Turkmenistan (, früher auch Turkmenien)Turkmenien – Eintrag bei duden.de ist ein Staat in Zentralasien. Turkmenistan liegt am Kaspischen Meer und grenzt an Kasachstan im Nordwesten, Usbekistan im Nordosten, Afghanistan im Südosten, Iran im Süden und über eine Seegrenze durch das Kaspische Meer an Aserbaidschan im Westen. Der Binnenstaat ist mit 488.100 km² etwa so groß wie Spanien und landschaftlich vor allem von der Wüste Karakum geprägt. Der dünn besiedelte Staat hat mehr als sieben Millionen Einwohner, die Mehrheit davon muslimische Turkmenen. Hauptstadt und mit rund einer Million Einwohnern größte Stadt des Landes ist Aşgabat. Zu weiteren bedeutenden Städten gehören Türkmenabat, Türkmenbaşy, Daşoguz und Mary.
1991 erklärte das Land seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion. In den folgenden Jahren errichtete der erste Präsident Saparmurat Nijasow, der zuvor bereits seit 1985 die damalige Sowjetrepublik regiert hatte, ein bis heute bestehendes totalitäres System. Turkmenistan gilt als einer der restriktivsten Staaten der Gegenwart. Die Menschenrechtslage ist äußerst kritisch, so ist beispielsweise die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. In verschiedenen Demokratieskalen belegt der Staat seit Beginn der Messungen bis heute durchgehend einen der letzten Plätze.
Turkmenistan verfügt über die viertgrößten Erdgasvorkommen der Welt. Die Wirtschaft basiert stark auf Erdgas, das einen Großteil des Bruttoinlandsprodukts und der Exporte ausmacht. Trotz der Ressourcen bleibt die inländische Wirtschaft durch staatliche Kontrolle und begrenzte ausländische Investitionen eingeschränkt. Sozial hat Turkmenistan Fortschritte bei den Lebensbedingungen gemacht, allerdings sind die wirtschaftlichen Vorteile in der Gesellschaft sehr ungleich verteilt. International verfolgt es eine Neutralitätspolitik und unterhält enge wirtschaftliche Beziehungen zu China.
Geographie Turkmenistan grenzt an Kasachstan, Usbekistan, Afghanistan, Iran und das Kaspische Meer.
Nahezu 95 % der Landfläche werden von der Wüste Karakum eingenommen, die sowohl aus Sand- als auch Geröllwüstengebieten besteht. Im Westen erstrecken sich die Hochebene von Türkmenbaşy und der Große Balkan (). Dieser fällt in Richtung Süden zum Karakumkanal (Turkmenischer Hauptkanal) ab, auf dessen anderer Seite die Landschaft in das Kopet-Dag-Gebirge übergeht, das sich größtenteils in Iran befindet, in Turkmenistan im Berg Reza und in Iran Höhe erreicht. Während Richtung Südosten nach Afghanistan noch einige Ausläufer des Gissargebirges aufragen, befindet sich der höchste Berg des Landes, der Aýrybaba (), an der östlichen Grenze zu Usbekistan.
Klima Überblick Es herrscht überall kontinentales Klima mit extrem heißen und trockenen Sommern und kalten Wintern.
Als südlichste Region der ehemaligen Sowjetunion hat Turkmenistan die mit Abstand höchsten Temperaturen in Zentral-Asien, doch da selbst im Sommer die Luftfeuchtigkeit niedrig ist, ist die Hitze erträglicher. Im Süden ist das Klima etwas weniger kontinental als im Norden, und die Temperaturen fallen selten unter −5 °C. Die nördlichen Bereiche an der Grenze zu Usbekistan können im Winter bis zu −20 °C kalt werden.
Das ausgeprägte Kontinentalklima in Turkmenistan weist hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und auch von Jahreszeit zu Jahreszeit auf.
Der Norden Die durchschnittliche Maximal-Temperatur beträgt zwischen 2 °C im Januar und 34 °C im Juli. Die durchschnittliche Tiefst-Temperatur beträgt zwischen −4 °C im Januar und 22 °C im Juli. Die durchschnittliche relative Luftfeuchte beträgt zwischen 35 % im Juli und 78 % im Januar. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt oft ganzjährig unter 5 mm. Die meisten Tage mit Niederschlag hat der Monat Januar mit durchschnittlich 11 mm. Die wenigsten Tage mit Niederschlag hat der Monat August mit durchschnittlich 2 mm.
Der Süden Die durchschnittliche Maximal-Temperatur beträgt zwischen 11 °C im Januar und 38 °C im Juli. Die durchschnittliche Tiefst-Temperatur beträgt zwischen 0 °C im Januar und 24 °C im Juli. Die durchschnittliche relative Luftfeuchte beträgt zwischen 23 % im August und 70 % im Dezember. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt oft ganzjährig unter 3 mm. Die meisten Tage mit Niederschlag hat der Monat Januar mit durchschnittlich 5 mm. Die wenigsten Tage mit Niederschlag haben die Monate Juni bis Oktober mit durchschnittlich 0 mm.
Das Zentralland Die durchschnittliche Maximal-Temperatur beträgt zwischen 8 °C im Januar und 37 °C im Juli. Die durchschnittliche Tiefst-Temperatur beträgt zwischen 1 °C im Januar und 23 °C im Juli. Die durchschnittliche relative Luftfeuchte beträgt zwischen 29 % im Juli und 79 % im Dezember. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt zwischen 1–2 mm im August und 38 mm im April. Die meisten Tage mit Niederschlag hat der Monat Dezember mit durchschnittlich 10 mm. Die wenigsten Tage mit Niederschlag hat der Monat August mit durchschnittlich 2 mm.
Klimawandel Turkmenistan und andere zentralasiatische Länder werden nach Einschätzung der Weltbank von der globalen Erwärmung am meisten betroffen sein.ВБ: из-за глобального потепления в Центральной Азии могут начаться конфликты. In: podrobno.uz, 25. Januar 2018 (deutsche Übersetzung von Florian Tack: Weltbank: globale Erwärmung könnte zu Konflikten in Zentralasien führen bei novastan.org.). Wenn das globale Klima durchschnittlich zwei Grad wärmer wird, wird es in Kirgisistan voraussichtlich um 6,5 °C wärmer.Hans-Balder Havenith, Ruslan Umaraliev, Romy Schlögel, Isakbek Torgoev: Past and Potential Future Socioeconomic Impacts of Environmental Hazards in Kyrgyzstan. In: Oliver A. Perry (Hrsg.): Kyrgyzstan: Political, Economic and Social Issues. Nova Science Publishers, 2017, ISBN 978-1-5361-2763-8, S. 90. Dies wird sich durch Gletscherschmelze und Verdunstung auf den Wasserhaushalt der Anrainerstaaten des Amudarja auswirken. Obwohl der Klimawandel von der Bevölkerung bislang kaum diskutiert wird (Armut und wirtschaftliche Not lenken den Blick auf konkrete wirtschaftliche Sorgen), sind mögliche Folgen spätestens seit der Austrocknung des Aralsees bekannt. Dessen Hauptzuflüssen Amudarja und Syrdarja werden 90 Prozent ihrer ursprünglichen Wassermenge zu Bewässerungszwecken entzogen, was die Temperaturunterschiede vor allem im Sommer verschärft. Das restliche Flusswasser ist durch Pestizide und Abwässer belastet. Der Anbau der wasserintensiven Baumwolle ist noch immer eine starke Belastung.
Natur Turkmenistan wird in weiten Teilen von Trockengebieten dominiert und beherbergt immer noch zahlreiche gefährdete und seltene Tierarten, die für Steppen und Wüsten charakteristisch sind. Etwa ein Drittel der Wirbeltier-Arten, die in der Roten Liste gefährdeter Arten der früheren UdSSR aufgezählt sind, kommen in Turkmenistan vor. Dazu zählen Halbesel und Kropfgazellen, vorwiegend die bergigen Regionen im Süden werden auch von Urials und Wildziegen sowie von wenigen hundert Exemplaren des Persischen Leoparden als größtem Raubtier bewohnt. Ein bedeutendes Schutzgebiet Turkmenistans ist das Badkhyz-Naturreservat im Süden des Landes, das einst die letzte Zuflucht des Turkmenischen Halbesels war und zugleich eines der bedeutendsten Refugien für die Kropfgazelle in Turkmenistan darstellt.
Städte Im Jahr 2023 lebten 54 Prozent der Einwohner Turkmenistans in Städten. Die größten Städte sind (Stand 2013):Städte Turkmenistans mit Einwohnerzahlen. Aşgabat (860.221 Einwohner) Türkmenabat (234.765 Einwohner) Daşoguz (285.872 Einwohner) Mary (126.141 Einwohner) Gyzylarbat (93.692 Einwohner) Baýramaly (91.713 Einwohner)
Bevölkerung Demografie mini|Bevölkerungspyramide Turkmenistan 2016 mini|Turkmenen in Nationaltracht zur Unabhängigkeitsparade 2011 mini|Zwei Turkmenen auf traditionellem Teppich vor einer Jurte vor 1916
Turkmenistan hatte Ende 2022 7.057.841 Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug +1,5 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 20,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,6 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,6, die der Region Europa und Zentralasien betrug 1,7. Die Lebenserwartung der Einwohner Turkmenistans ab der Geburt lag 2022 bei 69,4 Jahren (Frauen: 72,9, Männer: 65,9). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 25,8 Jahren. Im Jahr 2023 waren 31,7 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 4,3 Prozent der Bevölkerung betrug.
+Entwicklung der BevölkerungJahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahl19501.210.00019802.876.00020105.087.00019601.603.00019903.683.00020206.031.00019702.195.00020004.516.00020227.057.841
Bevölkerungsstruktur Die höchsten Besiedlungsdichten weisen die Oasengebiete im Vorland des Kopet-Dag, die Regionen am Unterlauf von Tedschen und Murgab, das Tal des Amudarja und die am Karakumkanal gelegenen Gebiete auf. 53 % der Bewohner leben in Städten.
Den Hauptteil der Bevölkerung bilden die Turkmenen mit rund 77 %; die größten Minderheiten sind Usbeken (9 %), Russen (7 %), Kasachen (2 %), Tataren (1,1 %), Aserbaidschaner (0,8 %), Belutschen (0,8 %), Armenier (0,8 %), Ukrainer (0,5 %), daneben auch Koreaner und Tadschiken.. Außerhalb der Angaben sind Kurden, welche auf rund 60.000 bzw. 1 Prozent der Bevölkerung geschätzt werden. Seit dem Ende der Sowjetzeit geht der Anteil der Russen an der Gesamtbevölkerung zurück, während der der Turkmenen ansteigt.
Religionen
Etwa 90 % der Bevölkerung sind Muslime (Sunniten der hanafitischen Rechtsschule und Schiiten mit etwa 120.000 Anhängern). 9 % gehören der Russisch-Orthodoxen Kirche an. auf der Website des Auswärtigen Amtes. Als weitere bedeutende religiöse Minderheiten sind folgende Gemeinschaften vertreten: Jüdische Religion, Römisch-katholische Kirche, Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten, Neuapostolische Kirche und Bahai.
Die jüdische Religion ist in Turkmenistan nicht anerkannt. Die Ausübung der Religion wird allerdings toleriert. Es gibt jedoch keine Synagogen. Etwa 1000 Juden leben in Turkmenistan. Die meisten von ihnen hatten sich während des Zweiten Weltkriegs hier niedergelassen, sie waren Flüchtlinge aus der Ukraine. Eine andere Gruppe sind die alteingesessenen bucharischen Juden. Viele turkmenische Juden sind im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion nach Deutschland oder Israel ausgewandert.
Sprachen Russisch war zu Sowjetzeiten Amtssprache neben dem Turkmenischen, das als oghusische Sprache mit Aserbaidschanisch und Türkisch eng verwandt ist. Russisch wurde auch auf dem Land gesprochen und wird noch heute von 12 % der Einwohner als Muttersprache beherrscht, was ein Vielfaches des Anteils der russischen Minderheit im Land ist (nur 72 % der Einwohner sprechen Turkmenisch als Muttersprache) – da die ethnischen Minderheiten Russisch erlernen. Oft werden von diesen Minderheiten vor allem in den Städten drei Sprachen gesprochen.
Jedoch ist durch die neue Sprachpolitik des diktatorischen Regimes seit 1990 eine starke Bevorzugung des Turkmenischen zu beobachten, weshalb die Kenntnis des Russischen bei jüngeren Menschen immer weiter abnimmt und auf dem Land kaum noch vorhanden ist. Das Erlernen des Turkmenischen an Schulen ist allerdings aufgrund begrenzter Lernzeit, schlecht erarbeiteter Sprachprogramme sowie Lehrbücher problematisch. Aufgrund des Vorhandenseins multinationaler Erdöl- und Erdgasfirmen sind Kenntnisse von Malaiisch, Türkisch, Französisch und Englisch wichtig. Türkisch und Englisch werden auch als Fremdsprache an den Schulen gelehrt, jedoch kann es nur ein kleiner Teil der Einwohner sprechen. Ein spezieller Dialekt des Turkmenischen wird im Kopet-Dag-Gebirge in der Umgebung von Nohur gesprochen.
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