Jerusalem (;In Bibeltexten ist neben auch die Form belegt (s. Hollenberg–Budde: Hebräisches Schulbuch. 22. Auflage. Basel 1957, S. 220). , bekannter unter der Kurzform ;Weitere arabische Ehrennamen der Stadt sind: , , auch ‚das Haus am heiligen Ort‘ (s. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 666 f.). [Neutrum Plural], oder [f., indecl.]; [n. pl. oder f. sg.] Hierosolymae [f. pl.] Hierusalem oder Jerusalem [n., indecl.]) ist eine Stadt in den judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer mit rund 925.000 Einwohnern.Statistical Yearbook of Jerusalem, Ausgabe 2021, abgerufen am 5. Mai 2021. Der politische Status der Stadt ist international umstritten und Teil des Nahostkonflikts. Nach israelischem Verständnis ist Jerusalem die Hauptstadt Israels, jedoch erkennen die Vereinten Nationen und die Mehrheit ihrer Mitgliedstaaten Jerusalem nicht als israelische Hauptstadt an. Jerusalem wurde 1980 von Israel, das das gesamte Stadtgebiet kontrolliert, durch das Jerusalemgesetz zu seiner vereinigten und unteilbaren Hauptstadt erklärt. Auch der Staat Palästina beansprucht Jerusalem als seine Hauptstadt.

In Jerusalem begegnen sich viele Kulturen der Antike und Moderne. Die Altstadt ist in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel gegliedert und von einer aus osmanischer Zeit stammenden Befestigungsmauer umgeben. Die Mauern der Altstadt umschließen einige bedeutende Orte der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam: die Klagemauer, die Grabeskirche und die Al-Aqsa-Moschee mit dem Felsendom.

In der Neustadt Jerusalems befinden sich der Sitz des Staatspräsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht als Teil des politischen Systems Israels. Am Stadtrand liegen die 1918 gegründete Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem und der Israel National Cemetery am Herzlberg.

Bis zum Sechstagekrieg (1967) befand sich nur Westjerusalem unter israelischer Herrschaft; Ostjerusalem wird von gemäßigten Palästinenser-Organisationen als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates beansprucht, während radikale Palästinenser-Organisationen die gesamte Stadt als Hauptstadt fordern.

Name Die Stadt trug historisch verschiedene Namen. In ägyptischen Ächtungstexten aus dem 19. und 18. Jahrhundert v. Chr. erscheint erstmals die Buchstabenfolge Ꜣw-šꜢ-m-m als Name dieser Stadt. Sie wurde vermutlich (j oder u)ruschalimum ausgesprochen. In den Amarna-Briefen aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. ist ú-ru-sa-lim belegt, in den assyrischen Annalen des Sanherib, der die Stadt im 8. Jahrhundert v. Chr. belagerte, ur-sa-li-im-mu. Die im Hebräischen und Aramäischen gebräuchlichste und auch älteste Form ist yrwšlm, jeruschalem, daneben ist eine Kurzform yršlm und noch kürzer šlm, schalem belegt.

Die Bedeutung des Namens ist wahrscheinlich „Gründung (yru) des [Gottes] Schalim“ oder eventuell „Palast/Stadt (ūru) des Schalim“. Schalim war die kanaanitische Gottheit der Abenddämmerung, möglicherweise der Patron der Stadt.Eckart Otto: Das antike Jerusalem. Archäologie und Geschichte. C. H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56881-7, S. 46 (). Die von den Rabbinen gegebene, nach wie vor populäre Deutung des Namens als „Stadt des Friedens (šalom)“ ist eine Volksetymologie. Danach soll die Kurzform des Stadtnamens Salem (שלם šhālêm) mit dem hebräischen Wort Schalom (שלום = „Frieden, Heil“) verwandt sein. Der heute übliche hebräische Name Jeruschalajim ist eine feierliche Dualform und kam erst in der Zeit des zweiten Tempels auf. Diese Form wurde später von den Masoreten nachträglich als biblische Lesart festgelegt.

Poetische und religiöse Titel wie der biblische Name Zion oder Heilige Stadt bezeichnen Jerusalem (im Mittelalter auch YerusalemGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 406 (Yerusalem in „ein iudenpflaster von Yerusalem“. geschrieben) als Stadt des einen, einzigen Gottes, den Juden, Christen sowie Muslime verehren.

Geschichte Frühzeit Die ältesten bisher nachgewiesenen Spuren menschlicher Besiedlung des heutigen Stadtgebiets sind keramische Ausgrabungsfunde der Kupfersteinzeit (um 4500–3150 v. Chr.) in Felstaschen des Südosthügels. Aus der Frühbronzezeit I-II (3150–2650 v. Chr.) sind eine Höhle mit Bestattungen oberhalb der Gihonquelle und zwei Breitraumhäuser am östlichen Abhang des Südosthügels bekannt. Dann folgt anscheinend eine Besiedlungslücke von der Frühbronzezeit III bis zur Mittelbronzezeit I. In der Mittelbronzezeit IIA (2000–1750 v. Chr.) entstand auf dem Südosthügel die befestigte Stadtsiedlung Uruschalimum/Urusalim. Die Gihonquelle wurde mit einer Mauer umfasst und erhielt ein Becken; auch das Warren-Tunnel-System entstand in dieser Zeit.Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 1096.

Die Amarna-Briefe aus der Zeit von Pharao Echnaton (Amenophis IV.) belegen, dass der Stadtgouverneur Abdi-Hepa von Urusalim in Konflikte mit Apiru und anderen Stadtgouverneuren verwickelt war.

Im Tanach, der hebräischen Bibel, finden sich Angaben zur Frühzeit der Stadt Jerusalem. Für sie fehlt oft eine außerbiblische Bestätigung, auch archäologischer Art, und sie entstanden in der heute überlieferten Form erst Jahrhunderte nach den beschriebenen Begebenheiten. Nach und gehörte die Stadt zur Zeit der Landnahme und der (etwa 1400–1000 v. Chr.) den Jebusitern, in deren Nachbarschaft die Israeliten vom Stamm Benjamin und Juda siedelten. Der Ort hieß damals auch Jebus; die Israeliten bezeichneten ihn als Jebusiterstadt oder „Stadt der Fremden“ . Deren Könige bildeten nach und mit anderen Gegnern der Zwölf Stämme Israels Kriegskoalitionen. Nach eroberte und zerstörte der Stamm Juda die Stadt als Auftakt zur Eroberung Kanaans. Diese Angabe widerspricht , wonach die Benjaminiter die Jebusiter nicht vertrieben, sondern friedlich neben ihnen wohnen blieben, und wonach erst König David Jerusalem von den Jebusitern eroberte. Ri 1,8 gilt daher als ahistorische, später vorangestellte redaktionelle Notiz.Werner H. Schmidt: Alttestamentlicher Glaube in seiner Geschichte. 4. Auflage. 1982, S. 216.

David eroberte Jerusalem laut erst, nachdem er seinen Vorgänger König Saul entmachtet, die Nachbarvölker der Amalekiter und Philister besiegt hatte und dann auch von den daran unbeteiligten Stämmen der Israeliten als ihr König anerkannt worden war . Daraufhin soll er seinen Regierungssitz um 1000 v. Chr. von Hebron nach Jerusalem verlegt haben, das etwa in der Mitte zwischen Norden und Süden Israels lag und auf das bisher kein Stamm der Israeliten Besitzansprüche erhoben hatte. Er nannte die Stadt fortan die „Davidsstadt“. So machte er Jerusalem zur Hauptstadt seines Großreiches. Indem er die Bundeslade, die als beweglicher JHWH-Thron die früheren Feldzüge der Israeliten begleitet hatte, dorthin überführt haben soll, wurde die Stadt auch zum religiösen Mittelpunkt seines Reichs. Damals befand sich das Stadtzentrum südlich der heutigen Altstadt im Hinnomtal, der Platz des späteren Tempels auf einer Anhöhe nördlich der damaligen Stadt.

Irgendwelche Beweise für eine einheitliche Kultur oder einen zentral verwalteten Staat zur Zeit Davids gibt es laut Finkelstein nicht, Jerusalem selbst dürfte im besten Fall kaum mehr als ein typisches Dorf im Bergland gewesen sein.Israel Finkelstein, Neil Asher Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel. (Original: The Bible Unearthed, Archaeology’s New Vision of Ancient Israel and the Origins of its Sacred Texts, New York 2001) Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-55531-2, S. 160.

Zeit des ersten Tempels mini|Haus des Ahiel in der Davidsstadt, ein Oberschicht-Wohnhaus aus der Zeit des ersten Tempels Davids Sohn Salomo (um 969–930) erbaute laut einen Palast und den ersten Tempel für JHWH, den David geplant hatte. Nach Salomos Tod (als Sterbejahr wird 926 v. Chr. angenommen) und der Spaltung des Königreichs in die Staaten Juda (Süden) und Israel (Norden) wurde Jerusalem die Hauptstadt des Südreiches Juda. Im Nordreich Israel wurde der Jerusalemer Tempelkult abgelehnt: Unter den Omriden war Israel mit dem Zentrum in Samaria wirtschaftlich und militärisch dem Südreich überlegen. Es ist anzunehmen, dass zu dieser Zeit der später in der Bibel behauptete Alleinstellungsanspruch Jerusalems als hervorragendes oder sogar einziges politisches und geistiges Zentrum der Israeliten noch nicht umgesetzt war.

Königin Atalja (845–840) soll den Baalskult im Tempel eingeführt haben. Unter König Ahas (741–725) wurden vielleicht auch assyrische Götter verehrt. Erst Hiskija (725–697) weihte laut dem biblischen Bericht den Tempel wieder JHWH, sicherte die Stadt durch Mauern und ihre Wasserversorgung durch den Hiskija-Tunnel. Man nimmt an, dass Flüchtlingsströme aus dem Nordreich Israel nach dessen Zerstörung durch die Neuassyrer (722/720) zu einem Aufblühen der Stadt Jerusalem und einer Stadterweiterung nach Westen führten. Joschija (638–609) führte eine Kultzentralisation in seinem Reich durch: Der Tempel von Jerusalem war fortan die einzig legitime Kultstätte des Gottes JHWH.Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 1102.

Nebukadnezar II. eroberte Jerusalem erstmals 597 und nochmals 586 v. Chr.;Eckart Otto: Jerusalem. In: Evangelisches Kirchenlexikon. Band 2. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1989, Sp. 810. beim ersten Mal führte er die jüdische Oberschicht in Gefangenschaft (babylonisches Exil) und setzte Zedekia als Vasallenkönig ein. Nach dessen Bruch mit den Babyloniern ließ Nebukadnezar 586 v. Chr. Jerusalem und seinen Tempel zerstören und führte die Reste der Führungsschicht, darunter Zedekia, ins Exil.Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 1103.

Zeit des zweiten Tempels Nach der Einnahme Babylons erlaubte der persische König Kyros II. mit dem Kyros-Erlass den dort exilierten Juden 538 v. Chr. die Heimkehr und den Wiederaufbau ihres Tempels, der mehrere Jahrzehnte dauerte. Jerusalem war Hauptort der persischen Provinz Jehud. „Baugeschichtlich lässt sich diese Epoche in Jerusalem nur sehr spärlich durch Mauerreste, eine Toranlage und Kleinfunde belegen.“ (Max Küchler)Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 1105.