Als Taktische Einheiten werden bei den deutschen Hilfsdiensten nach ihrem taktischen Nutzen erfolgende Zusammenfassungen von Personal und Material bezeichnet, die einsatzrelevante Aufgaben selbstständig erledigen können, um einen ihrer Größe entsprechenden Einsatzauftrag selbstständig abzuarbeiten.Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz, 2., überarbeitete Auflage, Januar 2006.

Grundlagen Die taktische Gliederung der Kräfte wird in der Regel nach folgendem Schema vorgenommen,H. Schläfer: Das Taktikschema. 4. Auflage, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-012101-4. wobei die einzelne Einsatzkraft (Helfer) die Grundlage aller Einheiten bildet: Kleinste Einheit ist ein Trupp, die nächstgrößeren Einheiten heißen Staffel (nicht bei allen Organisationen vorhanden; bspw. Hubschrauberstaffel oder Rettungshundestaffel), Gruppe und Zug. Die größte Taktische Einheit ist der Verband. Je nach Organisation und Staat können die Einheiten unterschiedliche Personalstärke und Selbstständigkeit besitzen.

Deutschland mini|Angabe der Personalstärke mini|Aufstellung eines selbständigen Trupps (Taktische Zeichen) mini|Aufstellung einer Staffel (Taktische Zeichen) mini|Aufstellung einer Gruppe (Taktische Zeichen)

Die verschiedenen Stärken der Einheiten werden in Deutschland in unterschiedliche Taktische Einheiten und Verbände gegliedert. Gemäß Feuerwehrdienstvorschrift 3 handelt es sich je nach Mannschaftsstärke hierbei um: einen Selbstständigen Trupp, eine Staffel, eine Gruppe, einen Zug oder einen Verband.

Die Stärke und Gliederung der Feuerwehreinheiten sind in Deutschland einheitlich in der Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 „Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz“ festgelegt. Die Mannschaftsstärke wird in der Form Einheitsführer/Unterführer/Mannschaft/Gesamtstärke angegeben. Andere Hilfsorganisationen haben eigene Rechtsgrundlagen. Über Sprechfunk wird z. B. die Stärke eines Zuges (1/3/18/22) wie folgt gemeldet: „Eins – Drei – Achtzehn – Gesamt Zwoundzwanzig“.

Führer selbstständig agierender Feuerwehreinheiten müssen die Ausbildung zum Gruppenführer besitzen.

Entsprechend der oben genannten Einheitsgrößen sind die genormten Fahrzeuge der Feuerwehr mithin auf eine entsprechende Gruppen-, Staffel- oder (selbstständige) Truppbesatzung ausgelegt.

Geschichte Mit der Bildung von Löschmannschaften in Form von Pflichtfeuerwehren Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auch deren Auswahl und Anzahl festgelegt. So hatte der Ortsvorstand eine Abteilung rüstiger Männer auszuwählen, welche „unter eigenen Anführern steht, und zum Retten von Menschen, Hausthieren und Effecten bestimmt ist“. „Ihre Auswahl und Anzahl richtet sich nach der Stärke der Population der betreffenden Gemeinde.“ Beispielsweise erließ die herzoglich-nassauische Regierung im November 1826 eine diesbezügliche Verordnung für ihr Herrschaftsgebiet.

Österreich Bei den Einheiten der österreichischen Feuerwehren ist zu beachten, dass es die Staffel (noch) nicht gibt. Die Gruppe ist als „Löschgruppe“ mit einer Mannschaftsstärke von neun Einsatzkräften (der Mannschaft eines Löschfahrzeuges) oder als „Tanklöschgruppe“ mit sieben Einsatzkräften aufgestellt. Aufgrund neuer baulicher und gesetzmäßiger Beschränkungen der Feuerwehrfahrzeuge wird die Staffel mit sechs Personen auch in Österreich diskutiert. Eine Gruppe befehligt jeweils ein Gruppenkommandant, einen Zug ein Zugskommandant und der Verband der Verbandskommandant.

Feuerwehr Trupp Der Trupp ist die kleinste Einheit und besteht üblicherweise aus zwei Feuerwehrangehörigen, einem Truppführer und einem Truppmann, auch als (0/0/2/2) geschrieben. Diese Art von Einheit ist Bestandteil der Einheiten Staffel oder Gruppe und somit keine selbstständige operierende Einheit. Eine Person der Einsatzkräfte fungiert als Truppführer (Österreich: Truppkommandant). Die Einheit wird landläufig auch als „Löschtrupp“ bezeichnet.Löschtrupp Duden

Selbstständiger Trupp Dagegen ist der Selbstständige Trupp von (0/1/2/3) eine Einheit, die als selbstständige taktische Einheit eingesetzt werden kann. Er besteht aus einem Truppmann und einem Maschinisten und wird von einem Truppführer geführt, der jedoch die Qualifikation eines Gruppenführers besitzen muss. Sie wird vor allem auf Fahrzeugen eingesetzt, die lediglich Platz für eine Truppbesatzung haben (Drehleitern, Rüstwagen, diverse Gerätewagen, SW 2000-Tr, diverse Tanklöschfahrzeuge etc.), auch der Zugtrupp ist als selbstständiger Trupp anzusehen.

Aufgrund personeller Engpässe und ihrer Sonderaufgaben/-funktion, wodurch sie i. A. nicht selbstständig, allein tätig werden, ist es heutzutage allerdings möglich, dass diese Fahrzeuge nur noch mit der Besatzung eines Trupps 0/1/1/2 (oft 0/0/2/2) besetzt werden und dann an der Einsatzstelle einem Gruppen-/Staffelführer eines Löschfahrzeuges oder direkt dem Zugführer unterstellt werden.Feuerwehr Dortmund, „C-Dienst Konzept“, abgerufen am 16. September 2020

Staffel

Aufgrund mangelnden Personals und verbesserter Technik, welche entsprechend arbeitserleichternd wirkt, ist die Staffel bei vielen Feuerwehren in der Praxis oftmals die tatsächlich eingesetzte taktische Grundeinheit. (PDF; 60 kB), LFV Niedersachsen 2007 Sie besteht aus sechs Personen (0/1/5/6): einem Staffelführer, der die Ausbildung eines Gruppenführers benötigt, einem Maschinisten, sowie Angriffstrupp und Wassertrupp.

Gruppe

Die Gruppe ist die taktische Grundeinheit zum Abarbeiten von Einsätzen der Feuerwehr und besteht aus neun Personen (0/1/8/9), dem Gruppenführer (in Österreich: Gruppenkommandant), einem Maschinisten, einem Melder, sowie den drei Trupps: Angriffstrupp, Wassertrupp und Schlauchtrupp. Die Gruppe kann auch aus der Besatzung eines Staffel- und eines Truppfahrzeugs gebildet werden. Dabei stellt die Truppbesatzung in der Regel den Schlauchtrupp und den Melder. Bei einem voll besetzten Löschgruppenfahrzeug beträgt die Mannschaftsstärke bereits (0/1/8/9).

Zug Der Zug (1/3/18/22) ist die größte reguläre taktische Einheit und besteht im Regelfall aus zwei Gruppen (jeweils 0/1/8/9), dem Zugführer (1/0/0/1) und dem Zugtrupp (0/1/2/3). Der Zugtrupp setzt sich aus Führungsassistent (Stellvertretendem Zugführer, früher auch als Gruppenführer zbV bezeichnet), Melder und Fahrer zusammen. Dieser unterstützt den Zugführer. Je nach Situation können verschiedene Züge der Feuerwehr zum Einsatz kommen. Die bekanntesten sind Löschzug, Rüstzug und Gefahrstoffzug.

Gemäß FwDV 3 kann ein Zug auch für besondere Aufgaben um einen Selbstständigen Trupp, eine Staffel oder eine Gruppe erweitert werden und hat folglich eine Stärke von bis zu 31 Einsatzkräften (1/4/26/31). Der hierfür früher verwendete Begriff des „erweiterten Zugs“Feuerwehr-Dienstvorschrift 5, Der Zug im Löscheinsatz, Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV) (auch „verstärkter Zug“ genannt) wurde nicht in die zurzeit gültige FwDV 3 übernommen.

Besonders bei den Berufsfeuerwehren hat jedoch ein Zug inzwischen kaum noch die Stärke von 22 Einsatzkräften. Heutzutage rückt ein Löschzug meist mit 16 Feuerwehrangehörigen aus.Berufsfeuerwehr Karlsruhe: Alarm und Ausrückeordnung abgerufen am 18. Februar 2019. Bei den Berufsfeuerwehren ist dies aus Einsparungsgründen der Fall. Bei Freiwilligen Feuerwehren kommt eine solche Reduktion vor allem durch Personalknappheit zustande, die besonders werktags tagsüber auftritt. Andererseits kann Personal durch moderne Geräte zumindest teilweise kompensiert werden. Der Löschzug kann auch ohne den oben beschriebenen Zugtrupp zum Einsatz kommen: (1/2/16/19). Auch eine Verringerung des Zugtrupps ist häufig, zum Beispiel (0/1/1/2), der Löschzug wäre dann also mit (1/3/17/21) unterwegs.

Bei kleineren Schadensereignissen können auch kleinere Fahrzeugkombinationen mit weniger Personal ausrücken. Dabei handelt es sich jedoch dann nicht um einen Zug im Sinne der FwDV 3.

Verband Die Zusammensetzung des Verbandes (präziser Taktischer Verband genannt) ist nicht einheitlich definiert. Als Verbände werden Einheiten mit mehr als 31 Mann bezeichnet, der also größer als ein erweiterter Zug ist. Die Führung obliegt dem Verbandsführer (in Österreich: Verbandskommandant). Oft wird der Verbandsführer von einer Führungsstaffel oder einer Führungsgruppe beim Leiten des Einsatzes unterstützt. Meistens handelt es sich bei den Verbandsführern um besondere Feuerwehrdienstgrade.

Meistens bilden die Kreisfeuerwehrbereitschaften bzw. überörtliche Hilfeleistungskontingente (diese bestehen nicht in allen Bundesländern) einen Verband. Die Größe und Zusammensetzung eines Verbands ist sehr verschieden. Gerade bei Großeinsätzen können auch Verbände gebildet werden, die aus mehreren Fachdiensten bestehen. Teilweise wird der Begriff Verband auch nur als Oberbegriff für Taktische Einheiten oberhalb des Zuges benutzt. Analog zu militärischen Strukturen wird hier oft weiter unterteilt, wobei es auch hier wieder regionale Unterschiede gibt: Verband I = Bereitschaft (bis 2 Züge + Führungstrupp), Verband II = Abteilung (mehr als 2 Bereitschaften) und Verband III = Großverband (mehr als 2 Abteilungen).

So sprach man beispielsweise im erweiterten Katastrophenschutz beim Zusammenwirken zweier Löschzüge von einer Brandschutzbereitschaft.

2-5-Regel Die genaue Stärke einer Taktischen Einheit, insbesondere oberhalb der Zugebene, ist nicht exakt festgelegt. Als Faustregel kann die 2-5-Regel (Zwei bis Fünf Regel) herangezogen werden. Kernaussage dieser Regel ist, dass ein Einheitsführer zwischen zwei und fünf Taktische Einheiten der niederen Führungsebene führen kann. Bei mehr als zwei Taktischen Einheiten der niederen Führungsebene kann aber auch eine Aufteilung auf zwei Taktische Einheiten höherer Führungsebene erfolgen mit einer Führung der nächsthöheren Ebene. So könnten beispielsweise – ungeachtet der rechtlichen Zulässigkeit – vier Gruppen von einem Zugführer geführt werden oder als Verband aus zwei Zügen, mit zwei Zug- und einem Verbandsführer.

Alternative Bezeichnungen an der Einsatzstelle Neben der Gliederung in taktische Einheiten nach Einheitengröße erfolgt an Einsatzstellen die Gliederung in Einsatzabschnitte und Unterabschnitte (nach taktischen oder räumlichen Erfordernissen). Dazu werden taktische Einheiten eingesetzt. Die Art der eingesetzten taktischen Einheiten ist unterschiedlich.

Technisches Hilfswerk

Zug Die Grundeinheit des Technischen Hilfswerks (THW) ist der Zug. Jeder THW-Ortsverband verfügt über mindestens einen Technischen Zug, bestehend aus Zugtrupp, einer Bergungsgruppe und mindestens einer Fachgruppe. Im Rahmen des neuen taktischen EinheitenmodellsBundesanstalt Technisches Hilfswerk, Referat E1/THW-Leitung: Konzept für das neue taktische Einheitenmodell auf Basis des THW-Rahmenkonzepts. Bonn 2018, S. 28–31 wurde der Fachzug Logistik, bestehend aus Zugtrupp Logistik, einer Fachgruppe Materialwirtschaft und einer Fachgruppe Verpflegung sowie ggf. einem Trupp Schwere Transportaufgaben, neu eingeführt. Zudem wurde im Juli 2021 der Fachzug Führung/Kommunikation, bestehend aus einem Zugtrupp, einem Stab, einer Fachgruppe Führungsunterstützung und einer Fachgruppe Kommunikation, eingeführt. Während die Technischen Züge fast alle Fachgruppen und unabhängigen Trupps als Teileinheiten haben können, sind die Fachzüge nur mit bestimmten Fachgruppen oder Trupps besetzt, die der Ausrichtung des Fachzuges entsprechen. Die Personalstärke eines Technischen Zugs hängt daher von der Zahl der Fachgruppen und deren Größe ab, liegt aber typischerweise im Bereich von 25–50 Personen (bei 2–4 Gruppen). Der Fachzug Logistik hingegen hat eine einheitliche Personalstärke von 28 Personen (32 bei Vorhandensein eines Trupps Schwere Transportaufgaben). Der Fachzug Führung/Kommunikation hat eine Personalstärke von 26–30 Personen, abhängig von Fachgruppe Kommunikation Typ A oder B.