Kamerun ([] oder []; []; []) ist ein Land in Zentralafrika. Es grenzt an Nigeria, den Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Gabun und Äquatorialguinea. Im Südwesten hat das Land eine Küste am Atlantik. Die größten Städte sind die Hauptstadt Yaoundé und die Hafenstadt Douala.

Kamerun wird autoritär regiert, die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt. Korruption und Verletzungen der Menschenrechte sind weit verbreitet. So kommt es beispielsweise regelmäßig zu Folter und willkürlichen Festnahmen.

Landesname Portugiesische Seefahrer um Fernão do Pós, die 1472 als erste Europäer die Region erkundeten, gaben dem heutigen Fluss Wouri den Namen Rio dos Camarões (Fluss der Garnelen) nach den zahlreichen Langusten, welche sie für Garnelen hielten. Später wurde der Name für die umliegenden Berge und von der deutschen Kolonialverwaltung zunächst für die heutige Stadt Douala und später für das ganze Land übernommen.Flags of the World – Union of the Populations of Cameroon

Geographie Landschaftscharakter mini|links|Wouri Der Naturraum Kameruns kann als „Afrika im Kleinen“ beschrieben werden, da er alle wesentlichen Klimazonen und Vegetationen des Kontinents beherbergt: Meeresküste an der Bucht von Bonny, Gebirge, tropischer Regenwald, Savanne und im äußersten Norden Wüste. Das Landesinnere besteht vorwiegend aus flachen Plateaus, die sich nach Norden bis zum Adamaua-Hochland und dem Mandara-Gebirge erheben, um dann allmählich zur Niederung des Tschadsees im äußersten Norden abzufallen, an dem Kamerun noch kleinere Anteile hält.

Der Westen und Nordwesten Kameruns ist von vulkanischem Gebirge entlang der Kamerunlinie bestimmt, das in Küstennähe von einem aktiven Vulkan überragt wird: Der hohe Kamerunberg ist die höchste Erhebung Westafrikas. Entlang der Kamerunlinie erhebt sich das bis zu hohe Vulkanfeld Oku, in dem der Nyos- und Manoun-See liegen. Das Vulkanfeld Oku liegt im Bamenda-Hochland, in dem die höchsten Gebirgsregenwälder Westafrikas liegen. (PDF; 324 kB) Publikation der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit 1995. Die dritthöchste Erhebung Kameruns ist das Bambouto-Massiv (). Weitere bedeutende Berge des Kamerungebirges sind die heiligen Berge der Bakossi, der Manengouba und der Kupe.Mounts Kupe and Muanenguba: Custodian of tradition and biodiversity. auf der WWF-Webseite (englisch) Die südlichen Plateaus sind mit tropischem Regenwald bedeckt und senken sich zu breiten Ebenen in der Küstengegend ab.

Bei den in Kameruns Süden und Mitte vorkommenden Böden handelt es sich um ferrallitische Böden, also um Böden der äquatorialen Braunlehme der immerfeuchten Tropen. Im Norden, dem Bereich der Trocken- und Dornensavanne, liegen typische rotbraune und rote Böden der Trockensavanne vor.

Klima mini|hochkant=1.5|Klimazonen in Kamerun (Klassifikation nach Köppen) Das Klima ist tropisch mit hohen Temperaturen, die in den Höhenlagen gemildert sind. Die Regenperioden sind überwiegend niederschlagsreich, jedoch mit großen regionalen Unterschieden. Insgesamt lassen sich fünf regionale Klimazonen unterscheiden (siehe Karte).

Im Norden des Landes ist es wechselfeucht mit einer Trockenzeit von Oktober bis April und einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von rund 700 mm im Jahr. Die Zeit, in der nur geringer Niederschlag fällt, erstreckt sich von Juli bis September. Die mittlere Temperatur liegt bei 32,2 °C. Aufgrund der hohen Temperaturen und der im Verhältnis dazu geringen Niederschläge liegt in diesem Raum eine mittlere Dürrewahrscheinlichkeit (alle zwei bis fünf Jahre) vor. Ganz im Norden, beim Tschadsee, ist das Klima trocken. Hier liegen Kameruns Anteile am Tschadbecken mit den Überflutungsgebieten des Logone im Osten der Waza-Ebene. Ab November erhält der Fluss El Beid, der im Westen die Grenze zu Nigeria bildet, das Wasser für seine Hauptflutsaison.Hassan Haruna Bdliya, Martin Bloxom: (PDF)

Im sich nach Süden anschließenden inneren Hochland (1000 bis 1500 m über dem Meer) erreicht die Temperatur durchschnittlich 22 °C im Jahr und es fallen Niederschläge von 1500 bis 1600 mm jährlich. Hier vollzieht sich der Wechsel von den Savannen des Nordens zum Regenwald des Südens. Das folgende Westkameruner Bergland weist konstante Niederschläge zwischen 2000 und 11.000 mm auf. Die Gegend an den südlichen Ausläufen des Kamerunbergs hat durchschnittliche Niederschlagsmengen von 11.000 mm und gehört damit zu den regenreichsten Gebieten der Welt. In diesen beiden Regionen kommt es zu einer „Trockenzeit“ zwischen Dezember und Februar, wobei auch diese Zeit nicht vollständig ohne Niederschläge bleibt.

Die Küstenebene im Süden hat äquatoriales Klima mit Niederschlägen zwischen 1500 und 2000 mm und einer Durchschnittstemperatur von 25 °C. Hier gibt es dichten tropischen Regenwald. Die trockeneren Monate sind Dezember und Januar.

Hydrologie Grundsätzlich ist Kamerun in vier große Einzugsgebiete (neben diversen Küstenflüssen) aufgeteilt. Die Wasserscheide dieser vier großen Einzugsgebiete befindet sich im Hochland von Adamaua. In nordöstlicher Richtung entwässern der „nördliche“ Vina und der Mbéré in das Tschadbecken. In südliche Richtung fließen der „südliche“ Vina und der Lom, die in den Sanaga entwässern. Im Norden des Hochlandes hat der Benue und im Nordwesten der Faro, ein Nebenfluss des Benue, seine Quellflüsse, die in das Nigersystem abfließen.PDF zur Hydrologie Kameruns (französisch) Zugriff am 22. Juni 2018 Hinzu kommen die Flüsse Kadéï und Mambéré, die über den Sangha in südöstlicher Richtung in den Kongo entwässern.

Flora und Fauna Laut einer Studie von Bernard Foahom aus dem Jahre 2001 leben in Kamerun mindestens 542 verschiedene Fischarten, von denen 96 Endemiten sind. Außerdem wurden über 15.000 Schmetterlingsarten, 281 Säugetierspezies, 165 der 275 in Afrika existierenden Reptilien, drei Krokodilarten und 190 bis 200 Froschlurche gezählt.Bernard Foahom: Biodiversity Planning Support Programme – Integrating Biodiversity into the Forestry Sector Cameroon Case Study, August 2001 (PDF) Unter den 885 Vogelarten befinden sich 223 Zugvogelarten und sieben endemische Arten (Stand 2017).Country Profile: Cameroon BirdLife International, abgerufen am 2. April 2017. Im westlichen Bergland bilden die Bakossi-Berge und der Manengouba einen Biodiversitätshotspot.

Der mittlere Teil des Landes befindet sich in der so genannten Ökoregion Wald-Savannen-Mosaik des nördlichen Kongo.

Bodenschätze Zu den natürlichen Ressourcen des Landes gehören unter anderem Erdöl, Bauxit, Eisenerz, Gold und Diamanten. Diese Bodenschätze werden bisher nicht intensiv genutzt. In den 1980er Jahren gab es durch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen erste Anstöße.

Die Erschließung von Erdölvorkommen ist seit 1986 zurückgegangen.

Verwaltungsgliederung Regionen

mini|281px|Gliederung Kameruns in Regionen und Départements (2017) Der Staat gliedert sich in zehn Regionen. Die ursprüngliche Bezeichnung Provinz (englisch/französisch province) wurde am 12. November 2008 durch Region (englisch region, französisch région) ersetzt.

Nr. Name (französisch/englisch) Hauptstadt Einwohnerzahl 2015citypopulation.deIndex der menschlichenEntwicklung 2017 1 Adamaoua Ngaoundéré1.201.0000,504 2 Centre Yaoundé4.159.5000,650 3 Est/East Bertoua835.6000,545 4 Extrême-Nord/Extreme North Maroua3.993.0000,406 5 Littoral Douala3.355.0000,664 6 Nord/North Garoua2.442.6000,436 7 Nord-Ouest/Northwest Bamenda1.968.6000,592 8 Sud/South Ebolowa749.6000,604 9 Sud-Ouest/Southwest Buea1.553.3000,598 10 Ouest/West Bafoussam1.921.6000,599 Kamerun Yaoundé22.179.7000,557

Département

Die Regionen Kameruns gliedern sich in 58 Départements (Stand 2018). Weiter werden diese wiederum in insgesamt in 360 Arrondissements oder Communes und 14 Communautés Urbaines aufgeteilt:Statistikamt Kamerun, Verwaltungsgliederung 2018, Seite 6

Städte

Im Jahr 2023 lebten 59 Prozent der Einwohner Kameruns in Städten. Die beiden größten Städte in Kamerun sind die Hauptstadt Yaoundé mit ca. 2,4 Millionen Einwohnern (Schätzung 2017) und die Hafenstadt Douala mit ca. 3,4 Millionen Einwohnern.Cameroon: largest cities and towns World Gazetteer (archivierte Webseite)

Bevölkerung mini|Bevölkerungs­entwicklung, Fertilitäts- und Netto­reproduktions­raten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungs­entwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke Y-Achse): Gesamt­bevölkerung jeweils zum 1. Juli in TausendBlaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamt­bevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamt­frucht­barkeits­rate (Lebendgeburten pro Frau)Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Netto­reproduktions­rate (überlebende Töchter pro Frau) mini|Bevölkerungspyramide 2020

Demografie Kamerun hatte 2022 27,9 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,6 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 34,4 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,2 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,4, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Ausgehend von einem Höchststand von etwa 6,5 Kindern pro Frau Anfang der 1980er Jahre sinkt die Rate stetig. Begünstigt wird der Trend dadurch, dass immer mehr verheirateten Frauen moderne Verhütungsmittel zur Verfügung stehen. Dennoch liegt ihr Anteil 2020 bei nur 36 %. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 17,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 42,0 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 2,7 Prozent der Bevölkerung betrug.

Am dichtesten besiedelt sind das Grasland in der West- und Nordwest-Region, die Küstenregion um die Hafenstadt Douala und das Gebiet um die Hauptstadt Yaoundé. Demgegenüber sind die Mitte und der Südosten des Landes nur dünn besiedelt.

Bevölkerungsstruktur Angaben zur Zahl der in Kamerun lebenden Ethnien unterscheiden sich stark und sind teilweise von Ideen kolonialer Herrschaftspraxis durchdrungen (Divide et impera). Grob können vier geographische Räume mit kulturellen Clustern unterschieden werden:

Die Gesellschaften der Küstenregion, unter anderem geprägt durch den im 15. Jahrhundert eintretenden Kontakt mit europäischen Händlern (zum Beispiel Duala, Kpe/Bakwiri und Batanga-Gruppen) Die Gesellschaften des Südlichen Waldlandes, größtenteils geprägt durch Migrationsbewegungen aus den benachbarten Savannengebieten, welche teilweise bereits vor einigen Jahrhunderten einsetzten. Die geringe Bevölkerungsdichte und das nur schwer zu durchdringende Gelände begünstigten die Bildung von segmentären Gesellschaften mit besonderen Austauschformen (zum Beispiel Ewondo, Basaa, Ngumba, Eton, Bulu, Makaa, Njem, Ndzimu und Fang). Die Gesellschaften des Berglandes im Westen, vor allem geprägt durch eine günstige geographische Lage, welche bereits in vorkolonialer Zeit zu einer hohen Bevölkerungsdichte und damit einhergehend zu Phänomenen der sozialen Stratifikation geführt haben, unter anderem in Form einer Vielzahl kleinerer Königreiche (zum Beispiel Bamun, Bamileke-Gruppen). Die Gesellschaften nördlich des Sanaga-Beckens, vor allem geprägt durch den Kontakt mit den Gesellschaften im Sahel sowie insbesondere durch die Fulbe-Invasion im 19. Jahrhundert beziehungsweise durch die Auseinandersetzung mit dieser (zum Beispiel Fulbe, Kanuri, Mandara, Musgum, Kotoko, Massa, Mundang, Gbaya, Kirdi).

Migration Vor allem aus den Nachbarländern Nigeria, Zentralafrikanische Republik und dem Tschad migrieren Menschen nach Kamerun. Der UNHCR zählte im Juni 2015 insgesamt rund 400.000 Flüchtlinge im Land. Im Jahre 2017 waren 2,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Sprachen

Die Zahlen zu den verschiedenen Sprachgruppen unterscheiden sich ebenfalls stark. Die Ethnologue-Datenbank listet aktuell 285 Sprachen auf, die im Land gesprochen werden. Jedoch ist auch diese Einteilung im Detail widersprüchlich.