mini|Persepolis liegt in der Flussebene des Kur, umgeben von modernen Ortschaften und weiteren archäologischen Fundstätten aus verschiedenen Epochen mini|Animation der Stadt Persepolis mini|Die Reliefs der achämenidischen Soldaten an den Wänden von Persepolis, 2011 mini|Detail eines Reliefs der Apadana-Stiegenaufgänge Persepolis oder Pārseh (; altpersisch 𐎱𐎠𐎼𐎿 Pārsa), im Neupersischen auch Tacht-e Dschamschid (, DMG Taḫt-i Ǧamšīd, „Thron des Dschamschid“), war die zeremonielle Hauptstadt des Achämenidenreichs (um 550–330 v. Chr.). Die Anlage liegt in der Ebene von Marvdascht, umgeben vom südlichen Zagros-Gebirge, in der iranischen Provinz Fars. Sie gehört zu den wichtigsten Kulturerbestätten Irans und ist UNESCO-Welterbe.

Die ältesten Überreste von Persepolis stammen aus dem Jahr 515 v. Chr. Als bedeutendes Zentrum des Reiches beherbergte die Stadt einen Palastkomplex und eine Zitadelle, die als Mittelpunkt für Regierungs- und Zeremonialaufgaben dienten. Sie ist ein herausragendes Beispiel des achämenidischen Baustils. Im Jahr 330 v. Chr. wurde die Anlage vom Heer Alexanders des Großen eingenommen; bald darauf wurden ihre hölzernen Bauteile durch einen Brand vollständig zerstört. Nach einer Theorie ließ Alexander Persepolis absichtlich in Brand setzen, um die Zerstörung Athens durch die Perser zu rächen. Nach einer anderen Theorie geschah dies auf Drängen der Hetäre Thaïs während eines Gelages, bei dem Alexander betrunken war.

Die genaue Funktion von Persepolis ist bis heute ungeklärt. Es gehörte nicht zu den größten Städten des alten Iran, geschweige denn des übrigen Reiches, sondern war offenbar ein prächtiger Zeremonialkomplex, der nur zeitweise bewohnt war. Die Anlage erhob sich auf einer ummauerten Terrasse mit fünf „Palästen“ oder Hallen unterschiedlicher Größe und prächtigen Eingängen. Wo sich die Privatgemächer des Königs befanden, ist bis heute nicht sicher geklärt. Bis vor Kurzem nahmen die meisten Archäologen an, dass die Anlage vor allem zur Feier von Nouruz diente, dem persischen Neujahrsfest zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, das im Iran bis heute ein wichtiges Fest ist. Der iranische Adel und die tributpflichtigen Teile des Reiches brachten dem König Geschenke dar, wie es die Reliefs an den Treppen zeigen. Unklar ist auch, welche dauerhaften Bauten es außerhalb des Palastbezirks gab. Aus diesen Gründen wird Persepolis eher als Komplex denn als „Stadt“ im üblichen Sinne bezeichnet.

Die Erforschung von Persepolis seit dem frühen 17. Jahrhundert führte zur Wiederentdeckung der Keilschrift. Aus eingehenden Studien der dreisprachigen achämenidischen Königsinschriften in den Ruinen ging im frühen 19. Jahrhundert die erste Entzifferung der Keilschrift hervor.

Name Der Name Persepolis stammt aus dem Altgriechischen (). Er ist zusammengesetzt aus Pérsēs (, „Perser“) und pólis (, „Stadt“) und bedeutet „die persische Stadt“ oder „die Stadt der Perser“.

Bei den alten Persern hieß die Stadt Pārsa (altpersisch 𐎱𐎠𐎼𐎿). Dies ist zugleich der Name der Landschaft Persis, der Heimat der Perser. Dreisprachige Inschriften in Altpersisch, Elamisch und Babylonisch am Tor der Anlage belegen zusammen mit weiteren Textzeugnissen, dass der von Dareios I. erbaute Palastkomplex denselben Namen trug wie das umliegende Land. Der Name erscheint auch in den elamischen Verwaltungstäfelchen aus Persepolis, die Zahlungen an Arbeiter in Pārsa und seinen Vororten verzeichnen. Im heutigen Persisch wird der alte Name als Pārseh () wiedergegeben.

mini|rechts|Wie für achämenidische Städte üblich, wurde Persepolis auf einer (teilweise) künstlichen Terrasse errichtet.

Eine Inschrift, die der sassanidische Prinz Schapur Sakanschah, Sohn Hormizds II., im Jahr 311 n. Chr. hinterließ, bezeichnet die Stätte als Sad-stūn („Hundert Säulen“).

Frühe muslimische Geographen, darunter al-Masʿūdī, al-Istachrī, al-Muqaddasī und Ibn Hauqal, beschrieben die Ruinen, schrieben sie aber dem legendären Weltkönig Dschamschid zu, den sie mit dem biblischen Salomo gleichsetzten. Daher wurde die Stätte auch Malʿab Solaymān oder Masdsched Solaymān genannt. Andere schrieben sie der legendären Königin Homāy zu; Hamza al-Isfahani nannte sie Hezār Sotun („Tausend Säulen“).

Weil die Perser des Mittelalters die Stätte Dschamschid zuschrieben, wird sie Tacht-e Dschamschid (, DMG Taḫt-i Ǧamšīd; [ˌtæxtedʒæmˈʃiːd]) genannt, wörtlich „Thron des Dschamschid“. Dies ist bis heute der gebräuchlichste persische Name der Stätte, obwohl es keinen Beleg für eine Verbindung Dschamschids mit ihr gibt. Ein weiterer mittelalterlicher Name war Tschehel Menār (, „Vierzig Minarette“), den García de Silva y Figueroa als Chilminara und frühe englische Quellen als Chilminar wiedergaben. Der spanische Reisende De Silva Figueroa, der die Stätte im frühen 17. Jahrhundert besuchte, erkannte offenbar als Erster, dass der örtlich als Tschehel Menār oder Tacht-e Dschamschid bekannte Ort das Persepolis der antiken griechischen Autoren war.

Geschichte mini|Plan der Terrasse von Persepolis. Der „Harem“ oder „Haremspalast“ ist der Beamtenwohntrakt Das Achämenidenreich wurde von Kyros II. dem Großen gegründet und reichte unter Dareios I. um 520 v. Chr. von Kleinasien und Ägypten bis zum Indus.

Persepolis ist ein Glanzlicht der altpersischen Kultur und Politik der Achämeniden. Die Palaststadt ist noch heute ein Identifikationsort für viele Iraner, obwohl oder gerade weil sie weit in die vorislamische Zeit zurückreicht.

Bau Es gibt Hinweise, dass der Ort bereits unter Kyros II. und seinem Sohn Kambyses II. ein Verwaltungszentrum war; archäologische Spuren dieser älteren Phase sind jedoch nicht erhalten. Als eigentlicher Gründer der Palastanlage gilt Dareios I., der sie als prunkvollen Regierungssitz und als Zentrum für Empfänge und Feste des Reiches errichten ließ. Die ältesten Überreste stammen aus dem Jahr 515 v. Chr. Unter seinen Nachfolgern Xerxes I. und Artaxerxes I. wurde die Anlage in mehreren Bauphasen erweitert; weitere Bauten folgten im 4. Jahrhundert v. Chr. Die letzte Bauphase erfolgte etwa zwischen 450 und 330 v. Chr.Erika Bleibtreu: Achaimenidische Kunst. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 186–219, hier: S. 191.

Die Bauarbeiter waren keine Sklaven, sondern erhielten Lohn. Die in Persepolis gefundenen elamischen Verwaltungstäfelchen verzeichnen Zahlungen in Silber und Naturalien an Arbeiter der königlichen Wirtschaft in Persepolis und seinen Vororten. Genannt werden vor allem Kappadokier, Lyder, Karer, Thraker, Ionier, Sogder, Baktrer, Babylonier und Ägypter.

Eroberung durch Alexander den Großen Nach seinem Sieg über Dareios III. in der Schlacht von Gaugamela 331 v. Chr. zog Alexander der Große über Susa, das sich kampflos ergab, nach Persepolis. Unterwegs erhielt er einen Brief von Tiridates, dem Hüter des königlichen Schatzes von Persepolis. Tiridates teilte ihm mit, dass Dareios treue Perser auf dem Weg seien, um die Stadt gegen ihn zu befestigen. Falls Alexander vor ihnen eintreffe, werde er ihm die Stadt übergeben; andernfalls müsse er um sie kämpfen. Alexander nahm das Angebot an, befahl einen Eilmarsch, überquerte den Fluss Araxes (heute Kur) und nahm die Stadt ein.Curtius Rufus 5,5,2; Diodor 17,69,1.

Alexander bemächtigte sich des königlichen Schatzes, in dem die Staatseinnahmen seit der Zeit Kyros’ des Großen angesammelt waren. Nach Diodor enthielt er Gold und Silber im Wert von 120.000 Talenten.Diodor 17,71,1. Einen Teil behielt Alexander für die Kriegskosten; den größten Teil ließ er auf Maultiere und andere Lasttiere verladen und nach Ekbatana bringen.Diodor 17,71,2. Nach Plutarch wurden die Schätze auf 20.000 Maultieren und 5.000 Kamelen fortgeschafft.Plutarch, Alexander 37,4. Die Übergabe durch Tiridates bewahrte die Stadt nicht: Alexander gab sie seinen Soldaten zur Plünderung frei.Diodor 17,70; Curtius Rufus 5,6,1–8.

Zerstörung Nach knapp 200-jährigem Bestand wurde der Palastbezirk von Persepolis 330 v. Chr. in Brand gesteckt. Der Brand zerstörte die Anlage so vollständig, dass von den großen Palästen und Hallen nur Säulen, Mauerreste, Treppen und Türrahmen übrig blieben. Schon in der Antike wurde darüber gerätselt, ob Alexander den Brand geplant hatte: Nach Arrian ließ Alexander die Paläste bewusst anzünden, um die Zerstörung Athens und die Verbrennung seiner Tempel während der Perserkriege 480/79 v. Chr. zu rächen.Arrian, Anabasis 3,18,11–12. Nach Diodor, Curtius Rufus und Plutarch geschah es dagegen während eines Trinkgelages auf Anstiftung der athenischen Hetäre Thaïs.Diodor 17,72; Curtius Rufus 5,7,2–7; Plutarch, Alexander 38.

Neuzeit Der letzte Schah von Iran, Mohammad Reza Pahlavi, ließ 1971 Teile von Persepolis zur 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie restaurieren und mit touristischer Infrastruktur, Parkplätzen und Geschäften ausstatten. Die acht Jahre später einsetzende Islamische Revolution ließ allerdings die Besucherzahlen auf etwa ein Zehntel (einige Hundert pro Tag) der ursprünglichen Größe sinken.

Anlage Die kunstvollen Gebäude und Paläste entstanden auf einer künstlichen Terrasse von etwa 450 × 300 Metern, meisterhaft aus Stein gehauen und nur mit einer hohen Backsteinmauer umgeben. Militärische Verteidigung war hier wegen der Weite des Landes und seiner guten Postverbindungen entbehrlich. Trotzdem besaß die Terrasse eine lange Befestigungsmauer im Osten, die über den gesamten Berg verlief und die Stadt vor Angriffen aus dem Osten schützen sollte. Im Süden und Osten war aufgrund der Höhe der Terrasse keine Mauer nötig. Im Südwesten sind jedoch noch einige Zinnen erhalten.

Sehr beeindruckend war, neben drei Palästen mehrerer Könige, der Hundert-Säulen-Saal, vor allem aber der Audienzsaal Apadana mit 36 Säulen von knapp 20 Metern Höhe. Die Kapitelle der Säulen sind mit Stier- und Löwenmotiven verziert, den Symbolen der Könige; auch Vogelkapitelle und Keilschrifttexte in elamischer Sprache finden sich.

Entdeckungsgeschichte Erste europäische Reisende besuchten die Ruinen der Palastanlagen schon im Mittelalter (beispielsweise Giosafat Barbaro). Zahlreiche Reliefs wurden im Zug der Erforschungen in europäische Museen gebracht. Die ersten systematischen Ausgrabungen erfolgten von 1931 bis 1939 im Auftrag des Oriental Institute der University of Chicago durch aus Deutschland stammende Archäologen, vor allem Ernst Herzfeld, Friedrich Krefter und Erich F. Schmidt. Seit 1939 wird Persepolis von iranischen Archäologen erforscht. Ein bedeutender Teil der Grabungsdokumentationen und Fundumstände, Abklatsche von Inschriften und ein umfangreiches Fotoarchiv der Ausgrabungen von Persepolis befindet sich heute im Ernst Herzfeld Nachlass in der Freer Gallery of Art in Washington, DC.

Beschreibung des Komplexes

Eingangstreppe mini|Eingangstreppe Nahe der nordwestlichen Ecke der Terrasse befindet sich die Eingangstreppe. Auf ihrer Unterseite befindet sich ein Hof aus geschliffenen Steinen, der 10 cm höher liegt als seine Umgebung. Von dort führt eine symmetrische Doppeltreppe hinauf. Nach 63 Stufen erreichen die Treppen ein Podest, von wo der Weg 48 weitere Stufen in entgegengesetzte Richtung führt. Die Treppe überwindet somit fast 12 Meter, wobei die Stufen eine Breite von 6,9 m, eine Tiefe von 38 cm und eine Höhe von je 10 cm haben. Zeitweilig sind Lasten tragende Tiere über diese Treppe in den Komplex geführt worden, es war jedoch wahrscheinlich nicht gestattet, zu Pferde über die Treppen zu reiten. Die Treppen wurden aus großen und unregelmäßigen Kalksteinen geschlagen, die man mit Klammern, jedoch ohne Mörtel, miteinander verbunden hatte. Diese Bauweise und der Schliff der Steine deuten darauf hin, dass die Treppe zur Zeit von Xerxes erbaut wurde. In den 1970er Jahren wurden von einem iranisch-italienischen Team Abnutzungs- und Verwitterungsschäden saniert.