rahmenlos|rechts|Unterschrift von Toni Schumacher Harald Anton „Toni“ Schumacher (* 6. März 1954 in Düren) ist ein ehemaliger deutscher Torhüter. Er war von 1974 bis 1987 Stammtorwart des 1. FC Köln, nachdem er bereits 1972 dort seine erste Station im Herrenbereich angenommen hatte. Nach seiner Kölner Zeit spielte er für eine Saison beim FC Schalke 04 und wechselte anschließend für drei Jahre in die Türkei zu Fenerbahçe Istanbul. Ende 1991 half er noch für mehrere Wochen beim FC Bayern München aus, ehe er für verschiedene Vereine als Torwarttrainer arbeitete. 1996 kam er für Borussia Dortmund im Alter von 42 Jahren noch einmal in der Bundesliga zum Einsatz. Beim SC Fortuna Köln hatte er von 1998 bis 1999 seine einzige Station als Cheftrainer. Von 2012 bis 2019 war Schumacher Vizepräsident des 1. FC Köln und dabei verantwortlich für den sportlichen Bereich.
Schumacher galt in den 1980er Jahren als einer der besten Torhüter der Welt. Er wurde mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister und zweimal Vizeweltmeister. Außerdem wurde er zweimal deutscher, einmal türkischer Meister und gewann dreimal den DFB-Pokal. 1982 erregte er große Aufmerksamkeit durch die Verletzung des Franzosen Patrick Battiston in der Nacht von Sevilla. Einen Skandal verursachte 1987 in der Bundesrepublik die Veröffentlichung seines Buches Anpfiff, die das Ende seiner Zeit in Köln und in der Nationalmannschaft bedeutete. 1984 und 1986 wurde Schumacher zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Außerdem kürte die FIFA ihn mit dem Silbernen Ball zum zweitbesten Spieler der WM 1986.
Karriere Jugend Im Alter von acht Jahren wurde Schumacher von einem Jungen aus der Nachbarschaft zum Training von Schwarz-Weiß Düren mitgenommen. Er spielte zunächst als Stürmer und stellte sich mit zwölf Jahren auf Anraten seines Trainers und seiner Mutter ins Tor, da er sich als Feldspieler zu sehr verausgabt habe.Harald Schumacher: Anpfiff: Enthüllungen über den deutschen Fußball, 1987, ISBN 3-426-26298-3; Kapitel „Von Harald zu »Toni«“ Er schaffte schließlich den Sprung in den Kader der A-Jugendnationalmannschaft.
1972 stand er mit Schwarz-Weiß Düren im Halbfinale um die Mittelrhein-Meisterschaft. Gegen den amtierenden A-Jugendmeister 1. FC Köln unterlag die Mannschaft mit 0:1. Dem Kölner Cheftrainer Josef Röhrig fiel das Torwarttalent auf, und er gewann Schumacher für den Profikader des FC. Um seine Lehre zum Kupferschmied beenden zu können, hatte Schumacher Abwerbeversuchen lange widerstanden.
Vereinskarriere 1. FC Köln In seiner ersten Saison als Profi blieb Schumacher als Ersatztorwart ohne Einsatz in der Bundesliga. Als sich Stammtorhüter Gerhard Welz in der Folgesaison verletzt hatte, debütierte Schumacher 19-jährig am 8. September 1973 (6. Spieltag) beim Bundesligaspiel gegen den VfL Bochum (2:2). Er nutzte seine Chance und war ab der Saison 1974/75 Kölns neue Nummer eins. In den 1970er Jahren gehörte der 1. FC Köln um Spielmacher Wolfgang Overath stets zu den besten fünf der Liga, ohne einen großen Titel zu gewinnen. Schumacher entwickelte sich als Torhüter weiter und zählte zu den hoffnungsvollsten deutschen Talenten. Nach dem Sieg im DFB-Pokal 1976/77 beendete Overath seine Karriere, doch Trainer Hennes Weisweiler führte den FC 1977/78 mit Spielern wie Dieter Müller, Heinz Flohe und Harald Konopka zum Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Zwischen 1977 und 1983 stand Schumacher 213 Bundesligaspiele in Folge im Tor, ehe eine vereinsinterne Sperre wegen eines Streits mit Trainer Rinus Michels diese Serie stoppte. Trotz seiner teils unbequemen Art galt der Torhüter als einer der Besten in der Bundesliga und wurde 1984 und 1986 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. 1987 veröffentlichte er sein Enthüllungsbuch Anpfiff, worauf er in der Nationalmannschaft und auch bei den Kölnern suspendiert wurde.
Nach 422 Bundesligaspielen, 67 Europapokal-Spielen und 55 Partien im DFB-Pokal endete nach 15 Jahren Schumachers aktive Ära in Köln.
Schalke 04 Im Sommer 1987 wechselte er zum Bundesligisten FC Schalke 04, mit dem er 1988 als Tabellenletzter abstieg. Die Mannschaft musste in der Saison dabei 84 Gegentore hinnehmen. Schumacher verpasste in der Saison eins von 34 Spielen und griff 80 Mal hinter sich.
Fenerbahçe Istanbul, Bayern München und Borussia Dortmund Nach dem Schalker Abstieg unterschrieb er einen Vertrag beim türkischen Verein Fenerbahçe Istanbul. In der Türkei erarbeitete er sich den Status als Publikumsliebling und führte die Mannschaft als Kapitän bereits in der ersten Saison zur Meisterschaft.
Nach drei Jahren kehrte der mittlerweile 37-Jährige 1991 nach Deutschland zurück und wurde im Oktober 1991 vom FC Bayern München als Ersatz für die verletzten Torhüter Raimond Aumann und Sven Scheuer verpflichtet. Unter Trainer Sören Lerby spielte er zwischen Oktober und Dezember insgesamt achtmal.Statistik auf www.transfermarkt.de
Am 29. Februar 1992 wurde er im Münchener Olympiastadion beim FC Bayern verabschiedetWerner Steigemann: Das Volk murrt, in: taz. die tageszeitung vom 2. März 1992 und er beendete seine Spielerkarriere. Zu seinem Abschiedsspiel Mitte April 1992 kamen mehr als 50 000 Zuschauer ins Müngersdorfer Stadion. Anlässlich des Spiels bezeichnete ihn das Hamburger Abendblatt als „eine der großen Spielerpersönlichkeiten“, „jene Spezies skurriler Typen also, die in der Bundesliga auszusterben droht.“ Seinen endgültig letzten Bundesligaeinsatz hatte er allerdings erst am 18. Mai 1996 für Borussia Dortmund, wo er als Torwarttrainer und für den Notfall als Ersatztorhüter tätig war. Schumacher wurde in der 88. Minute beim 3:2-Heimsieg über den SC Freiburg im letzten Spiel der Saison, als der BVB bereits als Meister feststand, als Dankeschön für seine hervorragende Arbeit als Torwarttrainer von Trainer Ottmar Hitzfeld für Wolfgang de Beer eingewechselt. So gewann er mit 42 Jahren als ältester Bundesligaspieler und ältester BVB Profi jemals, seine zweite deutsche Meisterschaft.www.fussballdaten.de – Bundesliga 1995/1996, 34. Spieltag zuletzt abgerufen am 28. Mai 2012. Eigener Aussage nach betrieb Schumacher, der als „einer der Härtesten seiner Zunft“ bezeichnet wurde, während seiner Laufbahn „Raubbau an [s]einem Körper“.
Karriere in der Nationalmannschaft 1979 bis 1982 Nach Einsätzen für die A-Jugendnationalmannschaft und die B-Nationalmannschaft feierte Schumacher am 26. Mai 1979 beim 3:1-Erfolg über Island seine Premiere in der A-Nationalmannschaft, als er zur zweiten Halbzeit für Sepp Maier ins Tor beordert wurde. Nach Maiers Karriereende in der Nationalmannschaft 1979 war von Bundestrainer Jupp Derwall eigentlich Norbert Nigbur als Stammtorwart für die EM 1980 vorgesehen. Nach dessen Verletzung rückte Schumacher auf und die Bundesrepublik gewann die Europameisterschaft. Im Finale spielte Schumacher mit einem gebrochenen Mittelhandknochen.Tim Jürgens: In: 11 Freunde, Heft #91 06/2009, 19. Mai 2010, zuletzt abgerufen am 22. Juli 2017 (Interview). Schumacher etablierte sich nach sieben Spielen und dem Titelgewinn als neuer Stammtorwart.
Für den Gewinn des Turniers wurde er von Bundespräsident Karl Carstens mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.Bundesarchiv: Sportpreise(Silberlorbeer): Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die deutsche Fußballnationalmannschaft (Europameisterschaft 1980) Signatur BArch B 122/29165.
Nacht von Sevilla 1982 Bei der WM 1982 in Spanien wurde die Bundesrepublik Deutschland Vizeweltmeister, wobei Schumacher lange Zeit die Aufmerksamkeit negativ bestimmte. Im Halbfinale gegen Frankreich, der sogenannten „Nacht von Sevilla“, traf er den französischen Angreifer Patrick Battiston schwer, der dabei zwei Zähne verlor, sich einen Halswirbel brach und mit einer Gehirnerschütterung vom Platz getragen werden musste. Der Schiedsrichter pfiff kein Foul. Nach der Partie erzeugte Schumacher mit der Bemerkung, er wolle Battiston seine Jacketkronen zahlen, internationale Kritik. Fortan galt er in Frankreich als Inbegriff des „hässlichen Deutschen“ – ein Image, das zu korrigieren ihm erst Jahre später gelang. Zu einem späteren Zeitpunkt stellte Schumacher klar, die Äußerung sei als Ausdruck seiner Erleichterung zu verstehen, da er befürchtet hatte, Battiston liege im Koma. Wortwörtlich hatte Schumacher gesagt: „Wenn es nur die Jacketkronen sind, die bezahle ich ihm gerne.“Thomas Bierling: Leitwölfe der Bundesliga Harald Schumacher, sueddeutsche.de, 22. August 2011
Schumacher bat später öffentlich und bei Battiston persönlich um Entschuldigung für den Vorfall, die der Franzose auch annahm. In einem späteren Interview sagte Schumacher, er habe nicht vorgehabt, Battiston zu foulen, sondern den Ball zu fangen. Er sei nicht zu dem verletzten Battiston hingegangen, weil dieser von wütenden französischen Mitspielern umringt war und er die Situation nicht habe eskalieren lassen wollen. Später habe er im Überschwang den Satz mit den Jacketkronen gesagt, den er heute bereue. Ebenso bereue er, nicht ins Krankenhaus zu Battiston gefahren zu sein.Kurt Röttgen, Ludger Schulze: WM-Historie (9): 1982 „Ich komme in den Himmel“, sueddeutsche.de, 30. Mai 2010 zuletzt abgerufen am 28. Mai 2012. Im anschließenden Elfmeterschießen dieser Begegnung hielt Schumacher zwei Elfmeter und trug damit maßgeblich zum Erreichen des Endspiels bei.
1982 bis 1986 mini|WM-Finale 1986: Burruchaga entwischt Briegel, überwindet Schumacher und trifft zum 3:2 Vier Jahre später bei der WM 1986 in Mexiko stand Schumacher bei seiner zweiten WM im Tor und übernahm für den angeschlagenen Karl-Heinz Rummenigge zeitweise die Funktion des Mannschaftskapitäns. Beim Viertelfinale gegen Gastgeber Mexiko kam es zum Elfmeterschießen, bei dem Schumacher zwei Elfmeter hielt. Im Halbfinale traf die Bundesrepublik erneut auf Frankreich und Battiston, der für das Turnier ebenfalls nominiert worden war. Es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen und Schumacher machte ein fehlerfreies Spiel. Deutschland erreichte erneut das Endspiel, in dem Schumacher bei Argentiniens Führungstreffer ein folgenreicher Fehler unterlief. Trotz seines Fehlers und der Finalniederlage wurde Schumacher aufgrund seiner insgesamt überragenden Leistungen zum besten Torhüter des Turniers und zum zweitbesten Spieler nach Diego Maradona gewählt. Schumacher hatte zwar das Ende seiner Länderspielkarriere angekündigt, doch er revidierte diese Entscheidung nach dem Turnier – er wolle seine Karriere im Tor der DFB-Elf fortsetzen.
Nach der Veröffentlichung seines Buches Anpfiff suspendierte ihn der Teamchef Franz Beckenbauer von der Nationalmannschaft. Damit war das Länderspiel am 15. Oktober 1986 gegen Spanien (2:2) in Hannover sein letzter Einsatz. In einem späteren Interview sagte Schumacher, Beckenbauer habe ihm zunächst Mut zugesprochen. Er vermutete, dass Beckenbauer auf Druck des DFB-Präsidenten Hermann Neuberger habe handeln müssen. In Anpfiff hatte Schumacher den Vorwurf erhoben, Doping gehöre in der Bundesliga zum Alltag. Er selbst habe Captagon im Training ausprobiert.Anno Hecker: , faz.net vom 17. Juni 2007 Außerdem kritisierte er, ohne Namen zu nennen, dass Nationalspieler bei der Fußballweltmeisterschaft 1982 die Nächte mit Alkoholkonsum, Pokerpartien und Frauengeschichten verbracht hätten. Schumachers Nachfolger als Torhüter in der Nationalmannschaft wurden Eike Immel und Bodo Illgner.
Karriere als (Torwart-)Trainer mini|Toni Schumacher (2026) mini|Schumacher beim Empfang für den 1. FC Köln im Rathaus nach dem Bundesliga-Aufstieg 2014