Pettendorf ist eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Regensburg in Bayern. Der Ort am westlichen Rand der Stadt Regensburg besitzt seit 2011 das vom Bayerischen Umweltministerium verliehene Gütesiegel „Nachhaltige Bürgerkommune“.Pressemitteilung Nachhaltige Bürgerkommune vom 12. April 2011 auf stmuv.bayern.de, abgerufen am 11. Februar 2023.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Pettendorf befindet sich am südlichen Ausläufer des Natur-Großraums Fränkischer Jura und ist als beliebter Wohnort eine wichtige Vorortgemeinde von Regensburg, dessen Stadtzentrum vom Ortszentrum Pettendorfs rund acht Kilometer Luftlinie entfernt ist. Im Gemeindegebiet von Pettendorf mündet die Naab beim benachbarten Dorf Mariaort in die Donau.
Geologie In der Gemeinde befinden sich mehrere Abtragungen, die urzeitliches Kompaktgestein freigelegt haben und in denen über Jahrhunderte Steine abgebaut wurde. Dabei wurde der Überlieferung nach in den vielen Steinbrüchen im Gemeindegebiet nicht nur für die örtlichen Siedler Stein abgebaut, sondern auch für Großbaumaßnahmen wie den Bau des Regensburger Doms und für den Bau der Steinernen Brücke.
Erwähnenswert ist insbesondere der Abbau von Grünsandstein, der im Mittelalter nachweislich beim Bau vieler Gebäude in Regensburg verwendet wurde. Im westlichen Gemeindebereich, nahe Etterzhausen, wurde ein Steinbruch, in dem Dolomit abgebaut wurde, bis in die jüngste Vergangenheit betrieben. Einen bedeutenden Kalksteinbruch gab es früher auch bei Ebenwies.
Von besonderer Bedeutung war am Ende des Zweiten Weltkriegs für einige Zeit auch der Abbau von Braunkohle im Gemeindegebiet. Bohrungen nach 1900 hatten einige Braunkohlevorkommen nahe der Orte Schwetzendorf und Reifenthal lokalisiert.
Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Fläche der Gemeinde dehnt sich in nördlicher Richtung ca. sieben Kilometer aus, die größte ostwestliche Ausdehnung beträgt ca. sechs Kilometer. Das Gemeindegebiet wird im Süden durch die Donau und im Westen durch die Naab begrenzt. Die Hochfläche des Gemeindegebiets liegt bei etwa . Das an der Donau gelegene Mariaort liegt bei .
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind die Stadt Regensburg und die Gemeinden Lappersdorf, Pielenhofen, Wolfsegg, Sinzing und Nittendorf.
Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Kneiting und Pettendorf.
Klima Durch die Lage auf der windabgewandten Seite der Fränkischen Alb gehört der Pettendorfer Raum mit einer Niederschlagsmenge von 600 bis 700 mm zu den niederschlagsarmen Regionen in Bayern. Die mittlere Temperaturschwankung liegt bei 19 K. Der an der Donau gelegene südlichere Gemeindeteil zeichnet sich durch um etwa ein bis zwei Grad wärmere Durchschnittstemperaturen als der nördliche Teil aus.
Geschichte Ursprünge Die Ursprünge der heutigen Gemeinde Pettendorf liegen vermutlich im Raum der Alt-Gemeinde Kneiting, an den Flussläufen von Donau und Naab. Dieser offene Raum gehörte zum bayerischen Altsiedlungsland, während das Gebiet der Alt-Gemeinde Pettendorf bis ins hohe Mittelalter bewaldet und erst um das Jahr 1000 durch Siedler erschlossen wurde.
Vor- und frühgeschichtliche Spuren befinden sich vor allem an der Donau bei Mariaort und Kneiting sowie an der Naab bei Deckelstein. Erwähnenswert ist insbesondere das im Jahr 1888 vom Mariaorter Bauern Listl beim Pflügen entdeckte Hügelgrab auf der Flur Lange Äcker auf dem Greifenberg bei Kneiting. Die darin gefundenen Grabbeigaben stammen aus der Bronze- oder Hallstattzeit. Weitere frühgeschichtliche Funde, vor allem Silexklingen, wurden Anfang der 1960er Jahre an der Naab bei Deckelstein gefunden. Daneben wurden bei Schwetzendorf, nördlich des Quellenwegs, mehrere Relikte des kleingerätigen Mesolithikums gefunden."Die Geschichte der Gemeinde Pettendorf" in Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Pettendorf, S. 108.
Eine bemerkenswerte Konzentration von Waffen und Werkzeugen aus frühgeschichtlicher Zeit bis hin zu Stücken aus dem Mittelalter fand man an der Donau bei Mariaort. Unter den Fundstücken waren auch zwei Münzen aus römischer Zeit. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Stelle schon in der Antike für die Flussüberquerung genutzt wurde. Die Fundstücke aus der Donau sowie die Beigaben aus dem Hügelgrab auf dem Greifenberg sind im Historischen Museum der Stadt Regensburg ausgestellt.Gemeinde Pettendorf – Geschichte und Gegenwart, herausgegeben von der Gemeinde Pettendorf, ISBN 3-7847-1151-0.
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege qualifiziert im Gebiet der Gemeinde Pettendorf insgesamt 23 Bodendenkmäler, von denen viele der Vor- und Frühgeschichte zugeordnet werden.Pettendorf Baudenkmäler vom 27. November 2014 Mehrere Bodendenkmäler findet man im Bereich von Kneiting und Mariaort sowie rund um den Hauptort Pettendorf. Nördlich von Pettendorf, nahe Neudorf, liegt möglicherweise auch ein ehemaliger Herrenhof aus der Hallstattzeit. Sämtliche Bodendenkmäler im Bereich der Gemeinde Pettendorf wurden nachqualifiziert.
Von der Römerzeit zur Ortsgründung (179 bis 1000) Im 2. Jahrhundert verlief die Grenze des Römischen Reiches am südlichen Rand der heutigen Gemeinde Pettendorf. Auf der gegenüberliegenden Donauseite von Mariaort befand sich das Prüfeninger Kleinkastell, das um das Jahr 179 erbaut wurde und wohl zur Beobachtung von Germanenvorstößen aus dem Pettendorfer Tal oder über die Naab dienen sollte. Die Lage des römischen Kastells deutet darauf hin, dass der Pettendorfer Raum schon in der Antike als Aufmarschbasis für Vorstöße in den Zentralort Regensburg diente. Zudem erscheint es laut Manfred KronederManfred Kroneder: Gemeinde Pettendorf – Geschichte und Gegenwart. S. 267/268. wahrscheinlich, dass die Römer bei Kneiting, also nördlich der Donau, einen Siedlungsposten unterhielten. Kroneder verweist darauf, dass einige topographische Besonderheiten und spätere geschichtliche Entwicklungen es nahelegen, dass die Römer von Kneiting aus Weinberge bei Winzer (heute ein Ortsteil von Regensburg) bewirtschafteten. Auch der Historiker Joseph Rudolf Schuegraf verwies auf einen strategisch wichtigen Wach- und Signalturm der Römer nördlich der Donau bei Kneiting.J. R. Schuegraf: Das römische Castrum am Ring. VHVO 10 (1846), S. 184–252.
Der Hauptort Pettendorf wurde erstmals im Jahr 1028 in einer Urkunde des Regensburger Klosters St. Emmeram erwähnt. Als Ortsgründer wird ein Bauer namens Patto, Petto oder Bato (Bato; althochdeutsch für Kampf) aufgeführt, der die Siedlung um die Jahrtausendwende gegründet haben soll. Allerdings erscheint eine Besiedlung schon während der Völkerwanderungszeit durch die Agilolfinger als wahrscheinlich, zumal Pettendorf im Mittelalter den wichtigsten Orten des Bezirks zählte. Die meisten anderen Siedlungen der Gemeinde Pettendorf sind im 13. Jahrhundert belegt.
Die Herren von Pettendorf und ihre Erben (1000 bis 1262)
mini|Sigel der Heilika von PettendorfNach dem Jahr 1000 befand sich im Hauptort Pettendorf im heutigen Kirchen- und Friedhofsbereich eine Burganlage, die von ihrer Höhenlage aus das Umland beherrscht haben muss. Von dieser Burg gibt es keine Überreste mehr, aber Totengräber stoßen im Friedhofsbereich immer wieder auf unterirdische Mauerreste, die vermutlich der ehemaligen Festung zuzuordnen sind. Dass es sich um eine mächtige Burg gehandelt haben muss, ergibt sich auch aus dem Umstand, dass sich im 11. Jahrhundert die Besitzer der Anlage in Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenohe benannt haben.
Der letzte Herr von Pettendorf, Friedrich III., verstarb zwischen 1112 und 1119 ohne einen männlichen Nachkommen und verfügte testamentarisch, dass die Burganlage in ein Kloster umgewandelt werden sollte. Dieses Vermächtnis wurde von seiner Erbtochter Heilika und seinem Schwiegersohn Pfalzgraf Otto IV., dem ersten Wittelsbacher, erfüllt. Das Kloster ging jedoch schon nach wenigen Jahren wieder ein, und das Burgareal fiel an die Stifterfamilie zurück.
Nachdem die Wittelsbacher im Jahr 1180 das Herzogsamt in Bayern übernommen hatten, wurde die Burg zu Pettendorf offenbar im Ringen um die zuvor selbständig gewordene Reichsstadt Regensburg wieder wichtig. Dies ergibt sich daraus, dass die Wittelsbacher ab dem Ende des 12. Jahrhunderts einen ihrer wenigen Ministerialen in Pettendorf stationiert hatten. Viele Urkunden aus dieser Zeit verweisen auch auf das „Amt zu Pettendorf“.
Nach einem verlorenen Krieg mussten die Wittelsbacher nach dem Jahr 1259 ihre Territorialpolitik rund um Regensburg einschränken. Der Ministeriale wurde abgezogen und die Burganlage wieder in ein Kloster umgewandelt.
Die Zeit des Dominikanerinnenklosters (1262 bis 1542)
Die zweite Klostergründung im Hauptort Pettendorf wird vor dem Jahr 1262 urkundlich erwähnt. Für die Errichtung des Klosters wurde die bisherige Festungsanlage offenbar geschleift und auf den Überresten der Burg die Konventgebäude errichtet. In Urkunden aus den Jahren 1274 und 1277 wird erwähnt, dass die fast fertiggestellte Klosteranlage in Pettendorf durch Brand und Raub zerstört wurde. Die heutige romanische Kirche dürfte der letzte Architekturüberrest des zerstörten Klosters sein.
mini|Ehemalige Klosterkirche Adlersberg Ab 1274 begann die Errichtung einer neuen Klosteranlage auf dem Adlersberg. Die dortige Anlage wird in Urkunden immer als „Neu-Pettendorf“ bezeichnet, was die Verbindung mit dem zerstörten Kloster in Pettendorf belegt. Als Stifter des Klosters wird Ludwig der Strenge genannt. Das Kloster wurde als Frauenkonvent vom Dominikanerorden geführt und stand unter der Oberhoheit des Regensburger Klosters St. Blasius.
Im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs war das nördliche Umland von Regensburg im September 1504 Aufmarschgebiet der bayerischen Truppen, die auf dem Greifenberg bei Kneiting ihr Feldlager aufgeschlagen hatten. Von dort aus verheerten die Landsknechte das Umland derart, dass einige Gehöfte im Bereich der Alt-Gemeinde Pettendorf noch fünfzig Jahre später infolge der Kampfhandlungen brach lagen. Auch das Kloster auf dem Adlersberg wurde in schwere Mitleidenschaft gezogen.
Als Ergebnis des Landshuter Erbfolgekriegs gehörte das Gebiet der Alt-Gemeinde Pettendorf nicht mehr zum Herzogtum Bayern, sondern zum neu gegründeten Fürstentum Pfalz-Neuburg. Die Orte Kneiting und Mariaort blieben dagegen weiterhin bayerisch. In der Folgezeit wurden zwischen Kneiting, Aichahof und Hinterberg Grenzsteine errichtet, von denen einige in den Fluren noch heute zu sehen sind. Mariaort wurde damit Grenzort und als solcher mit einer Zollstätte versehen.
Für beide Gemeindebereiche begann somit eine mehr als dreihundert Jahre anhaltende politische Trennung. Während der Raum rund um Pettendorf vom pfalz-neuburgischen Landrichteramt in Burglengenfeld verwaltet wurde, unterstanden die Orte Kneiting und Mariaort dem bayerischen Landrichter in Stadtamhof.
Einen weiteren Einschnitt gab es für die Alt-Gemeinde Pettendorf im Jahr 1542 mit dem Übertritt der Fürsten von Pfalz-Neuburg zum protestantischen Glauben. Dieser landesherrliche Konfessionswechsel führte im selben Jahr zur Aufhebung des Klosters auf dem Adlersberg sowie zur Umwidmung der Alt-Gemeinde Pettendorf in eine evangelische Pfarrei.
Kriegswirren und Bedeutungsverlust (1542 bis 1939) mini|Totenkreuz für Elise v. Thon-Dittmer an der Pettendorfer Kirche – der Familie Thon-Dittmer gehörte zeitweise das „Schloss“Schon kurz nach dem Konfessionswechsel, im Jahr 1546, besetzte Kaiser Karl V. während des Schmalkaldischen Krieges die Besitzungen der Fürsten von Pfalz-Neuburg und trug sich mit dem Gedanken der Wiederbesiedlung des katholischen Klosters auf dem Adlersberg. Nachdem sich der Kriegsverlauf jedoch zuungunsten Karls V. geändert hatte, musste er die besetzten Gebiete wieder an die Fürsten von Pfalz-Neuburg zurückgeben, mit denen der Protestantismus zurückkehrte.