsbereich gehört ganz zu Usbekistan.

Die Quellflüsse des Syrdarja entspringen im zu Kirgisistan gehörenden Tian Shan. Der Syrdarja durchquert in seinem Mittellauf den zu Usbekistan gehörenden Teil des Ferghanatals, fließt dann über das Territorium Tadschikistans, südwestlich von Taschkent erneut eine Strecke durch Usbekistan, während sein Unterlauf zu Kasachstan gehört.

Weitere wichtige Flüsse sind der Surxondaryo (Surchundarja), ein rechter Nebenfluss des Amudarja, der Qashqadaryo (Kaschkadarja), der die Oase von Qarshi (Qarshi) erreicht, und der Zarafshon (Serafschan), der die Oasen von Samarqand (Samarkand) und Buxoro (Buchara) bewässert und schließlich in der Wüste südwestlich von Buchara endet, ohne den Amudarja erreicht zu haben.

Zu den großen Bewässerungskanälen gehören der Große, Nördliche und Südliche Ferghanakanal.

Die größten Seen des Landes, die nur zum Teil gänzlich in Usbekistan liegen, sind neben dem Westlichen Aralsee (Gʻarb orol dengizi) der Aibugirsee, der Sarykamyschsee (Sariqamish koʻli), der Aydarsee und der Talimardschan-Stausee.

Klima

Das Klima Usbekistans zählt zu der gemäßigten Zone. Je nach Region herrschen kontinentales Feuchtklima, gemäßigtes Steppenklima oder gemäßigtes Wüstenklima vor. Die Sommer sind meist heiß und wolkenlos, die Winter unbeständig und kalt.Staaten nach Klimazonen auf lexas.net (abgerufen am 28. Juni 2009)

Der Jahresniederschlag beträgt – je nach Region – nur 50–400 mm, steigt jedoch in den Gebirgen teilweise auf über 1000 mm jährlich an. Die Temperaturen schwanken sowohl jahres- als auch tageszeitlich stark.

Tier- und Pflanzenwelt Aufgrund seiner Größe und der vielen Landschaftszonen und obwohl etwa 80 Prozent der Landesfläche aus Wüste und Steppe bestehen, bietet Usbekistan eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt. Knapp zwei Prozent des Landes stehen unter Naturschutz.

In Usbekistan sind gut 4300 Pflanzenarten nachgewiesen worden, darunter eine Reihe Endemiten. Die Vegetation des Landes ist durch das aride, kontinentale Klima geprägt. Wichtige Vegetationseinheiten des zu 80 Prozent durch Ebenen gekennzeichneten Landes sind trockene, halbwüstenartige Formationen, lokal chul genannt, in den Ebenen und Hügelland bis etwa 450 bis 500 m Höhe, mit Saxaul-„Wäldern“, Artemisia- und Salsola-Steppen, sowie grasreiche Steppen-Vegetation, lokal adyr genannt. In den Gebirgen finden sich auch Wälder (lokal tau), vorherrschend mit Wacholder-Arten (Juniperus seravschanica, Juniperus semiglobosa, Juniperus turkestanica), seltener mit sommergrünen Laubbäumen wie Walnuss. Im Hochgebirge finden sich almartige alpine Matten, lokal yailau, bis in eine Höhe von 4600 Meter. Usbekistan ist ein waldarmes Land, der Waldanteil wurde im Jahr 2014 auf 9.600.000 ha, das sind 21,7 Prozent der Landesfläche, geschätzt. Etwa zehn Prozent der Pflanzenarten des Landes sind Endemiten (378 Arten). In der neuesten vorliegenden Ausgabe der Roten Listen wurden 324 Arten als vom Aussterben bedroht aufgeführt. Besonders artenreich sind in Usbekistan die Gattungen Tragant (Astragalus, 273 Arten), Cousinia (verwandt mit den Kletten, 149 Arten), Lauch (Allium, 137 Arten).Alexander N. Sennikov, Komiljon Sh. Tojibaev, Furkat O. Khassanov, Natalya Yu. Beshko (2016): The Flora of Uzbekistan Project. Phytotaxa 282 (2): 107–118. doi:10.11646/phytotaxa.282.2.2

Zu den über 40 Säugetierarten zählen Steppenschafarten, wie das Karakulschaf, Rothirsche, Kropfgazellen, Saigas, Braunbären, Wölfe, Füchse, Luchse, Dachse, Wildschweine und Stachelschweine. Sogar Schneeleoparden sind in den Westausläufern des Tian Shan beheimatet. Der Kaspische Tiger ist heute ausgestorben, durchstreifte aber bis vor wenigen Jahrzehnten das früher grüne Mündungsdelta des Amudarja. Der Gepard ist dort heute ebenfalls ausgestorben.

Über 400 Vogelarten kommen in Usbekistan vor, darunter beispielsweise Kragentrappen, Wacholderdrosseln, Rebhühner, Stare, Zwergadler, Geier und Falken.

Hinzu kommen etwa 60 Reptilienarten und über 70 Fischarten.traveling-world.de – Usbekistan: Lage und Natur

Umweltproblematik Austrocknung des Aralsees Die übermäßige Wasserentnahme aus Flüssen zur Bewässerung von Ländereien für den Baumwollanbau verursacht schwere ökologische Schäden und eine massive Bodenversalzung. Dazu kommt ein hoher Eintrag von Düngerückständen, Herbiziden und Pestiziden, der Böden und Grundwasser nachhaltig verunreinigt.

Der Aralsee steht vor seiner Austrocknung, weil seine Zuflüsse seit den Zeiten der UdSSR zu stark für künstliche Bewässerung verwendet wurden. Seine Tiefe halbierte sich, seine Fläche verringerte sich von 66.000 km² auf derzeit etwa 7.000 km² (Stand: 2018). Das Verschwinden des einst riesigen Sees wird das Klima noch trockener machen.

Es bestehen Überlegungen, ob man mittels künstlich hervorgerufenen Regens die derzeitigen jährlichen Niederschläge von 12,2 km³ auf über 20 km³ steigern könnte. Versuche in diese Richtung fanden bereits in den siebziger und achtziger Jahren in der Region des Flusses Piskom bei Taschkent, in der Region Qashqadaryo und im Ferghanatal statt.Ferghana.Ru – Rainfall control may double Uzbekistan’s water resources (englisch)

Bruch des Sardoba-Damms Am 1. Mai 2020 ist der Damm des Sardoba-Wasserreservoirs in Usbekistan, der erst 2017 in Betrieb genommen wurde, gebrochen. An einem aus Erde gefertigten Abschnitt konnte der Damm der Last der Wassermassen, die bei heftigen Gewittern in der Region Sirdaryo im Osten des Landes niedergegangen waren, nicht standhalten. Laut einer Mitteilung der usbekischen Präsidialverwaltung könne die Katastrophe als eine Folge der globalen Erwärmung und damit einhergehender extremer Wetterereignisse in der Region betrachtet werden und sei auf „starke Regenfälle und Stürme in der Region“ zurückzuführen. Es wird auch die Variante einer „technischen“ Katastrophe in Erwägung gezogen, da der Sardoba-Staudamm erst 2017 in Betrieb genommen worden war und offenbar Sicherheitsstandards nicht erfüllte. Der Dammbruch hat dazu geführt, dass bis zum 3. Mai mehr als 100.000 Menschen in Usbekistan und im benachbarten Kasachstan evakuiert werden mussten und Tausende Hektar Ackerland überflutet wurden. Der Präsident Mirziyoyev beauftragte die Regierung, 9,5 Mio. Euro an die Region Sirdaryo zu überweisen, um die Folgen der Überschwemmungen zu beseitigen und die verletzten Bewohner der Grenzregion (ca. 100 Tsd. Menschen) in Sicherheit zu bringen. Weitere 15 Mio. US-Dollar spendete der in Usbekistan geborene russische Unternehmer Alischer Usmanow.

Städte Im Jahr 2023 lebten 51 Prozent der Einwohner Usbekistans in Städten. Die größten Städte Usbekistans sind (Schätzung 1. Jan. 2022): Taschkent (Toshkent) (ca. 2,9 Mio. Einwohner) Namangan (ca. 661.000) Samarkand (Samarqand) (ca. 562.000) Andijon (ca. 459.000) Nukus (ca. 329.000) Fargʻona (ca. 299.000)

Bevölkerung Demografie mini|Bevölkerungspyramide Usbekistan 2016 mini|Frauen in Buchara mini|Usbekische Jungen auf einem Basar

Usbekistan hatte zum 1. Januar 2025 35,5 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,9 %. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 2,9. Die Lebenserwartung der Einwohner Usbekistans ab der Geburt lag 2020 bei 70,3 Jahren (Frauen: 72,8, Männer: 67,9). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2020 bei 27,8 Jahren. Im Jahr 2020 waren 29,8 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 4,9 Prozent der Bevölkerung betrug.