mini|Von links nach rechts: AC2 der DB Cargo, MS3 der CFL Cargo, AC3 der DB Fernverkehr und MS3 der TX Logistik

Bombardier Traxx, Eigenschreibweise TRAXX, ist eine von Adtranz entwickelte Plattform für elektrische und dieselelektrische Lokomotiven für den Einsatz in Europa. Seit der Übernahme von Bombardier Transportation durch Alstom wird die Plattform unter den Marken Traxx Universal für die Güterzuglokomotiven und Traxx Passenger für Personenzuglokomotiven weitergeführt. Nach Angaben des Herstellers wurden zwischen 2004 und 2024 die Anzahl von 2450 Lokomotiven verkauft, die in 20 Ländern zugelassen sind. Die größte Traxx-Flotte besitzt die Deutsche Bahn mit über 800 Lokomotiven.

Name und Bezeichnungssystem Der Name Traxx steht für (). TRAXX ist eine seit 2004 eingetragene Wortmarke, die Wortmarken TRAXX Universal und TRAXX Passenger wurden im Juni 2023 zur Eintragung eingereicht.

Der Hersteller benennt die unterschiedlichen Varianten nach folgendem Schema: Verwendung: Freight (Güterverkehr), Heavy Haul (Schwerlast), Passenger (Personenverkehr), Speed (Hochgeschwindigkeitsverkehr), Ursprünglich Geschwindigkeit in km/h, später abgewandelt: 140 steht für Lokomotiven mit Tatzlagerantrieb, 160 für Lokomotiven mit Hohlwellenantrieb. Antriebsart: AC Wechselstrom, DC Gleichstrom, MS Mehrsystem, DE Dieselelektrisch, ME Multi-Engine (dieselelektrisch mit mehreren Dieselmotoren) Generation: 1, 2, 3, Evolution (Weiterentwicklung) Variante: P Triebkopf (Powerhead), LM Dieselhilfsmotor (Last Mile)

Gebaute Versionen: BahngesellschaftLand Baureihe Bezeichnung DB Fernverkehr, DB Cargo, DB Regio,metronom und weitere PrivatbahnenDeutschland 145 146.0 146.1 Traxx P160 AC1 146.2/.3 Traxx P160 AC2 146.5 Traxx P160 AC2 147 Traxx P160 AC3 185.0/.1 Traxx F140 AC1 185.2 Traxx F140 AC2 186 Traxx F140 MS(2E) 187 Traxx F140 AC3Traxx F160 AC3 188 Traxx F160 MS3 245 Traxx P160 DE ME 246 Traxx P160 DE 285 Traxx F140 DE metrans 386 Traxx F140 MS(2E) SBB CargoSchweiz Re 481 Re 482 Traxx F140 AC1Traxx F140 AC2 Re 484 Traxx F140 MS2 BLS Cargo Re 485 Traxx F140 AC1 Re 486 Traxx F140 MS(2E) 187 Traxx F160 AC3 Swiss Rail Traffic Rem 487 Traxx F160 AC3 LM CFLLuxemburg 4000 Traxx P140 AC1 TrenitaliaItalien E 483 Traxx F140 DC E 494 Traxx F140 DC3 Hector RailSchweden 241 Traxx F140 AC2 Green Cargo Re Traxx F140 AC2 RenfeSpanien 253 Traxx F140 DC PKP, Przewozy RegionalnePolen EU43 Traxx F140 MS(2E) ČD CargoTschechien 388 Traxx F160 MS3 MÁVUngarn 480 Traxx P160 AC2 CargoNetNorwegen CE 119 (El 19) Traxx

Traxx-Vorläufer

AEG 12X / Baureihe 128

Anfang der 1990er Jahre zeigte sich bei der Deutschen Bundesbahn, dass sich die Lokomotiven aus dem Einheitslokomotivprogramm, die bis dahin den Hauptanteil der elektrischen Zugförderung in Deutschland bewältigten, dem Ende ihrer Nutzungszeit näherten. Da zwischenzeitlich bis auf die Baureihen 103, 151, 111, 181.2 und 120 keine Neubauten beschafft worden waren, war es Zeit für einen Großauftrag an die Lokomotivbauindustrie, womit der überalterte Elektrolokomotivpark der DB erneuert werden sollte. Die Entwicklung der geplanten Universallokomotive der Baureihe 121 wurde eingestellt, stattdessen wurden Lokomotiven ausgeschrieben, die den unterschiedlichen Anforderungen der Geschäftsbereiche Fern- und Güterverkehr angepasst waren. Das Ergebnis waren die Baureihe 101 für den Fernverkehr und die Baureihen 145 und 152 für den Güterverkehr. Der Bereich Nahverkehr verfügte mit der von der Deutschen Reichsbahn übernommenen Baureihe 243 über ausreichend Lokomotiven und schrieb daher keinen Entwicklungsauftrag aus. Die Baureihe 145 war formal für den mittelschweren Güterzugdienst vorgesehen, während die Baureihe 152 etwas stärker ausgelegt ist und als Ersatz für die sechsachsigen Lokomotiven der Baureihe 150 galt.

Baureihe 145 mini|links|145-CL 012 der HGK mini|links|145-CL 011 in Angermünde mini|links|145-CL 004 in Angermünde

Die Baureihe 145 geht auf den Prototyp 12X zurück, den AEG Hennigsdorf 1994 der Öffentlichkeit vorstellte und als 128 001 bei der DB erproben ließ. Die dabei gemachten Erfahrungen flossen in die Baureihe 145 ein. Kurz nach der Bestellung der Lokomotiven dieser Reihe wurde die AEG Schienenfahrzeugtechnik GmbH mit ABB-Henschel zur Adtranz fusioniert. Zur Rationalisierung der Fertigung und späteren Instandhaltung wurde die Baureihe 145 kurz vor dem vorgesehenen Baubeginn der Prototypen stärker der gleichzeitig entstehenden Baureihe 101 angeglichen. Dies betraf unter anderem die Umrichter, Leittechnik und Drehgestelle, aber auch die äußere Form. Die 145 001 wurde am 10. Juli 1997 der Öffentlichkeit präsentiert. Ab dem 15. Januar 1998 lag die Bauartzulassung des Eisenbahn-Bundesamtes vor, so dass die Serienlieferung von zunächst 80 Lokomotiven beginnen konnte. Die ersten zehn Lokomotiven entstanden noch im Adtranz-Werk Hennigsdorf, die weiteren 70 Einheiten im Werk Kassel. Buchmäßig sind sie alle im Betriebshof Seddin beheimatet (dort erfolgen die mittelgroßen Unterhaltungsarbeiten und Reparaturen) und werden von dort aus deutschlandweit für DB Cargo Deutschland eingesetzt. Ein geplanter Folgeauftrag unterblieb zu Gunsten der Zweisystemvariante Traxx F140 AC, Baureihe 185.

Sechs baugleiche Lokomotiven wurden 2000 auch durch die Schweizer Mittelthurgaubahn (MThB) als Re 486 (651–656) beschafft. Bei der Liquidation der MThB erwarben die SBB die Lokomotiven 2002 für die SBBC/HGK-Tochter „Swiss Rail Cargo Köln“ (SRCK), die sie als Re 481 (001–006) ausschließlich in Deutschland einsetzte. Im August 2005 verkauften die SBB die Lokomotiven an MRCE, die sie unter anderem wiederum an die HGK vermietete. Zwei Lokomotiven (001, 003) wurden 2006/2007 an die Pressnitztalbahn (PRESS) verkauft und dort mit eigenen Betriebsnummern versehen. Die verbliebenen vier wurden später in die Baureihe 145 eingegliedert (084, 086–088). Die Lokomotiven 087 und 088 wurden 2014 an SRI Railinvest verkauft, die 084 und 086 im Jahr 2015 an die HGK-Tochter RheinCargo (RHC).

Weitere 17 baugleiche Lokomotiven gingen als „145-CL“ an vier Leasinggesellschaften und deren langfristige Leasingnehmer; die Lokomotiven wurden daher in Nummernblöcken und Lackierung der Leasingnehmer abgeliefert. Die Lokomotiven 001 und 002 gingen 1999 an BASF, die 003 und 004 2000/2001 an das Nachfolgeunternehmen Rail4chem (R4C), gefolgt von der 005. Die fünf Lokomotiven 011–015 gingen 2000/2001 an die HGK. Die Lokomotive 031 wurde 2001 an TX Logistik abgegeben; die Lokomotiven 201–204 erhielt 2001 die RAG Bahn und Hafen GmbH (RBH); die Lokomotiven 205 und 206 wurden ohne Leasingfirma direkt von RBH erworben.

Bezeichnung NVR-Nummern 145 001–080 91 80 6 145 001–080 145-CL 001–002 91 80 6 145 081–082 Re 481 001–006 91 80 6 145 083–088 145-CL 011–015 91 80 6 145 089–093 145-CL 003–005 91 80 6 145 094–096 145-CL 201–206 91 80 6 145 097–102 145-CL 031 91 80 6 145 103

Zwischen 1997 und 2001 wurden insgesamt 103 Lokomotiven dieses Typs gebaut. Mit Einführung der NVR-Nummern erhielten die 23 „privaten“ Lokomotiven Ordnungsnummern, die an die der DB-Lokomotiven anschließen.

Hinter 15 der „privaten“ 145-CL standen vier Leasinggesellschaften, die teilweise mehrfach ihre Bezeichnung geändert haben:

Hannover Mobilien Leasing:001, 002 Deutsche Leasing, an Captrain Deutschland (CTD) verkauft:003, 004 Locomotion Capital (LC), ab 2003 Angel Trains Cargo (ATC), seit 2010 Alpha Trains (ATL):005, 031, 201–204 Porterbrook Leasing Company, ab 2004 CBRail Leasing, ab 2010 Ascendos Rail Leasing, seit 2016 Beacon Rail Leasing (BRLL):011–015

Ein auffälliges Merkmal der Lokomotiven der Reihe 145 ist das glatte Dach, auf dem sich nur die Stromabnehmer befinden. Diese zeigen mit den Kniegelenken nach innen. Die sonst üblichen Dachleitungen liegen innerhalb des Wagenkastens.

2026 wurden die ersten Lokomotiven der Baureihe 145 von DB Cargo verschrottet.

Baureihe 146.0 links|mini|146 016 im Bahnhof Köln-Deutz

Zwischenzeitlich war DB Regio zu der Erkenntnis gelangt, dass man im Nahverkehr trotz aller Umstellungsbemühungen auf Triebwagen moderne, schnelllaufende Elektrolokomotiven für den Einsatz vor Doppelstockzügen bis 160 km/h benötigte. Die Lokomotiven 145 018 und 019 wurden daher Ende 1999 mit einem Nahverkehrspaket, bestehend aus Zugzielanzeigern im linken Frontfenster und zeitmultiplexer Wendezugsteuerung, ausgerüstet und an DB Regio in Ludwigshafen am Rhein vermietet. Da sie sich in diesen Diensten bewährten, wurden aus Anlass der Expo 2000 die 145 031 bis 050 ebenfalls nahverkehrstauglich gemacht und während der Weltausstellung im Raum Hannover eingesetzt. Diese Nahverkehrs-145er durften mit Ausnahmegenehmigungen 160 km/h fahren. Anschließend kamen sie in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz, bis sie durch die Baureihe 146.0 ersetzt wurden.

Diese umgerüsteten 145er konnten trotzdem nur ein Provisorium sein, daher gab DB Regio beim Hersteller Bombardier eine spezielle Variante der Baureihe 145 für den Nahverkehr in Auftrag, die als Baureihe 146 eingereiht wurde. Wesentlichste Unterschiede zu den Lokomotiven der Reihe 145 sind der für 160 km/h zugelassene, abgefederte Hohlwellen- anstelle des Tatzlagerantriebes und der Zugzielanzeiger oberhalb der Frontfenster über deren gesamte Breite. Die Beschaffung der ersten Serie erfolgte mit finanzieller Unterstützung der späteren Einsatzländer Rheinland-Pfalz bzw. Nordrhein-Westfalen.

In den Jahren 2001 bis 2002 wurden insgesamt 31 Lokomotiven an DB Regio geliefert. Die ersten sieben Fahrzeuge (146 001–007) wurden dabei dem Bh Ludwigshafen (Rhein), die übrigen 24 (146 008–031) zunächst dem Bh Dortmund zugeordnet. Mit der Ablieferung der 146 031 am 26. August 2002 endete die Serienproduktion der Baureihen 145 und 146 in Kassel. Im Februar 2004 wurde dann die Lokomotiven 146 008 bis einschließlich 015 zum Werk Köln-Deutzerfeld umbeheimatet. Anders als in Nordrhein-Westfalen, wo sich die Baureihe 146.0 rasch zum unverzichtbaren Rückgrat im schnellen und schweren Regionalverkehr entwickelte, mussten sich die rheinland-pfälzischen Maschinen zunehmend mit einer Nischenfunktion auf den immer mehr von Triebzügen der Baureihe 425 beherrschten Regionalbahn-Verbindungen im Rhein-Neckar-Dreieck begnügen. Anfang 2006 häuften sich in Baden-Württemberg die Proteste von Bahnkunden über den 425-Einsatz insbesondere auf langen Zugverbindungen wie etwa von Stuttgart nach Singen (Hohentwiel). Somit kam es in der Folge zu einer „Tauschaktion“ zwischen dem Verkehrsbetrieb Württemberg, dem VU Rhein-Neckar und DB Regio NRW: Ersterer gab seine gesamte Flotte an Triebzügen der Baureihe 425.1 nach Rheinland-Pfalz ab. Im Gegenzug wurden vormals in Ludwigshafen am Rhein stationierte Doppelstockwagen nach Stuttgart umbeheimatet. Weiterhin wurden die durch den Zugang der Plochinger 425.1 bzw. Abgang der Doppelstockwagen überflüssig gewordenen 146 001 bis 007 nach Dortmund abgegeben. Später erhielt der Regionalverkehr Württemberg eine Nachlieferung über fünf Lokomotiven der Baureihe 146.2 (146 223–227). Seit dem 20. März 2006 waren somit alle 31 Fahrzeuge der Baureihe 146.0 in Nordrhein-Westfalen stationiert, bis diese 2015 nach Dresden, Frankfurt und Magdeburg abgegeben wurden, nachdem bei DB Regio AG, Region NRW fabrikneue Lokomotiven der Baureihe 146.3 eintrafen.

mini|310x310px|146 008 in Leipzig abgestellt