Dieser Artikel behandelt die Feldpost der Alliierten in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg 1918 bis 1935, unter Einbeziehung des historischen Hintergrunds. Hauptaspekte sind die Organisationsstrukturen und Verfahren, mit denen die nach dem Friedensvertrag von Versailles in Deutschland stationierten Besatzungstruppen den Postverkehr der Militärangehörigen mit ihren Heimatländern durchführten. Ebenso wird auf die Feldpost der Militärverbände eingegangen, die zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Durchführung der Abstimmung über die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich in fünf Abstimmungsgebieten stationiert waren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den philatelistischen Aspekten.
Historischer Kontext Der Erste Weltkrieg hatte verschiedene politische Umbrüche zur Folge. Aus dem Kaiserreich Deutschland entstand die Weimarer Republik. Der Friedensvertrag von Versailles am 28. Juni 1919 sprach Deutschland die gesamte Kriegsschuld zu, veränderte die Grenzen Europas und griff durch hohe Reparationsforderungen stark in das Wirtschaftsleben ein. Schon 1917 war es in Russland zur Revolution gekommen und die USA traten im selben Jahre erstmals in Europa in einen Krieg ein.
Am 8. November 1918 gibt Marschall Foch in ultimativer Form die Waffenstillstandsbedingungen bekannt. Am 23. November marschieren farbige französische Truppen in die Südwestpfalz ein. Auf Einspruch der deutschen Mitglieder der Waffenstillstandskommission müssen sie sich am 27. November zurückziehen. Am 1. Dezember 1918 überschreiten die 2. britische Armee und die 3. U.S. Armee die deutsche Grenze. Koblenz und Mainz werden besetzt. Die Besatzung der Pfalz beginnt. Kommandeur der einmarschierten 8. Armee ist General Augustin Gérard (Stabschef Major Jacuot), der sein Hauptquartier am 4. Dezember 1918 in Landau aufschlägt. Oberkommandierender der französischen Armee ist General Mangin, Hauptquartier Mainz. – Der Vertrag von Versailles verlangt die Abtretung des pfälzischen Bezirks St. Ingbert, Teile des Bezirks Zweibrücken und Homburg und der Stadt Homburg an das Saargebiet. – Britische Truppen besetzen die Städte Köln und Bonn. Der Waffenstillstand wird bis zum 17. Januar 1919 verlängert. mini|Einteilung der Besatzungszonen im Rheinland Die Besetzung des Rheinlandes ist am 20. Dezember 1918 abgeschlossen. – Belgier besetzen das Gebiet von Aachen, – Briten das von Köln, – Amerikaner das von Trier und Koblenz. – Italiener sind für kurze Zeit in der Pfalz und Rheinhessen. – Franzosen in Mainz sichern sich das Recht an der Mitbestimmung in den anderen Zonen. – Rheinland-Kommission in Koblenz oberste Zivilbehörde. – Insgesamt stehen 50 fremde Divisionen auf deutschem Boden. Die Stärke der einzelnen Divisionen war nicht völlig gleich. Man geht von einer Durchschnittsgröße von 12.000 Mann aus. – Die Franzosen kamen mit zwei ganzen Armeen, der 8. Armee unter General Gérard und der 10. Armee unter General Mangin, in den südlichen Teil des besetzten Gebiets und weiteren Divisionen im Norden in die Gegend von Aachen. – Die Amerikaner kamen mit ihrer 3. Armee unter General Liggett. – Die Briten und Belgier brachten einige Divisionen ins Rheinland.
Der Brückenkopf Kehl, die Häfen Mannheim und Duisburg werden am 17. Februar 1919 besetzt. Vom 18. März bis 31. August 1919 wird eine Britische Flugpost Köln – Folkestone eingerichtet. Die britischen Truppen in Deutschland bildeten die BAOR, die „British Army of the Rhine“.
Die Übergabe der Friedensbedingungen an die deutsche Delegation erfolgt am 7. Mai in Versailles. Im Spiegelsaal von Versailles wird der Friedensvertrag unterzeichnet. – Gleichzeitige Unterzeichnung des Rheinlandabkommens Besatzung 150.000 Mann, davon 110.000 Franzosen, davon wieder 30.000 Farbige. 220 Orte sind besetzt, 154 von Frankreich. Auf jeden Franzosen und seine Angehörigen kommen 15 Deutsche.
Das Rheinland umfasst folgende drei Zonen: 1. Zone Köln, vorgesehene Räumung nach 5 Jahren – 2. Zone Koblenz, vorgesehene Räumung nach 10 Jahren – und die 3. Zone Mainz, vorgesehene Räumung nach 15 Jahren.
Die Alliierten Hinweis: Da das Thema sehr umfangreich ist, wurden die Alliierten in die jeweiligen Unterlemmas aufgeteilt. Feldpost der Amerikaner in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg 1918–1935 Feldpost der Belgier in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg 1918–1935 sowie Belgische Feldpost Feldpost der Briten in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg 1918–1935 Feldpost der Franzosen in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg 1918–1935
Feldpost in den Abstimmungsgebieten Vorgeschichte Auf Grund des Versailler Vertrages war in fünf deutschen Grenzgebieten (in Eupen -Malmedy, Nordschleswig, Ostpreußen (Marienwerder und Allenstein) Oberschlesien und im Saarland) eine Abstimmung darüber vorgeschrieben, ob die Einwohner unter der Regierung des Deutschen Reiches bleiben oder unter die des Nachbarlandes kommen wollten.
Die deutsche Reichswehr hatte das Abstimmungsgebiet zu verlassen. Für Ruhe und Sicherheit hatten in dieser Zeit, neben einer verbliebenen deutschen Polizeitruppe, die im Vertrag bestimmten Besatzungseinheiten zu sorgen. Die Abstimmungskommissionen setzten sich aus Vertretern von Großbritannien, Italien, Frankreich und Japan zusammen. Die Abstimmungstruppen stellten Großbritannien, Frankreich und Italien. Ursprünglich war die Beteiligung der USA vorgesehen, diese hatten aber den Versailler Vertrag nicht unterschrieben und schieden dadurch für derartige Aufgaben aus.
Schleswig (mit Flensburg) Bereits am 14. November 1918 bot die deutsche Regierung eine Neuordnung der Grenze in Nordschleswig an. Die dänische Regierung lehnte ab, sie wartete auf den Abschluss eines Friedensvertrages.
Am 20. Januar 1920 trafen, aus dem Rheinland kommend, 300 französische Alpenjäger des 2. Bataillon Chasseurs Alpines zur Besetzung Haderslebens ein. Sonderburg wurde am 21. Januar 1920 von einer weiteren Abteilung besetzt. Eine Abteilung französischer Alpenjäger besetzte Flensburg am 25. Januar 1920, zusammen mit einem Bataillon britischer Truppen (das „1. Battalion Sherwood Foresters“). In Apenrade wurden zwei Offiziere und 35 Mann stationiert. Tondern erhielt einen Offizier und 30 Mann als Einquartierung zugeteilt.
Die Abstimmungstruppen in Schleswig verfügten über keine Feldposteinrichtungen. Die Post wurde gesammelt und in geschlossenen Postsäcken in die Heimat transportiert. Von den Briten sind Belege mit der Inschrift „Schlesvig Plebiscite Force“ oder „Flensburg Plebiscite Force“ bekannt, die erst nach Ankunft in London abgestempelt wurden.
Am 16. Juni 1920 verließ die Internationale Kommission Flensburg; sie unterhielt noch einige Zeit ein Abwicklungsbüro in Kollund.
Ost- und Westpreußen (Danzig) Süd-Ostpreußen und das Gebiet Marienwerder hatte sich am 11. Juli 1920 für den Verbleib bei Deutschland oder zu einer Zugehörigkeit zur neuen Republik Polen zu entscheiden. Die Stadt Danzig wurde im Friedensvertrag zur Freien Stadt Danzig erklärt.
Danzig
In Danzig waren Britische und französische Truppen (1. Bn The Royal Fusiliers, 10. Bataillon Chasseurs Alpines) vom Februar bis November 1920 als Sicherheitstruppe während der so genannten Interimszeit stationiert, da man eine Annexion der Stadt durch Polen befürchtete. Als Danzig dann am 15. November 1920 offiziell als „Freie Stadt und Freistaat“ dem Protektorat des Völkerbundes unterstellt wurde, konnten die Truppen abgezogen werden.
Die Kommandantur des britischen Hauptquartiers für die Truppen in Danzig wurde durch das Feldpostamt „H 2“ versorgt. Es war ursprünglich einem Truppenteil zugeordnet. Es bediente das Hauptquartier des II. Corps in Leverkusen. Mit Auflösung des Hauptquartiers wurde es in ein festes Feldpostamt umgewandelt, das bis zum 22. November 1919 in Leverkusen verblieb. Der Tag der Eröffnung in Danzig ist nicht bekannt. Das erste nachgewiesene Datum ist auf einem Brief vom 16. Februar 1920. Das Feldpostamt schloss in Danzig am 26. oder 27. November 1920. Danach wurde die Post regelmäßig durch den „Senior Naval Officer Baltic“ besorgt, also über Verbindungen der Marine nach London befördert.
Bis zum 24. August 1920 galt Gebührenfreiheit für Briefe bis 1 Unze und für Postkarten. Danach waren für Briefe 2 Pence für jede Unze und 1 Penny für Postkarten zu zahlen. Von der Truppen waren britische Marken zu verwenden.
Abstempelungen mit dem Stempel „H.2“ auf Danzig-Marken haben fast immer philatelistischen oder Erinnerungscharakter. Verwendet wurde auch ein Zensurstempel, und zwar der mit der Nummer 7151. Er diente der Bestätigung der Portofreiheit, eine Zensur fand nicht statt.
Die französischen Truppen in Danzig unterstanden dem S.P.190 in Memel, dieser Secteur Postal galt nur als Feldpostadresse und hatte keinen eigenen Stempel.
Auch die USA unterhielten anfangs ein kleines Marinekontingent im Hafen von Danzig. Die Post dieser Einheit wurde mit einem Einzeiler abgestempelt, „U.S.NAVY PORT OFFICE, DANZIG, GERMANY“ und per Kurier nach Paris weitergeleitet, wo sie an das U.S. APO 702 zur weiteren Beförderung übergeben wurde.
Marienwerder (Kwidzyn) – Westpreußen und Allenstein (Olsztyn) – Ostpreußen Die Verhältnisse in diesen Landesteilen waren sehr gespannt. Diese Teile wurden zum großen Teil von Masuren bewohnt, die zwar den Polen verwandt, aber evangelisch waren und lange Zeit unter deutscher Herrschaft lebten, so dass sie sich als Deutsche und Preußen fühlten.
Die interalliierte Abstimmungskommission hatte sich in das durch die Schlacht von Tannenberg historisch gewordene „Allensteiner Gebiet“ begeben, um den Gang der Abstimmung zu beaufsichtigen. Die Vorbereitungen zur Wahl waren stark emotional geladen. Unruhen und kleinere Kämpfe blieben nicht aus.
Die deutsche Reichswehr verließ in der Zeit vom 1. bis zum 6. Februar 1920 die Abstimmungsgebiete. Lediglich die deutschen Militär-Lazarette durften in den Zonen verbleiben. Noch vor dem Abzug der deutschen Truppen wurde jedoch die bisherige Militärpolizei aus dem Heeresdienst entlassen, um die verbleibende Grenz- und Sicherheitspolizei zu verstärken, die neben den alliierten Truppenverbänden für Ordnung zu sorgen hatte.
Jede Person über zwanzig Jahre durfte ohne Unterschied des Geschlechts ihre Stimme abgeben. Am 11. Juli fand die Abstimmung statt und 87,4 % der Bevölkerung beteiligten sich an ihr. Deutschland erhielt 363.209 (97,5 %), Polen 7980 (2,5 %) Stimmen.
In den Gebieten Marienburg und Marienwerder lagen die Dinge ebenso.
Nur Großbritannien und Italien entsandten Truppen in diese Abstimmungsgebiete. Es ist von einem kleinen Kontingent Franzosen in Marienwerder die Rede, aber außer der Anwesenheit von Mitgliedern der Kommissionen und einigen Offizieren in Danzig konnte bisher der Nachweis nicht geführt werden.
Der militärische Oberbefehl über die Besatzungstruppen oblag dem britischen General Richard Haking, der sein Hauptquartier in Danzig, also außerhalb des Abstimmungsgebiets, hatte.
In Allenstein bildeten britische, französische, japanische und italienische Verwaltungsangestellte die Kommission. Sie übernahm am 14. Februar 1920 die Amtsgeschäfte. In Allenstein, Lötzen und Lyck waren ein italienisches Infanterie-Bataillon (650 Mann), und in den Städten Allenstein und Osterode das britische 1. Bn Royal Irish Regiment stationiert, das später auf 800 Mann verstärkt wurde. Zu Einsätzen wurden einige Kompanien auch in andere Orte verlegt. Es wurde eine britische Kompanie sogar außerhalb der Zone nach Deutsch-Eylau, zur Sicherung des Bahnbetriebs nach Danzig, abgestellt. Gleichzeitig mit der britischen Truppe wurde das bisher in Düren im Rheinland stationierte britische Feldpostamt (APO S. 120) Anfang Februar 1920 nach Allenstein verlegt. Es versorgte das britische Bataillon. Die Kompanie in Deutsch-Eylau hat dies Feldpostamt oder aber die Kommandantur des britischen Hauptquartiers in Danzig zur Postversorgung benutzt.