Lindlar ist eine Gemeinde im Westen des Oberbergischen Kreises in Nordrhein-Westfalen (Deutschland), etwa 30 Kilometer östlich von Köln gelegen.
Geografie Geografische Lage mini|300px|Karte von Lindlar mini|300px|Karte des Lindlarer Ortskerns
Lindlar liegt zwischen 7° 15' und 7° 28' östlicher Länge sowie 50° 58' und 51° 5' nördlicher Breite. Der höchste Punkt von Lindlar mit einer Höhe von 376,3 Metern liegt bei Oberlichtinghagen, der tiefste mit 110 m bei Oberbilstein.
Das Gebiet um Lindlar ist geprägt von trockenen Höhen und feuchten Flusstälern. Die Bergsättel und Talmulden bilden Wasserscheiden zwischen Sülz und Wupper beziehungsweise Lindlarer Sülz und Olpebach, Lindlarer Sülz und Lennefer Bach sowie Lennefer Bach und Leppe. Die Hauptflüsse sind also die Lindlarer Sülz, die sich in Hommerich mit der Kürtener Sülz vereinigt und anschließend in die Agger mündet, der Lennefer Bach und die Leppe.
Die Lindlarer Sülz fließt bei Oberhabbach in das Gemeindegebiet, macht bei Brochhagen einen Bogen nach Westen und nimmt in Hartegasse den bei Waldheim (Lindlar) entspringenden Breunbach auf. Sie fließt nun weiter durch das Sülztal, nimmt bei Quabach den von Ommerborn kommenden Ommerbach auf und vereinigt sich bei Hommerich mit der Kürtener Sülz zur Sülz.
Der Lennefer Bach entspringt nordöstlich von Lindlar und mündet bei Obersteeg in die Sülz.
Die Leppe durchfließt das Leppetal und nimmt bei Kaiserau den Scheelbach auf. Die Leppe mündet bei Engelskirchen in die Agger.
Ausdehnung des Gemeindegebietes Die Gemeinde Lindlar ist relativ dünn besiedelt. Sie erstreckt sich von Hohkeppel und Schmitzhöhe im Südwesten bis Hartegasse und Breun im Nordosten. Der Hauptort Lindlar hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weiter ausgedehnt und so verwuchs der Ort vor allem seit 1945 mit verschiedenen Höfen und Orten im Umkreis. Das Gebiet reicht nun vom Falkenhof und Oberheiligenhoven im Westen über Altenlinde und Schwarzenbach im Norden, Pinnappel und Weyer im Osten bis nach Schümmerich und Altenrath im Süden.
Der restliche Teil der Gemeinde zeigt, mit Ausnahme der Kirchdörfer, noch immer das übliche Bild von Streusiedlungen. Diese zeigen die für das Bergische Land typische Form des Weilers, der sich im Übergang vom Einzelhof zum Dorfgebilde befindet.
Nachbargemeinden Nachbarstädte sind Gummersbach, Wipperfürth, und Overath, die Nachbargemeinden sind Engelskirchen, Marienheide und Kürten.
Nachbargemeinden
Kürten Wipperfürth Wipperfürth, Marienheide Overath Datei:Windrose klein.svg Gummersbach Overath Engelskirchen Engelskirchen
Gliederung der Gemeinde Lindlar gliedert sich in die Ortsteile Lindlar (Ortskern, 8582 Einwohner am 30. Juni 2010), Frielingsdorf, Linde, Hohkeppel, Schmitzhöhe, Kapellensüng/Hartegasse. Diese Ortsteile sind auch die Kirchdörfer.
Klima Lindlar liegt mitten im Bergischen Land, das langjährige Mittel des Niederschlags liegt bei 800 bis 1000 mm und nur 5 Monate im Jahr haben eine mittlere Temperatur über 10 °C.
Lindlar wird zum „Bergischen Bergland“ gezählt. Die Böden sind wenig ergiebig, vorrangig gibt es Weideland.
Geschichte Urzeit Fossilienfunde aus den Jahren 2008/2009 sind umfassend ausgewertet worden und belegen, dass der nachweislich älteste Wald der Welt in Lindlar stand. Paläontologen entdeckten 2008 Überreste von Blättern und Ästen von den ältesten baumförmigen Pflanzen überhaupt. Im Mitteldevon, vor etwa 390 Millionen Jahren, also noch vor den Dinosauriern, wuchsen die etwa zwei bis drei Meter hohen Bäume – Calamophyton – auf einer Sandinsel im Flachmeer. Man vermutet, dass die Bäume durch einen Urzeit-Tsunami ins Meer gespült worden waren, mit Schlamm bedeckt wurden und somit heute noch versteinert erhalten sind. Diesen Schlammablagerungen verdankt auch die Lindlarer Grauwacke ihre Entstehung, einem 350 Millionen Jahre alten Sedimentgestein.Ältester Wald soll in Lindlar gestanden haben. Focus.de vom 20. August 2015. Abgerufen am 21. Oktober 2015. Der Fund wurde als archäologische Sensation bezeichnet. Das größte Fundstück wird im Grauwacke Museum Lindlar ausgestellt.Ältester Wald der Welt hat ein neues Zuhause. wdr.de vom 21. August 2024. Abgerufen am 14. März 2025.
Besiedelung und urkundliche Erstnennung Von den angeblich zehn Steinbeilen aus der Jungsteinzeit, die nordöstlich von Kemmerich entdeckt worden sein sollen, deren Material unbekannt und die in privaten Besitz übergingen, ohne dass die Erben bekannt sind, ist nur noch eines vorhanden.Arthur Marschall: Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Bergischen Landes. Schmidt, 1954, S. 93. Ein weiterer Feuersteinbeilfund bei Fenke ist gleichfalls bekannt; das Gerät besteht aus Silex.Dieter Hoof: Die Steinbeile und Steinäxte im Gebiet des Niederrheins und der Maas. Habelt, 1970, S. 246, n. 159. Bis ins Mittelalter erstreckten sich in dieser Region bis an den Rhein die bergischen Urwälder, die wahrscheinlich höchstens vereinzelt von Jägern oder einzelnen Siedlern bewohnt wurden. Die systematische Besiedelung des Bergischen Landes begann erst im fünften oder sechsten Jahrhundert während der Völkerwanderung. Zunächst folgten die Siedler den Flussläufen, in dieser Zeit ist möglicherweise die Erstbesiedelung Lindlars anzusetzen.
Lindlar wurde erstmals 1109 urkundlich erwähnt. In der Urkunde wurden durch Erzbischof Friedrich I. von Köln die Abgaben der Lindlarer Pfarrkirche an die bischöfliche Hauptkirche von einem Pfund auf zehn Schillinge ermäßigt. Lindlar wird als Lintlo bezeichnet, diese Bezeichnung lehnt sich an „Lindengebüsch“ an. Ferner musste die Lindlarer Kirche dem St.-Severin-Stift in Köln gehören und hatte einen Fronhof, der diesen Namen heute noch trägt. Zu einem Fronhof gehörte auch eine Mühle. Da die Kirche als „im Dorfe gelegen“ bezeichnet wird, müssen noch weitere Gebäude bestanden haben und da eine Kathedralsteuer nur durch eine Pfarrkirche entrichtet werden musste, musste es sich bei der Lindlarer Kirche um eine Pfarrkirche handeln.
Eine Pfarrkirche wiederum lässt auf einen fest angestellten Pfarrer schließen, den man mit Land ausstattete. So muss in Lindlar auch ein Wiedenhof, also ein Pfarrhof gestanden haben, dieser befand sich neben dem heutigen Pfarrhaus und wurde im Zuge des Neubaus der Volksbank abgebrochen. Da die Kathedralsteuer normalerweise zwischen 3 und 10 Schillingen schwankte, Lindlar jedoch ursprünglich 1 Pfund entrichten musste, muss es sich bei Lindlar um eine besonders große Pfarrei gehandelt haben.
Da Lindlar im Jahre 1109 schon Kirchdorf war, muss der Zeitpunkt der Rodung schon früher angesetzt werden, etwa zwischen 893, dem frühest dokumentierten Zeitpunkt für Rodungen im rheinischen Raum, und 1109. Der Zeitpunkt kann jedoch weiter eingeengt werden, da eine Urkunde aus dem Jahre 958 existiert, in der dem St.-Severins-Stift in Köln die Kirche zu „Kaldenkapellen“ (= Hohkeppel) übertragen wird. Da die Hohkeppler Kirche nachweislich der Lindlarer Pfarrkirche unterstand, musste diese also zu diesem Zeitpunkt schon bestanden haben, ihre Entstehung ist also für den Zeitraum zwischen 893 und 958 anzusetzen.
Da der Höfeverband Lindlar eine geistliche Grundherrschaft war und diese so von einer Reihe Rechtshandlungen ausgeschlossen war, brauchte diese die Hilfsleistung eines Vogts, eines weltlichen Herrschers. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1174 waren die Grafen von Berg die Schirmvögte für Lindlar. In diesem Zeitraum sind Hofgerichte in Steinbach, Steinenbrücke und Heiligenhoven belegbar.
Das Hofgericht zu Steinbach und Heiligenhoven war im Besitz der Grafen zu Berg, das in Steinenbrücke gehörte dem freiadligen Stift St. Maria im Kapitol, das in Dürscheid die Verwaltung ihrer bergischen Güter konzentriert hatte, wurde jedoch vermutlich erst im ausgehenden 13. Jahrhundert von den Grafen zu Berg übernommen. Es waren also drei Grundherren im Raum Lindlar vorhanden: das Stift St. Severin, das Stift St. Maria im Kapitol und die Grafen von Berg. Jede Grundherrschaft hatte ihren eigenen Herrenhof (Fronhof, Meierhof), in dem das Hofgericht tagte, und eine eigene Mühle. Die Mühle des St. Severinstiftes stand im Dorf Lindlar, die des Stiftes Maria im Kapitol in Dürscheid und die der Grafen zu Berg in Scheel.
Dem Hofgericht übergeordnet war das Landgericht, ein solches ist für den gräflichen Herrenhof Steinbach nachweisbar. Dort findet sich auch die alte Flurbezeichnung „Im Galgenbüschchen“.
12. Jahrhundert Der Turm der romanischen Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist bis heute erhalten geblieben. Die Turmhaube wurde im 18. Jahrhundert gebaut. Ein dreischiffiges spätgotisches Langhaus mit Querschiff wurde 1500 eingeweiht, das jetzige Langhaus 1826 durch einen Neubau ersetzt worden. Aus dem 12. Jahrhundert erhalten geblieben ist auch das Taufbecken der Pfarrkirche. Die Pfarrkirche zu Lindlar war Mutterkirche der Kirchen in Hohkeppel (bis 1400) und Engelskirchen (bis 1554).
Die Kirche war im mittelalterlichen Lindlar Zentrum des Dorfes. Dieses war mit einem kleinen Außengraben und einem mit einer Hecke bepflanzten Wall befestigt. In verschiedene Richtungen befanden sich Durchgänge, die durch Falltore, ähnlich Zugbrücken, gesichert waren. Noch heute erinnert der Straßenname „Am Falltor“ an einen solchen Durchgang.
mini|Karte (in Ost-West-Ausrichtung) des Gebietes um Lindlar, 1660 mini|Karte des Gebietes um Lindlar, 1790
Im Laufe der Zeit wurde immer mehr Fläche gerodet und urbar gemacht, teils aus freien Stücken der Bauern, teils auf Befehl des Landesherren. Zentren dieser Expansion waren die Fron- und Herrenhöfe. Hier regierten Beauftragte der Grundherren und es musste der Zehnte abgegeben werden. Außerdem bestand die Verpflichtung der Bauern, Hand- und Spanndienste zu leisten. Die zunehmend auch auftretenden Gerichts- und Verwaltungsarbeiten wurden ebenfalls im Fronhof erledigt.
Der Fronhof in Lindlar wurde erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1174 als curtis in lintlo erwähnt, bis dahin war er Hebestelle für den oberbergischen Stiftzehnten der Großpfarre Gummersbach-Meinerzhagen. Der Fronhof wurde von einem Meier verwaltet. Dieser musste seine Abgaben am Severinstag an den Stift abliefern. Einem Register zufolge gehörten zum Fronhof noch acht Köttersgüter und es wurden Hafer, Gerste und Flachs angebaut. Schafe und Hühner wurden als Nutztiere gehalten. Am 6. August 1663 wurde der Fronhof mit Gericht (Hofgericht) und Lehngerichtsbarkeit an Johann Adolf Schenck von Nideggen zu Ober-Heiligenhoven durch Kauf übertragen. Noch heute erinnert in Lindlar die Straßenbezeichnung „Im Fronhofsgarten“ an den ehemaligen Fronhof.
13. Jahrhundert Im Jahre 1247 gibt eine Urkunde des Erzbischofs Konrad von Hochstaden Auskunft über das Meieramt in Lindlar. Es war in diesem Jahr also schon ein örtlicher Verwaltungsbeamte des Grafen in Lindlar anwesend. Dies bestätigt auch noch einmal, warum in Steinbach keine Pfarrkirche errichtet worden war, sondern die Bewohner der Grundherrschaft der Grafen von Berg die Pfarrkirche in Lindlar besuchten.
Als Zeuge wurde auch ein Henricus aus Novo Castro ausgeführt. Seinen Wohnsitz mit Neuenberg zu identifizieren ist nicht genau belegbar, da auch Schloss Burg an der Wupper unter diesem Namen erschien.
mini|Karte der Honschaften in der heutigen Gemeinde Lindlar um 1666
Im ausgehenden 13. Jahrhundert wurde die alte Meierverfassung durchbrochen, man setzte sich über die Grundherrlichen Bindungen hinweg, indem die Pacht nicht mehr an den Lehnshof, sondern an das Kirchspiel entrichtet wurde. Mehrere Kirchspiele wurden nun zu einem Amtsbezirk, an dessen Spitze der Amtmann stand, zusammengefasst. Der Amtmann von Lindlar residierte in der Burg Steinbach, diese ist für das 13. Jahrhundert belegbar, denn als sich Graf Adolf von Berg 1268 mit einem Schreiben an seine „Amtmänner“ wandte, müssen das Amt Steinbach und ebenso die Burg Steinbach schon bestanden haben. Das Kirchspiel wiederum war in kleinere Honschaften unterteilt.