Forbach (Aussprache französisch [], deutsch [], lothringisch Fuerboch) ist eine französische Stadt im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2016 Lothringen). mini|Forbach, Neofrühgotische Kirche St. Remigius von 1868 mit Weihedenkmal der Stadt Forbach an das Heiligste Herz Jesu von 1923 und Kriegergedenkstätte, die am 2. Juli 1961 durch Charles de Gaulle eingeweiht wurde mini|Forbach, Turm Saareck auf dem Schlossberg, 328 m Höhe über dem Meeresspiegel; Die ursprüngliche Burg vom Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts wurde während des Dreißigjährigen Krieges auf Befehl Ludwigs XIII. im Jahr 1634 zerstört. Der aktuelle oktogonale Turm wurde auf den Grundmauern des runden, mittelalterlichen Saareck-Turmes von 1437 durch Paul Tornow im Jahr 1891 errichtet. Forbach ist Verwaltungssitz des Arrondissements Forbach-Boulay-Moselle und des Gemeindeverbands Forbach Porte de France.

Geographie Forbach liegt in Lothringen im Warndt, etwa 60 Kilometer ostnordöstlich von Metz an einem Zufluss der Rossel am Fuß des Schlossbergs.

Hier verläuft eine europäische Hauptverkehrsachse. Das Stadtzentrum Forbachs ist etwa fünf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, die hier die Gemarkungsgrenze der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken bildet. Forbach liegt im Westteil des Saarkohlebeckens (siehe Bergbau im Saarland). Die Entfernung nach Luxemburg (Stadt) beträgt etwa 90 Kilometer.

Nachbargemeinden von Forbach sind Saarbrücken (D, Stadtteil Gersweiler) im Norden, Schœneck ( Schöneck) und Stiring-Wendel (Stieringen-Wendel) im Nordosten, Spicheren (Spichern) und Etzling (Etzlingen) im Osten, Behren-lès-Forbach (Behren) im Südosten, Œting (Ötingen) im Süden, Morsbach im Südwesten, Großrosseln (D, Saarland) im Westen sowie Petite-Rosselle (Kleinrosseln) im Nordwesten.

Geschichte Forbach war im Mittelalter Hauptort eines Lehens des Herzogtums Lothringen im Heiligen Römischen Reich mit einer Burg auf dem Kappelberg/Schlossberg als Herrschaftssitz. Ältere Ortsbezeichnungen sind Furpac (10. Jh.), Forbacum (1004 und 1015), Forsbas (1147), Forpach (1191), Forperch (1277), Furpage (1278), Forbach prope Linpach (1288), Fourpach, Forpach, Forpac, Fourpac (1291), Furpach (1297), Forbachum (1338), Fourpac (1348), Forbach (1350), Furpach, Furbach (1399), Fortspach (1429), Forpach, Fourpach (1525) sowie Fortbach, Fyrtbach und Fourbach (1645).Max Besler: Die Ortsnamen des lothringischen Kreises Forbach, Abhandlung zum Jahresberichte des Progymnasiums zu Forbach i. Lothr., Prog. No. 477, Buchdruckerei Robert Hupfer, Forbach 1888, S. 8 (books.google.de).Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III, Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 146; . In einer Urkunde vom Jahr 995 bestätigt Kaiser Otto III. dem Kloster Saint-Vanne bei Verdun auch Besitz in Borbac (Reg. Imp. II, 1137). Dies ist die bisher älteste entdeckte Urkunde über Forbach. Ein Brief des Metzer Bischofs Adhemar von 1338 erwähnt die heute noch gut erhaltene Heilig-Kreuz-Kapelle „iuxta Forbachum“ (nahe bei Forbach). Zwar wird in der Literatur die Aussage wiederholt, die im 13. Jahrhundert renovierte gotische Kreuzkapelle auf dem nahegelegenen Kreuzberg weise die Gravur „958“ auf,Eugen H. Th. Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes-, Volks- und Ortskunde, Stuttgart 1875, S. 376–377; books.google.de es handelt sich jedoch um eine irrtümliche Interpretation gotischer Ziffern,Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III, Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 954–955, insbesondere S. 955; . die als 1458 zu lesen sind.Max Besler: Die Kreuzkapelle bei Forbach. In: Jahr-Buch der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde. Dritter Jahrgang. G. Scriba, Metz 1891, S. 387–400, insbesondere S. 390; .

Die Burganlage, die auf Fundamentresten eines ehemaligen Römertempels errichtet worden war und von der noch Ruinen erhalten sind, wurde unter dem französischen König Ludwig XIV. geschleift.

Die Herrschaft Forbach befand sich im Mittelalter nacheinander im Besitz verschiedener Adelsfamilien, deren männliche Mitglieder oft als Söldner für die Stadt Metz Dienst taten. Die Ländereien hatten auch einmal der Abtei St. Vitonus in Verdun gehört.Forbach. In: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaft und Künste (J. S. Ersch, J. G. Gruber, Hrsg.), Band 25, F. A. Brockhaus, Leipzig 1847, S. 211–212. Als Besitzer werden u. a. genannt die Familien Sierck, Daun-Falkenstein, Hohenfels. Leiningen und Eberstein. 1717 und 1757 wurden die Besitzer in den Grafenstand erhoben.

Nach dem Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 kam der Ort an das deutsche Reichsland Elsaß-Lothringen; Forbach war Verwaltungssitz des Landkreises Forbach im Bezirk Lothringen. In der Garnison von Forbach war seit 1871 eine Eskadron des 5. bayerischen Chevaulegers-Regiments stationiert. Im Jahr 1861 hatte Forbach 4860 Einwohner. Um 1900 hatte Forbach eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Progymnasium und war Sitz eines Amtsgerichts.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Forbach aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zusammen mit Elsaß-Lothringen an Frankreich. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Region von der deutschen Wehrmacht besetzt und wurde Teil des faktisch annektierten CdZ-Gebiets Lothringen. Zum 1. April 1943 wurde die Stadt Forbach, die bereits um Stieringen und Schönecken vergrößert worden war,Landesplanungsgemeinschaft Westmark (Hrsg.): Karte "Politische Grenzen im Gau Westmark", Stand August 1941, abgedruckt als Karten-Beilage 8 in: Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Band 7. Marburg (Lahn) 1978; sie zeigt „Stieringen (Wm.)“ und „Schönecken (Wm.)“ bereits als Teile der Stadt Forbach, mit einer „ehemaligen Gemeindegrenze“ und eingeklammertem Gemeindenamen als aufgelöst gekennzeichnet zusammen mit den Gemeinden Alstingen, Kleinrosseln und Spichern aus dem Landkreis Sankt Avold herausgelöst und als besonderer Verwaltungsbezirk Forbach in die Verwaltung der Stadt und des Stadtkreises Saarbrücken überführt. Das geschah im Vorgriff auf die Bildung des Reichsgaues Westmark – die bis Kriegsende nicht mehr stattgefunden hat – und die geplante formelle Eingemeindung nach Saarbrücken.Fabian Lemmes: Zwangsarbeit in Saarbrücken. Ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene 1940–1945. Röhring Universitätsverlag, St. Ingbert 2004, ISBN 3-86110-358-3, S. 86. Nach Kriegsende kam die Region an Frankreich.

Im direkten Umfeld des lothringischen Montan-Oberzentrums Forbach wurden von den Betreibern der Kohlengruben im „Lothringer Kohlebecken“ (Bassin de Lorraine) Mitte der 1950er Jahre zahlreiche größere Siedlungen für die Montanarbeiter errichtet. Eine der umfangreichsten Siedlungen für nordafrikanische Arbeiter wurde in Farébersviller () erbaut. In den 1960er Jahren kamen viele Italiener. Die zwischen Forbach und Freyming-Merlebach gelegene, dörflich strukturierte Gemeinde hatte im Jahr 1954 etwa 600 Einwohner. Nach dem Bau von großen Arbeitersiedlungen wuchs die Bevölkerung bis zu einem Höchststand von 8450 Einwohnern (1962) an.

Cité du Wiesberg Um den Zustrom an Arbeitern nach dem Zweiten Weltkrieg unterzubringen, baute die Gesellschaft Houillères du Bassin de Lorraine (Kohlengruben des Lothringer Beckens) eine Satellitenstadt am südlichen Rand von Forbach. Zunächst waren 2600 Wohnungen geplant, gebaut wurden 1228 von 1959 bis 1973. Der Architekt war Émile Aillaud, der bereits ähnliche Siedlungen gebaut hatte. Es handelt sich um mehrstöckige Wohnblocks, die auf der „grünen Wiese“ gebaut wurden, mit vielen Grünflächen dazwischen. Besonderes Kennzeichen sind die 10-stöckigen, parabolischen Türme. Die Fenster sind unregelmäßig verteilt. Die Gebäude sind bunt bemalt. mini|Cité du Wiesberg

In den 2000er Jahren entwickelte sich das Viertel zum Brennpunktviertel, Armut und Kriminalität nahmen zu. Die Gemeinde will Teile des Viertels abreißen, um den Rest sanieren zu können. Wegen der außergewöhnlichen Architektur wollen viele das Viertel im Originalzustand erhalten.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1736 ≈ 1500 Max Besler: Geschichte des Schlosses, der Herrschaft und der Stadt Forbach. Verlag Robert Hupfer, Forbach 1895, S. 119–120; . 1797 – 354 Familien 1802 ≈ 1800 1821 3110 Forbach – statistische Angaben der Arbeitsgruppe für Demographie und Geschichte der École des hautes études en sciences sociales (EHESS), Frankreich 1841 4288 in 671 Familien verteilt auf 431 Häuser 1861 4860 1872 5428 am 1. Dezember, in 698 Gebäuden, darunter 306 Protestanten, drei Mennoniten und 261 JudenGeorg Lang (Hrsg.): Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 129.C. Stockert: Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 73 und S. 78. nach anderen Angaben 5691 EinwohnerVollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Spalte 16; books.google.de 1880 7114 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 2261 ha, in 850 Häusern, davon 5998 Katholiken, 872 Evangelische und 241 JudenStatistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 120, Ziffer 1442; . 1885 7839 davon 1014 Evangelische, 6638 Katholiken und 181 JudenAnonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 40; books.google.de 1890 9575 1900 8207 mit der Garnison (ein Trainbataillon Nr. 16), meist katholische EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 6, Leipzig/Wien 1906, S. 754 (online) 1905 8.628 1910 10.107 davon 8324 Katholiken, 1601 Evangelische und 171 JudenForbach, Landkreis Forbach, Elsass-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Forbach)

Anzahl Einwohner seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009 20192020 Einwohner 21.704 23.120 25.244 27.187 27.076 22.784 21.595 21.59721.509

Neben der ursprünglichen Bevölkerung Forbachs und Einwanderern polnischer, italienischer, spanischer und portugiesischer Herkunft leben zahlreiche Menschen maghrebinischer Herkunft in Forbach und Umgebung, mit Vorfahren aus dem ehemaligen Französisch-Nordafrika (heute Teile von Algerien, Tunesien, Marokko und Libyen). Sie wurden von der seinerzeit blühenden ostlothringischen Montanindustrie als Arbeiter angeworben. Überwiegend muslimischen Glaubens bildeten sie mit ihren Nachkommen teilweise abgeschottete Gesellschaften, die auch heute noch nicht in vollem Umfang in die lothringische Gesellschaft integriert sind. Durch ihre zentrale Unterbringung in neu entstandenen Hochhausgebieten erfolgte eine gewisse Ghettoisierung, die Spannungen und soziale Probleme hervorrief bzw. sichtbar machte.

Die eingewanderten Arbeiter und ihre Familien waren überwiegend muslimischen Glaubens. Sie bauten sich in den 70er Jahren ein eigenes Kulturzentrum mit einer weithin sichtbaren Moschee, eine im ostfranzösischen Raum singuläre Situation.

Kultur und Sehenswürdigkeiten