mini|Schildkröte „Uralte Morla“ aus Michael Endes Roman Die unendliche Geschichte im Michael-Ende-Kurpark Garmisch-Partenkirchen (2014)
Die unendliche Geschichte ist ein 1979 erschienener Roman von Michael Ende. Das Werk ist ein zugleich märchenhafter, phantastischer und romantischer BildungsromanMarcus Schnöbel: Erzählung und Märchen. Untersuchung zu Michael Endes „Die unendliche Geschichte“, S. 129, und gehört inzwischen zu den neuen Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur.Neue Klassiker der Jugendliteratur
Der Großteil der Handlung spielt in einer Parallelwelt, Phantásien genannt, die durch das „Nichts“ zerstört wird – immer größere Teile des Reiches verschwinden einfach, ohne dass etwas davon zurückbleibt. Eine Art Rahmenerzählung besteht aus Sequenzen, die in der Menschenwelt angesiedelt sind. Jede dieser Welten stellt eine der beiden Hauptpersonen des Romans vor. Bastian Balthasar Bux ist ein Menschenjunge, der zunächst nur einen Roman über das Land Phantásien liest, doch die Geschichte wird für ihn mehr und mehr zur Wirklichkeit. Schließlich wird er selbst ein Teil davon, bis er kurz davor steht, sich in der Phantasiewelt zu verlieren. Atréju hingegen ist ein junger phantásischer Jäger, der im Auftrag der kranken Herrscherin des Reiches, der Kindlichen Kaiserin, nach der Ursache für ihre Krankheit sucht, um dadurch Phantásien zu retten. Er wird später zu Bastians Freund und hilft ihm, den Weg zurück nach Hause zu finden.
Inhalt
Bastian Balthasar Bux ist ein zehn oder elf Jahre alter, schüchterner, fantasievoller und pummeliger Junge. Sein Vater hat den Tod von Bastians Mutter nie verkraftet, flüchtet sich in seine Arbeit und beachtet seinen Sohn kaum noch. In der Schule ist der Junge ein Außenseiter und wird von seinen Klassenkameraden schikaniert. Auf der Flucht vor ihnen rettet sich Bastian in das Antiquariat des Buchhändlers Karl Konrad Koreander. Dieser liest gerade in einem geheimnisvollen Buch mit dem Titel Die unendliche Geschichte. Für Bastian erscheint dies als das Buch der Bücher, denn er hat sich schon immer eine Geschichte gewünscht, die niemals endet. Als das Telefon klingelt, verlässt Koreander den Raum. Bastian stiehlt das Buch und flüchtet mit ihm auf den Dachboden seiner Schule. Dort beginnt er Die unendliche Geschichte zu lesen.
Diese handelt von Phantásien, dem Reich der Phantasie. Die Kindliche Kaiserin, Herrscherin dieses Reiches, die im Elfenbeinturm wohnt, ist schwer erkrankt und droht zu sterben. Indem ihre Krankheit voranschreitet, ist auch Phantásien selbst dem Untergang geweiht. Das Land und alle Wesen, die darin leben, werden nach und nach vom Nichts verschlungen, und es bleibt buchstäblich nichts von ihnen übrig. Deshalb sendet die Kindliche Kaiserin Atréju aus, einen grünhäutigen Jungen in Bastians Alter. Er soll ein Heilmittel für die Kindliche Kaiserin beschaffen und so Phantásien retten. Atréju reist von Ort zu Ort und spricht mit den verschiedensten Bewohnern des Reiches. So findet er nach und nach heraus, dass die Kindliche Kaiserin nur gerettet werden kann, wenn sie einen neuen Namen bekommt, den ihr nur ein Menschenkind geben kann. Er begegnet auch dem Glücksdrachen Fuchur, der sein Begleiter wird.
Indem Bastian Atréjus Abenteuer mit Spannung verfolgt, kommt er Phantásien immer näher. So ist sein Schreckensschrei in Phántasien zu hören und Atréju sieht ihn für einen Moment in einem Zauberspiegel. Als Bastian schließlich begreift, dass er allein der Retter Phantásiens ist, fürchtet er, die Kindliche Kaiserin könnte ihn für unwürdig befinden. Deshalb traut er sich nicht, ihren Namen, den er längst erkannt hat, laut auszusprechen. Um ihr bereits fast vollständig verschwundenes Reich zu retten, zwingt ihn die Kindliche Kaiserin durch einen Besuch beim Alten vom Wandernden Berge dazu, indem sie ihn die Unendliche Geschichte unendlich lange vorlesen lässt. Endlich gibt Bastian ihr den verzweifelt geforderten Namen: Mondenkind.
Dadurch gelangt Bastian selbst nach Phantásien. Die Kindliche Kaiserin übergibt ihm ihr Zeichen, das Amulett Auryn, und beauftragt ihn, mit seinen Wünschen die Welt Phantásiens nach seinen Vorstellungen neu zu erschaffen. Indem Bastian ihrer Forderung nachkommt, kann Phantásien neu entstehen. Auryn erfüllt jeden seiner Wünsche. Doch sie hat ihm etwas Wichtiges verschwiegen: Jeder Wunsch kostet Bastian eine Erinnerung aus der realen Welt und seiner Vergangenheit. Und so versucht er nichtsahnend als Erstes, all die Schwächen abzulegen, die ihn in seinem früheren Leben gehemmt hatten: Er wünscht sich, schön und stark, mutig und weise zu sein.
Durch seine Wünsche erschafft Bastian den Nachtwald Perelín und die Farbenwüste Goab, die von dem Löwen Graógramán beherrscht wird. In der Silberstadt Amargánth trifft Bastian Atréju und Fuchur wieder. Diese wollen ihm helfen, wieder in die Menschenwelt zurückzufinden, doch Bastian möchte gar nicht mehr zurück. Er gefällt sich in der Position, der große und mächtige Retter Phantásiens zu sein. Er begegnet der intriganten und heimtückischen Hexe Xayíde, die in ihm den Wunsch nach Macht und Stärke fördert. Sie bringt ihn dazu, sich von Atréjus und Fuchurs Freundschaft loszusagen, nachdem Bastian durch Belauschen herausfindet, dass Atréju ihm Auryn mit Gewalt abnehmen will. Bastian will sich anstelle der Kindlichen Kaiserin zum Kaiser von Phantásien krönen lassen. Die Krönungszeremonie wird durch die Kriegserklärung Atréjus unterbrochen. Eine Schlacht um den Elfenbeinturm entbrennt, die damit endet, dass Bastian Atréju an der Brust verwundet.
Nach der Schlacht gelangt Bastian in die Alte-Kaiser-Stadt, in der Menschen, die früher nach Phantásien kamen und den Weg in die Menschenwelt nicht mehr zurückgefunden haben, ein sinnloses Dasein fristen. Bastian lernt dort, dass jeder Wunsch ihn eine Erinnerung an seine eigene Welt kostet. Er hat nur so viele Wünsche übrig, wie er Erinnerungen hat. Nun muss er durch Einsatz seiner Wünsche seinen wahren Willen erkennen, denn nur dieser kann ihn zurück nach Hause führen.
Bastians Wunsch nach Gemeinschaft führt ihn über das Nebelmeer und sein Wunsch nach Geborgenheit zur Dame Aiuóla in ihrem Änderhaus. Dann erwacht sein Wunsch, zu lieben. Bastian legt Auryn ab und gelangt in den innersten Ort Phantásiens, eine Kuppelhalle, in der ein Springbrunnen mit dem Wasser des Lebens fließt, der von zwei Schlangen bewacht wird. Mit Hilfe Atréjus öffnen die Schlangen den Weg zum Wasser, das Bastian mit Lebensfreude erfüllt. Er erlangt seine ursprüngliche Gestalt wieder, in der er sich nun wohlfühlt, weil er sein wahres Ich endlich akzeptiert. Bastian will seinem Vater das Wasser des Lebens bringen und gelangt so in die Menschenwelt zurück. Dort sind nur wenige Stunden vergangen. Bastian geht zurück zu seinem Vater und erzählt ihm seine Erlebnisse. Der Vater ist gerührt und die beiden finden eine neue, liebevolle Beziehung zueinander.
Figuren
Bastian Balthasar Bux
Bastian ist ein kleiner Junge von zehn oder elf Jahren. Er ist ein schüchterner und schwächlicher Bücherwurm, der in der Schule gehänselt wird. Seine Mutter ist verstorben, was auch seinen Vater sehr belastet, welcher nur selten mit ihm spricht. In der Unendlichen Geschichte wird er groß, stark und mächtig, vergisst, wer er früher war, und gerät so in große Schwierigkeiten.
Die Kindliche Kaiserin
Die Kindliche Kaiserin, Verkörperung der Phantasie, ist die Herrscherin Phantásiens, doch unter diesem Titel darf man sich keinesfalls das vorstellen, was man gewöhnlich darunter versteht. Die Kindliche Kaiserin oder „Goldäugige Gebieterin der Wünsche“, wie sie auch genannt wird, herrscht nicht und macht niemals von ihrer Macht Gebrauch. Sie urteilt niemals. Vor ihr gelten alle Wesen gleich, egal ob schön oder hässlich, böse oder gut. Obwohl sie aussieht wie ein Mädchen von etwa zehn Jahren, hat sie strahlend weißes Haar und ist alterslos. Sie ist kein Wesen Phantásiens, doch kann ohne sie nichts in Phantásien existieren. Ihre Lebenskraft bemisst sich nach Namen. Ist ihr Name in Vergessenheit geraten, braucht sie unbedingt einen neuen, sonst stirbt sie und ganz Phantásien mit ihr.
Atréju
Atréju gehört zum Volk der „Grünhäute“, die in einer Gegend leben, die „Das Gräserne Meer“ genannt wird. Obwohl er erst zehn Jahre alt ist, wird er von der Kindlichen Kaiserin zu ihrem Stellvertreter ernannt und auf die Suche nach einem Heilmittel geschickt. Die Grünhäute sind ein stolzes Volk von Jägern, schon die Kleinsten lernen, auf sattellosen Pferden zu reiten. Ihre Haut ist olivgrün und ihre Haare sind schwarz wie Ebenholz. Alles, was sie benötigen, fertigen sie aus Gras oder den Häuten der Purpurbüffel, die in großen Herden durch ihr Land ziehen. Atréju ist Bastians Freund und hilft ihm oft aus fast aussichtslosen Situationen.
Fuchur
Fuchur ist ein Glücksdrache und gehört damit zu den seltensten Geschöpfen Phantásiens. Fuchurs Schuppen sind perlmuttfarben, schimmern rosig und glitzern weiß. Er hat eine üppige Mähne sowie Fransen am Schweif und an den anderen Gliedmaßen.
Glücksdrachen haben so gut wie keine Ähnlichkeit mit „gewöhnlichen“ Drachen, wie sie beispielsweise in der Fantasyliteratur auftreten. Sie leben weder in dunklen Höhlen, in denen sie Schätze horten, noch speien sie unentwegt Feuer und Qualm oder richten aus Spaß Verwüstungen an. Sie besitzen keine ledernen Flügel und sind keinesfalls plump, sondern haben einen langen geschmeidigen Leib.
Vom Aussehen und auch von ihrer Bedeutung her ähneln die Glücksdrachen in der Unendlichen Geschichte denen aus der chinesischen Mythologie. Sie sind Geschöpfe der Luft, der Wärme und unbändiger Freude. Sie sind trotz ihrer Körpergröße so leicht wie eine Feder und brauchen daher keine Flügel, um zu fliegen – sie schwimmen quasi durch die Lüfte, wie Fische im Wasser.
Eine weitere Besonderheit ist Fuchurs Gesang, der wie „das Dröhnen einer riesigen Bronzeglocke“ beschrieben wird. Wer je diesen Gesang gehört hat, vergisst ihn sein Leben lang nicht mehr. Glücksdrachen scheinen nie die Hoffnung und ihren Frohmut zu verlieren; sie vertrauen auf ihr Glück und verstehen alle Sprachen der Freude.
Entstehungs- und Publikationsgeschichte Im Jahr 1977 riet sein Verleger Hansjörg Weitbrecht Michael Ende zu einem neuen Buch. Ende versprach, es bis Weihnachten fertiggestellt zu haben, bezweifelte dabei aber, eine Seitenzahl jenseits der 100 zu erreichen. Als Leitmotiv nannte Ende: Ein Junge gerät beim Lesen einer Geschichte buchstäblich in die Geschichte hinein und findet nur schwer wieder heraus. Der Thienemann-Verlag stimmte diesem Konzept im Vorfeld zu.
Rasch erwies sich jedoch, dass der Stoff umfangreicher war, als Ende geglaubt hatte. Die Veröffentlichung musste immer weiter aufgeschoben werden. Ende versprach, dass das Buch im Herbst 1979 publiziert werden könne. Ein Jahr vor dem angegebenen Termin rief er seinen Verleger an und teilte ihm mit, dass sich die Hauptfigur Bastian aufs Entschiedenste weigere, Phantásien zu verlassen. Es bleibe ihm (Michael Ende) nichts anderes übrig, als ihn auf seiner langen Reise weiter zu begleiten. Auch handele es sich nicht mehr um ein normales Buch. Es müsse vielmehr wie ein richtiges Zauberbuch gestaltet werden: ein Ledereinband mit Perlmutt und Messingknöpfen. Man einigte sich schließlich auf einen Seideneinband, den bekannten zweifarbigen Druck und die sechsundzwanzig Buchstaben-Vignetten für die einzelnen Kapitel, der Idee Roswitha Quadfliegs, die von Autor und Verlag mit der Gesamtgestaltung des Buches beauftragt wurde. Die Herstellungskosten für das Buch erhöhten sich dadurch empfindlich, was aber mit zur weltweiten Verbreitung des Titels beitrug. In den meisten der über 40 Übersetzungen wurde diese Gestaltung übernommen.