Renningen ist eine Stadt in Baden-Württemberg, die zum Landkreis Böblingen gehört.
Geographie mini|Innenstadt von Renningen mit Kirchturm Geographische Lage Renningen liegt westlich von Stuttgart zwischen Leonberg und Weil der Stadt am Rande der fruchtbaren Gäu-Landschaft des Neckarlandes im Heckengäu. Das Tal des Rankbaches weitet sich hier zum Renninger Becken.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Rutesheim, Leonberg, Magstadt, Weil der Stadt (alle vier im Landkreis Böblingen) sowie Heimsheim (Enzkreis). Stadtgliederung Zu Renningen gehören die Stadtteile Malmsheim und Renningen. Die beiden Stadtteile sind identisch mit den ehemaligen Gemeinden gleichen Namens. Zur ehemaligen Gemeinde Malmsheim gehören das Dorf Malmsheim und das Haus Rankmühle. Zur Gemeinde Renningen in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehören die Stadt Renningen, die Höfe Ihinger Hof und Längenbühlhof und die Häuser Kindelberg, Lutzenburg, Silberberg und Weinberg sowie die abgegangenen Ortschaften Altheim, Maisenburg und Wassenbach.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 81–139.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Renningen.
Schutzgebiete
Östlich von Renningen liegt das Naturschutzgebiet Längenbühl, das an das Landschaftsschutzgebiet Glemswald angrenzt. Weitere Teile des Stadtgebiets sind als Landschaftsschutzgebiet Renningen ausgewiesen. Zudem hat die Stadt Anteil am FFH-Gebiet Gäulandschaft an der Würm.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Renningen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch mini|rechts|Luftbild von Renningen, Februar 1918 Vorgeschichte Renningen liegt in einer bereits seit dem Frühneolithikum dicht besiedelten Siedlungslandschaft. Dementsprechend sind an mehreren Stellen Siedlungsreste der Linearbandkeramik-Kultur nachgewiesen. Siedlungsreste der Urnenfelderkultur (um 1000 v. Chr.) sowie der Hallstatt- und La-Tène-Zeit (frühe bzw. späte Eisenzeit) belegen eine Besiedlung in verschiedenen prähistorischen Epochen.
Die Auswertung archäologischer Grabungen und Funde zeigt im Renninger Becken eine Entwicklung, die von zwei frühalamannischen Siedlungen nördlich bzw. südlich des Rankbaches ausgeht. Grabungen des damaligen Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg im Gewerbegebiet Raite (1991) belegen Mehrhausgehöfte aus dreischiffigen Langhäusern, Speichern und Grubenhäusern (4./5. Jh.).
Mittelalter Eine zweite Siedlung in den Neuwiesenäckern entwickelte sich zu einer großen Siedlung, die mit dem am Anfang des 12. Jahrhunderts erwähnten Altheim identifiziert werden kann. Während des Hochmittelalters bestanden neben dieser Siedlung zahlreiche weitere kleine Siedlungsplätze. Im 12./13. Jahrhundert erfolgte eine Siedlungskonzentration in den späteren Ortskernen, denn gegen 1200 brachen fast alle Siedlungsplätze außerhalb der beiden Ortskerne ab. Einige ältere Funde im Ortskern von Renningen zeigen, dass am Platz des späteren Dorfes durchaus ein älterer Kern vorhanden ist. Einige wenige Funde gehören in die späte Merowinger- und Karolingerzeit, die Masse der Funde ist jedoch ins 11./12. Jahrhundert datiert und belegt eine Gleichzeitigkeit zu der Siedlung in den Neuwiesenäckern. Ob allerdings eine Kontinuität seit der frühen Merowingerzeit besteht, bleibt unsicher. In der Nähe der Kirche liegt ein 1989/90 durch das Landesdenkmalamt untersuchtes Gräberfeld der frühen Merowingerzeit, das um 500 abbricht, wobei es fraglich bleibt, ob dies auch für den zugehörigen Siedlungsplatz gilt, dessen Lage aufgrund einer einzelnen Scherbe in der Nachbarschaft vermutet werden kann. Spätere Bestattungen sind im Renninger Becken bisher nur am südlichen Ortsrand von Malmsheim bekannt geworden, wo ein jüngermerowingerzeitliches Reihengräberfeld zu vermuten ist.
Die schriftliche Überlieferung belegt für karolingische Zeit die Zugehörigkeit Renningens zum Villikationssystem des Klosters Weißenburg. Erwähnt werden 22½ Höfe, wobei sich anhand von historischen Beobachtungen über das spätere Schicksal dieses Besitzes die Frage stellt, ob all diese Höfe auf der späteren Ortsgemarkung gelegen haben. Im 11. und 12. Jahrhundert ist in der schriftlichen Überlieferung ein Ortsadel mit Besitz in beiden Orten nachweisbar. Für Malmsheim und das abgegangene Altheim lässt sich staufischer Besitz belegen. Spätestens im 14. Jahrhundert gab es in Renningen mit dem Amt eines Schultheißen sowie der Dreizelgenwirtschaft eine Organisation auf Gemeindeebene.
Württembergische Zeit Renningen gelangte 1310 durch Kauf von den Grafen von Hohenberg an die Grafschaft Württemberg und wurde dem Amt Leonberg zugeordnet. Somit ist Renningen ein Bestandteil Altwürttembergs. In der frühen Neuzeit war Renningen ein vom Handwerk geprägtes Großdorf, das seine Ettergrenze mit einer heute zum Teil noch erhaltenen Mauer markierte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieb der Ort nach der Gründung des Königreichs Württemberg gemäß der neuen Verwaltungsgliederung Württembergs dem Oberamt Leonberg unterstellt. Damit gehörte Renningen ab 1818 zum Neckarkreis. Mit der Eröffnung des Bahnhofs im Jahre 1869 erfolgte der Anschluss an das Schienennetz der Württembergischen Eisenbahn. Während der NS-Zeit in Württemberg kam Renningen 1938 zum Landkreis Leonberg.
Nachkriegszeit 1945 geriet Renningen in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurde die Gemeinde Malmsheim am 1. März 1972 in die Gemeinde Renningen eingegliedert. Malmsheim hatte Ende 1970 3696 Einwohner, Renningen zum selben Zeitpunkt 6737 Einwohner.
Bei der Kreisreform in Baden-Württemberg 1973 kam Renningen zum Landkreis Böblingen.
Am 1. Januar 1982 wurden Renningen die Stadtrechte verliehen. Neubaugebiete haben das ehemalige Dorf stark nach Norden erweitert.
Malmsheim mini|Ortskern von Renningen-Malmsheim mini|Malmsheim 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Malmsheim wurde 1075 erstmals urkundlich als Besitz des Klosters Weißenburg unter dem Namen Malbodesheim erwähnt (als Zeuge der Güterschenkung tritt ein „Diemo von Malbodesheim“ auf; spätere Schreibweisen von Malmsheim: Mahalbodesheim oder auch Malbotesheim). 1188 wird ein allodium (dt.: Eigengut) in Malmisheim in einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Alfons VIII. von Kastilien, in dem die Ehe von Friedrichs Sohn Konrad mit Alfons Tochter Berengaria vereinbart wurde, erwähnt. Dieses Eigengut, das in Malmsheim vermutet wird, gehörte mit weiteren 29 staufischen Gütern zur Morgengabe der Braut. Allerdings wurde diese Ehe niemals in die Praxis umgesetzt.Peter Koblank: Vertrag von Seligenstadt 1188 auf stauferstelen.net. Abgerufen am 19. April 2017. Im Lauf des 15. Jahrhunderts wurde Malmsheim württembergisch und war zunächst dem Amt Leonberg unterstellt, von 1470 bis 1719 dem Amt Böblingen, und seither wieder dem Amt Leonberg. 1938 kam der Ort zum damaligen Landkreis Leonberg.
Die Erschließung des Neubaugebietes Schnallenäcker ab 1996 trug wesentlich zum Wachstum des Stadtteils bei. Ende 2010 hatte Malmsheim 5.926 Einwohner.
Ihinger Hof mini|hochkant|Vormaliges Rittergut Ihinger Hof bei Böblingen, dessen Mitbesitzer Graf Rudolf Adelmann von Adelmannsfelden über die mütterliche Seite Vischer-Ihingen war Südlich der Stadt Renningen liegt der Ihinger Hof, der als reichsritterschaftliches Gut lange eine eigene Markung bildete und keiner Pfarrei zugeordnet war. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam das Hofgut in den Besitz der Freiherren von Bouwinghausen-Wallmerode. Schon damals fanden religiöse Abweichler auf dem Hof Zuflucht. Auf dem Erbweg gelangte er am Anfang des 18. Jahrhunderts an die Baronin Amalia Hedwig von Leiningen (1684–1754), die sich von der protestantischen Kirche separiert hatte.Gisela Schlientz: Die Visionärin Amalia Hedwig von Leiningen (1684–1756). In: Weib und Seele. Frömmigkeit und Spiritualität evangelischer Frauen in Württemberg. Ausstellungskatalog des Landeskirchlichen Museums Ludwigsburg 1998. S. 81–87. Nach ihrem Tod erbte ihr Sohn Baron Moritz Siegfried von Leiningen (1703–1782) den Hof. Sowohl die Baronin als auch ihr Sohn boten Separatisten aus dem Herzogtum Württemberg und aus anderen Ländern Unterschlupf. Auf dem Hof wurden Versammlungen gehalten, bei denen das Gedankengut des radikalen Pietismus verbreitet wurde. Hier erhielten prominente württembergische Pietisten wie Johann Michael Hahn und Johann Georg Rapp entscheidende Anstöße. Zu den Besuchern gehörte auch Friedrich Christoph Oetinger.
Nach dem Tod des unverheiratet verstorbenen Barons Moritz Siegfried von Leiningen kam der Hof an die Familie von Göllnitz.Eberhard Fritz: „Viele fromme Seelen und Querköpfe“. Der Ihinger Hof im Besitz der Familie von Leiningen als Ort der Kommunikation zwischen Pietisten und Separatisten im 18. Jahrhundert. In: Blätter für Württembergische Kirchengeschichte 111/2011. S. 161–191. Dann kam das Rittergut Ihingen (Ihingerhof) in den Besitz von Gustav Leonhard von Vischer (zu Ihingen). Dessen Tochter Sophie von Vischer-Ihingen war die Mutter von Graf Rudolf Adelmann von Adelmannsfelden, der Mitbesitzer von Ihingen war.August Ammann: Die Hofgüter im Königreiche Württemberg und die fürstlichen Domänen in den Hohenzollernschen Landen, Stuttgart und Leipzig 1870, S. 19.Friedrich Cast: Adelsbuch des Königreichs Württemberg, Stuttgart 1844, S. 373. Im 19. Jahrhundert erwarb der württembergische Staat das Gut, welches sich somit derzeit im Besitz des Landes Baden-Württemberg befindet. Heute wird der Ihinger Hof von der Universität Hohenheim als landwirtschaftliches Forschungszentrum genutzt.
Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohner 1871 2.849 1880 2.951 1890 3.072 1900 2.982 1910 3.161 1925 3.389 1933 3.570 Jahr Einwohner 1939 4.055 1950 6.311 1961 8.234 1970 10.505 1975 12.128 1980 12.542 1985 13.268 Jahr Einwohner 1990 14.580 1995 16.084 2000 17.142 2005 17.235 2010 17.291 2015 17.107 2020 18.535
Religion Bis zur Reformation gehörte die Renninger Pfarrei zum Landkapitel Weil der Stadt im Archidiakonat Trinitatis des Bistums Speyer. Seither ist Renningen vorwiegend evangelisch geprägt. Die evangelischen Kirchengemeinden Renningen und Malmsheim gehören zum Kirchenbezirk Leonberg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es auch wieder eine römisch-katholische Gemeinde. Sie gehört zum Dekanat Böblingen im Bistum Rottenburg. Daneben bestehen die Liebenzeller Gemeinschaft und seit 2007 eine Freie Evangelische Gemeinde. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Renningen mit einer Gemeinde vertreten.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Renningen besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWFreie Wähler Stadtverband Renningen/Malmsheim e. V.29,37629,276GRÜNEBündnis 90/Die Grünen17,97421,245SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands12,72316,954CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands18,22416,264FfRFrauen für Renningen11,38311,552FDPFreie Demokratische Partei3,6814,721AfDAlternative für Deutschland6,671––gesamt100,022100,022Wahlbeteiligung63,62 %52,62 %
Es gibt einen Jugendgemeinderat, der seit 2001 in Zwei-Jahres-Abständen neu gewählt wird.
Bürgermeister Am 13. Oktober 2024 wurde Melanie Hettmer mit 92,8 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Sie trat das Amt am 1. Dezember 2024 an.
Ihr Amtsvorgänger von 2000 bis 2024 war Wolfgang Faißt.
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