mini|Belgische Feldpost Umschlag 1919
Die belgische Feldpost wurde mit der Unabhängigkeit Belgiens und der Gründung einer eigenen belgischen Armee 1830 eingerichtet. Sie nahm in den historischen Zeitabschnitten, insbesondere in und in Folge der beiden Weltkriege je besondere Ausprägungen an.
Geschichte Freiheitskrieg 1830–1839 Die nach der Unabhängigkeit Belgiens 1830 begründete belgische Armee verwendete schon fünf Jahre später den ersten Feldpoststempel, der bis etwa 1837 und immer in rot abgeschlagen wurde.
Herbstmanöver 1883–1913 Feldpostbelege finden sich erst wieder ab 1883. Bei Manövern wurde ein Einkreisstempel ohne Unterscheidungsziffer und Jahreszahl eingesetzt. Die Stempel hatten einen Durchmesser von 23 mm und die Randinschrift „POSTES MILITAIRES / BELGIQUE“. Innen befanden sich in drei Zeilen der Tag in Ziffern, der Monat abgekürzt in Buchstaben und darunter die Zeitangabe entweder 1 -12 M (Matin) oder 1 -12 S (Soir). Nach der Erprobungszeit bei den ersten Manövern führte der königliche Erlass (Erl. Nr. 8413 vom 13. April 1887) zur Bildung einer gemischten Kommission aus Militärs und Postlern. Sie hatte die Grundlagen einer Feldpostorganisation auszuarbeiten. mini|Belgische Feldpoststempel In Folge wurde zum bisherigen Stempel eine Unterscheidungsziffer in den Stempel eingefügt. Diese Stempel wurden ab 1888 verwendet. Durch einen Erlass vom 26. April 1893 wurde festgelegt, dass für das Große Hauptquartier und für jede Infanterie- bzw. Kavallerie-Division ein Feldpostamt einzurichten war.
Bei den Manövern ab 1897 wurde die Zeitangabe auf 1 bis 24 umgestellt. Man folgte dabei der Veränderung in den Stempeln der üblichen Post. Bei den letzten beiden Manövern von 1908 und 1909 war im Stempel zudem noch eine vierte Zeile mit einer zweiziffrigen Jahresangabe eingeführt worden.
Eine neue Stempelform findet sich erstmals auf Post aus dem Manöver 1913. Dies war notwendig geworden, als 1910 in Belgien (Ordre vom 19. Oktober 1910) die Zweisprachigkeit eingeführt wurde. Der Einkreisstempel hat einen Durchmesser von 28 mm. Inschrift: „POSTES MILITAIRES BELGIQUE / Unterscheidungsziffer / BELGIE LEGERPOSTERIJ“. Im Inneren standen oben die Uhrzeit, darunter der Tag in lateinischen Ziffern gefolgt von der Monatsangabe in römischen Ziffern und der Jahresangabe in zwei lateinischen Ziffern.
Während dieser Zeit gab es keine Portofreiheit für Sendungen von und an Soldaten, auch nicht anlässlich der Manöver.
Erster Weltkrieg Mit der Mobilmachung am 1. August 1914 wurde jeder aktiven Division ein Feldpoststempel zugewiesen. Das zentrale Verteiler-Postbüro wurde am 2. August 1914 im Nordbahnhof von Brüssel eingerichtet. Schon am 9. August zog es um in ein Büro in der Nähe des Bahnhofs Antwerpen-Süd. Ende Oktober musste es nach Calais verlegt werden, wo es während des Krieges stationiert blieb. Alle Feldpostämter versorgten nur die ihnen zugewiesenen Divisionen. Nachschubeinheiten und Lazarette wurden durch die örtliche Post versorgt. Seit dem 7. August 1914 galt Portofreiheit für Militärangehörige. Dies erforderte einen Vermerk wie „SM“ (Service Militaire), „MD“ (Militaire Dienst) oder „FM“ (Franchise Militaire) auf der Postsendung. Die Portofreiheit erstreckte sich nicht auf alle Postdienste. So musste etwa für einen Einschreibbrief 0,25 Fr. gezahlt werden. Briefe ins Ausland kosteten nach den Niederlanden 0,20 Fr. (galt wahrscheinlich für jeden Bestimmungsort in Europa) und nach den USA 0,25 Fr.
Im Februar 1915 wurde eine Reorganisation des Feldpost-Dienstes durchgeführt. Bis Anfang 1920 hatte die Unterscheidungsziffer keine Bedeutung, da sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr fest den Divisionen zugeordnet wurden. Das ist auch der Grund für die Anschaffung von Stempeln ohne diese Unterscheidung, die von März 1915 bis Ende 1919 in Gebrauch waren. Von diesen Stempeln sind bis zu 60 unterschiedliche Varianten bekannt. Die variablen Datum- und Uhrzeitangaben unterschieden sich in Schreibweise und Anordnung.
Der Stempel „8 BIS“ wurde eingeführt. Der erste Abschlag ist vom 16. März 1915 bekannt, der letzte vom 15. Juli 1915. (Seit dem 7. Juni 1915 mit einem schwarzen Balken statt der Jahreszahl.) Eine Versorgungseinheit, zuständig für die Strecke Veurne-Roesbrugge, erhielt ihn zugeteilt. Die Einheit wurde später vom Zentralen Postdienst direkt bedient.
Zur Abstempelung von Einschreibzetteln (nach französischem Muster) wurde ein zweisprachiger, zweizeiliger Stempel verwendet. War der Stempel nicht greifbar, wurde die Angabe auch mal handschriftlich gemacht.
In Deutsch-Ostafrika 1916–1918
mini|Belgische Feldpoststempel aus Deutsch-Ostafrika
Während des Ersten Weltkriegs in Ostafrika hatten die Alliierten im Jahr 1916 stärkere Kräfte zusammengezogen und marschierten aus Kenia, Belgisch Kongo und Nyassaland in Deutsch-Ostafrika ein. Durch Befehl vom 11. Juni 1916 erhielt jede belgische Einheit eine mobile Feldpoststation. Zur eigentlichen Aufgabe, der Versorgung der Truppe mit Nachrichten aus der Heimat, kam die Übernahme der zivilen Post in den neu besetzten Gebieten. Deutsche Poststellen waren noch im Juni/Juli 1916 tätig. Beim Rückzug wurden die Ortsstempel entweder mitgenommen oder gründlich zerstört, so dass dringend neue Stempel angeschafft werden mussten. Bis zur Einführung geeigneter Stempel verwendete man die Feldpoststempel der gerade anwesenden belgischen Einheit. Eine Zuordnung von Stempel zu Postort ist für diese Zeit kaum noch möglich.
Ein Doppelkreisstempel aus Metall mit der Inschrift „B.P.C.V.P.K.“, Feldpostnummer und Datum wurde im September 1916 eingeführt. Die Buchstaben stehen für „Bureau Poste Campagne Veld Post Kantoor“. Die Feldpostnummern gingen von 1 bis 20. Ob diese Stempel nun bei fest stationierten Feldpostämtern waren oder auch wechselten, muss noch erforscht werden.
Die Stempel 11, 12 und 13 wurden auch in Lagern für internierte Deutsche verwendet.
Ende 1916 kam ein Einkreisstempel mit der neuen Inschrift „Postes Militaires“ und Datum hinzu. Ähnlichkeiten zu dem in Europa gebräuchlichen Feldpoststempel sind deutlich. Dies gilt auch für den Variantenreichtum vor allem in der Anordnung der Datumzeilen. Ob durch diesen Stempel die Trennung der zivilen und militärischen Post vorbereitet werden sollte, ist Spekulation. Aus der Verwendung der Stempel konnte bisher keine Erklärung gefunden werden.
In Anlehnung an die erste Stempelform ist mit der Inschrift „KISUMU / Datum/ B.P.C.V.P.K.“ ein weiterer Stempel eingeführt worden. Kisumu war für die belgischen Truppen besonders wichtig. Auch dieser Stempel war nicht standorttreu. Ende 1918 tauchte er für den Telegrafendienst in Karema und im Herbst 1921 in Kigoma auf.
Da Kisumu nicht zum Kriegsgebiet gehörte, kann der Stempel nicht auch gleichzeitig für die zivile Post verwendet worden sein. Die Verwendung des Stempels „Postes Militaires“ verbot sich aus dem gleichen Grund. Ein Doppelkreisstempel mit der Inschrift „KISUMU BELGE“ löste das Problem.
An anderen Orten ist die Anwesenheit der belgischen Feldpost nicht so deutlich nachweisbar. Oft wurden irgendwelche Notstempel oder noch aufgefundene Nebenstempel abgeschlagen.
Da belgische Einheiten häufig mit den britischen Truppen gemeinsam operierten, sind auf belgischen Sendungen auch Stempel der britisch-indischen Feldpost bekannt. (zum Beispiel F.P.O.320)
Alle diese Stempel können auf Marken und Ganzsachen von Belgisch-Kongo mit Überdruck wie „RUANDA“, „URUNDI“, „KIGOMA“, „EST AFRICAIN ALLEMAND - OCCUPATION BELGE“ oder mit Wertüberdruck vorkommen.
Das Gebiet von Ruanda-Urundi wurde Belgien durch den Völkerbund als Mandat zugeteilt. Die Feldpoststempel wurden nach und nach durch zivile Doppelkreisstempel mit Ortsnamen abgelöst. Solche Stempel sind auch auf Dienstpost belgischer Einheiten zu finden, ebenso kommen Feldpoststempel auf privaten Sendungen vor.
Rheinlandbesetzung 1918–1930
Für die Rheinlandbesetzung sind aus der ersten Zeit die Stempelnummern von 1 bis 8 bekannt. Die Postversorgung lief über die militärische Bahnpost „Brüssel – Herbesthal“ Die Truppenverschiebungen und die nicht zugeordneten Stempel machen es sehr schwer, die Feldpostämter zu lokalisieren. Bekannt sind Stempel mit den Nummern: 1 — Köln, Trier und Andernach, 2 — Aachen, 3 — Koblenz, Aachen und Kevelaer, 4 — Aachen, Büderich, Straelen und Mönchen-Gladbach, 5 — Geldern, Issum, Xanten, Kevelaer, Krefeld, Homberg und Rheinberg, 6 — Aachen und Köln, 7 — Köln, Neuss, Mönchen-Gladbach und Duisburg und 8 — Goch, Kleve, Kalkar, Köln, Emmerich, Bad Kleve, Malmedy, Montjoie (Monschau), Manderfeld, Aachen, Elsenborn, Burg Reulant und St.Vith. mini|Belgischer Feldpost in Rheinland 1919
Die Post an die Truppen im Kreis Malmedy wurde bis zur Volksbefragung in der britischen Zone (Elsenborn, Malmedy, St.Vith, Bullingen, Manderfeld, Reuland und Schönberg) über Stavelot und nicht über Aachen vom Feldpostamt Nr. 9 in Malmedy verteilt. Das Feldpostamt Nr. 10 wurde am 17. Mai 1920 im Lager Elsenborn eingerichtet, um die dort zu einem Manöver angerückten Truppen zu versorgen. Es war dem Feldpostamt in Aachen unterstellt.
Auf Grund eines Regierungsbeschlusses vom 1. Februar 1920 wurden bis zum 16. Februar 1920 die mobilen Feldposten, die den Einheiten zugeordnet waren und die Truppenbewegungen mitzumachen hatten, in feste Feldpostämter umgewandelt. Sie hatten nun die Garnisonen einer Region mit Postverbindungen zu versorgen. Die Postversorgung lief nun über die Bahnpost Brüssel – Aachen. Auf dieser Strecke wurde der Stempel mit der Nummer 12 verwendet.
Von Aachen aus wurde die Post zu den einzelnen Feldpostämtern befördert und vom Militärbriefträger zur Einheit gebracht. Der Postunteroffizier (Vaguemestres) besorgte dort die Postdienste der Einheit. Er hatte Briefmarken vorrätig und er überwachte die Rechtmäßigkeit der Portofreiheit. Post in die Heimat war entweder in die Briefkästen zu legen, die vom Vaguemestres geleert wurden und die es in jedem Bezirk gab, oder man musste sie dem Militärbriefträger mitgeben bzw. beim Feldpostamt aufliefern lassen, wo sie dann auch gestempelt wurden. Es waren dies die Nummer: 1 — Aachen, Hauptpostamt, 1 A — Aachen, Hauptpostamt (nur gelegentlich, ab 1923), 2 — Geilenkirchen, 3 — Mönchen-Gladbach, 4 — Krefeld, 5 — Geldern, 6 — Neuss, 7 — Moers, 8 — Kleve und Emmerich, 9 — Malmedy, in der britischen Zone, vom 8. März 1921 bis zum 25. August 1925 in Duisburg, 10 — 17. Mai 1920 bis zum 11. April 1921 Elsenborn, Kreis Malmedy, vom 7. Februar 1923 in Osterfeld und Ende Mai bis zum 24. Juli 1925 in Bottrop, 11 — von Mai 1921 bis zum 28. März 1923 in Alpen, vom 29. März 1923 bis zum 4. April 1925 in Gladbach, es hatte die Garnisonen in Marl, Dorsten und Lenkerbeck, Post Marl zu versorgen und 12 — Dieser Stempel war dem Postzug Aachen – Brüssel vorbehalten.
Am 31. Januar 1926 räumten französische und belgische Truppen die erste Zone des Rheinlandes. Zur endgültigen Räumung des Rheinlandes kam es aber erst am 30. Juni 1930. Mit der Schließung des Hauptpostamts in Aachen am 27. November 1929 war das Ende der belgischen Feldpost in Deutschland vollzogen.
Postzensur Man kann die Zensurmaßnahmen des belgischen Militärs während der Rheinland- und Ruhrbesetzung in vier Perioden einteilen. a.) vom 16. Dezember 1918 bis 11. Februar 1919 — In dieser Zeit wurde die Postzensur durch die Bezirkskommandanten durchgeführt. Die einzelnen Postzensurstellen der belgischen Besatzungstruppen verwendeten in dieser Zeit alle sehr verschiedene Stempel. b.) Vom 12. Februar 1919 bis 14. Oktober 1919 — Die Zensurmaßnahmen waren nun geregelt. Der Postaustausch mit dem unbesetzten Deutschland, den anderen Zonen und dem Ausland war ebenso geregelt wie der Umfang der Zensurmaßnahmen. Geregelt war auch die Zuständigkeit der Zentralen Zensurstellen in Geldern, Mörs, Krefeld, Mönchen-Gladbach und Erkelenz. c.) vom 15. Oktober 1919 bis 9. Januar 1920 — In dieser Zeit wurde die Zensur durch zwei mobile Postkontrollkommissionen durchgeführt.