mini|Lage der Stadt Osijek in der Gespanschaft Osijek-Baranja mini|Straßenansicht von Osijek mini|Panorama von Osijek bei Nacht mini|Osijek im 17. Jahrhundert

Osijek [] (deutsch Esseg,Diercke Weltatlas im Georg Westermann Verlag 1957, S. 65. auch Essegg oder Essek, ) ist die viertgrößte Stadt Kroatiens. Sie ist Verwaltungssitz der Gespanschaft Osijek-Baranja (kroatisch Osječko-baranjska županija) und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der historischen Region Slawonien und hatte 2021 bei der Volkszählung 96.313 Einwohner.(Croatian Bureau of Statistics) Stadt Zagreb, 2021, dzs.gov.hr online, abgerufen am 27. November 2022 (kroatisch).

Die Stadt hat mehrere einst eigenständige Zentren: Die Altstadt oder Festung (kroatisch Tvrđa), die Oberstadt (Gornji grad), heute das eigentliche Zentrum, und die Unterstadt (Donji grad). Zur Stadt Osijek gehören noch zehn weitere Stadtteile. Neben vielen Museen und Theatern besitzt Osijek auch eine Universität, die Josip-Juraj-Strossmayer-Universität Osijek. Osijek besitzt eine große Anzahl von Parks. In der Nähe befinden sich der Naturpark Kopački rit, eines der größten naturbelassenen Sumpfgebiete in Europa, und die Weinstädte Erdut sowie Kneževi Vinogradi.

Stadtgliederung Laut der letzten Volkszählung von 2021 hatte Osijek zusammen mit allen Stadtteilen 96.313 Einwohner,Volkszählung in Kroatien 2021 darunter: Brijest – 1005 Briješće – 1153 Josipovac – 3602 Klisa – 242 Nemetin – 77 Podravlje – 348 Sarvaš – 1658 Tenja – 6260 Tvrđavica – 563 Višnjevac – 5870

Geographie Lage Die Stadt Osijek liegt am Ufer der Drau im Osten von Slawonien, rund 20 Kilometer vor der Mündung der Drau in die Donau. Die ungarische Staatsgrenze ist etwa 45 Kilometer nördlich entfernt und bis nach Serbien sind es nordöstlich etwa 40 Kilometer. Südlich von Osijek, nach etwa 75 Kilometern, gelangt man nach Bosnien und Herzegowina.

Klima Die durchschnittliche Lufttemperatur beträgt im Januar −0,8 °C und im Juli 21,5 °C. Die jährliche durchschnittliche Lufttemperatur liegt bei 11,2 °C und die jährliche Niederschlagsmenge bei 692,2 mm. Insgesamt gibt es 139 Regentage im Jahr.

Klimatabelle

Geschichte Vorgeschichte Osijek und die Umgebung wurde bereits in der Jungsteinzeit durch Menschen besiedelt. Bei archäologischen Ausgrabungen an verschiedenen Fundorten in der Umgebung wurden Stein- und Knochenwerkzeuge aus dieser Zeit entdeckt. Des Weiteren wurden Teile eines Streitwagens aus der Kupferzeit entdeckt. Weitere Artefakte konnten der Latènekultur aus der Bronzezeit zugeordnet werden und weitere archäologische Funde bestätigen, dass mindestens seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. eine Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Osijek existierte.Denkmalregisternummer: Z-4973.

Antike Funde aus der römischen Epoche ab dem frühen 1. Jahrhundert n. Chr. treten vor allem in dem östlich gelegenen Stadtteil Unterstadt unmittelbar an der Drau auf. In der frührömischen Phase geht man von einem Militärposten (Kastell Mursa) aus, der die für die spätere Stadtentwicklung wichtige Draubrücke bewachte.Denkmalregisternummer: Z-6380.Zsolt Mráv: Die Brückenbauinschrift Hadrians aus Poetovio. In: Communicationes archaeologicae Hungariae 29, 2002. Budapest 2002. S. 15–57; hier: S. 45.Lage der Brücke nach: Zsolt Mráv: Die Brückenbauinschrift Hadrians aus Poetovio. In: Communicationes archaeologicae Hungariae 29, 2002. Budapest 2002. S. 15–57; hier: S. 45. . Ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. entstand unter Kaiser Trajan (98–117) auf dem Gelände die rund 40.000 QuadratmeterMirjana Sanader: Ancient Greek and Roman cities in Croatia. Školska Knjiga, Zagreb 2004. ISBN 953-0-61907-3. S. 47. große, wichtige niederpannonische Kapitale, die als Colonia Aelia Mursa beziehungsweise Mursa major bekannt wurde.

Die Schlacht bei Mursa im September 351 n. Chr., als Kaiser Constantius II. (337–360) dem Usurpator Flavius Magnus Magnentius erfolgreich entgegentrat, ging als eine der blutigsten Auseinandersetzungen in die römische Geschichte ein.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde Mursa im Zuge der Völkerwanderung von den germanischen Goten verwüstet. Damals verschwand höchstwahrscheinlich auch die Kultur des ärgsten römischen Gegners im südpannonischen Raum, der sarmatischen Jazygen. Nach dem endgültigen Abzug der römischen Truppen aus Pannonien im Jahr 433 n. Chr. blieb die Colonia vor den Übergriffen der neuen Herren im Land, der Hunnen, ungeschützt und wurde von diesen 441 n. Chr. gebrandschatzt. Um die Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert n. Chr. ging das antike Mursa endgültig unter.

Mittelalter Erst gegen Ende des Mittelalters entwickelte sich das frühneuzeitliche Esseg – auf dem Areal der späteren FestungFestung Esseg . – um die Burg der slawischen Familie Kružić westlich der antiken Colonia.Josef Bösendorfer: Das orthodoxe Element als sekundärer Faktor bei der Herausbildung des bürgerlichen Standes in Essegg. In: Osječki zbornik 2-3. Esseg 1948. S. 48–133; hier S. 127. Durch den nun einsetzenden Jahrhunderte andauernden massiven Steinraub an den antiken Großbauten und den zivilen Einrichtungen blieb bis zum 19. Jahrhundert von den „Resten des alten Mursa […] fast nichts übrig“, wie 1870 der Numismatiker und archäologisch versierte Gelehrte Friedrich von Kenner (1834–1922) schrieb.Friedrich von Kenner: Noricum und Pannoina. Eine Untersuchung über die Entwicklung, Bedeutung und das System der römischen Verteidigungsanstalten in den mittleren Donauländern. In: Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien. Band XI. Wien 1870. S. 1–176; hier: S. 110.

Slawonien war etwa zwei Jahrhunderte Teil des Awarenreichs, bis dieses von den Franken unter Karl dem Großen zerschlagen wurde. Daraufhin wurde Osijek Teil des Königreichs Kroatien, welches 1102 durch ein Abkommen in Personalunion einen ungarischen König erhielt. Allerdings ist diese Periode besonders mangelhaft erforscht.

Im Jahre 1196 wurde Eszék erstmals urkundlich erwähnt.Max Vasmer: Osteuropäische Ortsnamen. Dorpat 1921 (= Acta et commentationes Universitatis Dorpatensis. Abt. B: Humaniora, Bd. 13), S. 10.

Frühe Neuzeit 1526 wurde Osijek von der vorrückenden osmanischen Armee eingenommen und blieb bis 1687 unter osmanischer Herrschaft. Die Stadt soll beide Male bis auf die Grundfesten vernichtet worden sein, wurde aber jedes Mal wiedererrichtet. In osmanischer Zeit bestand eine weithin bekannte Brücke, die über die Drau und die dahinterliegenden Sümpfe bis ins 8 km entfernte Darda führte, und die ebenfalls während des Winterfeldzugs des Nikolaus Zrinski 1664 vollkommen zerstört wurde.

Nach der Eroberung durch habsburgische Truppen unter Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) wurde die weitgehend entvölkerte Region gezielt wiederbesiedelt. Dabei wurden in diesem Abschnitt der Militärgrenze der Habsburgermonarchie neben Kroaten auch viele Deutsche, Ruthenen, Slowaken, Walachen, Tschechen etc. angesiedelt.Manfred Michael Glauninger: Essekerisch und Budapester Josefstädterisch. „Kakanischer“ Slang im habsburgischen Transleithanien. In: Gabriele Leupold, Eveline Passet (Hrsg.): Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden. Wallstein-Verlag, Göttingen 2012, S. 269–285. Dabei bildete sich als besondere Sprachform das „Essekerisch“ („Osijeker Deutsch“) heraus.Hans Gehl: Die deutschen Stadtsprachen in Temeswar und Esseg. In: Velimir Petrović (Hrsg.): Essekerisch. Das Osijeker Deutsch. Edition Praesens, Wien 2001, S. 127–144.

Osijek war zur Zeit des Königreichs Ungarn Sitz des Komitates Virovitica.

Neuzeit mini|Die schwer verschanzte Festung von Esseg in ihrer Ausbaustufe von 1861. Die vielfach umkämpfte Anlage entstand im Mittelalter westlich der Unterstadt. Erst ab 1923 wurde der Festungsring abgebrochen.

Zwischen den beiden Weltkriegen war Osijek wie ganz Kroatien Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat), beziehungsweise ab 1927 des Königreichs Jugoslawien (1. Jugoslawien). Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich 1882.

Im Zweiten Weltkrieg lag Osijek an der Demarkationslinie zwischen dem faschistischen „Unabhängigen Staat Kroatien“ (Satellitenstaat Deutschlands und Italiens) und Ungarn. In dieser Zeit war die Stadt Standort mehrerer deutscher Ersatztruppenteile der Wehrmacht. In unmittelbarer Nähe befand sich das Tenjaer Ghetto, in das vor allem Juden aus dem Raum Osijek deportiert wurden (siehe auch: Synagoge (Osijek)). Es diente hauptsächlich als Durchgangslager für die Deportationen in das KZ Jasenovac der Ustascha oder in das KZ Auschwitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Sieg der Partisanen wurden die meisten deutschsprachigen Bewohner (Donauschwaben) ermordet oder vertrieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Osijek Teil der Republik Kroatien innerhalb der Sozialistischen föderativen Republik Jugoslawien.

Im Kroatienkrieg (1991–1995) nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens versuchte die Jugoslawische Volksarmee in der Schlacht um Osijek, die Stadt zu erobern. Osijek lag monatelang unter heftigem Beschuss, wobei insgesamt etwa 800 Zivilisten umkamen. Die Verteidiger Osijeks behielten jedoch die Kontrolle über die Stadt. Die Spannungen waren hoch, und viele serbische Zivilisten mussten die Stadt fluchtartig verlassen; es kam sogar vereinzelt zu teilweise heute noch ungeklärten Morden. In den 1990er Jahren war Osijek eine der wenigen Großstädte Kroatiens, die von der oppositionellen sozialliberalen Partei (HSLS) regiert wurden. Zugleich war Osijek ein Zufluchtsort für vertriebene und geflohene Nicht-Serben aus den umliegenden Gebieten.

Politik Kommunalwahlen mini|Verwaltungssitz der Gespanschaft Osijek-Baranja mini|Ehemaliges Kloster mini|Stadtansicht Bei der Kommunalwahl vom 16. Mai 2021 waren 89.385 Bürgerinnen und Bürger in Osijek wahlberechtigt und aufgefordert den neuen Gemeinderat sowie den neuen Bürgermeister zu wählen, wovon 35.220 Menschen ihr Wahlrecht nutzten. Dabei gab es insgesamt 34.121 (96,88 %) gültige und 1.099 (3,12 %) ungültige Stimmen. Bei einer Wahlbeteiligung von 39,40 % kam es zu folgendem Ergebnis:Stadt Osijek, Gemeinderatswahl 2021, Endergebnis, abgerufen am 3. Oktober 2023 Parteien und Wählergemeinschaften %2021 Stimmen2021 Sitze2021HDZ / NL / ANU / HSU / BUZ / HSLS / DHSSHrvatska demokratska zajednica / Nezavisna lista Ante Đapića / Aktivni nezavisni umirovljenici / Hrvatska stranka umirovljenika / Blok umirovljenici zajedno / Hrvatska socijalno-liberalna stranka / Demokratski HSS38,813.25214DP / MOSTDomovinski pokret / Most nezavisnih lista17,96.1076SDPSocijaldemokratska partija Hrvatske17,35.9146MOŽEMOMožemo – Politička platforma7,42.5202SNAGA SIBSnaga Slavonije i Baranje6,92.3392HNS / HSS / REFORMISTIHrvatska narodna stranka – Liberalni demokrati / Hrvatska seljačka stranka / Narodna stranka – reformisti5,41.8561KLGBKandidacijska lista grupe birača4,61.5560HDSSBHrvatski Demokratski savez Slavonije i Baranje1,75770Gesamt10034.12131Wahlbeteiligung39,4 %

Bürgermeister Bei der Wahl des Bürgermeisters im Mai 2021 waren die Einwohner in der Stadt Osijek aufgerufen, ein neues Oberhaupt zu wählen. Der damals 34-jährige Ivan Radić wurde im zweiten Wahlgang am 30. Mai 2021 für seine erste Amtszeit mit 15.526 Stimmen (62,7 %) bestätigt.Stadt Osijek, Bürgermeisterwahl 2021, Endergebnis, abgerufen am 3. Oktober 2023Ivan Radić Bürgermeisteprofil, Endergebnis, abgerufen am 3. Oktober 2023

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