Der Kings Canyon ist Teil und Hauptattraktion des Watarrka-Nationalparks im australischen Northern Territory. Er befindet sich 245 Kilometer LuftlinieBerechnung bei luftlinie.org, abgerufen am 2. November 2012. südwestlich von Alice Springs im Amadeus-Becken und bildet den westlichsten Teil der George Gill Range. Seine imposanten Felswände von teilweise über 100 Metern Höhe und seine dank eines ganzjährig wasserführenden Billabongs hohe Biodiversität machen ihn zu einem beliebten Touristenziel im Red Centre.Northern Territory Government: Watarrka National Park (englisch). In: Parks and reserves. Abgerufen am 11. August 2016.

Geographie miniatur|links|Karte der umgebenden Straßen Der Canyon befindet sich im südwestlichen Teil des Northern Territory. Alice Springs liegt 245 Kilometer Luftlinie entfernt in nordöstlicher Richtung. Die kürzeste Anfahrt ist 330 Kilometer lang und führt über die Mereenie Loop, die jedoch nicht asphaltiert ist und zudem eine Genehmigung (permit) erfordert. Die einzige durchgehend asphaltierte Anbindung ist der Weg über die Stuart und Lasseter Highways und anschließend entlang der Luritja Road. Eine weitere Route stellt die nur mit Allradfahrzeugen befahrbare Ernest Giles-Road dar, welche ungefähr 100 Kilometer nördlich parallel zum Lasseter Highway verläuft. In der Umgebung gibt es zudem einige 4WD-Tracks.

Die George Gill Range, und damit der Kings Canyon, liegt im Übergangsbereich dreier Großlandschaften: Im Nordosten befinden sich die MacDonnell Ranges, eine 644 Kilometer lange, von Ost nach West verlaufenden Bergkette, welche die Umgebung von Alice Springs prägt. In Richtung Süden und Westen erstrecken sich Sandebenen verschiedener Wüsten; unter anderem liegt dort der Lake Amadeus, ein normalerweise trockener Salzsee. Gen Südosten wird die Landschaft von flachen Hügeln und Tafelbergen charakterisiert, ehe sie in die sehr sandige Simpson Desert übergeht. Aufgrund dieser Lage im Schnittpunkt verschiedener Landschaften kommen in der George Gill Range Pflanzen aller drei Gebiete vor, die normalerweise nicht an einem Ort wachsen.

Beschreibung mini|Gesteinsschichten verschiedener Farben an einer Wand des Canyons mini|Domes auf dem umgebenden Plateau Der Canyon besteht aus imposanten, teilweise über 100 Meter hohen Felswänden, deren Farben von Rot und Gelb bis Weiß reichen. Durch die Felsschlucht zieht sich der temporär wasserführende Kings Creek, der an seinem Ende ein immer feuchtes Wasserloch formt. Dieses Billabong ist beinahe komplett von hohen Felswänden umgeben, die Schatten spenden und so ein Mikroklima schaffen, in dem viele grüne Pflanzen wachsen und ihm so den Namen Garden of Eden verschafften. Der Canyon ist von einem Plateau umgeben, das von Domes und anderen interessanten Felsformationen geprägt ist.

Wanderwege Vom Kings Canyon Parkplatz aus führen drei Wanderwege durch die umgebende Landschaft. Sie sind unterschiedlich lang und verschieden schwer, aber alle gut markiert.

Kings Creek Walk

Der kürzeste Weg ist der Kings Creek Walk, der am Kings Creek entlang in den Canyon hineinführt. Am Ende befindet sich eine Aussichtsplattform, die einen guten Blick auf die steilen Felswände ermöglicht. Auf demselben Weg geht es wieder zum Ausgangspunkt. Hin und zurück ist die Strecke 2,6 Kilometer lang, wofür eine Stunde veranschlagt wird. Der Weg endet an der Plattform, da der dahinterliegende Teil den lokalen Aborigines heilig ist; es ist nicht erlaubt, von dort aus weiter entlang des Creeks bis zum Pool am Ende der Schlucht zu gehen oder die Oberkante des Canyons zu erklimmen.Foto des Hinweisschildes an der Aussichtsplattform, abgerufen am 24. Februar 2014.

Kings Canyon Rim Walk Der Kings Canyon Rim Walk ist ein Rundweg, der in drei bis vier Stunden um den Canyon herumführt. Der 6 Kilometer lange Weg beginnt mit einem steilen Anstieg, anschließend führt er auf einer relativ ebenen Strecke zwischen den Domes des umgebenden Plateaus entlang. Auf halbem Weg führen Treppen den Canyon hinab, wo eine Brücke die Schlucht überspannt. Nach der Überquerung kann ein optionaler Abstecher zum Garden of Eden unternommen werden. Der Hauptweg führt anschließend wieder durch das Plateau, bevor er relativ seicht zum Parkplatz hinabführt.

Dieser Weg bietet viele Aussichtspunkte, von denen sowohl die diversen Formen der Felsen des Plateaus als auch das Wasserloch und die steilen Felswände des Canyons betrachtet werden können. Obwohl der Weg ein Rundweg ist und deswegen in beide Richtungen begangen werden könnte, schreiben die Ranger aus Sicherheitsgründen eine Umrundung im Uhrzeigersinn vor.

Giles Track Der Kings-Canyon-Parkplatz ist zudem ein Ausgangspunkt für den Giles Track, einen 22 Kilometer langen Wanderweg vom Kings Canyon nach Kathleen Springs. Der mit orangen Pfeilen markierte Weg führt am südlichen Rand der George Gill Range entlang und durchquert dabei ein weites Plateau, das von schmalen Spalten und Schluchten sowie Sandstein-Domes geprägt ist. In Richtung Süden können die weiten Sandebenen überblickt werden, die sich bis zum 80 Kilometer entfernten Lake Amadeus erstrecken.

Auf halbem Weg kann über die Tjintjit-Tjintjit-Spur die Aborigine Community Lilla erreicht werden, was jedoch nicht ohne Genehmigung möglich ist. Entlang der Strecke werden einige Bäche (creeks) überquert, darunter Reedy Creek, Rocky Creek, Hill Mulga Creek, Waru Creek, Wanga Creek und Kathleen Creek. Campen ist überall zwischen Kilometer 3 und Kilometer 20 erlaubt, es wird jedoch empfohlen, am Reedy Creek zu übernachten.

Klima mini|hochkant=1.8|Schild am Anfang der Wanderwege, das auf Risiken durch hohe Temperaturen hinweist und Tipps für sicheres Wandern gibt. Das Klima der umliegenden Region ist, wie Zentralaustralien allgemein, größtenteils heiß und trocken; im Sommer sind Temperaturen über 40 °C keine Seltenheit. Wie in Wüsten üblich kühlt die Landschaft aufgrund der fehlenden Wolken über Nacht jedoch stark aus, wodurch der Tagesverlauf durch große Temperaturschwankungen geprägt ist. Innerhalb eines Tages beträgt die Spanne oft mehr als 15 Grad und im Winter können durchaus Minusgrade auftreten.

Der Kings Canyon liegt in der semi-ariden Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 15 °C; der wärmste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 31 °C, der kälteste der Juni mit 14 °C im Mittel. Die höchste je gemessene Temperatur betrug 45,3 °C und wurde am 21. Dezember 1990 registriert, die tiefste mit −5,1 °C am 2. Juli 2002.

Die mittlere Jahresniederschlagsmenge beträgt 318 mm, wovon das meiste in den heißen Monaten zwischen Oktober und März fällt. Die niederschlagsreichsten Monate sind November und Februar mit jeweils 47,7 mm, der trockenste Monat ist der August mit nur 5,7 mm.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Klimawerte der Jahre 1990 bis 2011:

Die extremen Klimaverhältnisse verlangen Vorsicht bei Wanderungen. Im Sommer (Januar/Februar) liegen die Temperaturen bei Sonnenaufgang gegen 6:30 Uhr noch bei angenehmen 20 bis 22 °C, bis 10 oder 11 Uhr wird die 30°-Marke jedoch oft überschritten. Von Wanderungen in der Mittagshitze wird eindringlich abgeraten. Anfang 2003 verstarben zwei ältere Besucher, als sie diese Empfehlung nicht einhielten.Newsletter von australien-info.de, Ausgabe 05/2003

Tourismus Der Kings Canyon ist eine der wichtigsten Touristenattraktionen des australischen Red Centre. Im Jahr 2008 besuchten ungefähr 215.000 Besucher den Watarrka-Nationalpark.Parks and Wildlife Service of the Northern Territory: Watarrka National Park – Draft Joint Management Plan. Department of Natural Resources, Environment, The Arts and Sport des Northern Territory, Alice Springs 2009, ISBN 978-1-921519-37-6, S. 7. ()Central Land Council: 25. Juli 2012, abgerufen am 2. November 2012. Bei den meisten mehrtägigen Uluru-Touren ist auch der Kings Canyon Teil des Programms.

Entwicklung der Besucherzahlen: Jahr Besucher Quelle 1961 600 1985 20.000 1990 60.000 2002 280.000 2008 215.000

Aufgrund des im Sommer extrem heißen Klimas ist die Hauptsaison im australischen Winter, zwischen März und Oktober. In dieser Zeit sind die Temperaturen erträglich, was insbesondere die Wanderungen angenehmer macht. Von Touren in der Mittagshitze wird jedoch ganzjährig abgeraten und Hinweisschilder weisen ausdrücklich, deutlich und wiederholt auf die Risiken hin. Besucher werden angehalten mindestens einen Liter Wasser pro Stunde zu trinken und sich gegen die Sonneneinstrahlung zu schützen.

Entstehung miniatur|hochkant=1.8|Entstehungsprozess der Domes

Die Region des Kings Canyon besteht aus zwei verschiedenen Sandsteinen: Dem 400 Millionen Jahre alten, sehr verwitterungsbeständigen Mereenie Sandstone und dem darunter liegenden, 440 Millionen Jahre alten, deutlich weniger beständigen Carmichael Sandstone. Vor 350 Millionen Jahren brach der Meerenie Sandstone auf.

Ein besonders tiefer Spalt wurde durch Wind, Regen und Überschwemmungen immer tiefer und breiter erodiert. Als dieser Spalt den weicheren Carmichael Sandstone erreichte, wurde dieser schneller erodiert als der darüberliegende Meerenie Sandstone, was diesem die Auflage raubte und durch schubweises Einbrechen der oberen Gesteinsschichten über Millionen von Jahren den Kings Canyon formte.

Aus der Luft sind die grob in Nord-Süd- sowie Ost-West-Richtung verlaufenden Spalten des umgebenden Plateaus gut zu sehen, die ein aus würfelförmigen Blöcken bestehendes Gitter bilden. In den letzten 20 Millionen Jahren haben Wind und Regen nach und nach die Seiten und Ecken dieser Würfel abgetragen. So entstanden die das Plateau prägenden Domes.

Geschichte Aborigines Das Land rund um den Kings Canyon ist die Heimat des Aborigine-Stamms der Luritja. Das Wasserloch des Kings Canyon bot ihnen auch in schweren Dürrezeiten eine zuverlässige Wasserquelle. Auf dem Gelände des heutigen Nationalparks befinden sich Fundstellen von Luritja-Kunst, darunter Felsbilder und -malereien. Diese sind für Touristen jedoch nicht zugänglich, da die Luritja Schäden an diesem Kulturgut befürchten.

Im Nationalpark existieren viele Stellen mit hohem spirituellen Stellenwert für die Luritja, worunter besonders die außergewöhnlichen Felsformationen fallen. Der lokale Schöpfungsmythos besagt, dass während der Dreamtime (tjukurpa) erwachsene und junge Männer der Kuningka entlang des Kings Creek gen Norden reisten, um am Wasserloch mit der lokalen Stammesfamilie eine Zeremonie abzuhalten. Im Glauben der Luritja verkörpern die Domes auf dem umgebenden Plateau die jungen Mitreisenden.

Ein Großteil der Luritja lebt inzwischen in der 190 Kilometer nordwestlich gelegenen Siedlung Papunya.

Europäische Entdeckung mini|Ernest Giles Am 30. Oktober 1872 erreichten die beiden Entdecker Ernest Giles und Samuel Carmichael als erste Europäer die Gegend und wanderten am Kings Creek entlang in den Canyon hinein. Die dortigen Aborigines hatten zuvor weder weiße Menschen noch die von ihnen als Transportmittel benutzten Pferde gesehen. Giles benannte den Canyon nach einem alten Freund, Fielder King.Manche Quellen geben den Vornamen auch mit Fieldon statt Fielder an – welche Variante stimmt, ist nicht genau geklärt. Die Gebirgskette, dessen westlichstes Ende der Canyon ist, benannte er nach seinem Schwager George Gill, der bei der Finanzierung der Expedition geholfen hatte.

Ein Jahr später, 1873, führte eine Expedition unter William Gosse in die Region. Die Teilnehmer reisten mit Kamelen und campierten am Kings Creek, um danach in südliche Richtung aufzubrechen. Während ihrer weiteren Reise entdeckten sie den Ayers Rock und benannten ihn nach dem damaligen Gouverneur von South Australia, Sir Henry Ayers.