mini|Titelblatt des Erstdruckes 1781, noch ohne Angabe des Autors

Die Räuber ist das erste veröffentlichte Drama von Friedrich Schiller. Das Werk, das zunächst nicht als Bühnenstück, sondern als Lesedrama gedacht war, gliedert sich in fünf Akte; es entstand in der Epoche der Aufklärung und ist der Strömung Sturm und Drang in der deutschen Literatur zuzurechnen. Es wurde 1781 zunächst anonym veröffentlicht, dann am 13. Januar 1782 in Mannheim uraufgeführt, wo es für einen Theaterskandal und für nationales Aufsehen sorgte und Schiller schlagartig berühmt machte.

Das Drama schildert die Rivalität zweier gräflicher Brüder: Auf der einen Seite der von seinem Vater geliebte, intelligente, freiheitsliebende spätere Räuber Karl Moor, auf der anderen Seite sein kalt berechnender, unter Liebesentzug leidender Bruder Franz, der auf Karl eifersüchtig ist und das Erbe seines Vaters an sich reißen möchte. Zentrales Motiv ist der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, zentrales Thema das Verhältnis von Gesetz und Freiheit.

Anregung fand Schiller in der Erzählung Zur Geschichte des menschlichen Herzens von Christian Friedrich Daniel Schubart.vgl. Christian Friedrich Schubart: Zur Geschichte des menschlichen Herzens, 1775 Als Vorlage diente Schiller unter anderem das Schicksal des bekannten Räuberhauptmanns Nikol List, ebenso Matthias Klostermayr, ein Wilderer und Anführer einer „gerechten Räuberbande“. Bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts waren Räuberbanden in Deutschland nichts Ungewöhnliches.

Die gleichnamigen Opern von Saverio Mercadante (I briganti, Uraufführung im Théâtre Italien, Paris 1836) und Giuseppe Verdi (I masnadieri, Uraufführung in Her Majesty's Theatre, London 1847) beruhen auf Schillers Drama.

Inhalt Das dramatische Schauspiel gliedert sich in fünf Akte, die in bis zu fünf Szenen unterteilt sind.

Motto Auf dem Vorsatzblatt der Erstausgabe findet sich ein Zitat von Hippokrates als Motto: „Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat, quae ferrum non sanat, ignis sanat.“ Deutsche Übersetzung etwa: „Was Medikamente nicht heilen, heilt das Messer (wörtlich: Eisen); was das Messer nicht heilt, heilt das Feuer.“

Zusammenfassung der Handlung mini|Schiller (4. v. l.) rezitiert seinen Freunden im Bopserwald bei Stuttgart Die Räuber, Tuschezeichnung von Viktor Heideloff (2. v. l.), 1778 mini|Schiller rezitiert Die Räuber, Tuschezeichnung von Carl Alexander Heideloff nach seinem Vater Viktor Heideloff mini|Franz Moor gespielt von Ludwig Devrient

Maximilian, regierender Graf von Moor, hat zwei ungleiche Söhne: Karl und Franz. Franz, von Natur aus hässlich, wurde in seiner Kindheit vernachlässigt und hat als Zweitgeborener kein Anrecht auf das Erbe. Karl dagegen war immer des Vaters Lieblingssohn, führte dann aber als Student in Leipzig ein recht leichtsinniges und ungezügeltes Studentenleben und verstrickte sich in Schulden, bevor er Besserung gelobte und seinem Vater einen Brief schrieb, mit dem er seinen Wunsch um Vergebung zum Ausdruck brachte.

Hier nun setzt die Handlung der Tragödie ein. Der eifersüchtige Franz ersetzt den Brief des Bruders durch einen eigenen: Er liest seinem Vater einen angeblich von einem Korrespondenten aus Leipzig geschriebenen Text vor, der Karl als Frauenschänder, Mörder und Banditen hinstellt. Darüber ist der Vater so entsetzt, dass er sich von Franz überreden lässt, Karl zu verbannen und zu enterben.

Karl, der sich eine Versöhnung erhofft hatte, ist daraufhin so verzweifelt, dass er sich zum Anführer einer von seinen Freunden gegründeten Räuberbande wählen lässt, die er aus seiner idealistischen Sicht für ehrenvoll hält, da sie sich für die Schwächeren einsetzt. Innerhalb dieser Bande entstehen jedoch Spannungen, die vor allem von dem aus bloßem Vergnügen mordenden und schändenden Moritz Spiegelberg ausgehen. Karl gerät immer tiefer in einen Teufelskreis von Unrecht und Gewalt, der ihm den Weg zurück ins bürgerliche Leben versperrt, und schwört seinen Räubern schließlich ewige Treue. Als seinetwegen aber auch Unschuldige ums Leben kommen und als Karl durch einen Neuankömmling, Kosinsky, an seine geliebte Braut Amalia erinnert wird, beschließt er, unerkannt noch einmal in sein Vaterhaus zurückzukehren.

Inzwischen hat es Franz geschafft, seinem Vater mit Hilfe einer weiteren intriganten Lüge über den „verlorenen Sohn“ das Herz zu brechen und sich zum neuen Herrn über Schloss Moor zu machen. Machtbesessen und lüstern versucht er wiederholt, Amalia für sich zu gewinnen. Die jedoch widersteht seinen dreisten Avancen und hält weiter mutig zu ihrem Verlobten. Verkleidet betritt Karl das Schloss, durchschaut die Zusammenhänge seines Niedergangs und erfährt, dass ihn Amalia – die ihn nicht erkennt – immer noch liebt.

Als Franz errät, wer unter der Verkleidung steckt, flieht Karl aus dem Schloss und trifft zufällig auf den tot geglaubten Vater, der in einem Hungerturm dahinvegetiert und seinen Lieblingssohn nicht wiedererkennt. Empört schickt Karl seine Räuber los, um das Schloss zu stürmen und den verhassten Bruder Franz festzunehmen. Der allerdings entzieht sich im letzten Moment der gerechten Strafe durch Selbstmord. Die Räuber nehmen Amalia gefangen und bringen sie zu Karl, der sich jetzt, verzweifelt über den Lauf der Dinge, als Räuberhauptmann zu erkennen gibt. Das versetzt seinem Vater den Todesstoß. Auch Amalia ist entsetzt, hält aber trotz allem an ihrer Liebe zu Karl fest. Durch den unverbrüchlichen Eid, der ihn an seine Räuber bindet, ist es Karl jedoch nicht möglich, zu ihr zurückzukehren. Amalia will ohne ihn aber nicht mehr weiterleben und bittet ihn, sie zu töten. Schweren Herzens tut ihr Karl diesen letzten Gefallen und ersticht sie. Er sieht ein, „dass zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrunde richten würden“, und beschließt, sich der Justiz auszuliefern.

1. Akt Ausgangspunkt der Handlung ist die Situation in der adligen Familie von Moor: ein alter Vater zwischen seinen ungleichen Söhnen Karl und Franz, die zu unversöhnlichen Feinden werden. Der jüngere Sohn, Franz, hält sich im väterlichen Schloss auf, während der ältere, Karl, ein ausschweifendes Leben als Student in Leipzig führt.

1. Szene:

Der alte Graf Maximilian von Moor erhält in einem Brief aus Leipzig endlich Nachrichten von seinem ältesten Sohn Karl. Doch das Schreiben, das ihm sein zweitgeborener Sohn Franz überbringt und das angeblich von einem Freund Karls verfasst worden ist, enthält nichts Erfreuliches: Karl stecke offenbar in argen Schwierigkeiten, habe angeblich 40.000 Dukaten Schulden gemacht, die Tochter eines reichen Bankiers entjungfert, deren Verlobten im Duell getötet und sich der Strafverfolgung entzogen. Nicht ahnend, dass Franz gegen seinen Bruder intrigiert, den Brief gefälscht und den wahren Brief Karls, in dem dieser seinen Vater um Vergebung bittet, hat verschwinden lassen, ist der Vater von den Untaten seines Sohnes Karl zutiefst erschüttert und lässt sich von Franz dazu überreden, seinen älteren Sohn zu verstoßen und zu enterben. Er hofft, Karl durch diese pädagogisch gemeinte Maßnahme wieder auf den rechten Weg zu bringen, und beabsichtigt, den Kontakt zu ihm nach dessen Läuterung wieder aufleben zu lassen. Obwohl der Vater seinen jüngeren Sohn mehrfach ermahnt, Karl mit seinem Antwortschreiben nicht in noch größere Verzweiflung zu stürzen, formuliert Franz den Brief besonders schroff und abweisend, um so das Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn für immer zu besiegeln.

2. Szene:

Zur selben Zeit klagen Karl und sein Freund Spiegelberg in einer Kneipe über die einengenden Gesetze und das schlappe „Kastratenjahrhundert“. Während die übrigen Freunde eintreffen, wird Karl der Brief überreicht, den Franz im Namen des Vaters geschrieben hat. Als er erfährt, dass er vom Vater verstoßen sei und keine Bitte um Verzeihung daran etwas ändern könne, lässt Karl den Brief wortlos zu Boden fallen und läuft aus dem Raum. Nachdem dann auch die Freunde den Brief gelesen haben, nutzt Spiegelberg Karls Abwesenheit, um die anderen zu überreden, sich zu einer Räuberbande zusammenzuschließen. In diesem Augenblick kehrt Karl zurück und erklärt, dass für ihn eine Welt zusammengebrochen sei. Er nimmt die Strafe des Vaters als Zeichen dafür, dass die gesamte Menschheit ihre Menschlichkeit eingebüßt habe. Erregt geht er auf das Angebot seiner Freunde ein, ihr Anführer zu werden, und formuliert einen Eid, der sie bis in den Tod aneinander binden soll. Alle schwören sich gegenseitige Treue, nur Spiegelberg hält sich enttäuscht und grollend abseits, denn er hatte gehofft, dass man nicht Karl, sondern ihm die Rolle des Anführers antragen werde.

3. Szene:

Franz begehrt Amalia und versucht, sie durch Lügen über ihren Verlobten für sich zu gewinnen: Karl habe ihren Verlobungsring versetzt, um damit eine Prostituierte zu bezahlen. Franz' Übertreibungen lassen Amalia jedoch misstrauisch werden. Sie durchschaut sein falsches Spiel, erkennt seine wahren Absichten und erteilt ihm eine entschiedene Abfuhr. Entlarvt lässt Franz seine heuchlerische Maske fallen und schwört bittere Rache.

2. Akt 1. Szene:

Franz, der selbst gerne Herr des Hauses von Moor wäre, überlegt sich einen hinterhältigen Plan, wie er seinen Vater umbringen könnte, um die alleinige Macht zu besitzen. Er versetzt den Bastard Hermann mit Anspielungen auf dessen uneheliche Herkunft in Rage gegen Karl und den alten Moor, damit dieser ihm hilft, die beiden aus dem Wege zu räumen. Als Belohnung verspricht Franz ihm die Hand der schönen Amalia, und Hermann willigt ein. Im Gegenzug müsse er sich vor dem alten Moor als Karls Kamerad ausgeben und ihm die schreckliche Botschaft überbringen, dass Karl tot sei. Kaum hat Hermann die Szene wieder verlassen, kommt Franz' wahres Gesicht zum Vorschein und es wird klar, dass er niemals vorhatte, auf Amalia zu verzichten. Mehr denn je begehrt er Karls Verlobte für sich.

2. Szene:

Als der verkleidete Hermann dem alten Moor berichtet, dass Karl gefallen sei, gibt sich der verzweifelte Vater selbst die Schuld daran. Er kann nicht fassen, dass der Verstoß seines Erstgeborenen diesen in den Krieg und damit in den Tod geführt habe. Amalia, vom angeblichen Tod ihres Geliebten ebenfalls zutiefst erschüttert, versucht den alten Moor zu trösten. Doch dieser kann den schweren Schicksalsschlag nicht verkraften – zumal Franz mit seinen Reden noch Salz in die Wunde streut – und bricht wie tot zusammen. Daraufhin sieht sich Franz schon als Erbe. Seine ersten Äußerungen als Nachfolger des Grafen verraten, dass er zu einem wahren Tyrannen werden wird.

3. Szene:

Währenddessen lebt Karl als Hauptmann seiner Räuberbande in den böhmischen Wäldern. Auch Spiegelberg kehrt zu ihnen zurück und führt der Bande neue Anhänger zu. Die Loyalität zu ihrem Hauptmann festigt sich, als die Räuber erfahren, dass Roller, ein geschätztes Bandenmitglied, von Karl vor dem Galgen gerettet wurde. Dabei ist die Stadt, die Roller zum Tode verurteilt hatte, in Brand gesteckt und vollständig zerstört worden. Der Befreiung fielen 83 Stadtbewohner zum Opfer. Als der Wald daraufhin von einer großen Anzahl Soldaten umzingelt wird, will ein Pater die Räuber dazu bringen, ihren Hauptmann auszuliefern, indem er ihnen verspricht, dass ihnen ihre Schandtaten durch diesen Verrat vergeben würden. Doch obwohl auch Karl selbst seine Männer auffordert, ihn auszuliefern, stehen diese fest hinter ihm. Mit dem Ruf „Tod oder Freiheit“ beginnt der Kampf und endet der zweite Akt.

3. Akt 1. Szene: