mini|Der Hortfund von Neupotz (Nachstellung der Fundsituation) Depotfund (auch Hort-, Opfer-, Versteck- oder Verwahrfund) ist die Bezeichnung einer archäologischen Fundgattung.
Definition Depots sind einzelne oder mehrere, meist gleichzeitig niedergelegte, vergrabene oder versenkte Objekte, die weder als Grabbeigaben (siehe auch Grabdepot) noch als Siedlungsreste zu werten sind.Nils Müller-Scheeßel: Glossar Stichwort „Depot/Deponierungen“. In: Uta von Freeden, Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland. Stuttgart 2002, S. 482;Gerald Görmer: Neolithische Depots in Südost- und Mitteleuropa sowie Südskandinavien. Bemerkungen zu ihrer Deutung. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift. Band 46, Nummer 4, 2005, S. 449–457. Inzwischen hat sich durchgesetzt, auch einen einzelnen Gegenstand, der niedergelegt beziehungsweise vergraben oder versenkt wurde, als Depot anzusprechen.Manfred K. H. Eggert: Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden. Tübingen u. a. 2001, S. 78. Es gibt somit Ein- und Mehrstückdepots.
In der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie werden auch in Häusern verborgene Gegenstände als Depotfunde bezeichnet, weil ihre Einlagerung überwiegend intentionell und zu einem klar definierten Zeitpunkt erfolgte.Rainer Atzbach: „Hausgrabungsfunde“. Eine neue Quellengattung der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. In: Archäologisches Nachrichtenblatt. Band 9, Nummer 3, 2004, 244–250;Ingolf Ericsson, Rainer Atzbach (Hrsg.): Depotfunde aus Gebäuden in Zentraleuropa. Berlin 2005.
Verlorene Objekte sind hingegen keine Depots, da sie nicht absichtlich „niedergelegt“ bzw. vergraben oder versenkt worden sind.
Depotgut Deponiert wurden von der Jungsteinzeit bis in die frühgeschichtliche Phase NordeuropasManfred Rech: Studien zu Depotfunden der Trichterbecher- und Einzelgrabkultur des Nordens. Neumünster 1979.: In der Erde: Gefäße (Keramik), Steingeräte, vereinzelt Kupferteile. Im Moor: Bernstein (roh und bearbeitet), Gefäße (Keramik und Holz), Holzgegenstände (darunter Axtschäfte, Einbäume oder Tröge, Pfähle, Pflüge, Pfeile, Stangen und Scheibenräder), Knochen- und Geweihgegenstände (meist Meißel), Steingeräte (Beile, Meißel und Kleingerät), Tier- und Menschenskelette bzw. Teilskelette, vereinzelt Kupfer.
Aufgrund der unterschiedlichen Konservierungseigenschaften von Erde und Moor ist davon auszugehen, dass auch das Materialspektrum in Erddepots wesentlich breiter war. In Gewässern (Brunnen, Fluss, Quelle, Teich) sind die Funde recht spärlich, hier mag allerdings die nachträgliche Verlandung oder Vermoorung von Altgewässern verfälschend wirken: Viele Moorfunde waren ursprünglich Gewässerfunde. So sind von den Britischen Inseln zahlreiche Deponierungen, besonders von Beilen in Flüssen belegt.Gabriel Cooney: The gift of stone – the study of Irish stone axes. In: Archaeology Ireland. Band 6, Nummer 4, 1992, S. 24–27, .
In den Metallzeiten Depots von Gold, Silber und Bronzeteilen, darunter auch Schmuckgegenstände und Münzen haben sich gut erhalten. Dagegen sind Depots mit Eisenmaterial deutlich seltener.
Im Spätmittelalter und in der Neuzeit In Gebäuden treten Depotfunde seit dem 13. Jahrhundert vermehrt in den Fehlböden zwischen Decke und Fußboden des nächsten Stockwerks, aber auch in vermauerten Wandnischen und in Gewölbeüberschüttungen auf. Hier finden sich zahlreiche Alltagsgegenstände, sehr häufig auch sonst selten bewahrte organische Materialien wie Textil, Leder, Pelz, Holz oder Papier, die durch die konstante Temperierung und den Ausschluss von Feuchtigkeit Jahrhunderte überdauern konnten.Rainer Atzbach, Ingolf Ericsson: Einleitung: Depotfunde – Funde aus Gebäudehohlräumen – Gebäudefunde – Hausgrabungsfunde. In: Ingolf Ericsson, Rainer Atzbach (Hrsg.): Depotfunde aus Gebäuden in Zentraleuropa. Berlin 2005, S. 10–14.
Ursachen der Niederlegung mini|Teile des Goldfunds von Eberswalde (Nachbildung) mini|Fundsituation des Goldhortes von Gessel als Kunststoffmodell
Nach Görmer wurden die meisten bronzezeitlichen Depots als Schutz vor fremdem Zugriff angelegt.Gerald Görmer: Bronzezeitliche Depots in Mitteleuropa und ihre Deutung. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift. Band 47, Nummer 3, 2006, S. 289–298. Sakrale Deponierungsgründe, insbesondere Opfer, waren allerdings häufig. Für jeden Depotfund ist abzuwägen, ob sakrale oder profane Gründe wahrscheinlicher sind.Gerald Görmer: Neolithische Depots in Südost- und Mitteleuropa sowie Südskandinavien. Bemerkungen zu ihrer Deutung. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift. Band 46, Nummer 4, 2005, S. 449–457. Die Interpretation der Fundgattung ist relativ schwierig, kann jedoch eingeengt werden, wenn die Zusammensetzung des Depots bekannt ist, das heißt, wenn die Vollständigkeit garantiert ist und die unmittelbare Umgebung ebenfalls ergraben wurde. Der Vergleich mit anderen Depots, Siedlungsfunden und Grabbeigaben aus derselben Epoche ist wichtig. Diese Indizien ermöglichen die von Fall zu Fall verschieden sichere Einordnung auf einer Katena, die sich vom rituellen Opfer bis zum „Verwahrfund“ spannt. Dass es sich bei vorzeitlichen Depots um Votive handelt, kann oft weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.
Verwahrfunde Wegen des Materialwertes stellt jedes größere Metalldepot einen Schatz dar. Gemeint sind hier aber insbesondere jene Dinge, die vergraben wurden, um sie vor fremdem Zugriff zu schützen. Diese „Tresore“ in der Erde sollten nur vorübergehend sein, späteres Ausgraben sollte den „Schatz“ wieder in Umlauf bringen. Durch Zufall, etwa den Tod des Versteckenden, gerieten einige Depots in Vergessenheit und verblieben in der Erde (siehe etwa Depotfund von Harrogate). Am ehesten lassen sich die eisenzeitlichen (Hortfund von Grouville), mittelalterliche und neuzeitliche Münzhorte als „Schätze“ ansprechen. Für vorgeschichtliche Depots wird diese Interpretation seltener angeführt.
Rohstoffdepots Funde innerhalb von Siedlungen, die hauptsächlich aus Brucherz, zerbrochenem Altmetall (meist Bronze, im Mittelalter Silber), bestehen, werden manchmal als „Recycling“-Lager von Handwerkern interpretiert. Die Gegenstände wurden wegen ihres Materialwertes und der Wiederverwertbarkeit aufgehoben, um bei Bedarf eingeschmolzen zu werden. Zur besseren Handhabung, das heißt zur Gewichtskontrolle und Anpassung an den Schmelztiegel wurden größere Gegenstände zerkleinert. Die unterirdische Lagerung wurde möglicherweise aus Gründen des Korrosionsschutzes gewählt.
Problematisch ist, dass Gegenstände auch aus rituellen Gründen unbrauchbar gemacht, das heißt zerbrochen wurden. Solche Opfer wurden allerdings selten in Siedlungen vergraben.
Rituelle oder kultische Niederlegung mini|Depotfund von Heppeneert (Belgien), 47 Tüllenbeile und eine Lanzenspitze, um 800 v. Chr., Sammlung König-Baudouin-Stiftung, Gallo-Römisches Museum Tongern Religiös intendierte Niederlegungen sind wahrscheinlich, wenn der Fundort einem neuen Zugriff unzugänglich ist, zum Beispiel Bernstein auf der Oberfläche eines Moores. Auch eine sorgfältige Vergrabung musterartig geordneter Beile in der Erde durch die Träger der Trichterbecherkultur wird rituelle Hintergründe haben. Kann durch den Vergleich mehrerer gleichzeitiger Depots eine Regelhaftigkeit nachgewiesen werden, ist ein ritueller Hintergrund wahrscheinlich. Depots der Trichterbecherkultur enthalten Rohmaterial, Halbfertig- oder Fertigprodukte aus Bernstein und Keramik sowie Steingeräte, die teils durch Über- oder Unterdimensionierung zu erkennen geben, dass sie nicht zum profanen Gebrauch hergestellt wurden.
Typische Beispiele sind auch die „Garnitur“-Depots der Lausitzer Kultur, die regelmäßig aus einem Satz Frauenschmuck bestehen und sich durch ihre strenge Kanonisierung regional, das heißt in Trachtgruppen, untergliedern lassen. Ursache solcher Niederlegungen könnten Übergangsriten gewesen sein – beispielsweise ein im Zuge der Heirat festgelegter Trachtwechsel. Andererseits können auch gerade die Besonderheiten, zum Beispiel der Materialwert oder die symbolbehaftete Anordnung der Gegenstände, auf eine kultische Niederlegung deuten (bekanntestes Beispiel: Himmelsscheibe von Nebra). Weiterhin liegt die kultische Interpretation bei Depots an markanten Geländepunkten nahe, allerdings besteht hier die Gefahr des Zirkelschlusses.
Die Gründe kultischer Deponierungen können vielfältig gewesen sein, „ohne weitere Hinweise bleiben derartige Interpretationen allerdings spekulativ!“ Meistens werden sie als Opfer oder Weihegabe an eine höhere Macht erklärt. Je nach Fundort und Landschaft sind sehr allgemeine Eingrenzungen dieser „höheren Mächte“ möglich: Bei Gewässer- oder Moorfunden könnte es sich um Gaben an Wasserwesen gehandelt haben, bei vergrabenen Gegenständen könnten unterirdische (chthonische) Mächte die Adressaten gewesen sein.
Ursachen für die Opferung müssen nicht ausschließlich der religiösen Sphäre zugeordnet werden, sondern können beispielsweise auch sozialer, genauer: prestigeträchtiger Natur gewesen sein. Ähnlich wie beim Potlatch könnten Deponierungen ebenfalls dem Ansehen des „Opfernden“ gedient haben, das heißt, je höher die Werte, derer er sich entledigt, umso mehr Anerkennung gewinnt er in seiner Gruppe. Auch eine Selbstausstattung für das Jenseits wird diskutiert.
Ein weiterer Grund für die kultische „Entsorgung“ kann die (religiöse) Tabuisierung der niedergelegten Gegenstände gewesen sein, die das Entfernen dieser Dinge aus dem alltäglichen Kreislauf nötig machte. Dabei handelte es sich aus der Sicht des Ausführenden nicht um die Preisgabe von materiellen oder ähnlichen Werten (wie es bei oben genannten Vorgängen der Fall wäre), sondern um einen Reinigungsvorgang. Ein mögliches Beispiel für letzteres wäre etwa Kultgerät, das nur einmal verwendet werden durfte, oder möglicherweise auch die oben genannten Garnitur-Depots.
Im angelsächsischen Kulturbereich sind in der frühen Neuzeit magische Deponierungen von Schuhen in Gebäuden bekannt, die der Unheilabwehr dienen sollten.June Swann: Interpreting concealed Shoes and associated Finds. (Die Deutung verborgener Schuhe und vergesellschafteter Funde). In: Ingolf Ericsson, Rainer Atzbach (Hrsg.): Depotfunde aus Gebäuden in Zentraleuropa. Berlin 2005, S. 115–120.
Vorkommen Depots sind hauptsächlich aus Bodenfunden bekannt, weiterhin aus Flüssen, Mooren, Quellen und Höhlen. Deponierungen können sich (zum Beispiel in der Jungbronzezeit Mitteleuropas) auch innerhalb von Siedlungen finden. Steinzeitlich liegen sie jedoch immer abseits, was meistens auch später noch zutrifft. Manchmal lassen sich auffällige Geländemarkierungen wie Felsen oder Quellen, Seen oder Teiche in der Nachbarschaft finden; Bevorzugung von exponierten Höhenlagen (zum Beispiel Bullenheimer Berg) wurden ebenfalls beobachtet. Aufgrund dieser oft vereinzelten Lage werden Depotfunde nur selten bei geplanten archäologischen Grabungen geborgen; häufiger ergeben sie sich aus land- und forstwirtschaftlichen oder baulichen Maßnahmen, die dann bestenfalls zu Grabungen führen.
Depotfunde sind für verschiedene Kulturen bzw. Zeiten unterschiedlich häufig belegt. Die Sitte, Depots anzulegen erreichte in Mitteleuropa ihren ersten Höhepunkt während der frühen Phase der Trichterbecherkultur, während die in Anzahl und Inhalt umfangreichsten Niederlegungen aus der Jungbronzezeit stammen. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass eine Vielzahl von Erddepots der Steinzeit unerkannt geblieben sein können, da die Depots ausgepflügt wurden und Keramik wie Beile als Lesefunde auftauchen.
Depotfunde in Gebäuden sind vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart weltweit bekannt, ihre Häufigkeit nimmt mit der Qualität der Gebäudeausführung zu.
Funde im Moor Aus der Jungsteinzeit stammen zum Beispiel Beile aus weißem Feuerstein, die mit Längen bis zu 30 Zentimeter und ihrem hohen Gewicht nicht als Werkzeug gedient haben können. Sie sind sorgfältig gearbeitet und wurden einzeln oder paarweise dem Moor übergeben.