Die De Havilland DH.98 Mosquito war ein Mehrzweckkampfflugzeug der Zeit des Zweiten Weltkrieges aus britischer Produktion. Die zweimotorige, zweisitzige Maschine wurde von der de Havilland Aircraft Company in Holzbauweise hergestellt und mit großem Erfolg im Krieg und danach eingesetzt. Zwischen 1940 und 1950 wurden über 7700 Mosquitos gebaut. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und guten Höhenflugeigenschaften war die Mosquito für die deutsche Luftverteidigung nahezu unangreifbar.Rolf-Dieter Müller, Florian Huber, Johannes Eglau: Der Bombenkrieg 1939–1945. Ch. Links, 2004, S. 148. Die Maschine wurde außer von Großbritannien auch von den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, der Republik China, Neuseeland, Südafrika, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Israel verwendet.

Entwicklungsgeschichte mini|De Havilland DH.98 Mosquito, Prototyp, 1940 mini|Cockpit Bereits 1938 begann ein Team unter der Leitung von R. E. Bishop mit der Konstruktion des von Geoffrey de Havilland vorgeschlagenen Konzeptes unter der Spezifikationsbezeichnung B.I/40. Wegen der sehr hohen Geschwindigkeit, welche die beiden Rolls-Royce-Merlin-Motoren dem Flugzeug verliehen, wurde es zunächst als Schnellbomber ohne zusätzliche Bewaffnung geplant. In Voraussicht auf die kommende Kriegslage wurde Holz als Baumaterial ausgewählt, um andere kriegswichtige Ressourcen einzusparen. Das britische Air Ministry stand dem Projekt wegen ebendieser Holzbauweise und des Fehlens einer Abwehrbewaffnung sehr kritisch gegenüber – bis auf Air Marshal Sir Wilfrid R. Freeman, der den Entwurf genehmigte und damit seinen Ruf aufs Spiel setzte. Einer der Spitznamen für die Mosquito wurde „Freeman’s Folly“ ( bedeutet Verrücktheit, Torheit, Eselei, wörtl. Narretei).

Bei Kriegsbeginn zeigte sich schnell der Vorteil dieser Konstruktion. Am 1. März 1940 wurde ein erster Serienauftrag für 50 Maschinen erteilt. Im Juni 1940 fiel die Mosquito jedoch wegen der Kriegsentwicklung aus der priorisierten Produktion, welche sich auf die wichtigsten Typen beschränkte. Drei Prototypen wurden gebaut, darunter der erste (W4050) als Bomber und der zweite (W4051) als Fotoaufklärer. Der Erstflug des Piloten Geoffrey de Havilland Jr. erfolgte erst am 25. November 1940. Die ersten Flugtests übertrafen mit einer Geschwindigkeit von über 630 km/h sogar die Erwartungen des Herstellers und überzeugten nun auch die Vertreter des Air Ministry völlig von der Leistungsfähigkeit des Flugzeuges. Zunächst wurden drei Varianten in Auftrag gegeben: die PR Mk.I als unbewaffneter Aufklärer (PR = Photo Reconnaissance), ein Bomber unter der Bezeichnung B Mk.IV (B = Bomber) und ein Nachtjäger mit der Bezeichnung NF Mk.II (NF = Night Fighter).

Schon der erste operative Einsatz der PR Mk.I am 14. Juli 1941lt. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. Orell Füssli Verlag, 3. Auflage, Zürich 1977, S. 121 erfolgte der erste Kriegseinsatz der PR Mk.I am 20. September 1941 bestätigte die Einschätzung, dass eine Abwehrbewaffnung für den Aufklärer nicht notwendig war – das Flugzeug entkam drei Messerschmitt Bf 109 der Luftwaffe, indem es einfach mit Höchstgeschwindigkeit geradeaus flog, bis die Deutschen die Verfolgung abbrechen mussten.

Am 15. November 1941 wurde die erste B Mk.IV an die No. 105 Squadron ausgeliefert, die bis dahin Bristol-Blenheim-Bomber einsetzte. Im Mai 1942 kam die B Mk.IV bei der No. 105 Squadron in den Kampfeinsatz. Dabei erwies sich neben dem Vorteil der hohen Geschwindigkeit auch die Robustheit der hölzernen Konstruktion als vorteilhaft. Einer der ersten Einsätze war der Angriff auf das Gestapohauptquartier in Oslo von vier Flugzeugen der No. 105 Squadron am 25. September 1942.Martin Bowman: Mosquito Bomber/Fighter-bomber Units 1942–45. Osprey Publishing, Oxford 1997, S. 13. Schon bald sprach man in Deutschland von der „Mosquito-Plage“.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 1941 kam auch die NF Mk.II zu ihrem ersten Einsatz. Sie löste damit bald ihren Vorgänger Bristol Beaufighter ab, dessen Geschwindigkeit sie um fast 80 km/h überbot. Später wurden auch V1 von Mosquitos nachts angegriffen; aufgrund der Lage ihrer Basis RAF Ford, etwa 3 Kilometer südwestlich von Arundel (West Sussex), trug die No. 96 Squadron RAF eine Hauptlast und schoss 180 der "Doodlebugs" ab.Andrew Thomas: Mosquito Aces of World War 2, Bloomsbury Publishing, 2013, ISBN 978-1-4728-0240-8 Innerhalb der ersten neun Wochen wurden 620 der fliegenden Bomben abgeschossen.

Zahlreiche weitere Varianten folgten, unter anderem der ab Februar 1943 mit Kanonen und Maschinengewehren ausgerüstete Jagdbomber FB Mk.VI (FB = Fighter Bomber), der auch acht Raketen unter den Tragflächen mitführen konnte. Diese Variante war mit 2718 Stück auch die meistgebaute. Mk.IX war ein Höhenbomber und Aufklärer, Mk.XVI die meistgebaute Bombervariante mit über 400 Exemplaren. Die Mosquito-Bomber hatten die niedrigste Verlustrate aller RAF-Bomber im Zweiten Weltkrieg. 18 Mk.VI wurden zur FB Mk.XVIII „Tsetse“ aufgerüstet, die unter anderem mit einer Molins-57-mm-Kanone besonders gegen Schiffe eingesetzt wurde. Die FB Mk.26 und FB Mk.40 wurden auf Basis der Mk.VI in Kanada bzw. Australien gebaut und mit Packard-Merlin-Triebwerken (in Lizenz von Packard in den Vereinigten Staaten gebaute Merlin-Motoren) ausgerüstet.

mini|Eine Mosquito B.IV der 105. Staffel beim Angriff auf das AW Trier, 1. April 1943 (mittig am oberen Bildrand)

97 NF Mk.II wurden mit einem AI-Mk.VIII-Radar zur NF Mk.XII aufgerüstet. Zusätzlich wurden 270 NF Mk.XIII mit der gleichen Ausrüstung neu gebaut. Weitere Nachtjäger trugen die Bezeichnung Mk.XV, Mk.XVII (aus umgebauten Mk.II), Mk.XIX und Mk.30. Letztere trug das US-amerikanische AI-Mk.X-Radar. Die NF Mk.36 mit Merlin-113-Motoren und die NF Mk.38 mit dem britischen AI-Mk.IX-Radar wurden erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gebaut. Im Deutschen Reich wurde der Naxos-ZR-Radardetektor eingesetzt, um die mit „H2S“-Zentimeterwellen-Radargeräten ausgerüsteten Mosquito-Nachtjäger zu melden. Die Briten wiederum verwendeten Systeme mit den Namen Serrate bzw. Perfectos, um deutsche Nachtjäger zu orten.

Wegen der hohen Geschwindigkeit brauchten die Besatzungen eine Weile, um sich an die Maschine zu gewöhnen. Deshalb wurde eine Trainingsvariante des Flugzeuges gebaut, die T Mk.III. Die australische Variante dieses Typs trug die Bezeichnung T Mk.43.

Es wurden auch 50 TR Mk.33 für den Einsatz auf Flugzeugträgern gebaut. Diese hatten nach oben wegklappbare Tragflächen, ein Radom und Halterungen für Torpedos. Bei der originalen Mosquito hingegen war der Flügel über die ganze Spannweite zur Gewichtsersparnis und Vereinfachung der Konstruktion in einem Stück gebaut worden.

Weitere Einsatzarten waren unter anderem die eines Schnellbombers, Begleitjägers, Schlachtflugzeugs, Transportflugzeugs, Minenlegers und Zielschleppers. Die Royal Air Force setzte diese Zielschlepper bis Ende der 1940er Jahre auch auf ihrem Stützpunkt im Norden der Insel Sylt (heute Flughafen Sylt) ein.

Die hölzerne Bauweise erwies sich in tropischen Regionen als problematisch, da der Tragflächenholm unter diesen klimatischen Bedingungen mitunter trotz hoch kalkulierter Tragfähigkeit brach. Bei Überführungsflügen von Kanada nach Europa gab es ebenfalls unerwartete Probleme – einige Flugzeuge explodierten aus bis heute ungeklärten Gründen mitten über dem Atlantik.

Die letzte Mosquito – eine NF Mk.38 – wurde 1950 in Chester gebaut. Einige „Mossies“ blieben noch nach dem Zweiten Weltkrieg im Einsatz. In Großbritannien wurden die letzten Aufklärer 1961 außer Betrieb genommen.

Während des Krieges wurden 6710 Flugzeuge gebaut. Insgesamt wurden 7781 Flugzeuge gebaut, davon 1134 in Kanada und 212 in Australien.

Konstruktionsmerkmale mini|Schema des Aufbaus der Mosquito-Schale Das Flugzeug bestand im Wesentlichen aus Sperrholz, Fichtenholz und Birkenholz mit einer Zwischenschicht aus Balsaholz, was ihm auch den Spitznamen einbrachte. Der Rumpf der De Havilland Mosquito wurde als Monocoque in zwei Halbschalen hergestellt, die mit wenigen Längsaussteifungen auskamen. Zur Herstellung der Schalen war weder Druck noch Wärmezufuhr notwendig. Die zwei etwa 12 Meter langen Positivformen bestanden entweder aus Mahagoni-Holz, zum Teil wurden aber, beispielsweise bei der kanadischen Produktion, auch Formen aus Beton eingesetzt.Tony Harmsworth: The Return of „Wooden Wonderment“! In: Aeroplane Monthly Dezember 2012, S. 51 f. Bei der ersten Baustufe wurden die Rumpfspanten und andere interne Elemente in Schlitze der Form eingebaut. In der zweiten Stufe folgte die Verlegung der inneren Rumpfhaut und der Einbau der strukturellen Bauteile zwischen der inneren und äußeren Sperrholzschicht. Beim hinteren Rumpfteil wurden die Sperrholzstreifen schräg verklebt, um die aus der Torsionsbelastung durch das Leitwerk auftretenden Kräfte besser aufnehmen zu können. Die Maserungen der inneren und äußeren Streifen liefen dabei quer zueinander.

Die Maschine wurde von zwei Rolls-Royce-Merlin-Motoren mit Propellern in gleicher Drehrichtung angetrieben. In den Flügelvorderkanten zwischen den Motorgondeln und dem Rumpf befanden sich die Kühler. Bei Bombern war die Rumpfspitze verglast. Bei einigen Varianten wurde eine „Radarnase“ angesetzt.

Produktionszahlen

Die Mosquito wurde in Großbritannien bei De Havilland in Hatfield und Watford, bei Standard Motors, Airspeed und Percival gebaut. In Kanada und Australien erfolgte der Bau bei den jeweiligen De-Havilland-Töchtern.

+ Britische Produktion der De Havilland Mosquito bis 31. Juli 1945Public Record Office (National Archives), Kew, Bestand AVIA 10/311 Version DH Hatfield DH Watford Standard Airspeed Percival Summe P.R.I1010 F.II360230590 T.III2024206 B.IV300300 F.B.VI1132901122045 P.R.VIII66 B.IX5454 P.R.IX9090 N.F.XIII270270 N.F.XV44 B.XVI205182387 P.R.XVI435435 F.B.XVIII1616 N.F.XIX22050270 N.F.30530530 P.R.3244 P.R.348383 B.35106106 N.F.369292 Summe 3227 1176 901 12 182 5498

Bei Kriegsende befanden sich die F.B.VI, T.III, P.R.34, B.35 und N.F.36 noch in Produktion.

+ Kriegsproduktion der De Havilland Mosquito in UK 1941 bis 31. Juli 1945 Jahr Jäger/Bomber Schulflugzeuge Anzahl 19412121 194242912441 19431149721221 19442238692307 bis 31. Juli 19451455531508 Summe 5292 206 5498

+ Kriegsproduktion der De Havilland Mosquito in Kanada und Australien bis 15. August 1945Meekcombs, K. J.: the British Air Commission and Lend-Lease, Tunbridge Wells 2000, S. 154 ff; Birtles, Philipp: DeHavilland Mosquito, o. O. 2015 Version DH Canada DH Australia Anzahl Bemerkung B.VII2525 5 Flugzeuge an USAAF als F-8 B.XX245245 25 Flugzeuge an USAAF als F-8 F.B.2133 T.2244 B.25400400 F.B.26335335 davon 60 Umbauten in T.29 T.272121 F.B.40108108 Summe 1033 108 1141

+ Kriegsproduktion der De Havilland Mosquito in KanadaAir Britain: Aeromilitaria, 1985, S. 59 ff. Jahr Bomber Jagdbomber Trainer Summe 1942ca. 3ca. 3 1943ca. 801ca. 81 194433722341 194525033523608 Summe 670 338 25 1033

Damit belief sich die Kriegsproduktion der DH Mosquito auf 6.639 Flugzeuge.

+ Produktion der De Havilland Mosquito in AustralienOfficial Year Book of the Commonwealth of Australia No. 37, 1946 and 1947, S. 1168 Fiskaljahr Anzahl 01.07.1943–30.06.19446 01.07.1944–30.06.194580 01.07.1945–30.06.194691 01.07.1946–30.06.194713 später22 Summe 212

Militärische Nutzer mini|Dominikanische FB.6 mini|Schwedische NF.XIX 1949

: Eine Mosquito B Mk IV wurde im April 1944 überflogen und erprobt.Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941–1945. Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8, S. 98–1102.

: Je nach Verwendung als B 36 (für Bitevní letoun, Erdkampf- oder Schlachtflugzeug) oder LB 36 (für Lehka Bombardovací, leichter Bomber) bezeichnet.Hans Joachim Mau: Tschechoslowakische Flugzeuge. Transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00121-3, S. 190

Stationierungsorte der British Air Force of Occupation (BAFO) in Deutschland: