mini|hochkant=1.4|Sprachen und Dialekte in Ostmitteleuropa (Polnisch: hell-, mittel- und dunkelgrüne Töne) Die polnische Sprache (im Polnischen oder ) ist eine westslawische Sprache aus dem slawischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Zu ihren engsten Verwandten zählen das Kaschubische und die sorbischen Sprachen; große Ähnlichkeiten bestehen auch zum Tschechischen und Slowakischen.

Neben ihrem Status als Amtssprache Polens gehört sie seit dem Jahr 2004 zu den 24 Amtssprachen der Europäischen Union. Polnisch ist mit etwa 48 bis 55 Millionen Sprechern nach dem Russischen und vor dem Ukrainischen die slawische Sprache mit der zweitgrößten Sprecherzahl.

Polnisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben, ergänzt um die Buchstaben Ą, Ć, Ę, Ł, Ń, Ó, Ś, Ź und Ż. Mit der Pflege der polnischen Sprache ist der Polnische Sprachrat beauftragt. Die Wissenschaft, die sich mit der polnischen Sprache, Literatur und Kultur befasst, heißt Polonistik.

Geschichte Die ältesten heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen und Glossen in lateinischen Schriftstücken, insbesondere in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. aus dem Jahr 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen von Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollständigen Satz fand man dagegen in der Chronik des Klosters Heinrichau bei Breslau. Unter den Einträgen des Jahres 1270 findet sich eine Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. (heutzutage ), was in der Übersetzung ungefähr lautet: „Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus.“

Zu den frühesten Denkmälern der polnischen Sprache gehören die Bogurodzica – die erste polnische Hymne, die „Heilig-Kreuz-Predigten“ und die „Gnesener Predigten“. Später wurden auch religiöse Texte aus dem Lateinischen ins Polnische übertragen, beispielsweise der Florianer Psalter aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde der Einfluss des Tschechischen zurückgedrängt und das Schriftpolnische emanzipierte sich vom Lateinischen. Nachdem Polnisch bis zum 16. Jahrhundert überwiegend von Geistlichen geschrieben wurde, etablierte es sich in der Folgezeit auch bei Adel und Bürgertum.

Die moderne polnische Literatursprache entwickelte sich im 16. Jahrhundert auf der Grundlage von Dialekten, die in Großpolen gesprochen wurden – der Gegend um Gnesen und Posen im Westen Polens. Aus dieser Zeit stammen die Eulenspiegel- sowie die Chronikliteratur von Marcin Bielski und die Prosaschriften von Mikołaj Rej. Ihr hohes sprachliches Niveau lässt auf eine lange gesprochene Tradition des Polnischen am Königshof, in der staatlichen Verwaltung sowie auch in der weltlichen und kirchlichen Rhetorik schließen. Im 16. Jahrhundert erreichte die polnische Sprache einen Stand, der sie wegen ihres Reichtums und ihrer Geschmeidigkeit zu den wichtigsten Sprachen Mitteleuropas aufsteigen ließ. Die Gebildeten der Renaissance kämpften um die weitere Entwicklung des Polnischen und seine Durchsetzung gegenüber dem Latein. „Die Völker außerhalb aber sollen wissen, dass die Polen keine Gänsesprache, sondern ihre eigene Sprache haben!“ (als „Gänsesprache“ ist hier Latein gemeint) Sendung auf Polskie Radio 3 lautete die berühmte Maxime des als Vater der polnischen Literatur geltenden Mikołaj Rej aus dem Jahre 1562.

Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Sprachbewusstseins und der Sprache der Polen hatten im 18. Jahrhundert und später auch die großen Nationaldichter wie Ignacy Krasicki, Adam Mickiewicz, Juliusz Słowacki, Aleksander Fredro, Henryk Sienkiewicz und Bolesław Prus.Polnisch, The Council for the Polish Language, ISBN 978-83-916268-2-5, S. 7

Im Polnischen gibt es eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Alttschechischen und Mittelhochdeutschen sowie aus dem Lateinischen und Griechischen; in jüngerer Zeit gingen Einflüsse auf die polnische Sprache insbesondere vom Italienischen, Französischen, Deutschen, Englischen, Ukrainischen, Belarussischen, Ungarischen und Türkischen, einige wenige vom Russischen und Jiddischen aus. Gegenwärtig ist ein besonders großer Einfluss des Englischen zu beobachten.

Altpolnische Sprache Das Altpolnische () ist der Vorläufer der mittelpolnischen Sprache und wurde zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert gesprochen. Die größten Unterschiede zum heutigen Polnisch sind die zwei Tempusformen Aorist und Imperfekt. Diese verschwanden zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert verschwand auch der dritte Numerus, der Dual.

In der Aussprache hat sich der Lautwert folgender Buchstaben gegenüber dem heutigen (Standard-)Polnisch verändert: Ł ł – wurde wie dunkles „l“ () ausgesprochen. Ą ą – wurde wie ein nasales „a“ () ausgesprochen, daher auch heute „a“ mit Ogonek. Ó ó – wurde wie ein langes „o“ ([]) ausgesprochen, statt wie heute .

Mittelpolnische Sprache Mittelpolnisch () bezeichnet die Sprachstufe, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert gesprochen wurde. Das von Jan Kochanowski vorgeschlagene Alphabet für das Mittelpolnische besitzt 48 Buchstaben und lautet vollständig: a á à ą b b́ c ć ç d θ θ´ θ˙ é è ę f g h ch i j k l ł m ḿ n ń o ó p ṕ q r ŗ ſ σ ß t v w ẃ x y z ź ƶ (Den Buchstaben ç, θ, θ´, θ˙, ŗ, σ und ß entsprechen in der heutigen polnischen Sprache cz, dz, dź, dż, rz, ś und sz.)

In dieser Phase der polnischen Sprache verschwanden die „geneigten“ Vokale / (a),  (é) und [] (ó). Seit dem 17. bzw. 18. Jahrhundert wird das ą wie ein nasaliertes „o“ [] gesprochen.

Verbreitung mini|Sprachkenntnisse des Polnischen in Europa Mit 38 Millionen Sprechern in Polen, 2 Millionen in Europa außerhalb Polens sowie mit etwa 8 Millionen Muttersprachlern außerhalb Europas gehört die polnische Sprache zu den 25 größten Sprachen der Welt.Polnisch, The Council for the Polish Language, ISBN 978-83-916268-2-5, S. 1

Europa Polnisch ist die Nationalsprache Polens und eine der Amtssprachen der Europäischen Union. Die relative Homogenität der Bevölkerung Polens ist der Grund, weshalb Polnisch dort von fast allen Bürgern gesprochen wird. In den Nachbarstaaten Polens, allen voran in ehemaligen polnischen Gebieten, wird die Sprache von Minderheiten verwendet.Siehe hierzu: Regional- und Minderheitensprachen in Europa Als MinderheitenspracheEuropäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ist Polnisch etwa in Litauen, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und der Ukraine anerkannt. Herausragend ist die Verbreitung des Polnischen in Litauen, wo die Polen mit 6,3 % Bevölkerungsanteil die größte Minderheit stellen. In und um die Hauptstadt Vilnius mit ihrer polnisch-litauischen Vergangenheit ist die Anzahl an Polnischsprachigen besonders hoch, in einigen Gemeinden stellen sie sogar die absolute Mehrheit. Gemeinhin wird diesbezüglich von litauischem Polnisch gesprochen, welches eine Varietät des Hochpolnischen darstellt. In Belarus ist die polnischsprachige Bevölkerung vor allem in der Gegend von Grodno verbreitet. In der heutigen Ukraine ist diese insbesondere in der nach dem Zweiten Weltkrieg von Polen abgetretenen Stadt Lemberg vertreten, wo heute noch die charakteristische Lemberger Färbung des Polnischen verwendet wird. Kleinere Ballungen Polnischsprachiger finden sich zudem in Russland.

Neben der territorialhistorisch bedingten heutigen Ausdehnung kommt hinzu, dass viele Polen ihre Sprache als Auswanderer ins europäische Ausland brachten. In Europa finden sich die absolut größten Sprecherzahlen in absteigender Folge in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts siedelten viele Polen (die Ruhrpolen) im Ruhrgebiet, es folgten weitere Immigrationswellen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland haben einen polnischen Migrationshintergrund,Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus – Fachserie 1 Reihe 2.2 – 2013, S. 148. (PDF, 7 MB), abgerufen am 26. Januar 2015. ein Großteil von ihnen spricht die polnische Sprache. In letzter Zeit wächst die polnischsprachige Gemeinschaft vor allem in Nordeuropa bzw. Skandinavien. In Island und Norwegen sind die Polen die größte, in Irland die zweitgrößte und in Schweden die drittgrößte Minderheit des Landes (Stand: 2012)., Bericht auf Newsinenglish.no vom 13. Januar 2012.Assessing Immigrant Integration in Sweden after the May 2013 Riots, Migration Policy Institute; abgerufen am 31. Mai 2016. In England und Wales war Polnisch laut einer Volkszählung von 2011 mit über einer halben Million Sprechern nach Englisch die zweitmeistgesprochene Erstsprache. In der Europäischen Union zählt es zu den fünf meistgesprochenen Muttersprachen.Eurobarometer (2006): Europeans and their Languages (PDF; 6,8 MB), abgerufen am 29. April 2015.

Amerika, Australien und Asien In den Vereinigten Staaten von Amerika finden sich größere Zahlen Polnischsprachiger in den Bundesstaaten Illinois, Michigan, Ohio, New York und New Jersey. Neben New York CityNew York Dethrones Chicago as the ‘Largest Polish City’ Outside of Warsaw, Voices of NY, vom 23. Februar 2012; abgerufen am 7. November 2016. bildet der Raum um Chicago eine Art Zentrum der polnischen Diaspora. Von den geschätzten zehn Millionen Polish Americans, US-Amerikanern mit polnischer Herkunft, sprechen laut US-amerikanischem Zensus weniger als eine Million die polnische Sprache. In Kanada finden sich polnischsprachige Gemeinden in Ontario, besonders konzentriert in Toronto. Eine größere Zahl Polnischsprachiger gibt es auch in den südlichen brasilianischen Bundesstaaten Paraná und São Paulo, hier besonders in der Stadt Curitiba.7 Most Polish Cities Outside of Poland, auf culture.pl vom 22. Oktober 2015; abgerufen am 7. November 2016. Überdies wird Polnisch vor allem von Auswanderern und ihren Nachkommen in Argentinien, Australien und Israel gesprochen.

Polnisch als Fremdsprache In Deutschland wird das Polnische als ordentliches Schulfach in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern angeboten,Rahmenlehrpläne Berlin-Brandenburg, abgerufen am 10. November 2018. wobei es meist in der Grenzregion zu Polen gelehrt wird. Im deutschsprachigen Raum wird der Studiengang der Polonistik oder Polonistik als Spezialisierung innerhalb der Slawistik an einigen Hochschulen angeboten, etwa an der Universität Wien, der Universität Zürich, der Universität Potsdam, der Ruhr-Universität Bochum oder der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Dialekte mini|hochkant=1.2|Aufteilung gemäß dem polnischen Sprachwissenschaftler Stanisław Urbańczyk (1909–2001)

Laut dem polnischen Sprachwissenschaftler Stanisław Urbańczyk lassen sich sechs Dialekte unterscheiden, die im heutigen Polen verbreitet sind, wobei das Kaschubische mittlerweile offiziell als eigenständige Sprache innerhalb der Lechischen betrachtet und als solche gelehrt wird. Diesen Status erhoffen sich auch einige Sprecher des Schlesischen. Die gesellschaftliche Rolle der Dialekte allgemein ist meistens auf die Kommunikation innerhalb der Familie und zur Stilisierung literarischer Texte beschränkt. In Schlesien oder der Kaschubei hingegen wird der jeweilige Dialekt bzw. die jeweilige Mundart oftmals zur kulturellen Identifikation gepflegt und angewandt. Großpolnischer Dialekt () – wird im mittel-westlichen und nördlichen Polen in den Gebieten um Posen und Bromberg bis zur Weichselmündung gesprochen. Kleinpolnischer Dialekt () – wird im Süden und Südosten des Landes gesprochen. Masowischer Dialekt () – wird im Hauptstadtraum um Warschau und im Nordosten des Landes gesprochen. (Neue) Mischdialekte () – werden im Westen und Nordwesten des Landes sowie in Masuren gesprochen. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebte in diesen Gebieten ein vergleichsweise geringer Bevölkerungsanteil polnischer Muttersprachler. Die in der Kriegsfolge vertriebene deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit wurde nach dem Krieg durch Zuzügler aus verschiedenen Teilen Polens (darunter auch aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten) ersetzt, so dass man von einem angestammten ortsüblichen Dialekt nicht sprechen kann.